Christuswege

Eine unabhängige Info-Seite
mit Gesichtspunkten vieler Forschungs-
und Erfahrungsbereiche.
 
 

Christuswege  im  menschlichen  Bewusstsein  und  der  Erde.

Inhalt:

Dies ist die komplette Version des Haupttexts mit den meisten Extratexten, ohne Bilder.

 
 
EINFUEHRUNG in den Sinn und Gebrauch dieses Textes.

Seit zweitausend Jahren - mit vorausgegangenen Prophezeiungen noch einige tausend Jahre länger - stehen immer wieder Menschen für ihre vielfältigen direkten Erfahrungen mit Jesus Christus ein. Trotz verschiedener Charaktere, unterschiedlichem religiösen, philosophischen oder wissenschaftlichen Umfeld, zeigen sie unabhängig voneinander Verwandtes. Sie sprechen von der jeweils gegenwärtigen Realität Christi; auch z.T. von der Möglichkeit für Andere, und sich auf ähnliche Erfahrungen vorzubereiten; und von seit 2000 Jahren in die Menschheitsentwicklung eingeflossenen neuen Fähigkeiten durch Christus, die nicht nur im Sinne äußerer historisch-kultureller Vermittlung gedacht sind. Diesen nicht nur theoretischen, sondern praktisch nachvollziehbaren Schritten des "Wachstums" wird hier in neuer Art genau im Einzelnen nachgegangen.

Im 12.Jahrhundert prophezeite der Abt Joachim de Fiore ein "Zeitalter des Heiligen Geistes", wo eine derartige Gottesbeziehung der Einzelnen unabhängig von Institutionen Allgemeingut würde. Heute verbreiten sich weltweit mehrere Bestrebungen, die nicht nur eine dementsprechende Gestaltwerdung Christi im Menschen suchen, sondern das Individuum als bewusstwerdende Zelle im "Leib Christi" sehen.

Die z.T. damit verbunden gesehene "Wiederkunft Christi" und gegenwärtige "Apokalypse" als Vorgänge im Großen deuten auf etwas Umfassenderes hin als auf eine menschlich gedachte "Wiederverkörperung".

Welche spezifischen Entwicklungsmöglichkeiten für Mensch und Erde hier zu finden sind, und vor dem Erdenleben Jesu noch nicht gegeben waren, ist die Frage, deren Lösungsansätze in diesem Beitrag als Anstoß zusammengestellt werden.

Gerade in einer Zeit,

- wo das Phänomen Jesus Christus durch viele verschiedene Theologien und Dogmen, durch sprachwissenschaftliche, historisch-kritische, archäologische und paläographische, religionssoziologische und tiefenpsychologische, naturwissenschaftliche, politische usw. Betrachtungsweisen in Anspruch genommen wird,
- wo wie in den Zeiten des Urchristentums neben einer alten materialistischen eine vielfältige spirituelle Szene entstanden ist, die beide zum Christentum fließende Übergänge wie auch Abgrenzungen ergaben,
- wo die verwirrendsten Erscheinungen auftreten, wie z.B. mehrere vermeintliche verkörperte Christusse in der Gegenwart, und wo oft recht Problematisches bis Negatives im Namen Christi geschieht, kann es von Interesse sein, zu untersuchen, was in dieser Kompliziertheit eigentlich der spezielle Beitrag Christi sein könnte.

Es wird hierzu an eigene innere Erfahrungen angeknüpft, wie auch an andere mystische usw. Quellen. Die benutzten Blickwinkel sind interdisziplinär, von vielen Wissens- und Erfahrungsgebieten, also nicht nur theologischen. Bei spirituellen Gesichtspunkten soll keiner von politischem Bewusstsein ablenkenden Pseudo-Innerlichkeit das Wort geredet werden. Dogmen des mechanistischen Denkens der Naturwissenschaften des letzten Jahrhunderts können dafür selbstverständlich nicht als Sichtbegrenzung akzeptiert werden; ebenso wenig Vorstellungen aus dem östlichen Bereich, die von der Voraussetzung ausgehen, dass es nichts gebe, was nicht schon in den altindischen Veden stehe, und Jesus sei nur ein "eventuell drittklassiger Lehrer" derselben. Von den nur vergleichend oder ergänzend im Text gegebenen Hinweisen auf Bücher usw. lassen sich diese Erkenntnisse nicht ableiten, und so sind diese Bücher oder theologische Vorkenntnisse für ein Verständnis auch nicht notwendig. ( Das Gleiche gilt für eine geplante Bücherliste für theologisch Interessierte, s. Links.) Nichts ist als Dogma oder als Meinung irgendeiner äußeren religiösen Organisation zu verstehen. Es richtet sich aber auch nicht gegen irgendeine Kirche oder Religionsgemeinschaft, und auch nicht gegen z.B. das apostolische Glaubensbekenntnis. Menschen mit einem anderen religiösen oder weltanschaulichen Hintergrund, die ein positives Interesse an neuen Erkenntnissen aus dem christlichen Bereich haben, können in dieser weder dogmatischen noch materiell verflachten Schrift ebenfalls fündig werden.  Daher sind auch Hinweise auf das Verhältnis christlicher Wege zu anderen Bestrebungen enthalten. Z.T. wie im Johannesevangelium in einer für die damaligen Erkenntnissucher verständlichen Sprache das spezifisch Christliche herausgearbeitet ist, so zeigt diese Schrift heute Zugänge von verschiedenen Seiten her. Diese Schrift läßt auch in ihrem Stil frei; Forschung ist etwas Anderes als Mission. Solche Christen, die für sich einen ganz einfachen Glauben ohne tiefschürfende Überlegungen bevorzugen, könnten in dieser Schrift lernen, wie sie mit den Menschen anderer Geistesart in ihrem Umfeld besser in Dialog treten könnten, ohne daß ständig Mißverständnisse auftreten.

Der Text möchte rein durch seine Inhalte sprechen.

„Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten" (Joh.16:12-13). Durch diesen Geist läßt sich dieses Projekt inspirieren.

Methodischer Hinweis: Christliche Meditation ...

Die folgenden 37 Kapitel folgen den Schritten in den Evangelien und der Johannesoffenbarung. Es empfiehlt sich, sie auch in dieser Reihenfolge zu erarbeiten, mithilfe u.a. des Johannesevangeliums und der Offenbarung.
Bibelstudium, d.h. Texte lesen, sprachlich und im Zusammenhang erarbeiten ist nur eine Methode. Während des Studiums können die Kapitel des Texts und nicht zuletzt Gott tiefere Erkenntnisse fördern.
Der Haupttext besteht aus längeren, durchgehenden Seiten, wobei die Kapitel auch vom Inhaltsverzeichnis erreichbar sind. Für ein gründlicheres Studium  empfiehlt es sich, den Text auszudrucken: je nach Einstellung des Browsers und Druckers sind es ca. 100 Seiten.
Wer über das Lesen hinaus an einer ganzheitlichen Methode des Erarbeitens näher interessiert ist - vernachlässigte Schichten der Seele einbeziehend -, kann nach dem Studium eines Kapitels dieser konzentrierten Betrachtungen das entsprechende Kapitel z.B. des Johannesevangeliums lesen und darüber meditieren. (Johannes bzw. seine Schüler befassten sich besonders mit der tieferen geistigen Bedeutung des Geschehens.)
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten; zunächst gelten dafür Voraussetzungen wie für jede andere Meditation: aus aktuellen Ablenkungen und Verstimmungen oder Problemen muß die eigene Aufmerksamkeit erst durch ein Sich-darüber-bewusst-werden oder durch ein Gespräch mit Jemandem usw. ausreichend herausgelöst werden;  so daß wieder eine geistige Offenheit vorhanden ist. Auch sollten weder Müdigkeit noch Hunger noch die akuten Wirkungen von Alkohol, Tabak usw. vorhanden sein. Weiter sollte kein Telefon usw. während der Meditation stören können. Der Platz sollte sich angenehm anfühlen, also z.B. nicht neben einem Strahlenstress erzeugenden Gerät (s.Links: Baubiologie). Wer geübt ist, kann sich möglicherweise auch auf einem belebten Marktplatz konzentrieren, aber am Anfang ist es sicher zweckdienlich, solche Hinweise zu beachten. Früher wurde für eine solche Evangelien-Meditation z.T. der Text langsam mit geschlossenen Augen gesprochen (z.B. Rosenkreuzer). Damit die Aufmerksamkeit nicht auf den Worten liegen musste, sondern auf dem Gehalt, wurde der Text vorher auswendig gelernt. Es gab auch eine Variante, wo der Text mit eurhythmischen Gebärden begleitet wurde. Es gibt auch die Möglichkeit, den Text zu lesen, und und ihn dann bei geschlossenen Augen auf sich wirken zu lassen. Dabei wird nicht aktiv gedacht, oder jedenfalls beginnt die eigentliche meditative Betrachtung erst nach dem Denken. Gehen dann die Gedanken weiter, werden sie einfach ihrerseits kurz "angeschaut", statt sie weiter zu denken. Dies gilt auch, wenn Gedanken auftauchen, die scheinbar oder tatsächlich nichts mit der Meditation zu tun haben. (Gehen sie um äußere Vorhaben, können sie z.B. aufnotiert werden, wirksam vertagt, damit der Geist wieder davon frei ist. Wichtige Ereignisse während der Meditation werden hinterher nach Möglichkeit notiert, dann ist die eigene Entwicklung besser zu verfolgen. Die Betrachtung kann zu einer größeren Vertiefung des Bewusstseins führen, was aber nicht zwangsläufig  eintritt  (Kontemplation, Meditation).
Zusätzlich kann es hilfreich sein, beim Aufwachen einen Notizblock parat zu haben, um Stichworte zu notieren. Dies hilft einerseits, sich überhaupt an Träume zu erinnern; andererseits läßt sich aufgrund solcher Notizen über Träume deren Entwicklung besser verfolgen. Werden Traumsymbole tagsüber gezeichnet, hilft dies zusätzlich, diese Öffnung zu verstärken. Mehr und mehr kann sich zeigen, daß eben nicht alle Träume durch Tageserlebnisse und deren psychische Verarbeitung erklärbar sind, sondern daß hier etwas stattfindet, was auf andere Art ebenso wichtig ist wie der Tag.
Dies sind keine okkulten Rituale, sondern es geht einfach darum, daß der Seele Zeit gelassen wird, sich für die Inhalte bzw. für Gott zu öffnen, statt daß die Inhalte nur für den Intellekt zur Verfügung stehen - der nicht schlecht ist, aber zum Verstehen eben auf gar keinen Fall allein genügt. Mit der Zeit können alle Schichten des Menschen, auch sein Wille, ja auch sein Körper davon berührt und verwandelt werden. Erst wenn sich z.B. neue Erkenntnisse zeigen, oder entsprechende Symbolbilder während der Meditation oder sich darauf beziehender Träume, oder Entwicklungen im Leben, ist das, was von dem Kapitel nachvollzogen werden kann, wenigstens anklangweise im Innern angekommen. Dann kann weitergeschritten werden, zumal wenn das Bedürfnis da ist. Es mag dazu nötig sein, eine Woche oder besser einen Monat mit einem Kapitel zu leben. Nicht nötig ist hingegen, den Inhalt bereits 100%ig umgesetzt zu haben, denn diese Schritte sind nicht mehr völlig voneinander abgegrenzt. Gott läßt einen Menschen ein Erlebnis haben, wenn er (Gott) es will, eine "Sternstunde" kann auch durch Meditation höchstens vorbereitet, aber nicht erzwungen werden. Dennoch kann keine Theologie usw. allein eine solche innere Praxis ersetzen, die zum realen Nachvollzug führen kann, statt zu grauer Theorie
Es gibt aber auch unabhängig von den Möglichkeiten einer solchen Meditation so viele Wege zum gleichen Ziel, wie es Menschen gibt.

