Christuswege.net
Extraseite:
Informationen zu: Jesus Christus und der
Buddhismus.
Die zusätzlichen Seiten des Internetprojekts "Christuswege" zu verschiedenen anderen Religionen sind ein Beitrag zum besseren Verstehen derselben und zum interreligiösen Dialog. Hier wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen buddhistischen Richtungen und einem Christentum eingegangen, das sich seiner eigenen spirituellen Tiefen (wieder) bewusst ist. Damit ist nicht der Anspruch verbunden, Leben und Lehren des Buddha (500 v.Chr.) umfassend nachzuzeichnen. *) Hier werden Kernpunkte präzise behandelt.
Das "Nichts" und
das Ich.
Der Kern der ursprünglichen
Lehrreden Buddhas, wie sie noch im "Hinajana-" Buddhismus die
Grundlage sind, ist die immer weitere Befreiung des Menschen von Allem, was
nicht zum Kern seines Wesens gehört. Das Verlangen der äußeren und inneren
Sinne, das zu Leiden führt, soll als "nicht zum Selbst gehörend"
("anatta") erkannt, und durch einen entsprechenden Lebens- und
Schulungsweg, samt Meditation usw. schließlich verlöschen und in den
Nirwana-Zustand münden. Dies hat besonders die später entstandene Richtung des
"Mahajana"- Buddhismus meist mißverstanden. Sie deutete den erwähnten, immer wiederkehrenden Begriff des
Nichtselbst so, als gäbe es überhaupt kein Ich, das nach dem Ablegen der
egoistischen niederen Eigenschaften übrigbliebe. Dementsprechend neigt sie auch
dazu, das Nirwana als "Nichts" zu sehen. (Das Mahayana brachte
ansonsten nach der Zeit Christi interessanterweise
auch Fortschritte, z.B. ein deutlicheres Mitgefühl mit allen Wesen, statt aus der Welt zu
fliehen.) Buddha selbst sprach aber
sogar bei der Beschreibung seiner höchsten Erfahrungen: "Und ich
durchschaute... mit der Zeit (auch) das Elend des Bereiches des 'Weder
Wahrnehmens noch Nichtwahrnehmens', wurde mir darüber völlig klar, und
drang zum Glück der Aufhebung von Wahrnehmung und Empfindung vor, kostete es
aus ... Und so gewinne ich seit der Zeit -nach völliger Ausschaltung des
Weder Wahrnehmens noch Nichtwahrnehmens die Aufhebung von Wahrnehmung und
Empfindung und verweile darin, und die Einflüsse sind, nachdem
ich all das weise erkannt hatte, zur Versiegung gelangt." (Suttam des
Anguttara Nikaja 9, Nr.41 ...).
Insoweit ist zu erkennen, daß Jesus
Christus ebenfalls zur Läuterung der verschiedenen menschlichen Eigenschaften
anregt, und dazu, daß damit jede/r bei sich selbst anfange, statt gleich Andere
zu kritisieren. (Siehe dazu den Haupttext von Christuswege.net). Er
identifiziert des weiteren sich und seine Jünger auch nicht mit der Welt oder
irgendwelchen weltlichen Tätigkeiten, sondern beschreibt sie als nicht zu der
Welt gehörend, aber - nachdrücklicher als im ursprünglichen Buddhismus - als
in dieser Welt lebend und wirkend (Joh.17), diese Welt als Sauerteig
verwandelnd.
