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und Erfahrungsbereiche.
Wege von Jesus Christus im menschlichen Bewusstsein und der Erde.
Seit zweitausend Jahren - mit vorausgegangenen Prophezeiungen noch einige tausend Jahre länger - stehen immer wieder Menschen für ihre vielfältigen direkten Erfahrungen mit Jesus Christus ein. Trotz verschiedener Charaktere, unterschiedlichem religiösen, philosophischen oder wissenschaftlichen Umfeld, zeigen sie unabhängig voneinander Verwandtes. Sie sprechen von der jeweils gegenwärtigen Realität Christi; auch z.T. von der Möglichkeit für Andere, und sich auf ähnliche Erfahrungen vorzubereiten; und von seit 2000 Jahren in die Menschheitsentwicklung eingeflossenen neuen Fähigkeiten durch Christus, die nicht nur im Sinne äußerer historisch-kultureller Vermittlung gedacht sind. Diesen nicht nur theoretischen, sondern praktisch nachvollziehbaren Schritten des "Wachstums" wird hier in neuer Art genau im Einzelnen nachgegangen.
Im 12.Jahrhundert prophezeite der Abt Joachim de Fiore ein "Zeitalter des Heiligen Geistes", wo eine derartige Gottesbeziehung der Einzelnen unabhängig von Institutionen Allgemeingut würde. Heute verbreiten sich weltweit mehrere Bestrebungen, die nicht nur eine dementsprechende Gestaltwerdung Christi im Menschen suchen, sondern das Individuum als bewusstwerdende Zelle im "Leib Christi" sehen.
Die z.T. damit verbunden gesehene "Wiederkunft Christi" und gegenwärtige "Apokalypse" als Vorgänge im Großen deuten auf etwas Umfassenderes hin als auf eine menschlich gedachte "Wiederverkörperung".
Welche spezifischen Entwicklungsmöglichkeiten für Mensch und Erde hier zu finden sind, und vor dem Erdenleben Jesu noch nicht gegeben waren, ist die Frage, deren Lösungsansätze in diesem Beitrag als Anstoß zusammengestellt werden.
Gerade in einer Zeit,
- wo das Phänomen Jesus Christus durch viele verschiedene Theologien (s. Extrafenster) und Dogmen, durch sprachwissenschaftliche, historisch-kritische, archäologische und paläographische, religionssoziologische und tiefenpsychologische, naturwissenschaftliche, politische usw. Betrachtungsweisen in Anspruch genommen wird;
- wo wie in den Zeiten des Urchristentums neben einer alten materialistischen eine vielfältige spirituelle Szene entstanden ist, die beide zum Christentum fließende Übergänge wie auch Abgrenzungen ergaben;
- wo die verwirrendsten Erscheinungen auftreten, wie z.B. mehrere vermeintliche verkörperte Christusse in der Gegenwart, und wo oft recht Problematisches bis Negatives im Namen Christi geschieht,
kann es von Interesse sein, zu untersuchen, was in dieser Kompliziertheit eigentlich der spezielle Beitrag Christi sein könnte.
Es wird hierzu an eigene innere Erfahrungen angeknüpft, wie auch an andere mystische usw. Quellen. Die benutzten Blickwinkel sind interdisziplinär, von vielen Wissens- und Erfahrungsgebieten, also nicht nur theologischen. Bei spirituellen Gesichtspunkten soll keiner von politischem Bewusstsein ablenkenden Pseudo-Innerlichkeit das Wort geredet werden. Dogmen des mechanistischen Denkens der Naturwissenschaften des letzten Jahrhunderts können dafür selbstverständlich nicht als Sichtbegrenzung akzeptiert werden; ebenso wenig Vorstellungen aus dem östlichen Bereich, die von der Voraussetzung ausgehen, dass es nichts gebe, was nicht schon in den altindischen Veden stehe, und Jesus sei nur ein "eventuell drittklassiger Lehrer" derselben. Von den nur vergleichend oder ergänzend im Text gegebenen Hinweisen auf Bücher usw. lassen sich diese Erkenntnisse nicht ableiten, und so sind diese Bücher oder theologische Vorkenntnisse für ein Verständnis auch nicht notwendig. ( Das Gleiche gilt für eine geplante Bücherliste für theologisch Interessierte, s. Links.) Nichts ist als Dogma oder als Meinung irgendeiner äußeren religiösen Organisation zu verstehen. Es richtet sich aber auch nicht gegen irgendeine Kirche oder Religionsgemeinschaft, und auch nicht gegen z.B. das apostolische Glaubensbekenntnis. Menschen mit einem anderen religiösen oder weltanschaulichen Hintergrund, die ein positives Interesse an neuen Erkenntnissen aus dem christlichen Bereich haben, können in dieser weder dogmatischen noch materiell verflachten Schrift ebenfalls fündig werden. Daher sind auch Hinweise auf das Verhältnis christlicher Wege zu anderen Bestrebungen enthalten. Z.T. wie im Johannesevangelium in einer für die damaligen Erkenntnissucher verständlichen Sprache das spezifisch Christliche herausgearbeitet ist, so zeigt diese Schrift heute Zugänge von verschiedenen Seiten her. Diese Schrift läßt auch in ihrem Stil frei; Forschung ist etwas Anderes als Mission. Solche Christen, die für sich einen ganz einfachen Glauben ohne tiefschürfende Überlegungen bevorzugen, könnten in dieser Schrift lernen, wie sie mit den Menschen anderer Geistesart in ihrem Umfeld besser in Dialog treten könnten, ohne daß ständig Mißverständnisse auftreten.
Der Text möchte rein durch seine Inhalte sprechen.
„Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten" (Joh.16:12-13). Durch diesen Geist läßt sich dieses Projekt inspirieren.
Im Internet zuerst veröffentlicht 30.01.2001; verbesserte Fassung vom 14. 8. 2001, mit späteren Updates.

Solche Darstellungen dienten ursprünglich nicht zur Verdrängung des menschlichen Vorbilds Jesus, aber sie deuteten seine tiefere Verbundenheit mit Gott und dem Gang der Schöpfung an. Die Art dieser Verbundenheit mag dann immer noch verschieden gedacht werden; sie aber von vornherein als unverständlich und, nicht authentisch wegzuerklären, ist ein unzulässiger Kunstgriff. Derartiges findet sich im Johannesevangelium 1, Joh. 5, Joh. 6,69, Joh. 7 ..., in Matthäus 16,16, im Kolosser- und Epheserbrief, usw.; lebte auch noch bei alten Kirchenlehrern, bei Mystikern wie Jakob Böhme, bei Rudolf Steiner (Helsingfors 1912) und lebt wieder auf in den „Esoterischen Lehren" des christlichen Weisen „Daskalos" sowie in den Büchern des amerikanischen Theologen Matthew Fox „Der Große Segen" und „Vision vom kosmischen Christus", sowie in Tagungen z.B. der evangelischen Akademie Bad Boll zur Frage des „kosmischen Christus", und bei anderen.
In der katholischen Kirche und Teilen der evangelischen Kirche wurde versucht, die geschwundene Nähe zu einer solchen Ebene der Überlieferung durch theoretische Glaubenssätze zu konservieren. Andere Teile evangelischer Kirchen, die das soziale Wirken Jesu stärker erkannten, meinten, dies als „göttliche Überhöhung" Jesu fallenlassen zu müssen. In Lehren hinduistischen Ursprungs wird der Begriff der „Avatare" verschiedener Stufen damit verglichen. Darunter werden Menschen verstanden, die nicht zu ihrem eigenen Fortschritt auf der Erde sind, sondern freiwillig, um zum Fortschritt eines Volkes oder der Menschheit beizutragen; wie ein Tropfen „aus göttlicher Vollkommenheit". Die Unterschiede zwischen derartigen aufeinanderfolgenden „Avataren" verschwimmen jedoch oft in solchen Auffassungen, während die jüdische und christliche Auffassung den „Gott der Geschichte", den Aspekt der Weiterentwicklung und die besondere diesbezügliche Rolle des „Messias" betont.
Es sei darauf hingewiesen, daß der Koran Jesus Christus in mehreren Stellen als gottgesandten Propheten und auch als "Wort" Gottes anerkennt, "erschaffen wie Adam". Er gilt also in einem wohlverstandenen Islam auf jeden Fall mehr als bei jenen modernen christlichen Theologen, die nur den Sozialreformator Jesus übrigließen! Lediglich die Lehre von der - von den Christen der Zeit Mohammeds schon sehr irdisch verstandene - Gottessohnschaft Jesu im Rahmen der späteren Dreifaltigkeitslehre wurde im Koran nicht akzeptiert. Christen, die das, was damit gemeint war, noch so authentisch hätten erklären können, so daß auch Menschen mit anderem Ausgangspunkt das verstehen, gab es kaum noch. (S. Extraseite "Jesus und der Islam").
Es bleibt hier zunächst festzuhalten, dass diese Schicht des Rätsels Christus vielfach nicht spekulativem Denken, sondern visionären Grenzerfahrungen entsprang, deutlich zu sehen z.B. bei Jakob Böhme, der dann allerdings auch eine seltene Fähigkeit hatte, das Erfahrene begrifflich zu verarbeiten. Alle Erfahrungen spiritueller Art bedürfen zwar (selbst-)kritischer Verarbeitung; aber eine Einschätzung ihrer Ergebnisse, ohne die Existenz einer solchen Wahrnehmungsebene zu berücksichtigen, führt als sachfremde Methode ins Leere.
Bibeltext Johannes Anfang des Kapitels1
Nach der Abfolge in den Evangelien kommen wir nun zu mehr menschlichen Ereignissen. Die Geburt Jesu ist traditionell mit dem Weihnachtsfest verknüpft - auch wenn dies Fest nicht überall noch etwas davon erkennen läßt - Luk. 1, 26ff.; Matth. 1, 18ff. Es ist zu fragen, weshalb angesichts der zentralen Bedeutung der späteren „Drei Lehrjahre" Jesu heute Theologen so viele Anstrengungen darauf verlegen, die jungfräuliche Geburt Jesu zu bestreiten. Während der erdflüchtige frühe Gnostizismus meinte, der Vorstellung zu bedürfen, Jesus habe nur einen „Scheinleib" besessen, ist in anderen Strömungen insoweit Einigkeit festzustellen, dass Jesus durch alle Stationen der Lebensform Mensch durchgehen musste, gleichsam modellhaft bestimmte Maßstäbe zum Ausdruck bringend. Es wäre allerdings dieser Diskussion – wenn wirklich Wahrheitssuche das Motiv wäre – mehr Offenheit zu wünschen. In einer Zeit, wo im Zusammenhang mit der Transformation von Sexualitaet und Liebe neue Gesichtspunkte auftauchen, z.T. aus östlichen Praktiken herausgefiltert, und an alte Tempelbräuche erinnernd, sollte es nicht weit hergeholt sein, einen wahren Kern in der Überlieferung anzunehmen. Buddhisten – auch Buddha außergewöhnliche Geburtsumstände zuschreibend – hätten überhaupt keine Schwierigkeiten mit der Annahme einer „Jungfrauengeburt" Jesu, und natürlich auch nicht mit einer Jungfräulichkeit in einem vorwiegend seelischen Sinn, die z.B. Steiner behauptet. Der Koran spricht - wie die Bibel von einem Engel - von einem "Gottgesandten", durch den die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria vermittelt sei.
Es könnte sich herausstellen, dass der Wesenszug Jesu, in keines der festgefahrenen Denkschemata hineinzupassen, sich bereits hier andeutet. Spezifische Eigenschaften werden wir allerdings im weiteren Verlauf seines Lebens eher erkennen. Der Bedeutung der Möglichkeit, mit Christus während des Lebens „neu geboren"*) zu werden, werden wir dabei auch begegnen.
*)Extrafenster Bibelstelle dazu
Hilfe: zur Selbstprüfung bei der Arbeit mit diesen Haupttexten
Auch diesem Bereich wird, diesmal in manchen modernen spirituellen Schriften, z.T. eine etwas überproportionale Bedeutung zugeschrieben. Die Bibel berichtet nur den Lobgesang des Weisen Simeon und die Verwunderung der Schriftgelehrten über den Zwölfjährigen - Luk. 2, 29 - 51. Das authentischste der nichtbiblischen „Kindheitsevangelien", das in Fragmenten und Neuerzählungen (letzteres Lorber-Verlag) vorliegende „Jakobusevangelium", enthält zwar zeichenhafte Geschehnisse und Begegnungen. Nicht jedoch findet sich darin, daß – wie nach einer modernen These – Jesus alles von den Essenern oder der damit zum Teil verwandten Qumran- Gemeinde gelernt haben soll, nach einer anderen in ägyptischen bzw. griechischen Tempeln, nach einer weiteren in Indien, usw. Es könnte fruchtbar sein, aufgrund von Anhaltspunkten die kreative Phantasie zu betätigen, wenn dies nicht zu neuen vorschnellen Dogmen führen würde. So würde sich ein noch schwacher Umriss eines Jesus ergeben, der nicht der einen oder anderen, sondern allen wesentlichen geistigen Strömungen der damaligen Zeit intensiv begegnete, und dabei jeweils Dasjenige entfaltete, was er vom Innern her entfalten musste, und was nicht identisch sein muss mit dem, was Andere darüber dachten, was sein müsse. Das ist eine Grunderfahrung, die im Kleinen durchaus nachvollziehbar ist, und die Einigen wohlbekannt ist. Sie sprengt einseitige psychologische Vorstellungen über „Prägung" und Verhalten. Für ausgeprägte Individuen und Mystiker ist sie geradezu typisch. Sie kann sich in Ansätzen bereits in der frühesten Kindheit zeigen. Ein, allerdings etwas phantastisch anmutendes Gemälde in dieser Richtung stellt Levi´s sog. „Wassermannevangelium" dar (1908).