Weitere Meditationsformen im christlichen Kontext

Während eine solche auch inhaltlich spezifisch christliche Meditationsform wie oben erwähnt, heute leider selten irgendwo im kirchlichen Bereich angeboten wird, werden dort in speziellen kirchlichen Tagungshäusern o.ä. oft umso mehr andere Meditationsformen angeboten. Denn die Menschen suchen mit Recht nach Erfahrungen. Nur haben die Kirchen über die Jahrhunderte ihre eigene spirituelle und damit auch meditative Tradition weitgehend verschüttet, und müssen sie erst wieder zu erschließen suchen. Daher begannen sie ersatzweise zuerst einmal, z.B. buddhistische Meditationsformen (wie Zen, eine einfache Stillemeditation) abzuwandeln, und mit einer christlichen oder neutralen Einführung zu verbinden. Oder es werden Bilder, Gemälde, oder einzelne Aussprüche der Bibel oder von christlichen Mystikern in die Stille hineingenommen. Eine z.B. auf dem Berg Athos noch lebendige Praxis griechisch-orthodoxer Mönche mit einer Wiederholung des "kyrie eleison" (Herr erbarme Dich) ist in unserem Haupttext, Kapitel "Die Stille in der Wüste" mit erwähnt. Auch Gesänge können einen besinnlichen, meditativen Charakter annehmen. Es gäbe auch die Möglichkeit, die vielen künstlerischen Bilder und Symbole in den Kirchen aufzugreifen.Das Allereinfachste wäre in der Breite das Wirksamste: wenn die Kirchen ein gutes Beispiel gäben, indem in den Gottesdiensten häufig Stille dazukäme, z.B. vor dem Gebet, während desselben, nach demselben - um auf eine "Antwort" zu warten  -, nach der Predigt, während seelsorgerlicher Beratung usw. So wäre dies meditative Element nichts Isoliertes, sondern sein Wert im Zusammenhang könnte unmittelbar erlebt werden. Über solche Vorbereitungen für Gottes Wirken hinaus kann im Grunde alles Leben einen meditativen Charakter annehmen, -was in unserer hektischen Zeit sehr erschwert ist. Jedenfalls wäre es absurd, und einer erheblichen Unkenntnis entspringend, undifferenziert jede Meditation als "nichtchristlich" einzustufen, nur weil manche von nichtchristlichen Gruppen praktizierten Meditationsformen bekannter sind als die christlichen.

Selbst Jene, die durch eine Suche nach inneren Erfahrungen auf den untauglichen und gefährlichen Weg des Drogenkonsums gestoßen sind, könnten statt dessen durch Meditation ein erfüllendes Erleben finden.
 

Diese Seiten und die verschiedenen theologischen Richtungen der Kirchengeschichte.

1. Ein Bemühen, teils verschüttete spirituelle Tiefen des Christentums zutage zu fördern, muß naturgemäß zuerst an Lehre, Leben und Bedeutung von Jesus Christus selbst, und den Urchristen ansetzen; und zwar einschließlich ihrer "apokalyptischen" Züge, statt nur herauszugreifen, was der einen oder anderen Theologie gefällt. Dabei zeigt sich, daß auch die Vielfalt der frühen Christen ernstgenommen werden muß, -  wie sie auch bereits von den Evangelisten ****** selbst ernstgenommen wurde, um dadurch die breitere Bedeutung der Impulse Christi erkennbar zu machen. *

2. Die  alte Kirche der nächsten Jahrhunderte waren meist bestimmt von der Autorität der umfangreichen Abhandlungen der "Kirchenväter". Sie haben mit Hilfe u.a. der griechischen Sprache und Gelehrsamkeit die urchristlichen Überlieferungen für Europa deutlicher gemacht. Sie wußten auch noch Vieles über ältere Schriften, die heute verschollen sind. Wie in allen Phasen, wurde auch im weiteren Verlauf dieser Phase gestritten, was nun dem wahren Christentum entspräche und was nicht. Auch Einiges in deren Erkenntnissen, was später verdrängt wurde, verdient eine neue Aufarbeitung, freilich auch im Vergleich mit den Ursprüngen. Es gab im Übrigen auch weiterhin Christen - z.B. in Ägypten, vgl. auch die Funde in Naq Hammadi - die nicht so sehr die Heilsvermittlung durch eine Kirche, sondern eher den individuellen Zugang zu Gott in Gebet und Meditation usw. gepflegt haben müssen. In der "Mystischen Theologie" der heutigen Orthodoxen Kirchen ist Einiges davon besonders stark erhalten geblieben.

3. Die mittelalterliche Scholastik und Kanonistik führte zu einer theologischen Systematisierung durch gedankliche, eigentlich religionsphilosophisch zu nennende Ableitungen bzw. Schlußfolgerungen; wobei die Kirchenväter weiter als Autorität galten, aber nur insoweit es mit diesen Gedankengängen übereinstimmte. Auch wenn sich in den scholastischen Gedanken für die damalige Zeit viel sinnvolle Geistesnahrung fand, erschreckt die oft einseitige, absolut setzende und daher ausgrenzende intellektuelle Logik - die von der eigentlichen religiösen Dimension zu unterscheiden wäre. Dies konservierte in Form von Lehren bzw. Dogmen den Glauben, verführte aber auch zu inquisitorischen Praktiken. Aus der Kreativität eines heutigen spirituellen Suchers oder Mystikers ist erkennbar, daß an einigen Stellen dieselbe intellektuelle Methode auch zu anderen Schlußfolgerungen hätte führen können oder teils auch führte; bzw. daß wirkliches geistliches Wachstum ein flexibleres und umfassenderes, nicht derart verhärtendes Bewusstsein voraussetzt. Die strenge scholastische Methode ist noch heute ein wesentlicher Ausgangspunkt Systematischer Theologie, besonders im katholischen Bereich. Jedoch gibt es darin heute manche Öffnung für andere bzw. ökumenische Ansätze (z. B. Yves Congar). Es geht auch nicht um irgendeine einseitige Kritik an einer der theologischen Richtungen. In einem frühen Stadium der Arbeit am heutigen Haupttext von "Christuswege" würde auch geprüft, welche systematischen Gliederungsmöglichkeiten des vorliegenden Stoffes es gibt. Es blieb nur eine Möglichkeit übrig, nämlich die Reihenfolge der aufgezeigten "Schritte Jesu" entlang der Evangelien selbst! Denn gerade darin spiegelt sich eine geradezu archetypische Reihenfolge menschlicher Entwicklungsstadien und Bewusstseinsbereiche, auch im Verhältnis zur Welt darumherum. Dies ist aber ein neuer, interdisziplinärer Ansatz.

4. Als genügend kirchlicheTradition über den Ursprüngen aufgetürmt war, folgte das Bemühen der Reformatoren, die biblischen Ursprünge wieder stärker zur Grundlage zu nehmen. Dies schafften sie jedoch nur sehr beschränkt, da sie Kinder ihrer Zeit waren, und z.B. wenig von den spirituellen und mystischen Strömungen aus der Geschichte des Christentums wußten. Im übrigen wurden auch Traditionen fallengelassen, die jedenfalls in ihrem Kern wertvoll sind, wie die Marienverehrung. Es blieb damals Einzelnen wie dem ev. Theologen J. V. Andreae vorbehalten, in romanhaft verschleierten Traumbildern auf tiefergehende, evtl "christlich-esoterisch" zu nennende Erfahrungen einzugehen; daß daran das Christliche nicht so leicht erkennbar war, liegt an dieser Form, die aus Sicherheitsgründen gewählt wurde. Auch der protestantische Bereich war nicht immer so tolerant, wie es scheinen könnte. Die Gegenreformation, Religionskriege usw. taten ein Übriges. Dennoch ähnelten sich die verschiedenen theologischen Methoden damals noch in Vielem. Wo heute noch selbst innerhalb der protestantischen Kirchen getrennte Bekenntnisgemeinschaften wie die lutherischen und reformierten (calvinistischen), sowie uniierten Kirchen bestehen, müssen sich deren Träger sagen lassen, daß sich das zwar noch für theologische Fachdiskussionen eignen mag, daß es sich aber im Hinblick auf das eigene Kirchenvolk längst überlebt hat. **

5. Die danach folgende Zeit der neuen Philosophie, der Aufklärung bzw. des Rationalismus mit den Naturwissenschaften führte nun auch nicht dazu, daß der intellektuell bestimmten alten, systematischen Theologie eine Theologie spiritueller Erfahrung zur Seite gestellt worden wäre. Sondern im Gegenteil orientierten sich nun auch mehr und mehr historisch-kritische Theologen bewusst oder unbewusst an dem ebenfalls intellektuellen, und obendrein einseitig materialistisch gewordenen Wissenschaftsverständnis der damaligen Zeit. Theologie wurde teilweise eher zu einer historischen, literaturwissenschaftlichen und linguistischen Forschungsrichtung - was nicht automatisch falsch, aber eben einseitig ist. (Demgegenüber sahen sich zeitgenössische Vertreter der alten systematischen Theologie wieder als eine Art Kern der eigentlichen Theologie, um den herum sich die neueren Forschungsrichtungen gruppieren könnten. Ob sie aber wirklich ein solcher integrativer Kern sein könnten, ist fraglich) Sicher wäre es ein teils berechtigtes Unterfangen, die vielfältigen wissenschaftlichen Entdeckungen in Beziehung zu Glaubenslehren zu setzen - soweit es nicht zu neuen, naturwissenschaftlichen Dogmen führt. Aber dann wäre es nur konsequent, dies auch heute zu tun. Das geschah aber bisher meist nicht. Das würde bedeuten, das sich abzeichnende neue Weltbild bzw. Paradigma zu berücksichtigen, das sich aus neueren, nicht mehr so sehr materialistischen wissenschaftlichen Strömungen der Quantenphysik, aus der modernen Biophysik, der Geo- und Astrophysik, und besonders auch den Grenzwissenschaften wie der Parapsychologie usw. abzeichnet. Es ist sinnlos, eine heutige Theologie auf das wissenschaftliche Weltbild des 19. Jahrhunderts zu stützen! ***
Auch gegenüber den Tendenzen der Aufklärung gab es seit dem 19. Jahrhundert verstärkt Gegenbewegungen, z.B. Erweckungsbewegungen, die zu vielen neuen evangelischen Freikirchen führten. Diese sahen jedoch keine Notwendigkeit, sich mit dem Geschehen in den Naturwissenschaften auseinanderzusetzen; sondern vertreten auch ohne dies einen ohne Abstriche an der Bibel orientierten Glauben. Meist würden sie dafür gar nicht den Begriff Theologie gebrauchen, aber es ist eben auch eine eigene Art von theologischer Auslegung der Bibel (Exegese/ Hermeneutik).

6. So folgten im 20. Jahrhundert viele Bemühungen, der Theologie Facetten abzugewinnen, die sie bisher nicht ausreichend berücksichtigt hatte, allerdings immer noch ohne die Einbeziehung jener mystisch- spirituellen Dimension - die von Karl Rahner immerhin schon als notwendig erkannt wurde. Diese Versuche im katholischen und evangelischen Bereich haben vielfach für die Gesellschaft etwas gebracht, indem sie mehr auf die praktischen Sorgen der Menschen eingingen: z.B. Karl Barth, die politische Theologie und die Befreiungstheologie(n) der Dritten Welt sowie die Schöpfungstheologie****, feministische Theologie, ... . Bei einigen Richtungen wie der "Entmythologisierungstheologie" von Bultmann wurde allerdings zu sehr das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, d.h. der Glaube zu sehr auf ein - wie erwähnt, inzwischen wieder veraltetes - materielles Weltverständnis reduziert; obwohl zumindest richtig festgehalten wird, daß der Glaube keiner wissenschaftlichen Objektivierung bedürfe. Drewermann versuchte dann eine tiefenpsychologische Deutung der Evangelien. Dies könnte eigentlich eine Brücke sein, um wieder aus der seelenlosen Welt eines materialistischen Weltverständnisses herauszuführen - wenn es nicht gegen die eigentliche spirituelle Dimension der Bibel ausgespielt worden wäre, die davon klar zu unterscheiden ist.  
Probleme zwischen Fundamentalismus und Relativismus dominieren bisher die Diskussion. Im übrigen spielen außerhalb der theologischen Kreise in den letzten Jahren noch  jene vermeintlichen "Jesus-Enthüllungsgeschichten" eine Rolle, die das Gesamtbild der heutigen Diskussion auch nicht gerade besser machen.