Jedenfalls sind in den Aussprüchen von Jesus und Buddha zu
Fragen des Lebens so viele weitgehende Übereinstimmungen festzustellen, daß
dies seit Jahrzehnten Einige dazu brachte, zu vermuten, Jesus habe
Buddhismus gelehrt. Zur Erklärung dieser Ähnlichkeiten
brauchen wir keine äußere Überlieferung, wie sich das manche moderne Forscher vorstellen,
- auch wenn es den einen oder anderen Kontakt gegeben haben
kann. Genauso gut könnte gesagt werden, Jesus habe diese oder jene andere Lehre
gepredigt. In unserem Haupttext wird u.a.
erläutert, daß solche teilweisen Gemeinsamkeiten auf geistigen Realitäten beruhen, die
logischerweise Alle, die dazu Zugang haben, in ähnlicher Weise wahrnehmen
können, ohne voneinander abzuschreiben. Das ist
Inspiration, letztlich, soweit es echt ist, kommt es aus der ewigen Quelle, ohne die es
weder "etwas" noch "nichts" noch "nicht nichts" usw. oder die Befreiung daraus gäbe,
zumal selbst diese Befreiung ohne dies gar keinen Sinn hätte. Aus dem, der (oder das)
hinter Allem steht, und in Allem verborgen ist, und zugleich auch ganz außerhalb von Allem
ist. Das Unmanifestiert ist, und doch alles schon enthält, und das dennoch am Ende der
Schöpfung mehr als am Anfang sein wird - also etwas im irdischen Sinne mindestens ebenso
Widersprüchliches wie ein Koan (ein paradoxer Spruch für Meditationen im Zen-Buddhismus).
Etwas, was nicht auf einem theoretischen Wege begriffen werden kann, wenngleich der
Menschengeist langsam flexibel genug gemacht werden kann, um wenigstens indirekte
Annäherungsversuche machen zu können, oder um innerlich Geschautes verarbeiten zu können.
Das ist die Stärke, die die Religionen
gegenüber einer materialistisch- egoistischen Gesellschaft gemeinsam haben -
und nur nicht genügend nutzen. Auch Gemeinsamkeiten und Kontakte der Religionen untereinander
änderten aber nichts daran, daß alle ihre eigenen und teilweise eben auch
unterschiedlichen Wege haben.
Unter den christlichen Mystikern steht Meister Ekkehard der östlichen unpersönlichen Sicht am Nächsten. Unter den buddhistischen Richtungen könnten sich vielleicht die Lehren des Nichiren als eine Brücke herausstellen. Unter den weiteren indischen Weisen steht Sri Aurobindo - und seine Partnerin, die "Mutter" - der europäischen persönlichen oder wesenhaften Sicht am Nächsten: er ging durch das Nirvana hindurch, und erkannte - anscheinend in einer Weise die manchem christlichen Mystiker ähnlich ist - daß es hinter der Erlebensweise des "Nirwana" etwas ganz Anderes gibt als ein "Nichts". Er spricht vom "Höchsten", und möchte bestimmte Aspekte dieses Höchsten auf die Erde herabbringen. Es gibt Menschen, wo gerade Sri Aurobindo eine Brücke war, um wieder zum Christentum zurückzufinden - allerdings in dessen eigentlichen Kern, wo es dann z.B. um die ganz reale "Nachfolge Christi" bis hin zu jener Kraft geht, wie sie bei Jesus selbst in seiner Auferstehung zum Ausdruck kam.
Die
"Letzte Wirklichkeit" und die Frage nach Gott.
