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Extraseite:
Informationen zu: Jesus Christus und der Hinduismus.
Die zusätzlichen Seiten des Internetprojekts "Christuswege" zu verschiedenen anderen Religionen sind ein Beitrag zum besseren Verstehen derselben und zum interreligiösen Dialog. Hier werden Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen hinduistischen Richtungen und einem Christentum dargestellt, das sich seiner eigenen spirituellen Tiefen (wieder) bewusst ist. Damit ist nicht der Anspruch verbunden, die hinduistische Religion umfassend zu beschreiben. Sondern hier werden Kernpunkte präzise herausgearbeitet.
Jesus Christus.
In Lehren hinduistischen Ursprungs gibt es den Begriff der „Avatare" verschiedener Stufen. Darunter
werden Menschen verstanden, die nicht zu ihrem eigenen Fortschritt auf der Erde
sind, sondern freiwillig, um zum Fortschritt eines Volkes oder der Menschheit
beizutragen; wie ein Tropfen „aus göttlicher Vollkommenheit". Die
Unterschiede zwischen derartigen aufeinanderfolgenden „Avataren" und
Religionen verschwimmen jedoch oft in solchen Auffassungen, während die jüdische und
christliche Auffassung den „Gott der Geschichte", den Aspekt der
Weiterentwicklung und die besondere diesbezügliche Rolle des „Messias"
betont (Auszug aus Kapitel "Im Anfang war das Wort..." aus dem
Haupttext * ).
Dennoch
ist dies vom indischen Denken her gesehen eine zulässige Annäherung an das
Verständnis der Aufgabe Jesu Christi. Daher erkennen auch hinduistische
Yoga-Meister oft eine größere Rolle von Jesus, als jene unter den modernen christlichen Theologen, die Jesus nur als normalen
Menschen bzw. Sozialreformator sehen. Es gibt aber auch Hindus, die Jesus nur
als einfachen Meister bzw. Lehrer sehen. Bei all dem ist zu berücksichtigen,
daß die spirituellen Tiefen des Christentums teils verschollen waren und erst
wieder so verständlich gemacht werden müssen, daß ein sinnvoller Dialog
darüber mit anderen Religionen überhaupt möglich wird. (Daran arbeitet
diese Website in ihren ausführlichen Texten * ).
Yogawege** und Christentum.
Entsprechend dem Wort "Ihr
sollt vollkommen sein (werden) wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Matth.5,48)
ist für uns das Interessanteste an jeder Religion die Frage, wohin die
praktischen spirituellen Pfade führen. Das sind im Fall des Hinduismus die
vielgestaltigen Yoga-Wege. Diese suchen 'durch Beherrschung der äußeren und
inneren Natur des Menschen die Seele zu ihrer göttlichen Vollkommenheit'
zurückzuführen.
In diesem Zusammenhang gibt es europäische
Schulungswege (...), die Elemente wie die im Yoga bekannten Nerven- oder
Bewusstseinszentren -Chakren- unter anderen Namen einbeziehen können. Derartige
Bemühungen sind nicht automatisch "nichtchristlich", wie
kirchlicherseits vermutet wurde, sondern diese Zentren im Menschen waren schon
den christlichen Theosophen des Mittelalters bekannt (Johann Georg Gichtel), und
sind inzwischen als real in jedem Menschen vorhandene Energiestrukturen
erkennbar; ebenso wie die Kenntnis der besonders aus China bekannten
Akupunkturpunkte nicht automatisch "taoistisch" ist - denn diese sind
längst mit Meßgeräten und neuerdings auch histologisch im Gewebe des Menschen
nachweisbar. (Auszug aus "D.hl. Eifer" aus dem Haupttext). Vgl.
auch Albrecht Frenz "Christlicher Yoga - Christliche Begründung einer
indischen Meditationsweise", wo angenommen wird, daß Christentum und die
praktischen Methoden des Yoga kompatibel sind.
Entscheidend
ist aber für Christen die geistige Haltung; d.h. werden Übungen als
Vorbereitung des eigenen Wesens für das Wirken Gottes gesehen, oder wird
fälschlich gedacht, die Vollkommenheit in Gott könne durch die Techniken
erzwungen werden (Körper- und Atemübungen, Mantrasingen, Konzentration,
Meditation und Kontemplation...) ?.