R. Steiner stellt im sog. „Fünften Evangelium" eine Szene dar, wo für Jesus vor der Jordantaufe erschütternd deutlich geworden sei, dass in der neuen Zeit die sich von der Außenwelt abkapselnde Arbeitsweise esoterischer Orden wie die der Essener kontraproduktiv sein könne. Ihr Gesetzeseifer – mit vielen körperlichen und ethischen/geistigen Reinigungsvorschriften – hielt sie selbst frei von negativen Einflüssen, aber ihre Umwelt war dann eher umso mehr davon betroffen. Zumindest im weiteren Verlauf des Lebens Jesu finden wir auch einen biblisch belegten Grundimpuls des „in der Welt Seins, aber nicht von der Welt," und des Einbeziehens der Welt in die eigene Entwicklung. Dazu gehört u.a. auch, daß Jesus Einiges letztendlich für Alle lehrt, was vorher der Geheimhaltung unterlegen hätte; was dem nicht widerspricht, daß bestimmte Lehren im Klartext zunächst den besser vorbereiteten Jüngern gelehrt wurden.
Das zeigt sich gegenüber den alten, auf strenger Geheimhaltung basierenden Mysterien-Traditionen in der Tat als ein neuer historischer Einschlag. Interessanterweise zeigte sich Ähnliches dann auch z.B. in neuen Richtungen des Mahayana-Buddhismus, wo plötzlich das Mitgefühl mit allen Wesen stark betont wird. Aber erst in unserer Zeit ist die Zugangsmöglichkeit letztlich Aller zu spirituellen Tiefen offensichtlich geworden. Niemand kann sagen, er/sie hätte noch nie etwas davon gehört. Da die heutige Bahnhofskiosk-Esoterik jedoch noch sehr oberflächlich ist, ist davon auszugehen, dass diese Tendenz noch lange nicht voll umgesetzt ist. Es ist klar, dass z.B. die Geheimhaltungspraxis der vatikanischen Bibliothek insoweit „vorchristlichen" Charakter hat. zurück
Hier wäre noch die Steiner´sche Deutung der unterschiedlichen Abstammungsangaben bei Matthäus und Lukas als „zwei Jesusknaben" zu nennen. Da nicht bestritten wurde, dass sich die göttliche Natur Christi nur in einem Menschen manifestierte, ist es leicht erheiternd, wie der Intellekt Anthroposophen wie Theologen hier in einen „Hauptstreitpunkt 1 oder 2" hineinschlittern ließ. Es ging dabei um etwas Anderes, nämlich um die Frage nach einer Begleitung der Menschwerdung Christi und seines Lebensumfelds durch Kräfte der Weisen aus verschiedenen Kulturen (wie Adam, Krischna, Buddha, Zarathustra). Da geistige Forschungsgegenstände noch vielschichtiger sein können, als es in konkrete irdische Vorstellungen gegossen werden könnte, sind konkretisierte Angaben in der Literatur nicht immer exakter als solche allgemeinen Gesichtspunkte. zurück
Die ursprüngliche Form der Wassertaufe war kein symbolischer Akt und keine Mitgliedserklärung an eine religiöse Gemeinschaft. Das Untertauchen durch den darin Erfahrenen, hier Johannes der Täufer, führte oft nahe am Ertrinken vorbei, stellte also eine reale Grenzerfahrung dar. Sie ähnelte insofern antiken „Einweihungen" bzw. „Einweihungsproben"; nur sind hier die möglichen psychischen Erlebnisse nicht Selbstzweck oder eine Methode zur Überwindung der Angst vor dem Tod, sondern die Taufe besiegelte den Aufruf zur „Buße"; genauer übersetzt mit „Umkehr" - nämlich zum Willen des Schöpfergottes, dessen „Himmelreich" als „nähergekommen" verkündet wurde, - Matth.3, Joh. 1.
Als Jesus um die Taufe bittet, fühlt sich Johannes nicht in der Lage, diesem noch weiterzuhelfen; er willigt ein, hat aber keine Kontrolle über das Geschehen, sondern kann nur mit ansehen, wie an Jesus eine größere Veränderung geschieht, als er sie zu vermitteln vermochte. Hatte er schon die Möglichkeit einer höheren Art von Taufe durch das Feuer des Geistes vorhergesehen, durch Einen, der nach ihm kommt, so sieht er jetzt den „Geist Gottes" auf Jesus herabkommen. Christliche Esoteriker sahen darin die eigentliche „Geburt Christi in Jesus"; das erfordert jedoch nicht die zuweilen zu findende Vorstellung von Jesus und Christus als Wesen, die vorher nichts miteinander zu tun gehabt hätten.
Allgemein kann nun die Taufe, insbesondere die „Geisttaufe" – der Begriff wird auf unterschiedliche Art z.B. in Freikirchen benützt – als Einstieg in eine „Neugeburt" des Menschen gesehen werden - Joh.3. Der in christlichen Bestrebungen gebräuchlichere Begriff „Wiedergeburt" wird wegen dessen möglicher Verwechslung mit Reinkarnation hier vermieden; damit soll nicht gesagt sein, daß die Frage nach der Reinkarnation in der Bibel nicht auftauche.– Matth.11,14 z.B. ist diesbezüglich interpretationsfähiger.
Statt theologisch-theoretische Auseinandersetzungen über den Charakter der Taufe entscheiden zu wollen, könnte sich das Interesse einmal darauf richten, was eine solche „Neugeburt" praktisch für den Menschen sein kann. Er kann aus einer tieferliegenden Ebene seines Wesens heraus sein gesamtes Leben neu angehen, empfinden, und durchleuchten; aus einer Wesensschicht, die Gott zugewandt ist. Gott kann im Menschen „Gestalt annehmen", der Mensch so deutlicher als sein „Ebenbild" erkennbar werden; oder, wie es Mystiker ausdrücken, der „Christusfunke" im Herzen wird mit Leben erfüllt, und beginnt im Menschen zu wachsen. Der meditativ damit umgehende Mensch kann dies auch im Bild eines Kindes wahrnehmen, das sich real entfaltet, oder auch eines Kindes mit der Mutter als Bild der Seele. Im Unterschied zu einem flüchtigen übungsmäßig erschaffenen inneren Bild zeigt sich hier eine Weiterentwicklung, die innere Entwicklungen im Menschen wiederspiegelt, die nicht willkürlich ausgelöst werden können. Dieses innere Kind wird später erwachsen und ist noch später ständig bewusst gegenwärtig.
Bei weniger imaginativ Veranlagten mag sich dasselbe Phänomen mehr über das innere Fühlen oder Eindrücke gedanklicher Art äußern, oder einfach durch Verwandlungen im Leben. Kunstwerke wie die „Sixtinische Madonna" dürften auch aus Visionen entstanden sein, und können daher hilfreich sein, um zu. inneren Realitäten Zugang zu finden.
Ähnliches gilt für die meditative Betrachtung etwa des Johannesevangeliums. Siehe das Einführungskapitel mit Extraseite zu "methodischen Hinweisen".
Bei Lorber werden auf andere Weise drei Stufen auf dem „Weg zur geistigen Wiedergeburt" unterschieden (Buchtitel, Lorber-Verlag).
Ein weiteres wesentliches Merkmal eines Weges im Sinne Jesu kann sich hier zeigen: die Entwicklung und ihr Maßstab wird in den einzelnen Menschen hineinverlegt. Er kann alles aus sich heraus und im Austausch mit dem Leben entfalten, ohne zwingend einer Heilsvermittlungsinstitution zu bedürfen. Das schließt geschwisterliches Einander-Beraten nicht aus. Der Weg ist zur „Nachfolge", zum Nachvollzug gedacht.
Die „innere" Erlebensart ist indessen nicht als Ersatz für das Gebet zum „äußeren" Gott gedacht gewesen: „Bleibt in mir und ich in Euch" - Joh.15 .
Die Wassertaufe selbst nach dem Beginn der Lehrtätigkeit Jesu fortzuführen, oder gar nach der „Geisttaufe" des Pfingsterlebnisses, bestand keine zwingende Notwendigkeit. Schon bei Jesus selbst wurde sie zu einem äußeren Zeichen einer im Innern bereits gereiften neuen Entwicklungsphase. Lehrte die Täuferbewegung noch „bereuet und lasst Euch taufen", lehrten die Jünger Jesu nach der Verschmelzung mit dieser Bewegung „glaubet", d.h. öffnet Euch für die Kraft des Glaubens, „und lasst Euch taufen". Dies war u.a. ein Zugeständnis an die Anhänger des Täufers. Nun wurde jedenfalls vom Positiven her begonnen. Beide tauften Erwachsene, die sich bewusst entscheiden können. Was nicht ausschließen muss, dass es eine Art von Segen auch für Neugeborene als „Geburtsrecht" seit 2000 Jahren geben könnte; aber es wäre wohl zweckmäßiger gewesen, dies von der eigentlichen Taufe zu unterscheiden, und auch von der Frage der Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche. So würden sich die diesbezüglichen Auseinandersetzungen von selbst lösen.
In unvermeidlicher Anlehnung an die im alten Israel überall gegenwärtig gewesene Interpretation des angekündigten Messias als König wurde die Taufe auch als Eintritt in das neue Königreich erlebt. Es war nur wenig erfolgreich, den Menschen damals zu erklären, dass es sich jedoch nicht um ein äußeres staatliches Königreich handeln würde, und auch nicht um eine äußere Kirchenorganisation, sondern um die Gemeinschaft all Derjenigen, die Gott als ihren Vater, und sich selbst daher in ihrer Seele als von diesem Vater neugeborenen Sohn/ Tochter annehmen. Diese Sicherheit, verbunden mit der geschwisterlichen Haltung dieser „Söhne" und „Töchter" untereinander und mit dem Menschen- und Gottessohn Jesus als älterem Bruder bildeten den Kern der Lehren, die den Menschen zum Nachvollzug angeboten wurden. Im alten Israel gab es zwar neben alten, unnahbareren Gottesvorstellungen auch bereits die Vorstellung Gottes als eines Vaters. Aber er wurde dabei mehr als Vater Abrahams und des von ihm stammenden Volkes erlebt. Nur durch das Volk war Gott der Vater des Einzelnen. Höchstens ganz wenige Einzelne mögen damals zu jenem Erleben Gottes als direktem Vater des Individuums vorgestoßen sein, welches erst Jesus der Allgemeinheit brachte; eines Individuums, das sich auf dem Lebensweg von dem Einfluss Gottes in der Seele gelenkt weiß, und das mit Gott jederzeit in Kommunikation zu kommen suchen kann; eines Individuums, das durch diese Verbindung mit dem ewigen Gott auch das Überzeitliche des eigenen Wesens bereits erahnen könnte. Das wird im weiteren Verlauf des Weges Jesu deutlicher verankert, ist jedoch hier schon angelegt.
Anmerkung: Es ist möglich, dass es mehrere solche Phasen der Zurückgezogenheit gab, wie sie anschließend geschildert sind (s. nächstes Kapitel). Jedenfalls bestehen geistige Zusammenhänge zwischen der Taufe und der Stille in der Wüste.
Extrafenster: zur gegenwärtigen Taufe
Hilfe: zur Selbstprüfung bei der Arbeit mit diesen Haupttexten
Am Anfang des Wirkens als Christus* – griechisch, bzw. Messias – hebräisch „Der Gesalbte" – steht er allein. Dazu gehören die Taufe und die 40 Tage in der Wüste - z.B. Markus 1,12-13 - mit den Versuchungen. Im Anschluss daran findet die Berufung der Jünger statt.
Die Wüste steht äußerlich und innerlich für eine Abgeschiedenheit, die es umso mehr ermöglicht, sich bewusster zu werden und sich stärker mit dem letztlich allumfassenden Gott zu verbinden. Diese Vorbereitung für alles Weitere ist für jeden ernsthaften Weg der Religion, der erneuerten Verbindung mit dem göttlichen Urgrund unentbehrlich, auch wenn sie keineswegs das Ganze des Weges ist. Auch Jesus durchläuft auf seiner Ebene des Erlebens eine solche Phase, die mehr ist als ebenfalls mögliche z.B. tägliche Besinnungszeiten.
Die Kirchen, selbst diejenigen, die oft von „Innerlichkeit" sprechen – und dies z.B. als Scheingegensatz zu äußeren Friedensdemonstrationen aufstellten – machen sich kaum eine Mühe, den Menschen wirklich einen praktizierbaren Weg zu diesem „Inneren Frieden" usw. zu zeigen. In den Gottesdiensten aller über 30 verschiedenen Kirchen konnte nirgends das Element der Stille, des auch innerlich stillen Auf-sich-Hinschauens, des stillen Abwartens nach dem Gebet auch nur entfernt ausreichend berücksichtigt gefunden werden. Gesang, Predigt, Gebete, Gesang, möglichst mit gleichzeitigem ablenkenden Geldsammeln fast ohne Pause – es ist fast ein Abbild der Hektik in der heutigen Gesellschaft, durch die die Menschen sich unbewusst oder auch bewusst von ihrem unerforschten Inneren ablenken. Erst in jüngster Zeit, angesichts der Suche vieler Menschen nach – fast gleich welchen – Erfahrungen, gibt es hier kleine Fortschritte, dass z.B. wenigstens für einige Interessierte entsprechend anders gestaltete Wochenendseminare oder Vergleichbares stattfinden oder auf entsprechende Fragen auf Möglichkeiten in Bibelkreisen oder zu Hause verwiesen wird. Aber auch da fehlt oft die direkte Anleitung. Dabei könnten die Einen erkennen, dass eine größere Nähe zu Gott auch des „Stillen Kämmerleins" bedarf, und die Anderen, dass ihre gesellschaftlichen Werte wie Selbstkritikfähigkeit, Toleranz- bzw. Friedensfähigkeit ebenfalls als Ausgangspunkt das wirksame zeitweise Abschalten der äußeren Betriebsamkeit voraussetzen. Natürlich würde es kaum genügen, wenn es hin und wieder im Gottesdienst geschieht, aber es könnte eine Anregung sein, es als im Grunde häufiges, verdrängtes Bedürfnis zu erkennen.