7. Von einer "postmodernen" Theologie des 21. Jahrhunderts ist also bisher wenig zu spüren. Eine Erneuerung der spirituellen Möglichkeiten des Christentums - bei Erhaltung sowohl der alten Glaubenstiefe wie auch der errungenen sozialen Wachsamkeit - setzt einen umfassenderen Wandel im Bewusstsein voraus*****. Spirituelle Präzision und ein differenziertes Hinschauen auf die Gesellschaft und Welt sind hier gefragt, (statt nur die bisherigen Forschungsrichtungen der Theologie und Religionswissenschaft zu verwalten und fortzuschreiben): ein Weg zu einem "vollen" Christentum statt der heutigen Fragmentierung. Hier setzt "Christuswege" an.

*) Diese anerkannten eben z.B. bewusst nicht nur jene "Spruchquelle Q", die darin von Forschern später erschlossen wurde. (Sie enthielt nur Aussprüche Jesu vor der Passionsgeschichte, mit jener Ethik jenseits vieler gesellschaftlicher Konventionen, wie sie heute oft an der Bergpredigt festgemacht wird. Schon das eng verwandte und demnach auch authentische Thomasevangelium zeigt, daß je nach Predigern oder Publikum auch weitere Aussagen Jesu kursierten...). Die letzten Schritte im Leben Jesu -bereits angefangen mit der Auferweckung des Lazarus, usw.-  konnten damals zunächst nur noch Wenige mitgehen und dementsprechend authentisch vertreten. Dennoch wurden sie für die Suchenden zugänglich gemacht.

**) Neuerdings gibt es in Deutschland Bestrebungen, diese Situation zu bereinigen. Siehe ergänzend den Artikel "Evangelische Kirche: Der Saurier bewegt sich", in Nr. 9, 2002 von "Publik Forum", Postfach 2010, 61410 Oberursel. Zu den verschiedenen Kirchen siehe im Übrigen unsere Seite "Die 7 Gemeinden (der Offenbarung) und die heutigen Kirchen"

***) S. u.a. unsere Seite "Naturwissenschaften und Gottesglaube" . Zur Entwicklung des Christentums s. a. Prof. Hans Küng, Das Christentum. Wesen und Geschichte, Sonderausgabe 2007. Er strebt eine integrierte Forschung an, die trotz Archäologie und kritischer Forschung die alten Schriften als inhaltliche Quellen ernst nimmt. Wir teilen nicht alle dort wiedergegebenen Folgerungen aus historisch-kritischer Forschung. Z.B. erschienen Geschehnisse mit Jesus manchmal zu sehr als rein subjektive Erlebnisse; Küng ist jedoch offen für eine eigenständige noch nicht erforschte Realität solcher Erlebnisse. Im übrigen kann seine an sich interessante Methode, Entwicklungsstufen des Christentums (Paradigmen) zu untersuchen, die Bedeutung von Richtungen, die im Großen bisher nie ausschlaggebend geworden sind - wie die Mystik - nicht ausreichend würdigen; diese haben Wege zu Tage gefördert, die für die Ausschöpfung der vollen Potenzials des Christentums sehr wichtig sind.

****) S. z.B: "Ökologische Theologie", Kreuz-Verlag.
*****) Auch die Andeutung eines durch den heiligen Geist gegebenen "neuen, ewigen Evangeliums" in Johannesoffenbarung 14,6 setzt eine stärkere Bewusstheit voraus, als sie der Intellekt allein ermöglicht.

******) Ergänzung: Jesus und Theologien...

Es gibt unterschiedliche theologische Sichtweisen im Neuen Testament. Aber die Schreiber müssen sie bewusst kombiniert haben. Sie ertasteten, daß Jesus viele Seiten hat. Es sind mehrere theologische Blickwinkel nötig, ihn zu verstehen.
Er lehrte einerseits das soziale Gespür der liberalen oder innerhalb der Befeiungstheologie - und er lehrte die strikten individualethischen Leitlinien ziemlich konservativer Theologen (jedoch nicht formalistisch und nicht an der Staatsmacht orientiert).
Er hatte sowohl die spirituelle Haltung christlicher Mystiker oder esoterischer Christen (vgl. die Mystische Theologie östlicher Orthodoxer Kirchen) - als auch die Einstellung, daß die Jünger ihr Leben in dieser physischen Welt meistern sollten (Letzteres ist das Hauptthema der meisten gegenwärtigen Theologen und Seelsorge, besonders der evangelischen.)
Jesus zeigte eine "übernatürliche" Beziehung zu Gott, (von der Taufe bis zum Kreuz und der Auferstehung; wie es z.B. in der Rückschau von Johannes bzw. seinen Schülern im Johannes-Evangelium zum Ausdruck kommt); das kann nicht mit Hilfe des intellektuellen Bewusstseins von Theologen wie Bultmann erklärt werden. Nichtsdestoweniger mußte Jesus durch menschliche Lebensabläufe gehen, wie sie auch für Naturwissenschaftler zugänglich sind.
Mehrere Vorkommnisse können von der Tiefenpsychologie unserer Tage verstanden werden; mehrere sind dagegen spirituell in einem Sinn, der über tiefenpsychologische Erkenntnismöglichkeiten hinaus geht.
Viele Gesichtspunkte sind fast verloren, seit große Teile der frühen Christenheit als "Ketzer" usw. verfolgt wurden (in einen Topf geworfen mit wirklichen religiösen Mißbräuchen). Sie waren alle einseitig, aber nicht mehr als irgendeine existierende Kirche auf ihre Weise.
Diese Einseitigkeit ist nicht automatisch negativ. Die konstruktiven Teile von all diesen Richtungen würden insoweit in Ordnung sein - falls sie nicht denken würden, daß sie die Einzigen seien, die recht haben, und daß die Anderen komplett unrecht hätten.

Die einzelnen Evangelien und Theologie.

Die Evangelien - und z.B. der Teil des Markusevangeliums, der "Quelle Q" genannt wird - repräsentieren vers´chiedene Blickwinkel. Daher sind sie für Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund geschrieben. Markus war z.B. wichtig für den analytischen Verstand der Römer und für Übersetzungen in die romanischen Sprachen. (Aber Prof. Morton Smith nennt einen "geheimen Teil" dieses Evangeliums, der von Unterlagen von Petrus stammte, und der nur für erfahrene Leute genutzt wurde; mit der Auferweckung des Lazarus usw.) Der österreichische Mystiker Jakob Lorber schrieb, Markus sei als Junge ein geschätzter Bote zwischen den Jüngern gewesen. So würde er genau gewusst haben, was sich ereignete. Er weist Züge eines Theologen auf, dessen Frage lautet: wer ist Jesus? 
Das ursprüngliche aramäische Matthäus-Evangelium, das verloren bzw. noch nicht entdeckt ist, muß an die Juden gerichtet gewesen sein; dieses, wie auch das heutige "Matthäus-Evangelium" ist letztlich an alle gerichtet, die ausführliche Beschreibungen voller Leben über die Taten Jesu brauchen. 
Ähnlich Lukas, aber mit gefühlsmäßiger Tiefe. 
Das Johannes-Evangelium war für spirituelle Christen (z.B. mit griechischer Mysterien-Biographie) geschrieben, wobei das spezifisch Christliche in ihrer Sprache herausgearbeitet wird.
Johannes versteht das Leben Jesu besonders deutlich vom Ostergeschehen her; Matthäus beginnt deutlicher mit dem Leben. Beide Blickwinkel sind korrekt; aber das Kreuz und edie Auferstehung haben die meisten Konsequenzen für die Zeit danach.
Das apokryphe "Philippus-Evangelium" ist kein  Evangelium, sondern ein frühchristlicher Beitrag oder Kommentar zur Diskussion mit Menschen aus verschiedenen anderen religiösen Richtungen - mit einem eigenen Standort zwischen diesen. (Es ist keine gnostische Schrift, wie Manche annehmen mögen.) Das apokryphe "Thomasevangelium" ist kein Evangelium, sondern eine wahrscheinlich großenteils authentische Sammlung von Aussprüchen Jesu; einschließlich einiger Aussagen, die in dieser Form spirituell interessierten Menschen gewidmet waren.
Vertreter verschiedener Völker konnten den einen oder anderen Aspekt besser herausarbeiten.

Forschungsmethoden.

Ähnlich sind die verschiedenen Forschungsmethoden alle in ihren jeweiligen Grenzen nützlich, wenn sie zusammen angewandt werden (interdisziplinär). Wenn jemand allerdings versucht, Theologie auf praktisch nur einem Wissenszweig aufzubauen (wie Sprachwissenschaft oder Archäologie), wird das Ergebnis teilweise falsch. Es ist außerdem nötig, meditative Methoden einzubeziehen, was fast nirgends gemacht wird.

Anmerkung zur Frage der "Dreieinigkeit" Gottes

: Bei kirchlichen Vorstellungen über eine Dreifaltigkeit bzw. Dreieinigkeit Gottes (Trinität) wäre zu unterscheiden, ob der, der darüber etwas lehrt, damit ein Erleben verbindet, das er irgendwie vermitteln könnte, oder ob es sich um eine rein intellektuelle Lehre (Doktrin) über drei göttliche Personen handelt. "Christuswege" beschreibt u.a. Gott, Jesus und den Heiligen Geist in ihrem Charakter und ihren erlebbaren Beziehungen, statt über Begriffe wie die Dreieinigkeit zu streiten.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

 

„Im Anfang war das Wort (griechisch Logos) ... und das Wort wurde Fleisch..." (Joh.1).

Solche Darstellungen dienten ursprünglich nicht zur Verdrängung des menschlichen Vorbilds Jesus, aber sie deuteten seine tiefere Verbundenheit mit Gott und dem Gang der Schöpfung an. Die Art dieser Verbundenheit mag dann immer noch verschieden gedacht werden; sie aber von vornherein als unverständlich und, nicht authentisch wegzuerklären, ist ein unzulässiger Kunstgriff. Derartiges findet sich im Johannesevangelium 1, Joh. 5, Joh. 6,69, Joh. 7 ..., in Matthäus 16,16, im Kolosser- und Epheserbrief, usw.; lebte auch noch bei alten Kirchenlehrern, bei Mystikern wie Jakob Böhme, bei Rudolf Steiner (Helsingfors 1912) und lebt wieder auf in den „Esoterischen Lehren" des christlichen Weisen „Daskalos" sowie in den Büchern des amerikanischen Theologen Matthew Fox „Der Große Segen" und „Vision vom kosmischen Christus", sowie in Tagungen z.B. der evangelischen Akademie Bad Boll zur Frage des „kosmischen Christus", und bei anderen.

In der katholischen Kirche und Teilen der evangelischen Kirche wurde versucht, die geschwundene Nähe zu einer solchen Ebene der Überlieferung durch theoretische Glaubenssätze zu konservieren. Andere Teile evangelischer Kirchen, die das soziale Wirken Jesu stärker erkannten, meinten, dies als „göttliche Überhöhung" Jesu fallenlassen zu müssen. In Lehren hinduistischen Ursprungs wird der Begriff der „Avatare" verschiedener Stufen damit verglichen. Darunter werden Menschen verstanden, die nicht zu ihrem eigenen Fortschritt auf der Erde sind, sondern freiwillig, um zum Fortschritt eines Volkes oder der Menschheit beizutragen; wie ein Tropfen „aus göttlicher Vollkommenheit". Die Unterschiede zwischen derartigen aufeinanderfolgenden „Avataren" verschwimmen jedoch oft in solchen Auffassungen, während die jüdische und christliche Auffassung den „Gott der Geschichte", den Aspekt der Weiterentwicklung und die besondere diesbezügliche Rolle des „Messias" betont.

Es sei darauf hingewiesen, daß der Koran Jesus Christus in mehreren Stellen als gottgesandten Propheten und auch als "Wort" Gottes anerkennt, "erschaffen wie Adam". Er gilt also in einem wohlverstandenen Islam auf jeden Fall mehr als bei jenen modernen christlichen Theologen, die nur den Sozialreformator Jesus übrigließen! Lediglich die Lehre von der - von den Christen der Zeit Mohammeds schon sehr irdisch verstandene - Gottessohnschaft Jesu im Rahmen der späteren Dreifaltigkeitslehre wurde im Koran nicht akzeptiert. Christen, die das, was damit gemeint war, noch so authentisch hätten erklären können, so daß auch Menschen mit anderem Ausgangspunkt das verstehen, gab es kaum noch. (S. Extraseite "Jesus und der Islam").