Allerdings sind die zu läuternden menschlichen Eigenschaften im
jüdischen bzw. christlichen Bereich zusätzlich mit dem Begriff der Sünde
gegenüber Gott verknüpft. Zunächst ginge es hier um die Einhaltung religiös
fundierter ethischer Normen; genauer betrachtet um die Überwindung von allen
Eigenschaften, die uns von Gott trennen. Nun herrscht in der Regel - wohl auch
bei den meisten Buddhisten selbst - die Überzeugung, im Buddhismus gebe es
keinen Gott. In gemeinsamen ethischen Stellungnahmen der verschiedenen
Religionen wird deshalb lediglich auf eine von allen Religionen angenommene
"Letzte Wirklichkeit" jenseits des materiellen Lebens Bezug genommen,
was immer das bei den einzelnen Religionen sei. Dies ist zumindest nicht ganz
korrekt. Buddha hat nie behauptet, daß es keinen Gott gebe, sondern er
beschränkte sich eben unter den damaligen Umständen meist auf die Weitergabe
von Erkenntnissen über den menschlichen Weg. Buddha antwortete auf Fragen von
Hindu-Priestern nach Brahma, der Schöpfergottheit der Hindus: "Den Brahma
kenne ich wohl, und die brahmische Welt, und den in die brahmische Welt
gelangenden Pfad, und wie Brahma in die brahmische Welt gelangt ist, auch das
weiß ich." (Digha Nikaya, 13. Rede - Bezug nehmend auf spirituelle
Erfahrungen, und nicht bloße Kenntnis der Hindu-Literatur.) Der Brahma der Hindu
kann nicht ohne weiteres mit dem "Vatergott" Jesu Christi
gleichgesetzt werden; es ist eher eine der in den verschiedensten Kulturen mit
der Zeit zustandegekommenen Personifizierungen von göttlichen
Teileigenschaften. Er ist jedenfalls keine Bezeichnung für negative Kräfte. Wer
nun allerdings von einem höheren Ursprung der damals verehrten Götter spricht,
statt sie selbst als höchste Wesen zu verehren, wovon wohl spricht er
letztendlich? Offenbar lag für Buddha der Ursprung und das Ziel im Unmanifestierten. Dieses Unmanifestierte
Nirwana ist aber nicht "Nichts".
Es ist lediglich außerhalb von Allem, worüber sich der Mensch mit Hilfe seiner irdischen,
psychischen oder mentalen Fähigkeiten ein Bild machen kann.
Und da haben wir nun plötzlich eine vom Christentum, Judentum und Islam
so gar nicht bewusst erkannte Parallele. Denn in allen diesen Religionen gibt es die
Erkenntnis, daß es keinen Sinn hat oder sogar verboten ist, sich von Gott ein Bild zu machen
- auch wenn der Grund dafür vergessen wurde. Im Judentum durfte auch der dortige Name
für Gott nicht direkt genannt werden.
Wenn wir nun einen Blick zur ältesten
bekannten "monotheistischen" Religion werfen, die in ihren ältesten Vorläufern viele
Jahrtausende weiter in die Vergangenheit zurückreicht als die jüdische Tradition,
nämlich die Zarathustra-Religion in Zentralasien, die wir die "Religion Noahs vor der Flut"
nennen - http://www.christuswege.net/themen/parsismus.htm - dann finden wir dort noch
alles klar unterschieden: "Ahu" als das unpersönliche, unmanifestierte aber höchst reale
Göttliche, und der bekanntere "Ahura Mazda" als den wie durch einen kosmischen Christus
eher als Wesen betrachteten Gott. Dies ist auch unter den heutigen Zarathustriern
nicht mehr so bewusst, sondern wurde erst vor Jahrzehnten wieder von Vertretern dieser
Religion in Indien erforscht.
Dasselbe haben wir in der christlichen Mystik zumindest angelegt, wenn dort der "Sohn" oder
Logos als der Erstgeschaffene oder Spiegel gesehen wird, in dem Gott sich selbst erfährt -
nur ein menschlicher Begriff, der aber etwas sehr Wichtiges aussagt, was nicht so deutlich
in die menschliche Sprache gebracht werden kann. Jesus : "niemand kommt zum Vater denn
durch mich". Auch dies wird meist nicht im vollen Sinne verstanden.
(Der Gott des Alten Testamentes ist damals mehr als "Gott des Volkes" erlebt worden, also eher
kollektiv, und nicht so sehr als persönliches Gegenüber eines menschlichen Individuums.)