Eine weitere solche Unterscheidung für
Christen: wenn z.B. im Yogabereich Begriffe wie "Christuskraft"
auftauchen, wird dann gesehen, daß die heilende Kraft Christi ein Teil seines
Wesens ist, die obendrein auf den ganzen Menschen wirkt - oder wird sie nur als
isolierte kosmische Kraft erlebt? Wenn sich jemand nicht direkt auf Christus
einstellt, woher will er/sie dann wissen, daß das von ihm/ihr Erlebte
tatsächlich mit Christus zu tun hat? (z.T. aus "Die Frage nach den Wundertaten"
im Haupttext) *
Auf jeden Fall gibt
es auch originäre christliche Wege statt solcher teils ans Christentum
angepaßten Methoden aus anderen Quellen; nur diese sind erst wieder dabei, für
die heutige Zeit fruchtbar gemacht zu werden. Z.B. wäre die uralte Praxis der
orthodoxen Mönche auf dem Berg Athos ("kyrie-eleison", "Herr
erbarme Dich") in der indischen Terminologie eine christliche Atem- und
Mantren-Übung. (Vgl. "Die Stille in der Wüste" aus dem Haupttext) *
. Des weiteren existiert z.B. die spezifisch christliche Evangelien-Meditation,
wie sie unserem Haupttext zugrundeliegt und in unserer Extraseite Christliche
Meditation beschrieben wird *.
**Das indische Wort Yoga bedeutet wörtlich "Das Anjochen", d.h. die Wiederverbindung mit dem Ursprung, ähnlich der wörtlichen Bedeutung des lateinischen Wortes Re-ligion. Trainingsmethoden hinduistischen Ursprungs für Körper, Seele und Geist.
Christliche und indische Arten der Mystik.
Das Nacherleben der Kreuzigung, bzw. der
„Mitternacht der Seele", des „mystischen Todes", des Durchgangs
durch eine Verlassenheit von allem, woran der Mensch sich klammern könnte, das
alle bekannten christlichen Mystiker (z.B. Meister Ekkehart) in der einen oder anderen Form zu spüren
bekamen, hat auch eine gewisse Verwandtschaft mit dem Gipfelerlebnis des Yoga,
dem Nirvikalpa Samadhi bzw. der Erfahrung der Leere des „Nirwana".
Christliche Mystik lieferte jedoch die Erfahrung, daß in bzw. hinter dieser
Leere wieder „etwas" ist, nämlich Christus bzw. Gott. Dass auch von
einem indischen Weg her ein Überschreiten dieses Nirwana in etwas Dahinterliegendes möglich ist, zeigte Aurobindo. Auf dem christlichen Weg kann
jedoch etwas von dieser hinter Allem liegenden Fülle durchgehend vom ersten
Moment des religiösen Weges vorhanden sein, weil das durch die Erde
hindurchgegangene Wesen Christi eine Brücke darstellt.
Es macht den Eindruck
einer schwierigen Gratwanderung, wenn jemand wie Aurobindo mit Kräften
konfrontiert wird, die Zusammenhänge mit der Entwicklung von Christus nahe
legen, aber der Hintergrund dazu nicht da ist. Unmöglich ist es aber
keineswegs; es sei nur an den Fall eines Hinduknaben erinnert, der vom
Christentum nichts wusste, aber durch sein intensives inneres Fragen nach Gott
plötzlich eine Christuserfahrung machte, und diese später buchmäßig
ausarbeitete (Hrsg. Friso Melzer, "Sadhu Sundar Singh"). Auch
bei hinduistischen, tantrischen Übungen tauchte bei Menschen, die eher mit dem
Auftauchen indischer Göttergestalten gerechnet hätten, plötzlich eine
Christusvision auf. „Der Geist weht, wo er will".
Für eine auf das
Christentum als Religionsgemeinschaft festgelegte Theologie schwer verwertbar,
aber für andere Kulturkreise umso interessanter könnte die Anregung R.
Steiners sein, in Christus ein sonnenhaftes Wesen zu sehen, das sehr wohl in
vorchristlichen Zeiten einigen höheren Weisen verschiedener Kulturen bekannt
war. (Auszug aus Kapitel "Die Kreuzigung..." des Haupttexts
* ) R. Steiner wies
betr. Indien auf "Vishwas Karman" hin, einen "Weltenarchitekten",
dessen Wirken die alten indischen Rishis (Weisen) hinter den ihnen
direkter zugänglichen Ebenen ertasten konnten.