Es bleibt hier zunächst festzuhalten, dass diese Schicht des Rätsels Christus vielfach nicht spekulativem Denken, sondern visionären Grenzerfahrungen entsprang, deutlich zu sehen z.B. bei Jakob Böhme, der dann allerdings auch eine seltene Fähigkeit hatte, das Erfahrene begrifflich zu verarbeiten. Alle Erfahrungen spiritueller Art bedürfen zwar (selbst-)kritischer Verarbeitung; aber eine Einschätzung ihrer Ergebnisse, ohne die Existenz einer solchen Wahrnehmungsebene zu berücksichtigen, führt als sachfremde Methode ins Leere.

 Dazu ein Auszug aus dem Johannesevangelium, Anfang des Kapitels 1

Evangelienmeditation ist in der Einführung unter "Methodische Hinweise" beschrieben. Besonders dieser Text  wurde verwendet, um sich auf Christus einzustimmen wie einen fein abgestimmten Empfänger, statt mit irgendwelchen Kräften in Kontakt zu kommen, die nur vermeintlich christlich sind. Der Text ist auf der Basis einer alten Lutherübersetzung, wobei verschiedene Übersetzungen überprüft wurden. Der ursprüngliche Text ist griechisch. Anschließend ist der altgriechische Text in einer eigenen Umschrift wiedergegeben, um noch deutlicher die sprachliche Kraft oder "Schwingung" spüren zu lassen. Für die Meditation wird aber der Text in der jeweiligen Muttersprache verwendet. Für die weiteren Stellen des Evangeliums und der Offenbarung selbst verweisen wir auf erhältliche Bibeln.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.
Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, daß er  von dem Licht zeugte, damit sie alle durch ihn glaubten.
Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.
Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; aber die Welt erkannte es nicht.
Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben;
die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit
 
 

En archee een o logos, kai o logos een pros ton theon, kai theos een o logos.

Oytos een en archee pros ton theon.

Panta di aytoy egeneto, kai choris aytoy egeneto (oyde en) o gegonen.

En aytoo zoee een, kai ee zoee een to fos ton anthropon.

Kai to fos en tee skotia fainei, kai ee skotia on katelaben.

Egeneto anthropos, apesthalmenos para theon, onoma ayto Jooannees.

Oytos eelthen eis martyrian ina martyreesee peri toy footos, ina pantes pysteysoosin di aytoy.

Oyk een ekeinos to fos, all ina martyreesee peri toy footos.

Een to fos to aleethinon o fotizei payta anthropon, erchomenon eis ton kosmon.

En to kosmoo en, kai o kosmos di aytoy egeneto, kai o kosmos aytoy oyk egnoo.

Eis ta idia eelthen, kai oi idioi aytoy oy parelabon.

Osoi de elabon  aytoy , edooken aytois exoysian tekna theoy gemesthai, tois pisteysosin eis to onoma aytoy,

(Oi oyk) ex aimatoon oyde ek theleematos sarkos (oyde theleematos andros) all ek theoy egeneth(esay).

Kai o logos sarx egeneto kai eskeenoosen en eemin, kai etheasametha teen doxan aytoy, doxan oos monogenoys para patros, pleerees, charitos kai aleetheias.
 
 Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

 

Jesus von Nazareth: seine Geburt.

Nach der Abfolge in den Evangelien kommen wir nun zu mehr menschlichen Ereignissen. Die Geburt Jesu ist traditionell mit dem Weihnachtsfest verknüpft - auch wenn dies Fest nicht überall noch etwas davon erkennen läßt - Luk. 1, 26ff.; Matth. 1, 18ff. Es ist zu fragen, weshalb angesichts der zentralen Bedeutung der späteren „Drei Lehrjahre" Jesu heute Theologen so viele Anstrengungen darauf verlegen, die jungfräuliche Geburt Jesu zu bestreiten. Während der erdflüchtige frühe Gnostizismus meinte, der Vorstellung zu bedürfen, Jesus habe nur einen „Scheinleib" besessen, ist in anderen Strömungen insoweit Einigkeit festzustellen, dass Jesus durch alle Stationen der Lebensform Mensch durchgehen musste, gleichsam modellhaft bestimmte Maßstäbe zum Ausdruck bringend. Es wäre allerdings dieser Diskussion – wenn wirklich Wahrheitssuche das Motiv wäre – mehr Offenheit zu wünschen. In einer Zeit, wo im Zusammenhang mit der Transformation von Sexualitaet und Liebe neue Gesichtspunkte auftauchen, z.T. aus östlichen Praktiken herausgefiltert, und an alte Tempelbräuche erinnernd, sollte es nicht weit hergeholt sein, einen wahren Kern in der Überlieferung anzunehmen. Buddhisten – auch Buddha außergewöhnliche Geburtsumstände zuschreibend – hätten überhaupt keine Schwierigkeiten mit der Annahme einer „Jungfrauengeburt" Jesu, und natürlich auch nicht mit einer Jungfräulichkeit in einem vorwiegend seelischen Sinn, die z.B. Steiner behauptet. Der Koran spricht - wie die Bibel von einem Engel - von einem "Gottgesandten", durch den die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria vermittelt sei.

Es könnte sich herausstellen, dass der Wesenszug Jesu, in keines der festgefahrenen Denkschemata hineinzupassen, sich bereits hier andeutet. Spezifische Eigenschaften werden wir allerdings im weiteren Verlauf seines Lebens eher erkennen. Der Bedeutung der Möglichkeit, mit Christus während des Lebens „neu geboren"*) zu werden, werden wir dabei auch begegnen.

Dazu ein Auszug aus Johannesvangelium 3,5-8... : Die neue Geburt

... Jesus antwortete ihm: Amen, Amen, ich sage dir: wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir sagte, ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und Du hörst sein Sausen wohl, aber Du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist....

Dies ist kein Gleichnis. Es ist eine jener "schwer verständlichen" Bibelstellen, mit einer ganz präzisen und sehr wichtigen Bedeutung für Diejenigen, die die Erfahrungen und Kenntnisse hatten, um sie möglicherweise erfassen zu können. Jesus sagte nicht etwas zu Einzelnen, dessen Bedeutung sie von vornherein überhaupt nicht hätten erahnen und nutzen können. Im Verlauf der Kapitel unseres Haupttexts, z.B. "Die Stille in der Wüste", und "Die Verklärung" u.a. wird Einiges beschrieben, was das Thema der "Neuen Geburt" zugänglicher machen kann.

Auch für weniger direkt in dieser Richtung Suchende hatte besonders in früheren, geruhsameren Zeiten das Weihnachtsfest damit zu tun. Die Feste des "Kirchenjahres", in diesem Fall die Adventszeit, stimmten auch die Allgemeinheit auf ein plastisches Verinnerlichen der Christgeburt ein, ähnlich wie die Fastenzeit seelisch auf das Osterfest vorbereitete. So konnte im Lauf der Jahre etwas erfahren - wenn auch nicht voll verstanden werden, was in der heutigen, davon eher ablenkenden Zeit fast nur noch bei intensiver Meditation bzw. längeren Gebetsphasen erlebt werden kann.

Weihnachten ist im weiteren Sinne ein Fest der Liebe, zur Erinnerung daran, daß der Menschheit Jesus geschenkt wurde. Dies ändert aber den tieferen Sinn nicht, da alle Schritte im Leben Jesu auch nachvollziehbar sind. Vgl. außerdem das Kapitel "Und das Wort wurde Fleisch" im Haupttext.
 
 Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

 

Findet sich Bedeutsames in den Jugendjahren Jesu ?.

Auch diesem Bereich wird, diesmal in manchen modernen spirituellen Schriften, z.T. eine etwas überproportionale Bedeutung zugeschrieben. Die Bibel berichtet nur den Lobgesang des Weisen Simeon und die Verwunderung der Schriftgelehrten über den Zwölfjährigen - Luk. 2, 29 - 51. Das authentischste der nichtbiblischen „Kindheitsevangelien", das in Fragmenten und Neuerzählungen (Letzteres Lorber-Verlag) vorliegende „Jakobusevangelium", enthält zwar zeichenhafte Geschehnisse und Begegnungen. Nicht jedoch findet sich darin, daß – wie nach einer modernen These – Jesus alles von den Essenern oder der damit zum Teil verwandten Qumran- Gemeinde gelernt haben soll, nach einer anderen in ägyptischen bzw. griechischen Tempeln, nach einer weiteren in Indien, usw. Es könnte fruchtbar sein, aufgrund von Anhaltspunkten die kreative Phantasie zu betätigen, wenn dies nicht zu neuen vorschnellen Dogmen führen würde. So würde sich ein noch schwacher Umriss eines Jesus ergeben, der nicht der einen oder anderen, sondern allen wesentlichen geistigen Strömungen der damaligen Zeit intensiv begegnete, und dabei jeweils Dasjenige entfaltete, was er vom Innern her entfalten musste, und was nicht identisch sein muss mit dem, was Andere darüber dachten, was sein müsse. Das ist eine Grunderfahrung, die im Kleinen durchaus nachvollziehbar ist, und die Einigen wohlbekannt ist. Sie sprengt einseitige psychologische Vorstellungen über „Prägung" und Verhalten. Für ausgeprägte Individuen und Mystiker ist sie geradezu typisch. Sie kann sich in Ansätzen bereits in der frühesten Kindheit zeigen. Ein, allerdings etwas phantastisch anmutendes Gemälde in dieser Richtung stellt Levi´s sog. „Wassermannevangelium" dar (1908).

R. Steiner stellt im sog. „Fünften Evangelium" eine Szene dar, wo für Jesus vor der Jordantaufe erschütternd deutlich geworden sei, dass in der neuen Zeit die sich von der Außenwelt abkapselnde Arbeitsweise esoterischer Orden wie die der Essener kontraproduktiv sein könne. Ihr Gesetzeseifer – mit vielen körperlichen und ethischen/geistigen Reinigungsvorschriften – hielt sie selbst frei von negativen Einflüssen, aber ihre Umwelt war dann eher umso mehr davon betroffen. Zumindest im weiteren Verlauf des Lebens Jesu finden wir auch einen biblisch belegten Grundimpuls des „in der Welt Seins, aber nicht von der Welt," und des Einbeziehens der Welt in die eigene Entwicklung. Dazu gehört u.a. auch, daß Jesus Einiges letztendlich für Alle lehrt, was vorher der Geheimhaltung unterlegen hätte; was dem nicht widerspricht, daß bestimmte Lehren im Klartext zunächst den besser vorbereiteten Jüngern gelehrt wurden.

Das zeigt sich gegenüber den alten, auf strenger Geheimhaltung basierenden Mysterien-Traditionen in der Tat als ein neuer historischer Einschlag. Interessanterweise zeigte sich Ähnliches dann auch z.B. in neuen Richtungen des Mahayana-Buddhismus, wo plötzlich das Mitgefühl mit allen Wesen stark betont wird. Aber erst in unserer Zeit ist die Zugangsmöglichkeit letztlich Aller zu spirituellen Tiefen offensichtlich geworden. Niemand kann sagen, er/sie hätte noch nie etwas davon gehört. Da die heutige Bahnhofskiosk-Esoterik jedoch noch sehr oberflächlich ist, ist davon auszugehen, dass diese Tendenz noch lange nicht voll umgesetzt ist. Es ist klar, dass z.B. die Geheimhaltungspraxis der vatikanischen Bibliothek insoweit „vorchristlichen" Charakter hat.

 Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

 

Eine Randbemerkung zur Auseinandersetzung über „zwei Jesus - Knaben":.