Der Mystiker Jakob Lorber schrieb von einem Rat Christi an die Menschen zum „kurzen Weg zur Wiedergeburt", was heute – um Missverständnisse zu vermeiden – als „Neugeburt" bezeichnet werden kann, wie dies im vorausgegangenen Artikel beschrieben wurde. Siehe auch „Vom inneren Wort, Stimme der Stille" aus dem Lorber Verlag:
Die Praxis ist diese: So weit jemand von Christus wiedergeboren sein will, so weit müsse er
seine Sünden - also alles von Gott Trennende, erkennen - das ist etwas anderes, als sie sich
einreden lassen. Dann müsse er sie innerlich und äußerlich tief empfindend bereuen und sich
ernsthaft eine Umkehr vornehmen. Weiterhin müsse er sich vornehmen, mit der Welt - gemeint sind
ihre egoistischen Verstrickungen, nicht das aktive Leben darin -, ganz zu brechen, „und sich ganz Mir
übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir, und muss in dieser großen
Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und den Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens
sieben Viertelstunden lang bei verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen,
sondern er muss diese Zeit in der völligen Ruhe bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir
beschäftigend zubringen". Nach einer entsprechenden einladenden
Anrede „begebet euch zur Ruhe und
wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir! So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage ich,
ihr werdet bald blitzen sehen, und donnern hören, aber dann erschreckt nicht und werdet auch nicht
ängstlich! Denn nun komme Ich zu jedem erst als Richter in Sturm, Blitz und Donner, und hernach
erst in sanftem heiligen Wehen als Vater!... Sehet, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur
reinen Wiedergeburt, in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert
länger und ist unsicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt,... wer da nicht ‚wohlgepanzert‘
und ‚kreuz und quer bewaffnet‘ ist, der wird hart (kaum) ans Ziel gelangen."
Es ist möglich, um eine Reinigung und Durchlichtung
durch seinen Geist zu bitten.
Vgl. auch unsere Auszüge aus einer Anleitung des christlichen Mystikers Jakob Böhme.
Yogis z.B. wissen, dass die Menschen meinen, „keine Zeit zu haben". Sie pflegen dann ihre Anweisungen entsprechend von einigen Stunden über eine halbe Stunde bis auf 11 Minuten herunterzuschrauben, d.h. bis niemand mehr sagen kann, dafür habe er keine Zeit. Auch eine kürzeste Zeit der Stille, wobei andere Gedanken, Gefühle und Empfindungen nicht verdrängt aber nur beobachtet werden, ohne darauf einzusteigen, hat ihre Wirkung, besonders wenn sie mit einer Ausrichtung auf Gott verbunden wird. Sie ersetzt aber nicht längere Stille. In der Ostkirche – etwa auf Berg Athos – wird als Konzentrationshilfe das „Kyrie (Einatmung) eleison (Ausatmung), d.h. Herr erbarme dich" verwendet. Vgl. z.B. Kreichauf: Als Pilger auf dem Berg Athos. In der weiteren Entwicklung kann dies dann ohne gesprochene Worte im Kehlkopfbereich gefühlt werden. Noch später kann es mit Hilfe des Atemanhaltens in den Herzbereich aufgenommen werden... .
Eine starke Herausforderung ist es auch, z.B. in einem strengen ca. sechstägigen Zen-Sesshin – eine Zen-Sitzmeditation, die sich auch in christlichen Klöstern etwas verbreitet hat – ständig zu schweigen, auch außerhalb der Meditationszeiten, beim Essen mit Anderen. Nach regelmäßig ca. drei Tagen halten es viele damit Unerfahrene kaum noch aus, um am vierten Tag – vergleichbar mit der Wirkung des Fastens – aufzuatmen und den Nutzen zu verstehen, der durch Worte immer unzureichend beschrieben werden kann.
Stille schafft Offenheit. Ein Bezug auf Gott dabei schafft auch einen Schutz für diese Offenheit. Nach einer Meditation ist wieder ein Sich-Einstellen auf nachfolgende, u.U. weniger Offenheit nahelegende Umstände zweckmäßig.
Wichtig wäre es allerdings, auch in die Welt etwas von der Stille hineinzutragen, um immer stärker eine gewisse Bewusstseinsklarheit aufrechterhalten zu lernen. Das würde zunächst für die Einzelnen bedeuten, in gefühlsmäßig zustande gekommenen Abständen, bzw. nach komplizierten Erlebnissen, oder eben sobald es danach möglich ist, einen Moment ordnende, sammelnde innere Ruhe einkehren zu lassen; d.h. Inhalte durchaus mit hineinzunehmen, ohne zunächst daran weiterzudenken; Gefühle zur Ruhe kommen lassen (und später davon weiter zu Untersuchendes zu notieren), und auch die Körperteile einer Reihenfolge nach sich entspannen zu lassen; jedoch unter Beibehaltung des Bewußtseins als ganzer Mensch, nicht im Sinne eines Sich Hineinsteigerns in einzelne Wohlgefühle.
Für Treffen, Arbeit, Tagungen u.a. würde derselbe Gesichtspunkt bedeuten, nicht auf ermüdende Art Thema an Thema zu reihen, sondern zumindest kurze Pausen dazwischen einzulegen, die auch nicht wiederum allein zu Gesprächen usw. dienen sollten, sondern in erster Linie, um Geschehenes einfach betrachten, soweit angebracht und möglich auch verarbeiten zu können, und sich jedenfalls bewusst auf ein anderes Thema einstellen zu können. Ähnlich ist es bei der Ernährung zweckmäßig, die einzelnen Speisen noch bewusst wahrzunehmen. Es können viele Zusammenhänge zwischen ernährungswissenschaftlichen Gesichtspunkten und seelischer bzw. geistiger „Ernährung" gefunden werden.
Der Vorgang, der „ Zur-Ruhe-kommen-lassen-von-Geschehenem" genannt werden kann, und der wieder Kraft für die Gegenwart und Zukunft wachsen lässt, ist also kein inhaltsloses Abheben von den Problemen. Er schafft einen Ausgangspunkt, von dem aus eine Bearbeitung von Allem eigentlich erst fruchtbar wird. Auch bei äußeren Angelegenheiten geht dadurch nicht etwa Zeit verloren, sondern es wird letztendlich Zeit gespart, weil alles leichter und besser vonstatten geht. Viele selbst spirituell denkende Menschen bemerken bisher kaum, was ihnen alles entgeht, ohne diese innere Ruhe.
Allein diese einfachste spirituelle Erfahrung, die Stille, birgt im Grunde schon Geheimnisse größter spiritueller Höhen in sich. Diese Höhe setzt aber einen Weg zu ihr voraus. Gerade Christus betont zunächst die oft zuerst freizulegende Einfachkeit des Menschen, sein Weg führt dann in immer größere und damit kompliziertere Horizonte hinein, und in dieser Kompliziertheit leuchtet dann erneut die grundlegende Einfachkeit auf.
Z.B. kann sich in der konzentrierten Stille ein gerade erarbeiteter bzw. geschenkter innerer Fortschritt tiefer verankern, im Sinne einer Fähigkeit, die nicht „von Motten zerfressen" werden kann, s. z.B. Matthäus 4. Sie kann sich dem Mosaik anderer Fortschritte des Seins richtig einfügen. Die Stille kann soweit gehen, daß das „Leben" der Gesamtheit dessen, was in uns dem göttlichen Urbild entgegenwachsen durfte, spürbar wird. Das ist eine Art, das „von Gott von neuem Geborene" in uns zu erleben. Einen Hauch von dieser Möglichkeit haben wir, wenn bei der bewussten Ruhe der Kopf freier – vielleicht verbunden mit einer Erkenntnis – die Kräfte des Herzens wahrnehmbarer und die Füße entspannter werden. Dann ist etwas „durch", um welchen kleinsten Teilaspekt des Lebens es sich immer handeln mag. Ohne dies ist andererseits nichts „durch", bleibt Wesentliches unverarbeitet „stecken"; dies kann nicht nur Probleme im Traum verursachen – die dort nur beschränkt verarbeitet werden können –, sondern auch Probleme gesundheitlicher oder anderer Art.
* Zum Namen Jesus und dem Titel Christus
Auch Jesus mußte in seinen menschlichen Eigenschaften lernen und sie immer stärker Gott zuwenden. Nach 40 Tagen Fasten in der Wüste erschien der „Versucher" - z.B. Matth. 4, 1-11.
Auch im kleineren Maßstab treten negative Kräfte, die – wie alle Kräfte – auch als etwas Gestalthaftes empfunden werden können, auf inneren Wegen und im Leben zutage. Zunächst sind hier zurückgebliebene, verselbständigte Tendenzen im Menschen selbst zu nennen, ohne das integrierende Herz und damit ohne Gott; auf diese Verselbständigung zuerst des Denkens und daraufhin dann auch des Willens bezieht sich das „Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis".
Einerseits sind es verhärtende, an materielle Sachzwänge bindende Eigenschaften. Tiefer im Unbewussten verankert, kann ihnen zwar etwas entgegengesetzt werden, sie können auch in ihrem Wesen erkannt werden, aber in der Tiefe überwunden werden sie eher zuletzt. Bewusstes Verzichten-Können, und Haben-Können statt Haben-Müssen, und kreativer, ethischer Umgang damit ist ein Training zur Überwindung dieser Kräfte.
Die umgekehrten Wünsche führen dagegen zur Flucht und zum gleichgültigen höhnischen Abheben von materiellen Problemen, u.U. in spirituelle Bereiche hinein. Manchmal wird übersehen, dass dies nur die andere Seite derselben „negativen" Medaille darstellt, nach dem „Pendelschlagprinzip" an die andere Seite gebunden. Dieser zweite Bereich liegt heute bereits offener da, ist also leichter zu bereinigen. Ein Mittel zu dieser Umkehr ist Mitgefühl, freilassendes Geben von Liebe.
Eine im Zusammenhang mit beidem zu findende weitere Eigenschaft wäre mit Machtgier verbunden. Diese Illusion zu verwandeln, erfordert Mut zu bedingungsloser Wahrhaftigkeit und darauf gegründete Toleranz und freie Solidarität im Umgang mit Anderen.
Allgemein fehlt es in allen derartigen Bereichen an einer starken und trotzdem zugleich altruistischen Individualität der Betroffenen, die diese Bereiche an Stelle der ins Negative abgleitenden Tendenzen auffüllen könnte.
In Matthäus 4 wird Jesus diesen drei ablenkenden Impulsen ausgesetzt, hier „Satan" bzw. „Teufel" genannt. Er verweist nicht einfach auf das jeweilige Gegenteil, sondern er greift nach etwas Höherem, was jenseits des Hin-und-Her der negativen Kräfte steht auf „Gottes Wort", auf „Gott, den Herrn", und auf „Gott, den Herrn, der allein anzubeten und dem allein zu dienen" ist. Christus steht außerhalb der Dualität von Finsternis und (Schein-)Licht, und überwindet diese durch seinen dritten, übergeordneten Weg, wie auch an vielen weiteren Geschehnissen zu sehen ist.
Kurze Anmerkung: Oft ist fälschlich zu lesen, der Zarathustrismus und das Christentum bzw. „die vorderasiatischen Religionen" seien dualistisch. Dies stimmt in Bezug auf ihre Ursprünge nicht (s. z.B. Extraseite "Zarathustra").
R.Steiner beschrieb die beiden hauptsächlichen negativen Kräfte als getrennte Wesenheiten, wie sie in der Welt geistiger Schau erlebt werden können. Wie erwähnt, ist es zwar zweckmäßig, beide Wirkensweisen zu beachten, aber außerhalb der Welt geistiger Schau ist es nicht ganz gerechtfertigt, wenn Anthroposophen jenen christlichen Vorstellungen von einem einzigen negativen Wesen absprechen, daß sie beide Seiten mit enthalten. Die Tendenzen treten auch oft derart vermischt auf, daß letztendlich „widergöttliche" Tendenzen als Ganzes behandelt werden können, dem wiederum nicht mehrere Götter, sondern der Gott Christi gegenübersteht, mit Allem, was in seinem Sinne wirkt.
Es gibt aber andere spirituelle Richtungen, die diesbezüglich tatsächlich eines ihrer Augen zudrücken, und alles in spirituelle Höhen Strebende als göttlich ansehen.
Moderne evangelische Theologen schließlich drücken, fast wie manche weitere spirituelle
Bestrebungen, gleich beide Augen zu und erklären Vorstellungen von negativen Wesen weg, etwa mit
der Begründung, sie würden ja nur an wenigen Stellen in der Bibel auftauchen. Sie übersehen
dabei, daß es sich eben nicht um Vorstellungen handelt, sondern um handfeste Erfahrungen, die nicht
nur im Altertum vorkamen.
Einige kleinere christliche Gruppen nahmen wegen
dem Begriff "Fürst der Welt"- z.B. Joh. 14:30 - an, diesem
"gehöre" diese Welt bis auf weiteres, und die Menschen könnten sich
ihm lediglich entziehen; obwohl in Wirklichkeit das NT nur seine verführende
und besitzergreifende Rolle benennt. Johannes 12:31: " Jetzt geht
das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen
werden."
Ohne Ängste und andere negative Gefühle haben negative Kräfte keine direkte Macht; es kann in diesem Sinn auch ein Schutzmechanismus sein, nicht den Teufel an die Wand zu malen – auch gegenüber kirchlicher Angstmache. Heute könnte geistige Wahrnehmung ergeben, daß vermeintliche „Zunahmen" negativer Kreisläufe letztlich aufgewühlte, längst vorhandene, vorher verborgen gebliebene Potentiale darstellen. Wirklich positive Fähigkeiten hingegen können tatsächlich noch zunehmen, wenngleich sie einem Urbild entgegenwachsen, das auch bereits da ist.
Nun stellen jedoch solche persönliche "wunde Punkte" zugleich u.U. eine Resonanzfläche für verwandte äußere Kräfte dar. Spuren davon können in allen Gesellschaften gefunden werden: im Westen etwa in Situationen, wo Geld und Egoismus die höchsten Werte sind, besonders in der alten einseitigen Form ohne soziale Absicherung; in den Einseitigkeiten des Nationalismus und Nationalsozialismus - speziell im Fall von Hochmut und Gleichgültigkeit gegenüber dem Rest der Welt -, und in zerstörerischen "religiösen" Aktivitäten; sowie in den Extremen des Stalinismus, - etwa seiner brutalen Gleichmacherei. Dies bedeutet aber keine pauschale Verdammung von Allem und Jedem in solchen Gesellschaften.