Betr. der vielen
Hindu-Götter könnte bedacht werden, daß nach neueren Erkenntnissen die
Götter vieler alter Kulturen - soweit es sich nicht um reine Stammesgottheiten
oder Menschen handelte - Aspekte der einen Gottheit darstellten, die später als
selbständige Gottheiten verehrt wurden. Die theoretischen Bezeichnungen wie
Polytheismus besagen also alleine wenig. Die Juden haben - im hebräischen
Originaltext - auch viele verschiedene Namen für Gott und seine Eigenschaften.
Aber sie gingen nicht den Weg, sie als verschiedene Götter zu verehren. Z.B.
die Zarathustrier (Parsen) blieben ebenfalls bei einem monotheistischen
(Ein-Gott-) Glauben. Im Hinduismus kann z.B. die Schule
der Vishnuiten als monotheistisch gelten.
In diesem Kontext ist es interessant, daß neue Bestrebungen existieren, die wie Christus in seiner Auferstehung die allgemeine Annahme der selbstverständlichen, zwangsweisen Sterblichkeit des Körpers nicht mehr teilen: (...) Z.B. der indische Philosoph und Yogi Aurobindo und seine spirituelle Weggefährtin, die "Mutter" Mira Alfassa suchten in dieser Richtung. (...) (z.T. Auszüge aus "Die Auferstehung" aus dem Haupttext) *.
Lehren über "Karma", und Gott.
Ein erheblicher Teil
jener christlichen Wege der sozialen Tat und der Barmherzigkeit würde in Indien
als "Karma Yoga" (Schicksals-Yoga) bzw. "Bhakti Yoga"
(Liebes-Yoga) gelten, während ein erkenntnisorientierter Weg mit
"Inana.-Yoga" verglichen würde.
Was
real erlebt werden kann, ist, daß bei Einstellung auf die Führung des Lebens
durch den von Christus vermittelten Gott, dieses Leben organischer verlaufen
kann, als bei einer Einstellung auf mechanisch wirksame Schicksals-
=Karma-Ausgleichsgesetze. Auch Christus spricht aber vom Aufarbeiten „auf
Heller und Pfennig", aber er sagt nicht, daß dies nach wie vor „Auge um
Auge, Zahn um Zahn" (Altes Testament) geschehen müsse. Die neue Aufgabe
des Menschen steht im Vordergrund – was für ihn und seine Umwelt fruchtbar
ist, wird von Gott aufgegriffen aus seinen Möglichkeiten, und
vom Menschen umgesetzt. Keine
Vergangenheitsbewältigung als Selbstzweck oder als Entwicklungsmotiv ist mehr
angesagt. Eine Hilfe „von oben" beim Zusammenspiel der verschiedenen Möglichkeiten
der Menschen kann heute beobachtet werden. (Auszug aus dem Kapitel "Die
Kreuzigung" des Haupttexts; es existiert auch eine Extraseite über Karma
und Reinkarnation.) *
Ethische Werte.
Die Ethik ist dasjenige in den verschiedenen Religionen, worin sie meisten verwandt sind, und wo daher der Dialog am weitesten fortgeschritten ist. Z.B. steht am Anfang des klassischen Yoga-Weges nach Patanjali als Voraussetzung für einen Erfolg "Yama": kein lebendes Wesen durch Gedanken, Worte oder Taten schädigen; nicht habsüchtig sein; Wahrhaftigkeit; sexuelle Reinheit; nicht einfach Geschenke annehmen (unabhängig sein). Die 2.Stufe ist "Niyama": innere und äußere Läuterung, Genügsamkeit und Bescheidenheit, Askese; Freigebigkeit, Opfer; Studium und Verehrung der Gottheit, Inbrunst und Gläubigkeit. Die Yogis lehren, daß selbst das "Schlachtfeld" in der Bhagavadgita im Sinne eines der Läuterung dienenden inneren Schlachtfeldes gemeint ist. Daß hier Parallelen zu den Geboten und zu den Lehren Jesu bestehen, ist offensichtlich. Hindus wie Christen und viele andere Religionen haben das Projekt "Weltethos" mitgetragen.
Heilige Schriften.
Die älteste religiöse Grundlage sind die Veden, die auf die "Rishis" des urzeitlichen "Goldenen Zeitalters" zurückgeführt wurden. Später kam z.B. das Mahabharata-Epos hinzu, mit der Schilderung frühgeschichtlicher Begebenheiten, die oft für Mythen gehalten werden, u.a. Kriege, also aus einem nicht mehr derart "goldenen" Zeitalter. Die Weisheitsliteratur der Upanishaden schloß sich an. Die Bhagavadgita bezieht sich auf das Wirken Krishnas.
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