Hier wäre noch die Steiner´sche Deutung der unterschiedlichen Abstammungsangaben bei Matthäus und Lukas als „zwei Jesusknaben" zu nennen. Da nicht bestritten wurde, dass sich die göttliche Natur Christi nur in einem Menschen manifestierte, ist es leicht erheiternd, wie der Intellekt Anthroposophen wie Theologen hier in einen „Hauptstreitpunkt 1 oder 2" hineinschlittern ließ. Es ging dabei um etwas Anderes, nämlich um die Frage nach einer Begleitung der Menschwerdung Christi und seines Lebensumfelds durch Kräfte der Weisen aus verschiedenen Kulturen: Adam, Krischna, Buddha, Zarathustra. Da geistige Forschungsgegenstände noch vielschichtiger sein können, als es in konkrete irdische Vorstellungen gegossen werden könnte, sind konkretisierte Angaben in der Literatur nicht immer exakter als solche allgemeinen Gesichtspunkte.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

Zur Jordantaufe durch Johannes den Täufer.

Die ursprüngliche Form der Wassertaufe war kein symbolischer Akt und keine Mitgliedserklärung an eine religiöse Gemeinschaft. Das Untertauchen durch den darin Erfahrenen, hier Johannes der Täufer, führte oft nahe am Ertrinken vorbei, stellte also eine reale Grenzerfahrung dar. Sie ähnelte insofern antiken „Einweihungen" bzw. „Einweihungsproben"; nur sind hier die möglichen psychischen Erlebnisse nicht Selbstzweck oder eine Methode zur Überwindung der Angst vor dem Tod, sondern die Taufe besiegelte den Aufruf zur „Buße"; genauer übersetzt mit „Umkehr" nämlich zum Willen des Schöpfergottes, dessen „Himmelreich" als „nähergekommen" verkündet wurde, - Matth.3, Joh. 1.

Als Jesus um die Taufe bittet, fühlt sich Johannes nicht in der Lage, diesem noch weiterzuhelfen; er willigt ein, hat aber keine Kontrolle über das Geschehen, sondern kann nur mit ansehen, wie an Jesus eine größere Veränderung geschieht, als er sie zu vermitteln vermochte. Hatte er schon die Möglichkeit einer höheren Art von Taufe durch das Feuer des Geistes vorhergesehen, durch Einen, der nach ihm kommt, so sieht er jetzt den „Geist Gottes" auf Jesus herabkommen. Christliche Esoteriker sahen darin die eigentliche „Geburt Christi in Jesus"; das erfordert jedoch nicht die zuweilen zu findende Vorstellung von Jesus und Christus als Wesen, die vorher nichts miteinander zu tun gehabt hätten.

Allgemein kann nun die Taufe, insbesondere die „Geisttaufe" – der Begriff wird auf unterschiedliche Art z.B. in Freikirchen benützt – als Einstieg in eine „Neugeburt" des Menschen gesehen werden - Joh.3. Der in christlichen Bestrebungen gebräuchlichere Begriff „Wiedergeburt" wird wegen dessen möglicher Verwechslung mit Reinkarnation hier vermieden; damit soll nicht gesagt sein, daß die Frage nach der Reinkarnation in der Bibel nicht auftauche.– Matth.11,14 z.B. ist diesbezüglich interpretationsfähiger.

Statt theologisch-theoretische Auseinandersetzungen über den Charakter der Taufe entscheiden zu wollen, könnte sich das Interesse einmal darauf richten, was eine solche „Neugeburt" praktisch für den Menschen sein kann. Er kann aus einer tieferliegenden Ebene seines Wesens heraus sein gesamtes Leben neu angehen, empfinden, und durchleuchten; aus einer Wesensschicht, die Gott zugewandt ist. Gott kann im Menschen „Gestalt annehmen", der Mensch so deutlicher als sein „Ebenbild" erkennbar werden, oder, wie es Mystiker ausdrücken, der „Christusfunke" im Herzen wird mit Leben erfüllt, und beginnt im Menschen zu wachsen. Der meditativ damit umgehende Mensch kann dies auch im Bild eines Kindes wahrnehmen, das sich real entfaltet, oder auch eines Kindes mit der Mutter als Bild der Seele. Im Unterschied zu einem flüchtigen übungsmäßig erschaffenen inneren Bild zeigt sich hier eine Weiterentwicklung, die innere Entwicklungen im Menschen wiederspiegelt, die nicht willkürlich ausgelöst werden können. Dieses innere Kind wird später erwachsen und ist noch später ständig bewusst gegenwärtig.

Bei weniger imaginativ Veranlagten mag sich dasselbe Phänomen mehr über das innere Fühlen oder Eindrücke gedanklicher Art äußern, oder einfach durch Verwandlungen im Leben. Kunstwerke wie die „Sixtinische Madonna" dürften auch aus Visionen entstanden sein, und können daher hilfreich sein, um zu. inneren Realitäten Zugang zu finden.

Bei Lorber werden auf andere Weise drei Stufen auf dem „Weg zur geistigen Wiedergeburt" unterschieden (Lorber-Verlag).

Ähnliches gilt für die meditative Betrachtung etwa des Johannesevangeliums , eine heute fast nirgends mehr gebräuchliche Praxis. Dabei wird solange ein Kapitel erarbeitet, bis etwas vom inneren Gehalt aufblitzt, meditativ oder in Träumen, deutlich wird und ins Leben übergehen kann. Siehe die "methodischen Hinweise" im Einführungskapitel.

Ein weiteres wesentliches Merkmal eines Weges im Sinne Jesu kann sich hier zeigen: die Entwicklung und ihr Maßstab wird in den einzelnen Menschen hineinverlegt. Er kann alles aus sich heraus und im Austausch mit dem Leben entfalten, ohne zwingend einer Heilsvermittlungsinstitution zu bedürfen. Das schließt geschwisterliches Einander-Beraten nicht aus. Der Weg ist zur „Nachfolge", zum Nachvollzug gedacht.

Die „innere" Erlebensart ist indessen nicht als Ersatz für das Gebet zum „äußeren" Gott gedacht gewesen: „Bleibt in mir und ich in Euch" - Joh.15 .

Die Wassertaufe selbst nach dem Beginn der Lehrtätigkeit Jesu fortzuführen, oder gar nach der „Geisttaufe" des Pfingsterlebnisses , bestand keine zwingende Notwendigkeit. Schon bei Jesus selbst wurde sie zu einem äußeren Zeichen einer im Innern bereits gereiften neuen Entwicklungsphase. Lehrte die Täuferbewegung noch „bereuet und lasst Euch taufen", lehrten die Jünger Jesu nach der Verschmelzung mit dieser Bewegung „glaubet", d.h. öffnet Euch für die Kraft des Glaubens, „und lasst Euch taufen". Dies war u.a. ein Zugeständnis an die Anhänger des Täufers. Nun wurde jedenfalls vom Positiven her begonnen. Beide tauften Erwachsene, die sich bewusst entscheiden können. Was nicht ausschließen muss, dass es eine Art von Segen auch für Neugeborene als „Geburtsrecht" seit 2000 Jahren geben könnte; aber es wäre wohl zweckmäßiger gewesen, dies von der eigentlichen Taufe zu unterscheiden, und auch von der Frage der Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche. So würden sich die diesbezüglichen Auseinandersetzungen von selbst lösen.

In unvermeidlicher Anlehnung an die im alten Israel überall gegenwärtig gewesene Interpretation des angekündigten Messias als König wurde die Taufe auch als Eintritt in das neue Königreich erlebt. Es war nur wenig erfolgreich, den Menschen damals zu erklären, dass es sich jedoch nicht um ein äußeres staatliches Königreich handeln würde, und auch nicht um eine äußere Kirchenorganisation, sondern um die Gemeinschaft all Derjenigen, die Gott als ihren Vater, und sich selbst daher in ihrer Seele als von diesem Vater neugeborenen Sohn/Tochter annehmen. Diese Sicherheit, verbunden mit der geschwisterlichen Haltung dieser „Söhne" und „Töchter" untereinander und mit dem Menschen- und Gottessohn Jesus als älterem Bruder bildeten den Kern der Lehren, die den Menschen zum Nachvollzug angeboten wurden. Im alten Israel gab es zwar neben alten, unnahbareren Gottesvorstellungen auch bereits die Vorstellung Gottes als eines Vaters. Aber er wurde dabei mehr als Vater Abrahams und des von ihm stammenden Volkes erlebt. Nur durch das Volk war Gott der Vater des Einzelnen. Höchstens ganz wenige Einzelne mögen damals zu jenem Erleben Gottes als direktem Vater des Individuums vorgestoßen sein, welches erst Jesus der Allgemeinheit brachte; eines Individuums, das sich auf dem Lebensweg von dem Einfluss Gottes in der Seele gelenkt weiß, und das mit Gott jederzeit in Kommunikation zu kommen suchen kann; eines Individuums, das durch diese Verbindung mit dem ewigen Gott auch das Überzeitliche des eigenen Wesens bereits erahnen könnte. Das wird im weiteren Verlauf des Weges Jesu deutlicher verankert, ist jedoch hier schon angelegt.

Anmerkung: Es ist möglich, dass sich die anschließend geschilderten Erlebnisse Jesu in der Wüste – samt dazugehörigen in der Bibel nicht überlieferten Erlebnissen mit Gott – in Wirklichkeit vor der Jordantaufe abgespielt haben, oder dass es mehrere solche Phasen der Zurückgezogenheit gab, die später in der Überlieferung zusammengeflossen sind. Jedenfalls bestehen hier geistige Zusammenhänge.

Dazu ein Auszug aus Matthäus 28,18-20; mit Anmerkungen zur Taufe in der Gegenwart:

Da trat Jesus* auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist gegeben alle Autorität im Himmel und auf der Erde. Darum geht hin, lehret alle Völker und taufet** sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des*** Heiligen Geistes.

Heute wird meist durch Besprengen mit Wasser oder durch Untertauchen getauft
Die Kirchen erkennen untereinander in der Regel zumindest die Taufe, und damit das Christsein der Gläubigen an. Freikirchen legen meist Wert darauf, daß die Taufe entweder bewusst als Erwachsener vollzogen wird, oder daß jedenfalls eine erneute Taufe als Erwachsener stattfindet. Dort wird auch zusätzlich auf die tiefergehende Erfahrung des Getauftseins durch den Geist Wert gelegt. (Zuerst wurden in der Tat Erwachsene getauft. Jedoch war damit nicht ausgeschlossen, auch Kindern einen Segen zukommen zu lassen. Nur hätte dieser dann einen etwas anderen Charakter als die Taufe.) In der Taufe im ursprünglichen Sinn war es noch nicht angelegt, sie zugleich als Mitgliedsaufnahme in eine ganz bestimmte Konfession zu verstehen, wie es heute besonders von den Grosskirchen praktiziert wird.
Die Kirchen erkennen in der Regel auch an, daß "notfalls", wo kein Geistlicher zur Verfügung steht, jede/r Christ taufen darf: "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes (Jesus Christus), und des Heiligen Geistes. Amen".
 
 Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

 

Die Stille in der Wüste.

Am Anfang des Wirkens als Christus* – griechisch, bzw. Messias – hebräisch „Der Gesalbte" – steht er allein. Dazu gehören die Taufe und die 40 Tage in der Wüste - z.B. Markus 1,12-13 - mit den Versuchungen. Im Anschluss daran findet die Berufung der Jünger statt.

Die Wüste steht äußerlich und innerlich für eine Abgeschiedenheit, die es umso mehr ermöglicht, sich bewusster zu werden und sich stärker mit dem letztlich allumfassenden Gott zu verbinden. Diese Vorbereitung für alles Weitere ist für jeden ernsthaften Weg der Religion, der erneuerten Verbindung mit dem göttlichen Urgrund unentbehrlich, auch wenn sie keineswegs das Ganze des Weges ist. Auch Jesus durchläuft auf seiner Ebene des Erlebens eine solche Phase, die mehr ist als ebenfalls mögliche z.B. tägliche Besinnungszeiten.