Jesus lehrt nicht so sehr das direkte „Widerstreben gegen das Böse"; er behauptet aber auch keine Notwendigkeit des Bösen um eines „Gleichgewichts willen" (wie einige östliche Lehren meinen), und auch keine Notwendigkeit desselben, um im Gegensatz dazu das göttliche Gute zu erkennen. Nicht einmal mehr ein – oft nötiges – direktes Bearbeiten des „Negativen" ist für alle nötig. Zumindest für Einige kann ein Weg, wie ihn die „Christliche Wissenschaft" von Mary Baker-Eddy allgemein empfiehlt, funktionieren. Das beweist aber nicht etwa, daß es die widerstrebenden Kräfte nicht gäbe, sondern sie können dadurch indirekt gewandelt werden. Bei Christus gibt es auch keine ewige Verdammnis, alle destruktiven Kräfte sind letztendlich wandelbar, bis zu jener Zeit des letzten Kapitels der Johannesoffenbarung, wo verheißen wird, daß eine Finsternis nicht mehr existieren wird (s.das entsprechende Kapitel).
Auf diese Zeit in der Wüste folgte die Berufung der Jünger - Joh. 1, Matth. 4, 18 - 22, Matth. 10. zurück.
Hier - Joh. 2, 1-12 - stoßen wir zunächst auf ein Beispiel, das illustriert, wie Probleme weniger aus falschen Übersetzungen, oder aus den frühen, kirchlich beauftragten „Korrekturen" der Evangelien, sondern schlicht aus einseitig emotional und patriarchalisch getönten Auslegungen herrühren. Dass Jesus zu Maria sagte „Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen", wurde später als abfällig gewertet. Wer sich in den Text hineinversetzt, und dann auch sieht, wie Jesus anschließend alles tut, was von Maria gewollt war, kann leicht feststellen, daß der Satz eher bewundernden Charakter hat, der deutlicher so ausgedrückt werden könnte: „Frau, was habe ich mit dir alles zu schaffen!" Der nicht überlieferte ursprüngliche Ausdruck in der z.T. recht einfachen aramäischen Sprache kann vom Griechischen her gesehen nur so geheißen haben: „Weib, ich mit dir" – ohne Einfühlung in den Zusammenhang war also schon zur Zeit Jesu der genaue Sinn vielfach nicht erkennbar.
Von hier bis zum Kreuz zeigt sich ein schöpferischer Erlebenszusammenhang zwischen Jesus und Maria. Sie wirkt inspirierend, erlebt die wesentlichen Stationen seines Lebens mit und erfährt so auch eine seelische Verwandlung.
Wird in der Neuzeit der Begriff „Braut Christi" für Ordensschwestern oft nur noch in einer äußeren Bedeutung genommen, so wies er ursprünglich auf eine reale Erlebensart hin.
Die „Gestalt" Christi im Menschen, wie sie schon im Kap. über die Jordantaufe erwähnt wurde, verschmilzt mit dem männlichen Aspekt der Seele (Animus). Er kann eine „innere Hochzeit" mit unseren „weiblichen" Seelenanteilen unter göttlichem Vorzeichen eingehen. Auch bis in die Lebenskräfte und den Körper hinein kann dies alchemistisch verwandelnd wirken. Das Bild der Maria könnte sich in verwandter Weise mit dem weiblichen Aspekt der Seele (Anima) berühren.
Für Männer lag denn auch zuweilen ein Weg über Maria, die Mutter Jesu - bzw. über die Marien nahe, also evtl. auch Maria von Bethanien oder Maria Magdalena. Es können aber beide Geschlechter den Weg über Jesus, oder über Maria, oder über beide gehen, denn von der Seele bis zu den Hormonen gibt es keinen Menschen, der vollständig an Reaktionsmuster des eigenen Geschlechts gebunden wäre oder bleiben müsste. Es gibt jedoch Menschen, die zum einen oder anderen Weg einen besseren Zugang finden. Am Ende allerdings wird sich die innere Ganzheit ankündigen. In der katholischen Kirche gab es die heute fast vergessene Praxis der Verehrung des Herzens Jesu und des reinen Herzens von Maria. Diese innere Entfaltung fragt nicht danach, daß z.B. der Verfasser dieses Kapitels kein Katholik ist, also äußerlich zunächst wenig von Maria mitbekam, dafür aber auch nicht die Vorurteile bekam, die sich der äußerliche Marienkult bei vielen ihn Praktizierenden zuzog.
Erst wer einen derartigen verwandelnden Weg geht, könnte ohne Verdrängung einen Weg „alleine" gehen. Aber auch für ihn/sie muss das nicht ein Weg alleine sein; aus größerer innerer Freiheit heraus wäre eine Beziehung zum anderen Geschlecht möglich, sogar vollkommener möglich.
In diesem Zusammenhang wollen auch die von Vater und Mutter mitbekommenen Seelenanteile in die Persönlichkeit integriert werden.
Tiefenpsychologische Elemente können durchaus mit religiösem Erleben in Beziehung gesetzt werden. In anderer Art versucht dies Eugen Drewermann. Religiöse Grunderfahrungen dürften sich jedoch bei genauerer Betrachtung auf einer gesonderten Ebene zeigen, aus der heraus sie in tiefenpsychologische Prozesse hineinwirken. Es gibt heute Tendenzen, religiöse Suche als einen im Grunde allen Menschen eigenen „ganzheitlichen, sinnsuchenden und grenzüberschreitenden Vitalimpuls" zu sehen, s. Hubertus Mynarek: „Möglichkeit oder Grenze der Freiheit", 1977. Es müsste aber differenziert werden nach einem unausgeformten allgemein spirituellen Impuls, und einem religiösen Impuls im engeren Sinn der Re-ligio, der Rück- bzw. Neuverbindung des Menschen mit dem göttlichen Urgrund, dem „Vater", was für glaubende überzeugte Christen durch Verbindung mit Christus möglich ist.
Gott, als das größte Geheimnis der Welt, kann sicherlich weniger durch Beschränkung auf eine einzige Wissenschaft, Erlebensart oder ein einziges Phänomen ergründet werden, die bestenfalls Einzelaspekte zutage fördern; sondern durch den Versuch, mehrere Ansätze anzuerkennen und zusammenzuschauen. Das ist bisher nur in sehr geringem Maße geschehen. Würde der angesprochene alchemistische Prozess, und damit u.a. auch die gemeinsame Benutzung der linken und rechten Hirnhälfte (wonach heute mit vielen Methoden gesucht wird) auch von Christen auf ihre Weise durchschritten, mit dem Ergebnis „kreativer liebender Erkenntnis", würden die Gefechte zwischen den Theologien bald der Vergangenheit angehören. Auch dann wäre Spezialisierung auf einzelne Aspekte möglich, aber sie würde als solche erkannt werden, und keine ausschließliche Gültigkeit mehr beanspruchen. Die Ergänzung der Menschen untereinander käme zu ihrem Recht.
Wer indessen im Sinne des universellen Grundsatzes Jesu „Liebe Deinen Nächsten wie Dich
selbst" fühlen könnte, könnte im Laufe der Zeit auch alleine dadurch dasselbe und mehr
erreichen. Wer sich um diese gleichzeitige Liebe zu sich selbst und zum Nächsten bemüht, wird
allerdings bemerken, daß genau dies erst gelernt sein will. Das innere „Vollständiger-Werden"
kann seinerseits diese Liebe erleichtern.
Die Frage nach den „Wundertaten", die sich auch im Zusammenhang mit der Hochzeit in Kana
stellen könnte, wird noch näher beleuchtet in einem speziellen Kapitel. Betr. die
weiblich göttlichen Aspekte von Maria-Sophia s. später das Kapitel "Das erste
Pfingstereignis".
Hilfe: zur Selbstprüfung bei der Arbeit mit diesen Haupttexten
Es könnte nahe liegen, bereits im Anschluss an das Motiv der „Hochzeit" in Kana - Joh.2, 1-12 - noch direkter auf die heutigen Unklarheiten im Bereich der Liebe einzugehen. (Ausführlichere Extraseite dazu s. Homepage/ "Fragen, Antworten...")
Christus spricht jedenfalls Menschen in ihrem Kern und ihrer Möglichkeit zur Ganzwerdung, zum Vollkommenwerden an, was allein eine Grundlage zu wirklicher Freiheit schafft. Er redet nicht dem weiteren Auseinanderfallen der ohnehin bereits stark auseinandergefallenen Teilbereiche des Menschen das Wort, also auch keinem ekstatischen Ausleben von Allem, sondern eher deren Neuintegration um die „Herzensweisheit" herum.
Christus steht für die Verantwortung der Menschen füreinander. Er ist aber auch nicht ein Vertreter von „Sachzwängen", von äußerlichen Formen und deren Überbewertung, oder gar des Missbrauchs der Begriffe Verantwortung, Treue und Ehrlichkeit zur Verbrämung von Neid, Eifersucht und Besitzgier; es geht ihm um den Geist, aus dem heraus gehandelt wird. Auch in der Ehe ist für ihn nicht automatisch alles bestens; was außerhalb als ungünstig betrachtet wird.
Gott zu lieben - und die Naechsten - wie sich selbst, also auch sich selbst; jene Regel also, die Christus gegenüber der Verbotslogik des Alten Testaments betonte, beschreibt zunächst eine universelle Haltung, die alle diese drei Bereiche durchzieht und verbindet (siehe Mk 12:33; Joh. 13:34; Gal. 5:14; Jak. 2:8). In diesem Zusammenhang ist dann die Nächstenliebe etwas Anderes als bloß instinktives Sorgen für Verwandte usw. – kann aber auch Verwandte in freierer Weise einbeziehen. Aufgrund dieser Rolle des Menschen als liebende Hilfe, wo immer sie angebracht ist, ist dann auch die Selbstliebe nicht jene egoistische, sondern letztendlich auf die Liebe zu sich – einschließlich des Körpers als Werkzeug – gerichtet, durch das auch Anderen bzw. Gott gedient wird.
Die höchste Form der Liebe ist bedingungslos. Vgl. sogar die Liebe zu "Feinden", Matth. 5, 43-48 - was nicht heißt, auf Weisheit zu verzichten.
Für heutige Europäer kann etwas von einer Verwandlung der Sexualitaet besonders dann erlebt werden, wenn zwei Menschen erst einmal bei Unternehmungen geistig und seelisch in Kontakt kommen, dann dabei lernen, mit Anti-/Sympathieausstrahlungen umzugehen – nicht in erster Linie diese, aber eben auch diese, müssten für das Finden auch nach außen sinnvoller Kontakte beachtet werden. Erst später käme die körperliche Ebene hinzu; sie gehört nicht automatisch zu jeder Freundschaft oder jeder Begegnung dazu. Dementsprechend gehört zu einer neuen Begegnung auch nicht automatisch eine Trennung vom bisherigen Partner, wie es oft geschehen ist. Eher gehört eine liebevolle Grundstimmung dazu. Die Herzkräfte können spürbar sexuel le Energien mitziehen, und diese müssen nicht explosiv zum Verschwinden gebracht werden, wie heute aus kultureller Konditionierung heraus üblich.
Die geschlechtliche Liebe -"Eros" - ist so ein Spezialfall der universellen Liebe -"Agape", muß also nicht zu dieser im Widerspruch stehen. Dies hat insoweit auch die neue päpstliche Enzyklika "Deus caritas est" anerkannt.
Viele spirituelle Traditionen lehren statt Verdrängen und statt staendigem Ausleben eine Transformation der Sexualitaet, die auch mehr sein kann als Freudsche „Sublimierung". Es gab auch im christlichen Bereich Ansaetze in dieser Richtung, die heute vorerst verschollen sind, und so eben neu erarbeitet werden müssen; so zeigen manche Hinterlassenschaften der Minnesaenger und Troubadours diesbezügliche Kenntnisse.
Da bei Sexualitaet unterbewusste Verwicklungen stattfinden können, wird sie als Gratwanderung in den verschiedensten Religionen an eine Partnerschaft geknüpft, wo damit in der Folge auch gemeinsam umgegangen werden kann. Wer diese Erfahrung in einem strengen Sinne der Ehe vorbehalten möchte, kann dies dann schaffen, wenn bei vorherigen Freundschaften beide rechtzeitig bewußt klären, was sie wollen und was nicht, und sich darin unterstützen.
Dieser alte Ansatz, den Jesus gelten lässt, bis hin zur negativen Charakterisierung eines begehrlichen Blicks auf z.B. eine Partnerin eines Anderen, sollte jedoch eine höhere Quelle unmittelbarer begeisterter Begegnung zweier fremder Menschen nicht ausschließen - die häufiger als angenommen beteiligt ist und selbst von den Betroffenen nicht immer richtig verstanden wird: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (oder in einer ebenfalls richtigen Übersetzung „in ihnen"). Dies erfordert keine angesagte kirchliche Versammlung, keine besondere Vorbereitung, sondern kann überall geschehen, wo der „Geist Christi" zwei Menschen zu irgendeinem möglichen Zweck zusammenführt. Dies auch da aufzugreifen, wo es sich um einen Mann und eine Frau handelt, und auch da, wo diese sich zusaetzlich sympathisch sind, und dabei das durchaus klare Bewusstsein aufrechtzuerhalten, das der Ausgangspunkt ist, mag schwierig sein; aber es ist eine Weltnotwendigkeit. Dabei muss es weder um Bindungen noch um Sexuelles gehen, sondern die Betroffenen müssen es ehrlich herausfinden, um was es geht.
Schon das Erdenleben Jesu weist ihn als denkbar unkonventionell aus. Es könnte sich herausstellen, daß Konventionen höchstens solange nötig sind, wie er „nicht unter ihnen ist".
Eine selbst verbesserbare Voraussetzung für angemessene Begegnungen zwischen Menschen ist naturgemäß ein Studium der eigenen Individualitaet einschließlich der „Aura" bzw. Ausstrahlung. Selbst als Paar bleiben sie dann Individuen, eine völlige Auflösung der beiden im Paar wird jedenfalls von Christus nicht angestrebt.