Die Evangelien bzw. die Offenbarung kennzeichnen den
"Vater" als Denjenigen, von dem die Schöpfung ausgeht, und in
dessen Vollkommenheit sie endet (Alpha und Omega), der also über ihr und ihren
Eigenschaften steht, und der vor Jesus nicht direkt erreichbar war. Christliche
Mystiker wie Jakob Böhme haben aufgrund ihrer authentischen Erfahrungen auch
ausdrücklich darauf hingewiesen, daß dieser Gott nicht nur oberhalb der
irdischen Schöpfung steht, sondern auch oberhalb der jenseitigen und himmlischen
Welten.**) Es führt nicht weit, wenn Religionen in der
wissenschaftlichen Literatur oft verglichen wurden, ohne Diejenigen
einzubeziehen, die religiöse Tiefenerfahrungen haben. Es kann ohne diese nicht
einmal eine Sprache gefunden werden, die für Vertreter
unterschiedlicher Religionen verständlich wäre
***).
Der buddhistische Weg konnte für
Diejenigen, die die große Mühe nicht scheuten, zum Eingehen ins
ursprüngliche "Nirwana" führen, das Jenseits des Jenseits - etwas, was für die meisten
Buddhisten natürlich so weit weg ist, wie für die meisten Christen die (christlich-)
mystische Einheit mit Gott -.****) Allerdings lehrt der Buddhismus auch die Möglichkeit,
daß ein "von Wiedergeburten befreiter" Bodhisattwa freiwillig wieder
herabkommen kann, um z.B. dem Rest der Menschheit zu helfen.
Christus stieg
zum Vater auf ("und das Grab war leer", Auferstehung & Himmelfahrt), um
dann wiederzukehren. Mit Christus kann es
heute zu einer stärkeren Durchdringung von der höchsten göttlichen Ebene bis
herunter zum Irdischen kommen.
Hier könnte noch Rudolf Steiner erwähnenswert sein, nach dem Buddha eine Weisheitslehre von der Liebe gebracht habe, während Christus dann die Kraft der Liebe brachte, die letztendlich alles zur göttlichen Vollkommenheit zurück - oder besser: vorwärts - zieht. "Bittet den Vater in meinem Namen" - d.h. im Einklang mit ihm, durch ihn hindurch, geht der christliche Weg zum Einen. Hier wird Buddha in gewisser Weise als Wegbereiter gesehen.
Wer erkennen möchte, wie es sich wirklich verhält, mag auf seinem jeweiligen Weg voranschreiten, und Christus bzw. Buddha selbst fragen!
Buddha im "Kalama Sutra": "Lasst euch nicht führen..., nicht nach Hörensagen, ...Überlieferungen, ... Tagesmeinungen, ...der Autorität heiliger Schriften, ...blossen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, ... erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, ...Eindrücken persönlicher Vorteile, ...der Autorität eines Meisters. Wenn ihr aber selber erkennt ...". (Erkennen und eine wirkliche Glaubensüberzeugung haben sehr viel mehr miteinander gemeinsam als blosses intellektuelles "Für-wahr-halten" mit dem Glauben.)
*) Die
überlieferten Lehren des Buddha sind besonders zu finden in den umfangreichen
Übersetzungen von K.E.Neumann, "Die Reden des Buddha: mittlere
Sammlung"; auch in der "längeren Sammlung".
**) Für
Menschen mit theosophischem Sprachgebrauch sei hier erwähnt, daß im
theosophischen Sinne genau genommen das Nirwana bzw. Atman eindeutig unterhalb der
"paranirwanischen" und "logoischen", göttlichen Ebenen
liegt.
***) Besonders der christliche Mystiker Meister Ekkehart beschrieb
seine Erfahrungen so, daß auch ohne den Begriff Nirwana die Verwandtschaft zur
Nirvana-Erfahrung erkennbar werden kann, aber auch die Unterschiede, indem dies
für ihn mit einer Gottesbegegnung verbunden ist.
****) Die Rückkehr zu Gott
mit der Essenz aus den Erfahrungen des Durchgangs durch die Welt ist einerseits
ein Zurück zum Ursprünglichen, was schon immer da war; und dennoch ist es
zugleich etwas Zusätzliches, was dort vorher nicht da war, wie z.B. 2 deckungsgleiche
Dreiecke. Dies Paradoxon ist nur bei einer ins Mystische hinein vertieften
Erfahrung verständlich.
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