Die Kirchen, selbst diejenigen, die oft von „Innerlichkeit" sprechen – und dies z.B. als Scheingegensatz zu äußeren Friedensdemonstrationen aufstellten – machen sich kaum eine Mühe, den Menschen wirklich einen praktizierbaren Weg zu diesem „Inneren Frieden" usw. zu zeigen. In den Gottesdiensten aller über 30 verschiedenen Kirchen konnte nirgends das Element der Stille, des auch innerlich stillen Auf-sich-Hinschauens, des stillen Abwartens nach dem Gebet auch nur entfernt ausreichend berücksichtigt gefunden werden. Gesang, Predigt, Gebete, Gesang, möglichst mit gleichzeitigem ablenkenden Geldsammeln fast ohne Pause – es ist fast ein Abbild der Hektik in der heutigen Gesellschaft, durch die die Menschen sich unbewusst oder auch bewusst von ihrem unerforschten Inneren ablenken. Erst in jüngster Zeit, angesichts der Suche vieler Menschen nach – fast gleich welchen – Erfahrungen, gibt es hier kleine Fortschritte, dass z.B. wenigstens für einige Interessierte entsprechend anders gestaltete Wochenendseminare oder Vergleichbares stattfinden oder auf entsprechende Fragen auf Möglichkeiten in Bibelkreisen oder zu Hause verwiesen wird. Aber auch da fehlt oft die direkte Anleitung. Dabei könnten die Einen erkennen, dass eine größere Nähe zu Gott auch des „Stillen Kämmerleins" bedarf, und die Anderen, dass ihre gesellschaftlichen Werte wie Selbstkritikfähigkeit, Toleranz- bzw. Friedensfähigkeit ebenfalls als Ausgangspunkt das wirksame zeitweise Abschalten der äußeren Betriebsamkeit voraussetzen. Natürlich würde es kaum genügen, wenn es hin und wieder im Gottesdienst geschieht, aber es könnte eine Anregung sein, es als im Grunde häufiges, verdrängtes Bedürfnis zu erkennen.

Der Mystiker Jakob Lorber schrieb von einem Rat Christi an die Menschen zum „kurzen Weg zur Wiedergeburt", was heute – um Missverständnisse zu vermeiden – als „Neugeburt" bezeichnet werden kann, wie dies im vorausgegangenen Artikel beschrieben wurde. Siehe auch „Vom inneren Wort, Stimme der Stille" aus dem Lorber Verlag:

Die Praxis ist diese: soweit jemand von Christus wiedergeboren sein will, so weit müsse er seine Sünden -  also alles von Gott Trennende, erkennen - das ist etwas anderes, als sie sich einreden lassen. Dann müsse er sie innerlich und äußerlich tief empfindend bereuen und sich ernsthaft eine Umkehr vornehmen. Weiterhin müsse er sich vornehmen, mit der Welt - gemeint sind ihre egoistischen Verstrickungen, nicht das aktive Leben darin -, ganz zu brechen, „und sich ganz Mir übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir, und muss in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und den Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens sieben Viertelstunden lang bei verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern er muss diese Zeit in der völligen Ruhe bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir beschäftigend zubringen". Nach einer entsprechenden einladenden Anrede „begebet euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir! So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage ich, ihr werdet bald blitzen sehen, und donnern hören, aber dann erschreckt nicht und werdet auch nicht ängstlich! Denn nun komme Ich zu jedem erst als Richter in Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst in sanftem heiligen Wehen als Vater!... Sehet, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt, in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert länger und ist unsicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt,... wer da nicht ‚wohlgepanzert‘ und ‚kreuz und quer bewaffnet‘ ist, der wird hart (kaum) ans Ziel gelangen."
Es ist möglich, um eine Reinigung und Durchlichtung durch seinen (Jesu Heiligen-) Geist zu bitten.

Yogis z.B. wissen, dass die Menschen meinen, „keine Zeit zu haben". Sie pflegen dann ihre Anweisungen entsprechend von einigen Stunden über eine halbe Stunde bis auf 11 Minuten herunterzuschrauben, d.h. bis niemand mehr sagen kann, dafür habe er keine Zeit. Auch eine kürzeste Zeit der Stille, wobei andere Gedanken, Gefühle und Empfindungen nicht verdrängt aber nur beobachtet werden, ohne darauf einzusteigen, hat ihre Wirkung, besonders wenn sie mit einer Ausrichtung auf Gott verbunden wird. Sie ersetzt aber nicht längere Stille. In der Ostkirche – etwa auf Berg Athos – wird als Konzentrationshilfe das „Kyrie (Einatmung) eleison (Ausatmung), d.h. Herr erbarme dich" verwendet, vgl. z.B. Kreichauf: Als Pilger auf dem Berg Athos. In der weiteren Entwicklung kann dies dann ohne gesprochene Worte im Kehlkopfbereich gefühlt werden. Noch später kann es mit Hilfe des Atemanhaltens in den Herzbereich aufgenommen werden... .

Eine starke Herausforderung ist es auch, z.B. in einem strengen ca. sechstägigen Zen-Sesshin – eine Zen-Sitzmeditation, die sich auch in christlichen Klöstern etwas verbreitet hat – ständig zu schweigen, auch außerhalb der Meditationszeiten, beim Essen mit Anderen. Nach regelmäßig ca. drei Tagen halten es viele damit Unerfahrene kaum noch aus, um am vierten Tag – vergleichbar mit der Wirkung des Fastens – aufzuatmen und den Nutzen zu verstehen, der durch Worte immer unzureichend beschrieben werden kann.

Stille schafft Offenheit. Ein Bezug auf Gott dabei schafft auch einen Schutz für diese Offenheit. Nach einer Meditation ist wieder ein Sich-Einstellen auf nachfolgende, u.U. weniger Offenheit nahelegende Umstände zweckmäßig.

Wichtig wäre es allerdings, auch in die Welt etwas von der Stille hineinzutragen, um immer stärker eine gewisse Bewusstseinsklarheit aufrechterhalten zu lernen. Das würde zunächst für die Einzelnen bedeuten, in gefühlsmäßig zustande gekommenen Abständen, bzw. nach komplizierten Erlebnissen, oder eben sobald es danach möglich ist, einen Moment ordnende, sammelnde innere Ruhe einkehren zu lassen; d.h. Inhalte durchaus mit hineinzunehmen, ohne zunächst daran weiterzudenken; Gefühle zur Ruhe kommen lassen (und später davon weiter zu Untersuchendes zu notieren), und auch die Körperteile einer Reihenfolge nach sich entspannen zu lassen; jedoch unter Beibehaltung des Bewußtseins als ganzer Mensch, nicht im Sinne eines Sich Hineinsteigerns in einzelne Wohlgefühle.

Für Treffen, Arbeit, Tagungen u.a. würde derselbe Gesichtspunkt bedeuten, nicht auf ermüdende Art Thema an Thema zu reihen, sondern zumindest kurze Pausen dazwischen einzulegen, die auch nicht wiederum allein zu Gesprächen usw. dienen sollten, sondern in erster Linie, um Geschehenes einfach betrachten, soweit angebracht und möglich auch verarbeiten zu können, und sich jedenfalls bewusst auf ein anderes Thema einstellen zu können. Ähnlich ist es bei der Ernährung zweckmäßig, die einzelnen Speisen noch bewusst wahrzunehmen. Es können viele Zusammenhänge zwischen ernährungswissenschaftlichen Gesichtspunkten und seelischer bzw. geistiger „Ernährung" gefunden werden.

Der Vorgang, der „ Zur-Ruhe-kommen-lassen-von-Geschehenem" genannt werden kann, und der wieder Kraft für die Gegenwart und Zukunft wachsen lässt, ist also kein inhaltsloses Abheben von den Problemen. Er schafft einen Ausgangspunkt, von dem aus eine Bearbeitung von Allem eigentlich erst fruchtbar wird. Auch bei äußeren Angelegenheiten geht dadurch nicht etwa Zeit verloren, sondern es wird letztendlich Zeit gespart, weil alles leichter und besser vonstatten geht. Viele selbst spirituell denkende Menschen bemerken bisher kaum, was ihnen alles entgeht, ohne diese innere Ruhe.

Allein diese einfachste spirituelle Erfahrung, die Stille, birgt im Grunde schon Geheimnisse größter spiritueller Höhen in sich. Diese Höhe setzt aber einen Weg zu ihr voraus. Gerade Christus betont zunächst die oft zuerst freizulegende Einfachkeit des Menschen, sein Weg führt dann in immer größere und damit kompliziertere Horizonte hinein, und in dieser Kompliziertheit leuchtet dann erneut die grundlegende Einfachkeit auf.

Z.B. kann sich in der konzentrierten Stille ein gerade erarbeiteter bzw. geschenkter innerer Fortschritt tiefer verankern, im Sinne einer Fähigkeit, die nicht „von Motten zerfressen" werden kann, s. z.B. Matthäus 4. Sie kann sich dem Mosaik anderer Fortschritte des Seins richtig einfügen. Die Stille kann soweit gehen, daß das „Leben" der Gesamtheit dessen, was in uns dem göttlichen Urbild entgegenwachsen durfte, spürbar wird. Das ist eine Art, das „von Gott von neuem Geborene" in uns zu erleben. Einen Hauch von dieser Möglichkeit haben wir, wenn bei der bewussten Ruhe der Kopf freier – vielleicht verbunden mit einer Erkenntnis – die Kräfte des Herzens wahrnehmbarer und die Füße entspannter werden. Dann ist etwas „durch", um welchen kleinsten Teilaspekt des Lebens es sich immer handeln mag. Ohne dies ist andererseits nichts „durch", bleibt Wesentliches unverarbeitet „stecken"; dies kann nicht nur Probleme im Traum verursachen – die dort nur beschränkt verarbeitet werden können –, sondern auch Probleme gesundheitlicher oder anderer Art.

Christus ist eigentlich ein Titel. Es waren im frühen Christentum verschiedene Schreibweisen von "Christus" üblich, die auch unterschiedliche Bedeutungsvarianten darstellen. Die bekannteste ist griechisch "Christos", die der hebräischen Bezeichnung "Messias" = "Der Gesalbte" entspricht. Es gab aber auch griechisch "Chrestos" = der Gute, der Heilige; und, seltener, "Chrystos", von griechisch "chrysos" = golden (glänzend).

 Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

Die Versuchungen und die Berufung der Jünger.

Auch Jesus mußte in seinen menschlichen Eigenschaften lernen und sie immer stärker Gott zuwenden. Nach 40 Tagen Fasten in der Wüste erschien der „Versucher" - z.B. Matth. 4, 1-11

Auch im kleineren Maßstab treten negative Kräfte, die – wie alle Kräfte – auch als etwas Gestalthaftes empfunden werden können, auf inneren Wegen und im Leben zutage. Zunächst sind hier zurückgebliebene, verselbständigte Tendenzen im Menschen selbst zu nennen, ohne das integrierende Herz und damit ohne Gott; auf diese Verselbständigung zuerst des Denkens und daraufhin dann auch des Willens bezieht sich das „Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis".

Einerseits sind es verhärtende, an materielle Sachzwänge bindende Eigenschaften. Tiefer im Unbewussten verankert, kann ihnen zwar etwas entgegengesetzt werden, sie können auch in ihrem Wesen erkannt werden, aber in der Tiefe überwunden werden sie eher zuletzt. Bewusstes Verzichten-Können, und Haben-Können statt Haben-Müssen, und kreativer, ethischer Umgang damit ist ein Training zur Überwindung dieser Kräfte.

Die umgekehrten Wünsche führen dagegen zur Flucht und zum gleichgültigen höhnischen Abheben von materiellen Problemen, u.U. in spirituelle Bereiche hinein. Manchmal wird übersehen, dass dies nur die andere Seite derselben „negativen" Medaille darstellt, nach dem „Pendelschlagprinzip" an die andere Seite gebunden. Dieser zweite Bereich liegt heute bereits offener da, ist also leichter zu bereinigen. Ein Mittel zu dieser Umkehr ist Mitgefühl, freilassendes Geben von Liebe.

Eine im Zusammenhang mit beidem zu findende weitere Eigenschaft wäre mit Machtgier verbunden. Diese Illusion zu verwandeln, erfordert Mut zu bedingungsloser Wahrhaftigkeit und darauf gegründete Toleranz und freie Solidarität im Umgang mit Anderen.

Allgemein fehlt es in allen derartigen Bereichen an einer starken und trotzdem zugleich altruistischen Individualität der Betroffenen, die diese Bereiche an Stelle der ins Negative abgleitenden Tendenzen auffüllen könnte.