*) Die Menschheit ist ein kompliziertes Netzwerk, was in den nächsten Kapiteln klarer werden mag.
In Joh.2, 13-25 wird nach der Hochzeit zu Kana die „Tempelreinigung" geschildert. Jesus vertreibt in entsprechendem Eifer die Händler und Wechsler handgreiflich aus dem Tempel. Er will hier ein unübersehbares Zeichen gegen die Heuchelei der Welt setzen, die den Tempel als Gotteshaus bezeichnet, und selbst dort nichts anderes im Sinn hat als ihrem platten Feilschen nachzugehen. Zumal die Zustände so sind, daß er auch von städtischen oder geistlichen Amtsträgern nichts erwarten kann, legt er als Einziger, der sich „in seines Vaters Haus" noch verantwortlich fühlt, selbst Hand an; eine Aktion sozialen Widerstands, ohne Menschen zu verletzen. „Gott mehr zu gehorchen als den Menschen", ist auch sonst seine keineswegs unterwürfige Haltung. Auch wo er sagt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist" (und Gott, was Gottes ist), ist keine unterwürfige Haltung herauszulesen, wie oft versucht wurde, sondern eher das Bestreben, den Jüngern nutzlose Arten von Reibereien mit sachfremden gesellschaftlichen Mächten zu ersparen. Religion und Politik haben ihre je eigenen Gesetze. Den Mitmenschen zu dienen und „der Stadt Bestes zu wollen" ist ebenfalls nicht unterwürfig.
In diesem Zusammenhang könnte sich die Frage nach dem Umgang des Menschen mit emotionalen Regungen stellen. Denn nicht Jede/r hat seine Emotionen auf einer solch hohen Ebene wie Jesus, der ständig in „positivem Erschauern vor Gott" und Mitgefühl mit den Menschen lebte, und dessen Eifer auf bewusster guter Absicht beruhte. Beim normalen Menschen sind zunächst fast alle Emotionen zumindest vermischt mit unbewussten Reiz-Reaktionsmechanismen – die biographisch verschieden und verschieden stark zutage treten, aber in ihrer Grundstruktur recht ähnlich sind. Selbst, ohne sich mit Deutungen Anderer zufriedenzugeben, immer weitere solcher Mechanismen aus den eigenen Reaktionen herauszufischen, auf sie hinzuschauen, und sie so schließlich zu meistern bzw. sie Gott zu übergeben, ist ein langer Lernprozess.
Obwohl wir es hier mit der Psyche zu tun haben, sind hierzu übliche psychologische Analyse- bzw.
Therapieverfahren für Gott- und Wahrheitssucher nicht besonders angezeigt:
Wo noch jene einseitigen Deutungsmuster im Hinterkopf sind, die psychische Probleme auf
Sexualität und frühkindliche Prägung reduzieren, und wo zudem aus „Gründen" von
Schwächen „Begründungen" des So-Bleibens werden, statt wie Erich Fromm die
Entwicklungsfähigkeit des Menschen zu betonen, kann Psychologie sogar ein Hemmschuh auf dem
geistigen Weg sein. Wo Psychologie, also „Seelenkunde", das Hinschauen auf seelische Prozesse
anregt, und wo in der Seele - was selten ist - mehr gesehen wird, als eine chemisch-elektrische
Gehirnfunktion, könnte ihr Studium auch eine hilfreiche Brücke sein. Sie würde sich besser
entwickeln, wenn sie Kenntnissen bzw. Behauptungen alternativer psychologischer Richtungen
nachzuspüren bereit wäre. Es nützt wenig, auf übliche Art ganze Problemkomplexe gleich im Ganzen
bearbeiten zu wollen. Wirksamer wäre es, zuerst einzelne Bestandteile eines solchen Komplexes zu
suchen, und dabei auch bewusst zu unterscheiden, ob es sich um einen „Balken im eigenen Auge"
oder um einen „Splitter im Auge des Anderen" handelt, und wer so verantwortlich ist.
Jesus und manche christliche Schulen würden Ersteres stärker betonen, weil es schwerer ist, und erst gelernt werden
muß, auf eigene problematische Taten hinzuschauen, und weil diese eher selbst korrigierbar
sind; auch die kirchliche
Beichte hat insofern neben dem geistlichen Aspekt auch eine therapeutische
Auswirkung. In
der psychologischen Praxis würde oft mehr die andere Perspektive als Opfer im Vordergrund stehen.
Am Ende wird bemerkt werden, daß trotzdem beide Seiten mehr oder weniger ins Spiel gekommen sind.
Z.B. Östliche spirituelle Lehren würden den Zusammenhang von beidem im Leben als Quelle des „Karmas"/
Schicksals betonen.
Wo es um die Auflösung von Nachwirkungen von schwierigen Tagesabläufen geht, könnte auch eine von R. Steiner wieder zutage geförderte Methode helfen: eine Tagesrückschau bei der vom Abend rückwärts bis zum Morgen einfach hingeschaut wird. Danach ist es umso leichter, wieder in die Gegenwart zu kommen.
Es ist auch möglich, sich einen „Seelenspiegel" mit zu bessernden und mit erstrebenswerten Eigenschaften aufzuschreiben, und ihn öfter durchzugehen, eine bewährte Praxis aus dem mystischen Bereich.
Fortschritte im seelischen Bereich bringen es mit sich, daß sich auch z.B. ein Gespräch zwischen mehreren Menschen verbessern kann. Die vielen Vorurteile und vorschnellen Bewertungen nehmen in dem Maße ab, in dem der Mensch für sich selbst durchsichtiger wird und Ballast loslässt. Die Wichtigkeit, die Jesus dem „Nicht-Richten" beimisst, und dem „was aus dem Mund heraus kommt", ist kein unerfüllbarer moralischer Anspruch, sondern eine Aufforderung, mit diesem Lernprozess zu beginnen. (Dies setzt oft voraus, statt weiter zu streiten, erst einmal in die Stille zu gehen, und sich dann ruhig miteinander auszusprechen. S.a. das Kapitel "Die Stille in der Wüste").
In diesem Zusammenhang gibt es europäische Schulungswege, die Elemente wie die im Yoga bekannten Nerven- oder Bewusstseinszentren -Chakren- unter anderen Namen einbeziehen können (Anthroposophie; Universelles Leben; u.a.). Derartige Bemühungen sind nicht automatisch "nichtchristlich", wie kirchlicherseits vermutet wurde, sondern diese Zentren im Menschen waren schon den christlichen Theosophen des Mittelalters bekannt (J. G. Gichtel*), und sind inzwischen als real in jedem Menschen vorhandene Energiestrukturen erkennbar; ebenso wie die Kenntnis der besonders aus China bekannten Akupunkturpunkte nicht automatisch "taoistisch" ist - denn diese sind längst mit Meßgeräten und neuerdings auch histologisch im Gewebe des Menschen nachweisbar.
Hilfe: zur Selbstprüfung bei der Arbeit mit diesen Haupttexten.
Im weiteren Zusammenhang siehe auch die Extraseite "...Ethik".
Über die Umkehr der Werte der alten (auch der heutigen) Gesellschaft durch die Bergpredigt ist viel geschrieben worden. Vgl. Matthäus 5 - 7,29. Die Einen begrüßen sie im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Aktivitäten. Andere verniedlichen dies als „Gesinnungsethik" und bevorzugen die von ihnen so genannte „Verantwortungsethik" mit alttestamentarischen Strafandrohungen, Militär usw. Einige versuchen einfach, danach zu leben. Über christliche Bereiche hinaus wird die Bergpredigt geschätzt (z.B. von Gandhi).
Auch vom Standpunkt der Bewusstseinsforschung ist zu erkennen, daß sich die Bergpredigt insbesondere an Menschen richtet, für die Bewusstsein mehr sein kann als menschliche Verstandesanalytik, und für die das Leben nicht am privaten Tellerrand enden muss. Die „geistlich Armen", die also „wissen, daß sie nichts (oder wenig) wissen", und offen sind für die ständige Relativierung, daß Gott mehr weiß als sie, und daß er ihnen in allen Dingen noch viel zu lehren weiß, sind „selig"; das „Himmelreich ist ihrer". Diese Haltung kann sich denn auch als ständiger mächtiger Entwicklungsschub erweisen, mehr als jede andere, vom Menschen für „klug" gehaltene Einstellung.
„Die da Leid tragen" müssen nicht immer nur ihr eigenes Schicksal tragen, – und so ihren Teil am Zustand des Ganzen aufarbeiten, statt über alles leichtfertig hinwegzugehen –. Einige tragen auch Schweres mit, was ihr ganzes Geflecht von Personen betrifft, in dem sie leben, und letztendlich das Schicksal von Völkern und der Menschheit. Statt Staatsmänner sind das heute oft Basisbewegungen, und wer gibt ihnen die nötige Teilnahme, wer betet für sie, anstatt nur immer für die Mächtigen, Berühmten, und wirtschaftlich Großen ?
Die „Sanftmütigen" sind am deutlichsten die freiwillig Sanftmütigen (also nicht einfach Ängstliche). Sie „werden das Erdreich besitzen" und nur unter ihrer Hand kann es erhalten bleiben und sich entwickeln.
„Die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit": – nicht Neid, sondern faire Suche nach Gerechtigkeit für sich und für Andere öffnet den Menschen nach „oben", früher oder später nicht ohne Antwort, wenn auch nicht immer so wie vorgestellt. „Die Barmherzigen" tragen freiwillig sehr deutlich ihre Mitgeschwister und Mitgeschöpfe nach oben, und werden so auch von Gott getragen.
„Die reinen Herzens sind" und die so ihre geistigen Brillen bzw. Vorurteile erkannt und abgelegt haben, werden Gott schauen". Das ist die umfassendere Bedeutung des Wortes „Richtet nicht".
„Die Friedfertigen", auch die Frieden stiften, im Sinne des Friedensgebets des Franz von Assisi, lassen ebenfalls auch Andere erkennen, daß hier eine andere Kraft am Werke sein muss, als jene Kräfte, die sonst das Leben bestimmen. So „werden sie Söhne (und Töchter) Gottes genannt werden".
„Die um der Gerechtigkeit (/Rechtschaffenheit) willen verfolgt werden" und die „um meinetwillen", d.h. wegen Jesus verleumdet oder verfolgt werden, werden auch selig gepriesen, und so war auch vielfach deren innerer Zustand, während ihr äußeres Wesen litt. Das heißt nicht, daß Leiden ein selbständiges Ziel wäre.
Ihre Rolle als „Salz der Erde" und als „Licht der Erde" sollen die Angesprochenen auch ausüben. Ausgerechnet in diesem Kapitel bezieht sich Jesus auch auf die „Gesetze" und Propheten des Alten Bundes. Er greift das vor seiner Zeit richtig Gewesene vielfach auf, macht es jedoch in neuer Art für eine neue Zeit fruchtbar, wo nicht mehr die Gesetze selbst, sondern deren Quelle im Vordergrund stehen könnte, und wo jeder Mensch die inneren Lebensgrundsätze neu erschaffen kann.
Wer nach dem „Reich Gottes trachtet", dem wird alles andere „zufallen". Auch hier ist sichtbar, daß die Ebene des Verstandesdenkens zwar nicht zerstört, aber geöffnet werden soll, damit auch das aufgenommen werden kann, was jener höheren, spirituellen Logik entspringt. Jedoch ist nicht davon die Rede, daß die irdischen Sachzwänge einfach zugunsten eines Schwelgens in gesonderten spirituellen Bewusstseinszuständen verlassen werden sollen. Höhere Einsichten sollen vielmehr total mit dem irdischen Bewusstsein und Leben konfrontiert werden, bis die Welt verwandelt ist. Die Klarheit bleibt erhalten, oder entsteht erst, wo der Mensch in Bezug auf bestimmte Fragen in der Skala von Unwissenheit über Spekulation, Vermutung, Theorie, Überzeugung bis zum Wissen steht, und das ist eine wichtige Entwicklungsgrundlage. Das ist also ein Unterschied z.B. zu jenem reinen Glückseligkeitsstreben, wie es in einigen alten spirituellen Richtungen zu finden ist.
Dieses Höhere Denken in der Bergpredigt (s.a. nächstes Kapitel) ist schon von seinem Inhalt her in erster Linie an Menschen gerichtet, die es nicht nur zur Neuordnung ihrer individuellen Geistestätigkeit verwenden wollen. Der Weg richtet sich zunächst an das individuelle Leben, wo dann nach einem Partner oder nach „Nächsten" gesucht werden kann, wie das im Kapitel „Taufe" und „die Stille in der Wüste" beschrieben wurde. Dann wird auf die Ebene insbesondere auch männlich-weiblicher Beziehungen aufgebaut und gleich wieder der Fühler in Richtung zusätzlicher seelischer Wechselwirkungen zwischen mehreren Menschen ausgestreckt. Das wurde in den Kapiteln „Hochzeit in Kana" und „...Liebe" beschrieben. Hier bei der Bergpredigt wird wiederum auf diese seelische und ethische Ebene gebaut, und sie gleich wieder für die umfassendere geistige Zielrichtung geöffnet, die aus den Beziehungen der Menschen eine Gemeinschaft bilden könnte. Das entspricht urbildhaft dem Verhältnis von Klang zu Intervall zu Dreiklängen zu Tonleitern = zur Ganzheit.
Extrafenster: Text der Seligpreisungen und weiterer Lehren Jesu mit Anmerkungen
Viele Taten Jesu, vom Gespräch mit Nikodemus - Joh.3 - über die Bergpredigt bis zur Heilung des Blindgeborenen und der Speisung der 5000 auf dem Berg bilden in ihrer Symbolik das äußere Umfeld dessen, was dann in der „Verklärung" innerlich zum Ausdruck kommt. Diese Verklärung hat eine Verwandtschaft mit dem östlichen Begriff der großen Erleuchtung. Der Geist wird erleuchtet. Allerdings bezieht sich das bei Jesus und auch bei dem Menschen, der in einem Nachvollzug dieser Möglichkeiten begriffen ist, auf eine engere Verbindung mit Gott, der hier nicht als das allgemeine Absolute, sondern auch als Wesen begriffen wird.
Bloßes „Positives Denken" könnte zwar, wenn es nicht-egoistisch und nicht-größenwahnsinnig und ohne technische Manipulationen praktiziert würde, das Denken in einen Zustand versetzen, der dem verwandter wäre, was von Gott kommen kann; es könnte also dafür öffnen. Die Literatur dieser Richtung lässt jedoch großenteils solche Sorgfalt vermissen, und so kann das oft auch in Selbstbetrug enden.
„Verklärung" ist das jedenfalls noch nicht. Bei ihr wird nicht einfach der allen Menschen eigenen wirren Vielfalt geistiger „Programme" ein Zuschuss positiver Programme eingefügt, so daß insgesamt ein Überschuss an positiven Programmen entsteht – eine durchaus mögliche Übung –. Sondern es wird alles durch ein Hinschauen -Können auf die geistigen Ursprünge entwirrt, von Verzerrungen und irreführenden Gewichtsetzungen befreit. Eine höhere göttliche Ordnung in Allem wird sichtbar. Wird beobachtet, wie die Reifung des Menschen auch in dieser Richtung verlaufen kann, stellt sie sich als eine Vertiefung der psychischen Reinigungsprozesse dar, wie sie im Kapitel „Der heilige Eifer" angesprochen sind. Aus einer grundlegenderen Schicht der Erkenntnisse heraus wird alles durchlichtet. Erkenntnisse sind nicht Denken, sie können mit oder ohne Denken auftauchen, sind nicht erzwingbar, und sie befreien. Die Gedankenwelt braucht hier nicht mehr verdrängt zu werden, wie einige andere Wege versuchten.
Das Denken wird von instinktartigen schwarz - weiß - Reaktionsmustern befreit, und das kontrollierbare analytische und synthetische Denken wird leichter zum Werkzeug des darüberstehenden Vernunft - Bewusstseins. Die Differenzierung im Denken schreitet fort - ohne dabei unentschiedener ("lau") zu werden. Hier wird dann auch z.B. verstanden, was genau unter welchen Umständen angebracht ist.
Bei Christus selbst kann davon ausgegangen werden, daß er nicht all jene Trübungen beseitigen musste, die den normalen Menschen von dieser Ebene trennten. Dennoch gab es auch für ihn eine immer größere Klarheit. Später bat er im sogenannten Hohepriesterlichen Gebet um jene Klarheit, die er bei Gott vor der Schöpfung hatte.
Extrafenster: Bibelzitat dazu.
Hilfe: zur Selbstprüfung bei der Arbeit mit diesen Haupttexten.
Jesus handelte nicht, um die Sensationsgier vieler Menschen zu befriedigen, und schon gar nicht um Menschen durch äußere Geschehnisse zum Glauben zu zwingen. Sein ganzer Weg ist durchzogen von der inneren Klarheit, was er jeweils zu tun hatte - also nicht „wegen diesem oder jenem Umstand, um diesen oder jenen Effekt zu erzielen". Heilungen waren oft „Zeichen", Handlungen im Kleinen, die für Größeres, Grundsätzlicheres standen. Bei der Heilung des Blindgeborenen am Sabbat antwortete Jesus, daß der Grund nicht Sünden seien, „sondern daß die Werke Gottes an ihm offenbar werden sollen". Vgl. Joh. 5, 6-9; Joh. 6; Joh. 9, 3 u.a.
Zugleich ist hier sicherlich eine Erschütterung veralteter Denkmuster und ein Nachsinnen über die tiefere Bedeutung solcher Taten eine erwünschte Nebenwirkung. Dass es Menschen gibt, die hierzu die Möglichkeit des äußeren Beobachtens, Zählens, Messens, Wägens bedürfen, anerkennt Jesus im Fall des Thomas, der als „Naturwissenschaftlertypus" unter den Jüngern betrachtet werden kann. Als er ausführlich Gelegenheit bekam, äußerlich zu prüfen, ob wirklich der auferstandene Jesus Christus vor ihm stand, sagt Jesus: „sei nicht ungläubig, sondern gläubig" - Joh. 20, 19-29. D.h. die nun gemachte neue Erfahrung soll Thomas durch ehrliches und tiefgehendes Nachsinnen so umsetzen, daß die Wurzel seines Zweifels verschwindet, ihm etwas „einleuchtet". Dass Jesus dies hinterher überhaupt noch sagen muss, bedeutet auch, daß Thomas kein Skeptiker war, der nun durch die äußere Realität „erschlagen" und „zum Glauben gezwungen" worden wäre, womöglich aus Furcht vor Strafe, sondern daß Thomas auch danach seine Fähigkeit, von innen heraus zu neuen Überzeugungen zu gelangen oder nicht, behalten hatte. Trotzdem sollte er lernen, daß es noch andere Möglichkeiten des Sich- Überzeugens gibt, als das äußere Betrachten.
Jesus wusste, was Thomas angemessen war. Er wollte niemanden zwingen, was den Charakter eines Gerichts gehabt hätte, und es kann auch keine Absicht gefunden werden, irgend jemanden, der für eine Entscheidung nicht reif war, zu einer Ablehnung zu provozieren.
Auch das „Thomasevangelium" ist es wert, gelesen zu werden, eine apokryphe Sammlung von Aussprüchen Jesu, egal ob sie von Thomas selbst geschrieben wurde oder nicht. Dieser Text war auch von spirituellen Christen in Ägypten und anderswo anerkannt.
Dementsprechend sind die „Wundertaten" Jesu auch nicht der Schwerpunkt seiner Tätigkeit gewesen. Oft tat er sie auch nur, um zu helfen, nachdem er gebeten wurde, ohne daß Menschenmengen versammelt gewesen wären, und er „bedrohte" Menschen, nichts zu erzählen.
Wenn heute allerdings Theologen/innen u.a. aus der Schule der „Entmythologisierungstheologie" Bultmanns immer noch davon ausgehen, sie könnten diese Wundertaten überhaupt wegerklären, bzw. als symbolische Beschreibung erklären, dann muss ihnen bescheinigt werden, daß sie sich an das mechanistische Welt- und Menschenbild des 19. Jahrhunderts anpassen, und daß sie neuere wissenschaftliche Strömungen einfach nicht zur Kenntnis genommen haben. Denn diese neueren Richtungen in der Quantenphysik, in der Biologie und Biophysik, der naturmedizinischen und parapsychologischen Forschung, der Astrophysik, usw. sind längst so weit, daß zumindest Anschauungshilfen darin gefunden werden können, die die „Unvorstellbarkeit" der biblischen Geschehnisse wegräumen. Das muss keine Suche nach einem „Gottesbeweis" darstellen, für den andere Ebenen als die naturwissenschaftliche zuständig wären.
Eines z.B. bleibt richtig an dieser theologischen Richtung, daß sie eine wissenschaftliche Objektivierbarkeit nicht als Voraussetzung des Glaubens für nötig hält.
Die Zeit der Einseitigkeiten der alten Aufklärung ist vorbei. Es ist auch für wissenschaftliche Geister möglich geworden zu glauben, ohne schizophren zu werden. In einer Zeit, wo die Menschen die aus der Parapsychologie bekannten Tatsachen, wie die Fähigkeiten Einzelner, Löffel aus einiger Entfernung zu verbiegen, ohne weiteres glauben – trotz soundsoviel Betrug bleibt genug Unbezweifelbares übrig –, wäre es einfach absurd, dem größeren Jesus Christus solche Möglichkeiten abzusprechen. Jesus handelte aus einem anderen Geist heraus, als aus dem Spaß am Löffelverbiegen, aber heute liegt es aus den verschiedensten Erfahrungen heraus nahe, daß Jesus tatsächlich alle Naturkräfte durchdringen konnte - und daß es gerade für heute auch durchaus wichtig ist, diesem Phänomen ins Auge zu sehen; für unser heutiges Menschenbild, für eine ganzheitliche, bzw. christliche Heilung usw. Eine solche spirituelle Sicht Jesu ist kein Gegensatz zur Wahrnehmung des „Menschensohnes" Jesus, der den Einzelnen und ihren sozialen Bezügen bzw. der Gemeinde ein äußeres Beispiel geben wollte. Vielfach führt erst die Annahme eines solchen Scheingegensatzes zur Ablehnung der „Wundertaten", weil die Betreffenden dann gutwillig meinen, falsche Tendenzen abwehren zu müssen, die von einem menschlichen und sozialkritischen Christentum wegführen. In Wirklichkeit dürfte erst beides zusammengenommen ein annäherndes Bild der wirklichen Radikalität Jesu ergeben, und seiner Verbundenheit mit dem Willen und daher auch der Kraft des Schöpfers.
Nun können wir bei den Heilungen Jesu noch einen weiteren Gesichtspunkt studieren. Er verweist nicht nur, wie manche Heiler der Gegenwart, auf „kosmische Energie", die sie durch sich hindurchfließen spüren, sondern er verweist auf den Glauben, den Glauben an eine Heilungsmöglichkeit durch ihn, letztlich durch Gott über die äußerlich anschaubare Person Jesu. Die Energie ist hier nicht wesenlose Kraft; sie ist zugleich eine Wirkung des Wesens Christi. Z.B. im östlichen Yoga wird vielfach die Energie isoliert betrachtet. Auch heute gibt es Heilungen, die im ursprünglichen Sinn mit Gebet zustande kommen, und mit Bezug auf das mit Christus verbundene Innerste des Menschen, das die Heilung und das Vollkommenerwerden des Menschen will, der dann auch laut Christus „Größeres tun" könne als er (Joh. 14,12-13).
Die spirituelle Heilung selbst und der damit verbundene seelisch-geistige Fortschritt bleiben allerdings eine nicht erzwingbare Gnade, soviel der Mensch auch zur Vorbereitung darauf tun kann.
Zu den "Gaben des Heiligen Geistes", wie der Heilungsgabe, dem "Zungenreden", und prophetischen Gaben s.a. 1. Kor. 12, 7-11; Apostelgeschichte 2, 17-20; und das Kapitel "Pfingsten" in dieser Broschüre. zurück.
Bis hierher sind alle menschlichen Wesensschichten, mit denen sich jahrtausendelang alte Mysterienschulen abmühten, von Christus neu aufgearbeitet worden. So kann das „Überbewusste" innere Selbst des Menschen im Ergreifen des körperlichen Lebens, des Seelischen, und des Mentalen in Erscheinung treten. Dabei wird die Fähigkeit entfaltet, auf der anderen Seite immer tiefere und ältere Schichten des Unterbewussten bewusst zu klären, zu integrieren, und zu erweitern.
Vom Geistig-Seelischen bis herab zu den Kräften des körperlichen Lebenswillens ging z.B. in den altägyptischen Mysterien der Weg.
Bei der Auferweckung des Lazarus - Joh. 11* - deutet sich eine weitere Vertiefung an. Zunächst ähneln manche scheinbar nebensächliche Einzelheiten auffallend jenem besagten ägyptischen Wissen. Dieses enthielt eine Erfahrung, wo der Mensch drei Tage in einem Zustand verbrachte, den die moderne Parapsychologie als „Out-Of-Body-Experience" kennt, also als außerkörperliche Erfahrung, wie im Flugtraum, nur bewusst. Der Körper lag scheintot da. Der Mensch hatte danach die innere Gewissheit, daß er als seelisch-geistiges Wesen nach dem Tod weiterexistieren würde. Es musste darauf geachtet werden vom „Hierophanten", daß der Proband spätestens nach 3 Tagen wieder im irdischen Bewusstsein erwachte, sonst wäre ein Erwachen nicht mehr möglich gewesen, und die Körpersubstanz hätte zu verwesen begonnen. Genau das wird uns jedoch von Lazarus berichtet, nach vier Tagen „stank er schon". Tiefer, bis in die physische Substanz hinein musste so jene Kraft wirken, die ihn wieder „zurückholte". Durch das biblische Geschehen zieht sich eine Tendenz, zu demonstrieren, daß eine christliche Geistesart auch und sogar besonders im Materiellen und in der äußeren Tat erkennbar ist; eine Tendenz, die erst in unserer Zeit wieder aktuell ergriffen werden kann, nachdem die Mystik früherer Jahrhunderte vorwiegend erst einmal die geistig-seelischen Schichten klärend durchdrang.
Eher von derartigen Erfahrungen, sich außerhalb des physischen Körpers zu empfinden, dürften die Lehren aller Religionen über das Weiterleben nach dem Tod herrühren, als von philosophischen Spekulationen, die dem Bewusstseinszustand der Menschen der Vor-, Früh- und antiken Geschichte nicht besonders entsprachen. Eine angemessenere Darstellung findet sich bei Jean Gebser „,Ursprung und Gegenwart". Er unterscheidet eine archaische, eine magische und eine mythische Bewusstseinsstufe vor der des abstrakten Denkens und einem integralen Bewusstsein. Ob die Brüche zwischen diesen Stufen sein mussten, ist eine andere Frage; jedenfalls können sie heute aufgearbeitet werden. Auch R. Steiner betont die Unvergleichlichkeit älterer Bewusstseinsarten. Lediglich Anklänge daran lassen sich in den verschiedenen Altersstufen der heute aufwachsenden Einzelnen finden.
Der Vergleich mit antiken Einweihungsriten soll im Übrigen nicht besagen, die Auferweckung des Lazarus sei eine zwischen allen Beteiligten äußerlich vereinbarte rituelle Handlung wie in Ägypten gewesen. Jesus löste vielfach seine Handlungen im Leben von kultischen Vorschriften zeitlicher, z.B. Sabbat, räumlicher, z.B. Tempel oder situationsbezogener Art. Erst aus dieser Freiheit heraus nutzte er solche Umstände hin und wieder dennoch positiv, z.B. Pessach-Feste, Tempel.... Darin kann er heute Vorbild für den Umgang mit manchen Trends sein, z.B. die Annahme astrologischer Gesichtspunkte, „Kraftplätze", Gebräuche. (Siehe auch Bücher von Marko Pogacnik : "Wege der Erdheilung", "Erdsysteme und Christuskraft", ...)