In Matthäus 4 wird Jesus diesen drei ablenkenden Impulsen ausgesetzt, hier „Satan" bzw. „Teufel" genannt. Er verweist nicht einfach auf das jeweilige Gegenteil, sondern er greift nach etwas Höherem, was jenseits des Hin-und-Her der negativen Kräfte steht auf „Gottes Wort", auf „Gott, den Herrn", und auf „Gott, den Herrn, der allein anzubeten und dem allein zu dienen" ist. Christus steht außerhalb der Dualität von Finsternis und (Schein-)Licht, und überwindet diese durch seinen dritten, übergeordneten Weg, wie auch an vielen weiteren Geschehnissen zu sehen ist.

Kurze Anmerkung: Oft ist fälschlich zu lesen, der Zarathustrismus und das Christentum bzw. „die vorderasiatischen Religionen" seien dualistisch. Dies stimmt in Bezug auf ihre Ursprünge nicht (s. Extrakapitel "Zarathustra").

R.Steiner beschrieb die beiden hauptsächlichen negativen Kräfte als getrennte Wesenheiten, wie sie in der Welt geistiger Schau erlebt werden können. Wie erwähnt, ist es zwar zweckmäßig, beide Wirkensweisen zu beachten, aber außerhalb der Welt geistiger Schau ist es nicht ganz gerechtfertigt, wenn Anthroposophen jenen christlichen Vorstellungen von einem einzigen negativen Wesen absprechen, daß sie beide Seiten mit enthalten. Die Tendenzen treten auch oft derart vermischt auf, daß letztendlich „widergöttliche" Tendenzen als Ganzes behandelt werden können, dem wiederum nicht mehrere Götter, sondern der Gott Christi gegenübersteht, mit Allem, was in seinem Sinne wirkt.

Es gibt aber andere spirituelle Richtungen, die diesbezüglich tatsächlich eines ihrer Augen zudrücken, und alles in spirituelle Höhen Strebende als göttlich ansehen.

Moderne evangelische Theologen schließlich drücken, fast wie manche weitere spirituelle Bestrebungen, gleich beide Augen zu und erklären Vorstellungen von negativen Wesen weg, etwa mit der Begründung, sie würden ja nur an wenigen Stellen in der Bibel auftauchen. Sie übersehen dabei, daß es sich eben nicht um Vorstellungen handelt, sondern um handfeste Erfahrungen, die nicht nur im Altertum vorkamen.

Ohne Ängste und andere negative Gefühle haben negative Kräfte keine direkte Macht; es kann in diesem Sinn auch ein Schutzmechanismus sein, nicht den Teufel an die Wand zu malen – auch gegenüber kirchlicher Angstmache. Heute könnte geistige Wahrnehmung ergeben, daß vermeintliche „Zunahmen" negativer Kreisläufe letztlich aufgewühlte, längst vorhandene, vorher verborgen gebliebene Potentiale darstellen. Wirklich positive Fähigkeiten hingegen können tatsächlich noch zunehmen, wenngleich sie einem Urbild entgegenwachsen, das auch bereits da ist.

Nun stellen jedoch solche persönliche „wunde Punkte" zugleich u.U. eine Resonanzfläche für verwandte äußere Kräfte dar. Spuren davon können z.B. gefunden werden – etwas vereinfachend - in einer vereinseitigten westlichen Praxis - bes. der alten Form ohne soziale Absicherung, und mit Geld und Egoismus als höchsten Werten; in den Einseitigkeiten des Nationalismus und Nationalsozialismus - speziell bei Hochmut und Gleichgültigkeit gegenüber dem Rest der Welt -, und zerstörerische "religiöse" Aktivitäten; sowie in den Extremen des Stalinismus, - etwa seiner brutalen Gleichmacherei. Dies bedeutet aber keine pauschale Verdammung von Allem und Jedem in solchen Gesellschaften.

Jesus lehrt nicht so sehr das direkte „Widerstreben gegen das Böse"; er behauptet aber auch keine Notwendigkeit des Bösen um eines „Gleichgewichts willen" (wie einige östliche Lehren meinen), und auch keine Notwendigkeit desselben, um im Gegensatz dazu das göttliche Gute zu erkennen. Nicht einmal mehr ein – oft nötiges – direktes Bearbeiten des „Negativen" ist für alle nötig. Zumindest für Einige kann ein Weg, wie ihn die „Christliche Wissenschaft" von Mary Baker-Eddy allgemein empfiehlt, funktionieren. Das beweist aber nicht etwa, daß es die widerstrebenden Kräfte nicht gäbe, sondern sie können dadurch indirekt gewandelt werden. Bei Christus gibt es auch keine ewige Verdammnis, alle destruktiven Kräfte sind letztendlich wandelbar, bis zu jener Zeit des letzten Kapitels der Johannesoffenbarung, wo verheißen wird, daß eine Finsternis nicht mehr existieren wird (s.das entsprechende Kapitel).

Auf diese Zeit in der Wüste folgte die Berufung der Jünger - Joh. 1, Matth. 4, 18 - 22, Matth. 10.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

Die Hochzeit in Kana.

Hier - Joh. 2, 1-12 - stoßen wir zunächst auf ein Beispiel, das illustriert, wie Probleme weniger aus falschen Übersetzungen, oder aus den frühen, kirchlich beauftragten „Korrekturen" der Evangelien, sondern schlicht aus einseitig emotional und patriarchalisch getönten Auslegungen herrühren. Dass Jesus zu Maria sagte „Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen", wurde später als abfällig gewertet. Wer sich in den Text hineinversetzt, und dann auch sieht, wie Jesus anschließend alles tut, was von Maria gewollt war, kann leicht feststellen, daß der Satz eher bewundernden Charakter hat, der deutlicher so ausgedrückt werden könnte: „Frau, was habe ich mit dir alles zu schaffen!" Der nicht überlieferte ursprüngliche Ausdruck in der z.T. recht einfachen aramäischen Sprache kann vom Griechischen her gesehen nur so geheißen haben: „Weib, ich mit dir" – ohne Einfühlung in den Zusammenhang war also schon zur Zeit Jesu der genaue Sinn vielfach nicht erkennbar.

Von hier bis zum Kreuz zeigt sich ein zeitweiser schöpferischer Erlebenszusammenhang zwischen Jesus und Maria. Sie wirkt inspirierend, erlebt die wesentlichen Stationen seines Lebens mit und erfährt so auch eine seelische Verwandlung.

Wird in der Neuzeit der Begriff „Braut Christi" für Ordensschwestern oft nur noch in einer äußeren Bedeutung genommen, so wies er ursprünglich auf eine reale Erlebensart hin.

Die „Gestalt" Christi im Menschen, wie sie schon im Kap. über die Jordantaufe erwähnt wurde, verschmilzt mit dem männlichen Aspekt der Seele (Animus). Er kann eine „innere Hochzeit" mit unseren „weiblichen" Seelenanteilen unter göttlichem Vorzeichen eingehen. Auch bis in die Lebenskräfte und den Körper hinein kann dies alchemistisch verwandelnd wirken. Das Bild der Maria könnte sich in verwandter Weise mit dem weiblichen Aspekt der Seele (Anima) berühren.

Für Männer lag denn auch zuweilen ein Weg über Maria, bzw. über die Marien nahe. Es können aber beide Geschlechter den Weg über Jesus, oder über Maria, oder über beide gehen, denn von der Seele bis zu den Hormonen gibt es keinen Menschen, der vollständig an Reaktionsmuster des eigenen Geschlechts gebunden wäre oder bleiben müsste. Es gibt jedoch Menschen, die zum einen oder anderen Weg einen besseren Zugang finden. Am Ende allerdings wird sich die innere Ganzheit ankündigen. In der katholischen Kirche gab es die heute fast vergessene Praxis der Verehrung des Herzens Jesu und des reinen Herzens von Maria. Diese innere Entfaltung fragt nicht danach, daß z.B. der Verfasser dieses Kapitels kein Katholik ist, also äußerlich zunächst wenig von Maria mitbekam, dafür aber auch nicht die Vorurteile bekam, die sich der äußerliche Marienkult bei vielen ihn Praktizierenden zuzog.

Erst wer einen derartigen verwandelnden Weg geht, könnte ohne Verdrängung einen Weg „alleine" gehen. Aber auch für ihn/sie muss das nicht ein Weg alleine sein; aus größerer innerer Freiheit heraus wäre eine Beziehung zum anderen Geschlecht möglich, sogar vollkommener möglich.

In diesem Zusammenhang wollen auch die von Vater und Mutter mitbekommenen Seelenanteile in die Persönlichkeit integriert werden.

Tiefenpsychologische Elemente können durchaus mit religiösem Erleben in Beziehung gesetzt werden. In anderer Art versucht dies Eugen Drewermann. Religiöse Grunderfahrungen dürften sich jedoch bei genauerer Betrachtung auf einer gesonderten Ebene zeigen, aus der heraus sie in tiefenpsychologische Prozesse hineinwirken. Es gibt heute Tendenzen, religiöse Suche als einen im Grunde allen Menschen eigenen „ganzheitlichen, sinnsuchenden und grenzüberschreitenden Vitalimpuls" zu sehen, s. Hubertus Mynarek: „Möglichkeit oder Grenze der Freiheit", 1977. Es müsste aber differenziert werden nach einem unausgeformten allgemein spirituellen Impuls, und einem religiösen Impuls im engeren Sinn der Re-ligio, der Rück- bzw. Neuverbindung des Menschen mit dem göttlichen Urgrund, dem „Vater", was für glaubende überzeugte Christen durch Verbindung mit Christus möglich ist.

Gott, als das größte Geheimnis der Welt, kann sicherlich weniger durch Beschränkung auf eine einzige Wissenschaft, Erlebensart oder ein einziges Phänomen ergründet werden, die bestenfalls Einzelaspekte zutage fördern; sondern durch den Versuch, mehrere Ansätze anzuerkennen und zusammenzuschauen. Das ist bisher nur in sehr geringem Maße geschehen. Würde der angesprochene alchemistische Prozess, und damit u.a. auch die gemeinsame Benutzung der linken und rechten Hirnhälfte (wonach heute mit vielen Methoden gesucht wird) auch von Christen auf ihre Weise durchschritten, mit dem Ergebnis „kreativer liebender Erkenntnis", würden die Gefechte zwischen den Theologien bald der Vergangenheit angehören. Auch dann wäre Spezialisierung auf einzelne Aspekte möglich, aber sie würde als solche erkannt werden, und keine ausschließliche Gültigkeit mehr beanspruchen. Die Ergänzung der Menschen untereinander käme zu ihrem Recht.

Wer indessen im Sinne des universellen Grundsatzes Jesu „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" fühlen könnte, könnte im Laufe der Zeit auch alleine dadurch dasselbe und mehr erreichen. Wer sich um diese gleichzeitige Liebe zu sich selbst und zum Nächsten bemüht, wird allerdings bemerken, daß genau dies erst gelernt sein will. Das innere „Vollständiger-Werden" kann seinerseits diese Liebe erleichtern.
Die Frage nach den „Wundertaten", die sich auch im Zusammenhang mit der Hochzeit in Kana stellen könnte, wird noch näher beleuchtet in einem speziellen Kapitel.  Betr. die weiblich göttlichen Aspekte von Maria-Sophia  s. später das Kapitel "Das erste Pfingstereignis".

Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

Gesichtspunkte zu Sexualität, Sympathie, Einfühlung und Liebe.