Im Zusammenhang der Auferweckung des Lazarus wird auch Jesus und sein sich bildender Umkreis als Ganzes nach außen hin stärker sichtbar. Darin zeigt sich ein erweitertes Bewusstsein von Jesus, daß auch den Jüngerkreis umfaßt, und auf diese Weise jetzt auch die größere soziale Umwelt befruchtet. Eine verwandte Erweiterung des Bewusstseins kann sich auch heute für Menschen in der Nachfolge Jesu ergeben, wenn sie ihre Gruppenaktivitäten nach außen ausstrahlen.
Es folgt nun der Weg der Passion. Der Hohepriester stellt in seinen Worten eine Beziehung her zwischen dem, was mit Jesus geschehen soll und dem Schicksal des Volkes (Joh. 11). In seiner prophetischen Sicht nimmt er richtig wahr, daß Christus für alle sterben wird. Aber er interpretiert falsch, daß Jesus dem Volk Schaden zufüge, wenn er am Leben bliebe. Das erfordert ein Bewusstsein, das über das Denken hinaus Prozesse und Zusammenhänge gleichzeitig auffassen kann, was als Fähigkeit meist erst erworben werden muss. Es ist nicht mit instinktiv auftauchenden Bildern identisch. Tiefste Ursachen können aufgedeckt, aufgelöst, und geschaffen werden. Keine negativen oder anderen Gedanken werden mehr halbbewusst abgelagert, sie können sich nicht mehr zu bis in tiefere, auch körperliche Schichten wirkenden Problemstrukturen zusammenballen. Auch rückwirkend wird diese Problematik langsam gelöst, wenn der Mensch auch diesen Gesetzen nachspürt. Der Weg in eine freie, schöpferische Zukunft wird frei.
Extrafenster: Evangelienzitat(e).
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Einige Zeit vor der Fußwaschung werden die mit Christus Verbundenen als „Schafe" angesprochen - Joh. 10, 11-18, wie auch Christus selbst an anderer Stelle als „Lamm" angesprochen wird. ("Schafe" werden auch "Böcken" gegenübergestellt, z.B. Mt. 25:32-33). Es wird hier die vorhandene bzw. wieder erarbeitete Offenheit der Jünger – speziell für das, was von Christus ausgeht – betont, wie auch die ebensolche Beziehung zwischen Christus und Gott. Obwohl er nun schon sehr gereift sein mag, kann sich der Mensch nun auf einer Ebene erneut als unbeschriebenes Blatt fühlen, wie ein Kind. Wirklicher Fortschritt führt – auch wenn immer wieder Stolz aufgearbeitet werden muss – eher zur Bescheidenheit; die Einsicht, daß alle Menschen eine zwar bedeutende, aber letztlich kleine Rolle gegenüber Gott haben, wächst. Auch von „Demut" kann hier gesprochen werden; aber in einem freien und geistlichen Sinn, und nicht im Sinne kriecherischen Verhaltens gegenüber irdischen Autoritäten, welches Missverständnis oft produziert wurde. Nicht zufällig sagt Christus im selben Kapitel „Ich bin die Tür". Wer sein Wesen bzw. sein Herz öffnet für Christus, für den ist auch er offen wie eine Tür, die zu Gott führt, eine Voraussetzung für alles Weitere.
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Der Rest der Evangelienberichte weist immer mehr symbolische Geschehnisse auf, wo eingehendere begleitende Lehren fehlen. Spätestens hier können wir die zurechtgebogenen kommerziellen „Alles-über-Jesus-Enthüllungsstories", an deren Ende wir immer noch nichts wissen, getrost beiseite legen. Zwar können auch hier manche äußere Kenntnisse hilfreich sein, aber Entscheidendes kann hier überhaupt nur noch meditative Betrachtung erschließen. Dies kann allerdings für Andere nur Anregung für eigene Erkenntnisbemühungen sein, und kein Pfarrer oder Historiker kann uns diese abnehmen.
Die Fußwaschung wird im Bibeltext - Joh. 13, 1-20 - als Reinigung umschrieben . Da solche „esoterischen" Stellen später sowieso kaum noch verstanden wurden, wurden sie wenigstens unzensiert stehen gelassen. Der Betreffende ist „ganz rein", es geht also nicht um die Füße, sondern um deren symbolische Bedeutung im gesamten Menschen. In den verschiedensten Kulturen war jenes Denken in Entsprechungen verbreitet: Die gleichen Funktionen lassen sich finden im menschlichen Organismus, also dem Mikro- oder Mesokosmos, und in der äußeren Natur, also dem Makrokosmos. Die Füße sind dem Irdischen zugewandt, ihre Bewegung folgt dem Willen. Ob der Mensch äußerlich den einen oder anderen Weg „geht", erfordert eine Willensentscheidung. Eine Reinigung dieses Willens und dessen widersprüchlicher Kapriolen - hier durch Christus - zeigt sich als Inhalt der Fußwaschung. Vgl. auch, daß Jesus in Matth. 25, 31ff. der Guten Tat einen höheren Wert beimißt als christlichen Lippenbekenntnissen.
Allerdings stellt diese Handlung, wie alle nachfolgenden Geschehnisse, keine bloße Wiederholung der bereits in den Jahren zuvor gegebenen Impulse zur Reinigung der verschiedenen Wesensbereiche des Menschen dar. Alles steht unter dem neuen Vorzeichen, daß Jesus innerlich weiß, daß „seine Zeit gekommen war", und daß seine Jünger reif werden sollten, das „gewisse Etwas" eigenständig in größere Kreise weiterzutragen. Nicht mehr nur ihre persönlichen Qualitäten, hier ihr guter Wille, unter der Übersicht ihres inneren Ichs ist das Ziel wie bis zu diesem Punkt,. Sondern dieses höhere, nicht-egoistische Ich - nun vereinigt mit der „Person", kann nun selbst immer stärker eins werden mit jenem „Christus, der in uns Gestalt angenommen hat"; wie ein „Ich der Iche". Es geht nun immer weniger um ein rein persönliches Schicksal.
Diese Erfahrung könnte zunächst so umschrieben werden, daß beim inneren Nachvollzug dieser Handlung sich eine derartige Reinheit ergeben kann, daß nun alles direkter aus der innersten Quelle selbst gesteuert werden kann durch die verschiedensten Wesensschichten hindurch. Jedoch ist es zunächst der Wille. Das Fühlen und Erkennen wird sich erst im weiteren Verlauf so vervollkommnen, daß der Mensch das Warum seiner Impulse direkt erklären kann. Auch Gott folgt in uns der Reihenfolge, wie sie auf tieferer Ebene das Aufwachsen eines Kindes zeigt. Das heißt nicht, daß dieser neue Abschnitt der Entwicklung z.B. "kopflos" abliefe. Die menschliche Entwicklung des ethischen Fühlens und der klaren Erkenntnis ist schon vorher stark angestoßen worden. Lediglich eine weitere Vervollkommnung derselben im Sinne Christi, wie sie nun der Willensbereich bereits erhält, steht hier noch aus.
Eine andere Erlebensart dieser schwer beschreibbaren Phasen könnte diese in Beziehung sehen zum Gewahrwerden der eigenen Bewusstheit, bzw. des Blicks, mit dem (Schutz-)„Engel" bzw. das Höhere Selbst das Leben betrachten könnten. Das (engelsartige) Höhere Selbst kann sich jetzt stärker mit Christus vereint zeigen, und macht so auch eine Verwandlung durch. Engelserfahrungen sind heute in Teilen der neuen spirituellen Bewegungen gang und gäbe; während Christen trotz Bibel noch vielfach zweifeln, ob es so etwas überhaupt gibt, ganz zu schweigen von der Frage, was es mit dem „eigenen" bzw. „Schutzengel" des Volksmunds real auf sich haben könnte, und wie eine solche Verbindung aussehen könnte. Christus steht jedoch für das geformte, personale Wesen des Menschen, und für die Beibehaltung der Errungenschaften des Menschenlebens beim Sich- Öffnen für die unpersönlichen Kräftewelten der „Engel". Auch ist für Christus ein Mensch, der eine solche Erfahrung hat, noch lange nicht vollkommen. Erste Einblicke darin ließ er die Jünger schon in Joh.1 gewinnen. Manche spirituell Orientierte meinen, es gehe überhaupt nur um das Engelerlebnis, und danach könnten sie sich vom Irdischen zurückziehen; indessen setzt ein Forschen in diesen Bereichen viel an bereits erarbeiteter Stabilität voraus, wenn es nicht im Irrgarten der Illusionen enden soll; weiter beginnt sicherlich mit dieser Phase die Möglichkeit einer umfassenden Durchdringung des Irdischen durch den Geist erst richtig. Als Anhaltspunkt sei hier erwähnt, daß z.B. R. Steiner als Geistesforscher der Evolution des Menschen auf der Erde noch lange Zeitalter zuschreibt, wie insoweit auch manch andere Richtung. Dass noch andere Praktiken, wie hypnotisch-spiritistische „Geisterbeschwörungen" schon gar nichts mit der hier gemeinten archetypischen Grunderfahrung der Engel zu tun haben, braucht hier wohl nicht weiter hervorgehoben zu werden. Es gibt jedoch inzwischen viele ernstzunehmende Bemühungen von Menschen, in ihrem täglichen Leben mit Engeln in Kontakt zu sein.
Bei der Fußwaschung ist bisher kaum aufgefallen, daß jene Stelle - z.B. Joh.12 - dazu im inneren Zusammenhang steht, wo Maria von Bethanien Jesus symbolisch salbt, und seine Füße mit ihrem Haar trocknet. Steht sie einfach für sich als Mensch, oder steht sie hier auch für weibliche Aspekte Gottes, wie sie Maria, der Mutter Jesu, und Maria von Magdala – wahrscheinlich nicht identisch mit M. v. Bethanien – an anderen Stellen zugeschrieben werden könnten? Warum geht dies der bekannten Fußwaschung voraus? Für die – allerdings widersprüchlichen – Ansätze feministischer Erfahrungs-Theologie gibt es sicherlich auch noch ungehobene oder nur teilweise gehobene Schätze. Die "letzte Ölung" z.B. der katholischen Kirche kann auch als ein Nachklang dieses Geschehens aufgefasst werden.
Weiter ist bemerkenswert, daß die Fußwaschung keine einmalige Handlung durch Jesus persönlich darstellt, sondern daß auch die Jünger untereinander ermutigt werden, sich gegenseitig die Füße zu waschen, ähnlich wie das Abendmahl einfach in die Hände der entstehenden Gemeinschaft gelegt wird – im Sinne eines Priestertums Aller. Der bei der Fußwaschung verfeinerte Wille bzw. Lebenswille wird über das eigene Wesen hinaus ausgeweitet auf den Umkreis, zunächst auf das Gegenüber, dem der/die Betreffende die Füße wäscht, dann auch auf die Mitverantwortung für Weitere und die Jünger insgesamt.
Fußwaschung kann auch als Dienst am Anderen verstanden werden. Nur mit dieser Fußwaschung haben sie „Teil an ihm", wie es Jesus nennt. Das unterstreicht die in vieler Hinsicht weitreichende Bedeutung dieses Schrittes. Besonders ist zunächst jener Bereich angesprochen, den junge Leute so benennen: er/sie „geht mit mir". Allerdings geht es dann nicht mehr darum, „eine Beziehung zu haben", sondern „in (einer lebendigen) Beziehung zu sein". Nur als „Schritt voran" ist die Fußwaschung verständlich. Auf die äußere Gestaltung einer derartigen Handlung kommt es weniger an. Im Sinne der alchemistischen Praxis, äußere Handlungen als Anschauungshilfe auch für innere Haltungen und Prozesse im Menschen zu nutzen, ist eine solche Handlung jedoch sinnvoll; aber eben nur mit der dazugehörenden inneren Haltung. Auch eine denkbare richtige Einstellung eines handelnden Pfarrers würde nicht genügen, es bedarf der Betroffenen selbst, denn um diese geht es. Das gilt auch für das Abendmahl – über die verschiedensten Aspekte desselben sind die Theologen zerstritten; sie mögen auf eine Art sogar jeweils recht haben, aber diesen Aspekt der bewußten Verwandlung der Betroffenen selbst , auf den es bei Licht betrachtet eigentlich ankommt, haben weder die katholischen noch die evangelischen Kirchen genügend gewürdigt.
Waren es bei einfacheren Lehren noch z.B. 5000 Menschen, und später 500 oder 70, die noch folgen konnten, so nahmen an der Fußwaschung zunächst nur die elf Jünger teil, die Vieles von Jesus gelernt hatten und so vorbereitet waren, daß sie die Gelegenheit ergreifen konnten. Judas konnte das hier eventuell noch nicht. Auch Jesus gibt nicht alle Lehren gleich für Alle, sondern schrittweise. Allerdings ist es möglich, daß Einzelne auch vorankommen, wenn ihre tiefere Betrachtung gleich bei diesen, auf die Kreuzigung zugehenden Geschehnissen ansetzt. Dies versuchten die christlichen Rosenkreuzer. Fußwaschung, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzigung und Grablegung, Auferstehung, Himmelfahrt wurden „christliche Einweihungen" genannt. In die Umsetzungstiefe einer neueren Zeit übertragen, ergaben sich daraus auch die Traumbilder der sieben Tage der „chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz", 1616 von dem lutherischen Theologen J.V. Andreae als Satire getarnt veröffentlicht.
Ein solcher Schritt ist sicherlich meist nicht beim ersten Erleben desselben im Äußeren, in der Meditation oder im Traum abgeschlossen. In viele Richtungen kann sich das Sein des Menschen mit all seinen Fähigkeiten erweitern, andere Schritte können folgen, sich mit einigen vorherigen überschneiden, aber in sich in gewisser Art abgerundet sein werden neue Qualitäten erst, nachdem das Vorhergehende, worauf sie aufbauen, abgerundet ist.
Nach der Salbung in Bethanien folgt in Joh. 12 der Einzug Jesu in Jerusalem als Messias. Nach der Fußwaschung werden z.B. in Joh. 13-17 die Ankündigung des Verrats durch Judas Ischariot, die Abschiedsreden, und das hohepriesterliche Gebet Jesu überliefert.
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Jesus war, als verheißener Messias gefeiert, in Jerusalem eingezogen - Joh. 12, 12-19. Die verhärteten Priesterkasten verstanden es, gezielt auf die „psychischen Knöpfe" der Menschen zu drücken, und so die Stimmung der Masse z.T. ins Negative zu drehen. Individuen, die in sich Negatives und Gleichgültigkeit beachten und einer Wandlung zuführen, könnten erst jene Stabilität und Gottverbundenheit bekommen, mit der sie nicht mehr so manipulierbar wären durch Massensuggestion – und äußere negative Kräfte, deren Realität verschiedentlich auch in Erscheinungen des 20. Jahrhunderts zu belegen versucht wurde.
Bei der Gefangennahme in Joh. 18 – es wirft die Soldaten zuerst sprichwörtlich um – zeigt Christus, daß er nicht unter ihrer Kontrolle steht. Dennoch lässt er danach willig alles mit sich geschehen.
Die „Geißelung" Jesu - Joh. 19, 1 - trifft seinen Rücken. Der mittlere Bereich des Menschen, sein Fühlen, seine Leidensüberwindungskraft im Emotionalen sind Qualitäten, die beim meditativen Nachvollzug auftauchen können, und nicht etwa passiv verzagtes Leiden. Dennoch berichten alle christlichen Mystiker, die das freiwillig oder unfreiwillig im Innern nacherlebten, vom Schmerz. Christus flieht also auch nicht ängstlich vor diesem, was ihm sicher - wie einem indischen Meister, der Pratjahara, also das Zurückziehen der Sinne beherrscht - möglich gewesen wäre. Eher ist auch hier eine Ausweitung des Bewusstseins auf das Leiden Anderer zu ertasten.
Es sei hier angemerkt, daß es nicht die ganze Wahrheit war, wenn, wie erwähnt, die Geißelung
Jesu zum Symbol einer bestimmten „Einweihungsstufe" gemacht wurde, also einer
Entfaltungsstufe des heutigen Menschen auf dem Weg zu größerer Vollkommenheit. Der eigentliche
Schritt wird von Jesus bereits beim auf die Salbung in Bethanien folgenden Abendmahl ins
Leben gesetzt (Matthäus 26, 26-29). Dieses Abendmahl ist das bessere Symbol für das,
was Jesus der leidenden Menschheit gibt. Das Brot steht vor allem für die Substanz
(bzw. die Seele) Jesu Christi, des „Wortes".
Der Wein steht für den göttlichen Geist Christi, der dies Wort lebendig macht für das altruistische Wirken. Die
katholische Kirche betonte die Veränderung der Substanz des Brotes und Weines zum Fleisch und Blut
Christi; die evangelischen Kirchen betonten die Feier des Gedenkens an Christus. Beide haben
insoweit zwar recht - schon beim einfacheren "Weihwasser" haben wissenschaftliche
Untersuchungen eine Veränderung des Winkels der Wassermoleküle gezeigt. Aber der eigentlich
wichtige Punkt wäre die Veränderung im Teilnehmenden selbst, indem sich dieser konzentriert darauf
einstellt, durch das verwandelt zu werden, was vom verwandelten und verwandelnden "Fleisch und
Blut" von Christus ausstrahlt. Dafür ist das Brot und Wein zugleich eine Anschauungshilfe. Einige
versuchten sogar, sich rein geistig ohne Brot und Wein auf das verwandelte und verwandelnde
"Fleisch und Blut Christi" einzustellen - und empfanden die Wirkung. Dies ist jedoch
zumindest schwieriger. Und - wenn jemand ein gesegnetes Mahl praktizieren möchte, ohne den Anspruch
eines kirchlichen "Sakramentes", würde dies eher "Agape-Mahl" -
"Liebesmahl" genannt.
Die Geißelung kann als eine Art äußere, karikaturistische Antwort unwissender Mächte auf das,
was eigentlich vor sich ging, verstanden werden, und muss daher nicht so sehr im Zentrum des
Nacherlebens stehen. Dies gilt auch für die folgende Dornenkrönung. Die manchmal etwas einseitige
Leidensbetonung in der alten christlichen Esoterik verhält sich zu solchen neueren Erkenntnissen
etwa wie die ältere Darstellungsart Johannes des Täufers zur Art des Lehrens durch Jesus und seine
Jünger. Der Mensch ist frei zu wählen, welchen dieser Wege er in erster Linie verfolgen will.
Extrafenster: Bibelstelle zum Abendmahl (Heilige Kommunion, Eucharistie).
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Da die Geißelung eine bei den Römern gebräuchliche Mindest-Strafmaßnahme war, tritt hier die Deutung dieses Begriffs im Sinne vorchristlicher Mysterienkulte in den Hintergrund. Die Dornenkrönung - Joh. 19, 2-3, ein darauffolgender Begriff aus diesen Mysterien, ist hingegen nicht Bestandteil des normalen römischen Repertoires. Sicherlich ist es als Ironie erkennbar: Dornen statt Gold. Dennoch bleibt die Frage, wie es zustande kommt, daß die Soldaten so exakt an Mysterientraditionen anknüpfen, selbst wenn ihnen das in dem Augenblick nicht bewusst gewesen sein mag. Selbst wenn sie – viele römische Soldaten waren Anhänger solcher Kulte – sich der äußeren Ähnlichkeit bewusst gewesen wären, hätten sie allerdings Christus nicht auf die ihnen bekannte Erlebensart reduzieren können.
Während die goldene Krone Symbol äußerer Herrschaft gewesen wäre – nicht notwendigerweise negativ verstanden – , war die Dornenkrone bei Christus ein Symbol einer Art von Meisterschaft, die in der Welt nichts galt. Dabei stachen die Dornen in den Kopf. Auch hier ist nicht nur Schmerz zu suchen, sondern eine Kraft, alles gedankliche Verzagen zu überwinden, von dem Christus hier keine Anzeichen zeigt. Sie finden sich nur in dem Moment, bevor er sich endgültig entschieden hatte, den „Kelch" nicht an sich vorübergehen lassen zu wollen. Mit Geißelung und Dornenkrönung finden wir etwas angedeutet, was insofern die Fußwaschung fortsetzt; auch das Fühlen und die Erkenntnis – allen Widerständen trotzend – erscheinen eher „geheiligt".
Die angesprochene stetige Tendenz in dem Geschehen, über sich selbst hinauszuwachsen, hat als Kraft auch einen Bezug zu neuen Bewegungen, wie Friedensbewegung, ökologische Bewegung, spirituelle Bestrebungen, die „die Erde heilen" wollen.*
Wie schon bei der „Geißelung" handelt es sich auch bei der „Dornenkrönung" um eine Reaktion, um einen Abklatsch dessen, was bereits vorher eigentlich vorgegangen war. Dieser eigentliche Punkt, wo vom Positiven her jene geistige Öffnung, über sich hinauszuwachsen zum Ausdruck kommt, liegt in den „Abschiedsreden" Jesu *, z.B. Joh. 13,31 - 17, und in den Begegnungen mit Pilatus, z.B. Joh. 19,5* (*"Seht, Der Mensch", was sich meditativ wie ein Erahnen des Jesus Christus als Urbild erlöster Menschen zeigen kann.) Nicht nur die Fußwaschung und das Abendmahl als Solches, auch die Worte Jesu waren zugleich Taten.
Es könnte diesen Erkenntnissen entsprechend sinnvoll sein, wo heute von „christlichen Einweihungen oder Entwicklungsschritten" die Rede ist, die positiven Grundlagen ausschlaggebender zu berücksichtigen.
Hilfe: zur Selbstprüfung bei der Arbeit mit diesen Haupttexten.
Die heutigen Sichtweisen zu Kreuzigung und Tod Jesu - z.B. Johannes 19, 12-37 - sind noch unterschiedlicher, als zu anderen Stationen seines Werdegangs; das liegt einerseits am ihnen kirchlicherseits zugesprochenen Stellenwert, andererseits daran, daß die Ausleger alles in ihr jeweiliges weltanschauliches System einordnen wollten.
So waren gnostizistische Bestrebungen am Rande des frühen Christentums zwar willens, sich mit Christus zu befassen. Auf ihrem altgriechischen Hintergrund konnten sie sich jedoch nicht vorstellen, daß ein derart großes Lichtwesen von einer Frau geboren und gestorben sein sollte. Also musste er wie ein Engel, bzw. wie es später manchen östlichen Meistern zugeschrieben wurde, sich lediglich durch einen Scheinleib sichtbar gemacht haben, der dann auch nicht sterblich war, sondern einfach wieder aufgelöst wurde. Da in ihrer Lehre die irdische Welt und Materie als für ewig böse galt, lag es ihnen auch fern, anzunehmen, daß ein solches Wesen alle Stationen des irdischen Lebens durchlaufen oder gar mit seinem Licht durchdringen sollte. Der Begriff „gnostizistisch" wird hier im Unterschied zu apostolischer Gnosis verwendet, welche Unterscheidung selbst der Sektenkritiker F. W. Haack gelten ließ. Jedoch gab es die verschiedensten Übergänge in derartigen Lehren, z. B. anerkennt das gnostische „Evangelium der Wahrheit", daß Jesus ans Kreuz genagelt wurde.
Menschen mit materielleren oder ablehnenderen Einstellungen verbreiteten nicht nur Legenden, Jesus sei ein unehelicher Sohn eines römischen Soldaten gewesen, was bei den damaligen Moralvorstellungen etwas maximal Abqualifizierendes war. Es wurde auch spekuliert, Jesus sei nicht gestorben, sondern gepflegt worden bzw. genesen. Bis heute gibt es gleichartige Versuche, z. B. das Grab eines möglicherweise alten Mannes namens Jesus in Kaschmir auf den biblischen Jesus zu beziehen. Auch mindestens noch eine weitere andere, noch nicht aufgefundene europäische Grabstätte Jesu taucht in moderner Literatur auf. Dazu muss gesagt werden, daß Jesus, oder auch Jehoschua, Jeschua, Jesat genannt, kein einmaliger Name war. Auch in Apokryphen (nicht in den biblischen „Kanon" aufgenommene Schriften) tauchen mehrere andere Jesusse auf: Jesus Sirach, Jesus ben Pandira.
Teils im Zusammenhang mit solchen Thesen sind widersprüchliche Untersuchungsbefunde über das Turiner Grabtuch Jesu aufgetaucht. Einmal sollte das Tuch Pollen aus Zeit und Heimat Jesu enthalten, dann wieder stammte es „aus dem Mittelalter". Einmal konnte der Bildeindruck nur durch plötzliche hochenergetische Strahlung hervorgerufen worden sein, z. B. durch plötzliche Auflösung, ein andermal sollten Blutspuren darauf hindeuten, daß Jesus bei der Kreuzabnahme noch gelebt habe. Eine Würdigung des neueren Forschungsstandes spricht wiederum für eine Echtheit dieses Tuches, und eine ungewöhnliche Entstehungsursache des Bildes. Dies mag manchen Menschen helfen, auch in ihrem Erdenverstand zur Realität des Christusgeschehens vorzustoßen (vgl. die Bemerkungen über den Weg des Jüngers Thomas im Kap. "Wundertaten" bzw. in der Extraseite "Naturwissenschaften..."). Bei Lorber wird nur der „Trierer Leibrock" als unecht behandelt; dies jedoch mit der offensichtlichen Zielrichtung, den Glauben selbst im Innern zu suchen, und diesen nicht von einem solchen Wechselbad durch Befunde und Theorien über äußere Artefakte abhängig zu machen.
Solche Forschungen können jedoch meditative Untersuchungen anregen. Dabei deutet sich an, daß etwas vorliegt, was in kein bekanntes Schema von Leben und Tod passt. (Vgl. auch Grönbold „Jesus in Indien- das Ende einer Legende", und die hektographierte Schrift von Margarete Eckel, „Am Kreuz gestorben".)
Wie schon weiter vorne festgestellt wurde, sind Zeugnisse der Mystiker oft hilfreicher, um der Frage nach der Bedeutung der früheren Geschehnisse für die gegenwärtige Entwicklung von Menschen, und damit auch der Frage nach ihrem Charakter näherzukommen. Je mehr spirituelle Erfahrungen in dieser Richtung jemand hat, desto mehr versteht er. Die Wahrnehmungen christlicher Mystiker und Stigmatisierten – Träger/innen der Wundmale Christi – sind ohne Kontakt zueinander z. T. verwandt; sie enthalten über das Erleben Jesu manche in der Bibel nicht bekannte Einzelheit, sind aber auch darin ähnlich, von Franz von Assisi bis Pater Pio und Therese von Konnersreuth. Alle stimmen sie darin überein, daß Kreuzigung und Tod Christi real und tief in diese Welt eingeprägt ist, und eine unverhoffte oder auch bewusste Verbindung mit diesem Geschehen unvorstellbares Leiden, aber auch eine unvorstellbare, nicht herab-, sondern alles heraufziehende Kraft erfahren lässt. Dem existenziellen, das ganze Wesen total betreffenden, Charakter der Kreuzigung steht das Leben solcher außergewöhnlicher Personen sicherlich näher, als eine allein den Intellekt betätigende Herangehensweise. Beim Thema Tod und Leben geht es um mehr, als um einzelne Wesensschichten, die hier gemeinsam beteiligt sind, hier einschließlich der „kausalen" Ebene des Erzeugens von Prinzipien und Schicksal. Auch Menschen mit nicht so ausgeprägter mystischer Gottverbundenheit können die Geschehnisse meditativ als Brücke zur Wirklichkeit nutzen, wie unvollkommen das auch immer sein mag. Durch das Wort zu seinem mitgekreuzigten Verbrecher, bald werde dieser mit ihm „im Paradiese" sein, deutet Christus an, daß auch ein rascher Nachvollzug seines Weges möglich ist.
Die bewusste Durchdringung dieser tiefsten Vorgänge menschlicher Existenz, die mit Bedrückung, Leiden und Degeneration verbunden sind, kann sich als reale gegenwärtige Möglichkeit zeigen, in welchem Ma