Die Entwicklung kirchlicher Verlautbarungen zur Sexualitaet wie auch inner- und außerkirchlicher Gegenpositionen erwecken den Eindruck, daß es Menschen in diesem Bereich extrem schwer haben, überhaupt herauszufinden, was ein menschengemäßer oder gar „christlicher" Umgang damit sein könnte. Äußere moralische Verbote verloren seit den sechziger Jahren einen Großteil ihrer Wirkung; die Kirchen waren auch nicht fähig, in den Traditionen den vorhandenen ethisch sinnvollen Kern herauszusuchen, der dann in Bezug auf die heutige Gesellschaft zuende gedacht werden könnte. Die als Gegenreaktion gegen unterdrückte Sexualitaet entstandene „sexuelle Revolution" führte ins andere Extrem einer neuen Ideologie mit sexuellen Leistungszwängen – Verschleuderung von Lebensenergie – und Nichtbeachtung der angelegten Sehnsucht nach auch seelisch-geistig verantwortbaren Beziehungen: ständige Brüche, bis zur Arbeitsunfähigkeit. Daher blieb auch davon spätestens in den achtziger Jahren vielfach nur Resignation übrig; und es war auch hier kaum möglich, ein teilweise sinnvolles Kernmotiv für eine weitere gesellschaftliche Entwicklung jenseits dieser Extreme zu erhalten. Es könnte im Gesichtspunkt der Überwindung des „Besitz-Denkens" liegen. Aus diesem Jahrhunderte langen Ringen der Menschen lässt sich herausdestillieren, daß beides, Verantwortung und Freiheit auch gerade in Bezügen jeder Art zwischen Männern und Frauen ohne Ansätze zur ganzheitlichen Weiterentwicklung der Menschen nicht verwirklichbar ist, oder gar harmonisch miteinander verbindbar. Einzelne Partnerschaften z.B., wo es scheinbar oder auch tatsächlich gelang, deuten jedoch darauf hin, daß es möglich ist, solche Ansätze zu finden.

Christus spricht jedenfalls Menschen in ihrem Kern und ihrer Möglichkeit zur Ganzwerdung, zum Vollkommenwerden an, was allein eine Grundlage zu wirklicher Freiheit schafft. Er redet nicht dem weiteren Auseinanderfallen der ohnehin bereits stark auseinandergefallenen Teilbereiche des Menschen das Wort, also auch keinem ekstatischen Ausleben von Allem, sondern eher deren Neuintegration um die „Herzensweisheit" herum.

Er ist aber auch nicht ein Vertreter von „Sachzwängen", von äußerlichen Formen und deren Überbewertung, oder gar des Missbrauchs der Begriffe Verantwortung, Treue und Ehrlichkeit zur Verbrämung von Neid, Eifersucht und Besitzgier; es geht ihm um den Geist, aus dem heraus gehandelt wird. Auch in der Ehe ist für ihn nicht automatisch alles bestens; was außerhalb als ungünstig betrachtet wird.

Gott zu lieben - und die Naechsten - wie sich selbst, also auch sich selbst; jene Regel also, mit der Christus die Verbotslogik des Alten Testaments ablöste, beschreibt zunächst eine universelle Haltung, die alle diese drei Bereiche durchzieht und verbindet (siehe Mk. 12:33; Joh. 13:34; Gal. 5:14; Jak. 2:8). In diesem Zusammenhang ist dann die Nächstenliebe etwas Anderes als bloß instinktives Sorgen für Verwandte usw. – kann aber auch Verwandte in freierer Weise einbeziehen. Aufgrund dieser Rolle des Menschen als liebende Hilfe, wo immer sie angebracht ist, ist dann auch die Selbstliebe nicht jene egoistische, sondern letztendlich auf die Liebe zu sich – einschließlich des Körpers als Werkzeug – gerichtet, durch das auch Anderen bzw. Gott gedient wird.

Die höchste Form der Liebe ist bedingungslos. Vgl. sogar die Liebe zu "Feinden", Matth. 5, 43-48 - was nicht heißt, auf Weisheit zu verzichten.

In diesem Zusammenhang dürfte es ersichtlich sein, daß z.B. auch manchmal zu findende Thesen, die Sexualitaet und Liebe einfach gleichsetzen, oder Selbstliebe mit Selbst-befriedigung und Phantasien gleichzusetzen versuchten, Welten von diesem Ansatz Christi entfernt sind. Was eher eine innere Isolierung einzelner Kräfte darstellt, und Bilder zwischen den Menschen und die realen Anderen dazwischenstellt, ist nun einmal eine der vielen Unvollkommenheiten des Menschen, aus denen etwas gelernt werden kann, die aber nie Ziel sein können.

Für heutige Europäer kann etwas von einer Verwandlung der Sexualitaet besonders dann erlebt werden, wenn zwei Menschen erst einmal bei Unternehmungen geistig und seelisch in Kontakt kommen, dann dabei lernen, mit Anti-/Sympathieausstrahlungen umzugehen – nicht in erster Linie diese, aber eben auch diese, müssten für das Finden auch nach außen sinnvoller Kontakte beachtet werden. Erst später käme die körperliche Ebene hinzu; sie gehört nicht automatisch zu jeder Freundschaft oder jeder Begegnung dazu. Dementsprechend gehört zu einer neuen Begegnung auch nicht automatisch eine Trennung vom bisherigen Partner, wie es oft geschehen ist. Eher gehört eine liebevolle Grundstimmung dazu. Die Herzkräfte können spürbar sexuel le Energien mitziehen, und diese müssen nicht explosiv zum Verschwinden gebracht werden, wie heute aus kultureller Konditionierung heraus üblich.

Die geschlechtliche Liebe -"Eros" - ist so ein Spezialfall der universellen Liebe -"Agape", muß also nicht zu dieser im Widerspruch stehen. Dies hat insoweit auch die neue päpstliche Enzyklika "Deus caritas est" anerkannt.

Viele spirituelle Traditionen lehren statt Verdrängen und statt ständigem Ausleben eine Transformation der Sexualitaet, die auch mehr sein kann als Freudsche „Sublimierung". Vergleiche etwa Tao Yoga, und Tao Yoga der Liebe (Mantak Chia u.a.) sowie hinduistische und buddhistische Varianten des Tantras der Liebe (Yogi Bhajan, Bhagwan Sri Rayneesh, u.a.). Heute ist „Karezza" = italienisch. "zärtliche Liebkosung" und G.Brown´s „Liebe-ohne-Sex", sowie ein Suchen nach weiblicheren Formen von Sexualitaet und anderes hinzugekommen; neben einigen Aufsätzen im anthroposophischen Bereich. Die aelteren östlichen Richtungen hatten u.a. den Mangel, daß sie z.T. gleich hier bei der Sexualitaet ansetzen, statt die ganze Zeit ganze Menschen sich begegnen zu lassen - was heute Techniken ersparen könnte; bzw. statt, wie es zumindest heute passend wäre, von „oben anzufangen", sich also erst geistig und seelisch kennenzulernen. Zutreffend bleibt der Gesichtspunkt der östlichen Richtungen, daß ein ruhiges – nicht auf männliche oder weibliche Orgasmen gerichtetes Zusammensein diesen Bereich langsam in Einklang mit dem Gesamtwesen bringen kann. Es gab auch im christlichen Bereich Ansaetze in dieser Richtung, die heute vorerst verschollen sind, und so eben neu erarbeitet werden müssen; so zeigen manche Hinterlassenschaften der Minnesaenger und Troubadours diesbezügliche Kenntnisse.

Da bei Sexualitaet unterbewusste Verwicklungen stattfinden können, wird sie als Gratwanderung in den verschiedensten Religionen an eine Partnerschaft geknüpft, wo damit in der Folge auch gemeinsam umgegangen werden kann. Wer diese Erfahrung in einem strengen Sinne der Ehe vorbehalten möchte, kann dies dann schaffen, wenn bei vorherigen Freundschaften beide rechtzeitig bewußt klären, was sie wollen und was nicht, und sich darin unterstützen.

Dieser alte Ansatz, den Jesus gelten lässt, bis hin zur negativen Charakterisierung eines begehrlichen Blicks auf z.B. eine Partnerin eines Anderen, sollte jedoch eine höhere Quelle unmittelbarer begeisterter Begegnung zweier fremder Menschen nicht ausschließen - die häufiger als angenommen beteiligt ist und selbst von den Betroffenen nicht immer richtig verstanden wird: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (oder in einer ebenfalls richtigen Übersetzung „in ihnen"). Dies erfordert keine angesagte kirchliche Versammlung, keine besondere Vorbereitung, sondern kann überall geschehen, wo der „Geist Christi" zwei Menschen zu irgendeinem möglichen Zweck zusammenführt. Dies auch da aufzugreifen, wo es sich um einen Mann und eine Frau handelt, und auch da, wo diese sich zusaetzlich sympathisch sind, und dabei das durchaus klare Bewusstsein aufrechtzuerhalten, das der Ausgangspunkt ist, mag schwierig sein; aber es ist eine Weltnotwendigkeit. Dabei muss es weder um Bindungen noch um Sexuelles gehen, sondern die Betroffenen müssen es ehrlich herausfinden, um was es geht.

Schon das Erdenleben Jesu weist ihn als denkbar unkonventionell aus. Es könnte sich herausstellen, daß Konventionen höchstens solange nötig sind, wie er „nicht unter ihnen ist".

Eine selbst verbesserbare Voraussetzung für angemessene Begegnungen zwischen Menschen ist naturgemäß ein Studium der eigenen Individualitaet einschließlich der „Aura" bzw. Ausstrahlung. Selbst als Paar bleiben sie dann Individuen, eine völlige Auflösung der beiden im Paar wird jedenfalls von Christus nicht angestrebt.

*) Die Menschheit ist ein kompliziertes Netzwerk, was in den nächsten Kapiteln klarer werden mag.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

Der „heilige Eifer" (und Gesichtspunkte zu Emotionen).

In Joh.2, 13-25 wird nach der Hochzeit zu Kana die „Tempelreinigung" geschildert. Jesus vertreibt in entsprechendem Eifer die Händler und Wechsler handgreiflich aus dem Tempel. Er will hier ein unübersehbares Zeichen gegen die Heuchelei der Welt setzen, die den Tempel als Gotteshaus bezeichnet, und selbst dort nichts anderes im Sinn hat als ihrem platten Feilschen nachzugehen. Zumal die Zustände so sind, daß er auch von städtischen oder geistlichen Amtsträgern nichts erwarten kann, legt er als Einziger, der sich „in seines Vaters Haus" noch verantwortlich fühlt, selbst Hand an; eine Aktion sozialen Widerstands, ohne Menschen zu verletzen. „Gott mehr zu gehorchen als den Menschen", ist auch sonst seine keineswegs unterwürfige Haltung. Auch wo er sagt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist"(und Gott, was Gottes ist), ist keine unterwürfige Haltung herauszulesen, wie oft versucht wurde, sondern eher das Bestreben, den Jüngern nutzlose Arten von Reibereien mit sachfremden gesellschaftlichen Mächten zu ersparen. Religion und Politik haben ihre je eigenen Gesetze. Den Mitmenschen zu dienen und „der Stadt Bestes zu wollen" ist ebenfalls nicht unterwürfig.

In diesem Zusammenhang könnte sich die Frage nach dem Umgang des Menschen mit emotionalen Regungen stellen. Denn nicht Jede/r hat seine Emotionen auf einer solch hohen Ebene wie Jesus, der ständig in „positivem Erschauern vor Gott" und Mitgefühl mit den Menschen lebte, und dessen Eifer auf bewusster guter Absicht beruhte. Beim normalen Menschen sind zunächst fast alle Emotionen zumindest vermischt mit unbewussten Reiz-Reaktionsmechanismen – die biographisch verschieden und verschieden stark zutage treten, aber in ihrer Grundstruktur recht ähnlich sind. Selbst, ohne sich mit Deutungen Anderer zufriedenzugeben, immer weitere solcher Mechanismen aus den eigenen Reaktionen herauszufischen, auf sie hinzuschauen, und sie so schließlich zu meistern bzw. sie Gott zu übergeben, ist ein langer Lernprozess.

Obwohl wir es hier mit der Psyche zu tun haben, sind hierzu übliche psychologische Analyse- bzw. Therapieverfahren für Gott- und Wahrheitssucher nicht besonders angezeigt.

Wo noch jene einseitigen Deutungsmuster im Hinterkopf sind, die psychische Probleme auf Sexualität und frühkindliche Prägung reduzieren, und wo zudem aus „Gründen" von Schwächen „Begründungen" des So-Bleibens werden, statt wie Erich Fromm die Entwicklungsfähigkeit des Menschen zu betonen, kann Psychologie sogar ein Hemmschuh auf dem geistigen Weg sein. Wo Psychologie, also „Seelenkunde", das Hinschauen auf seelische Prozesse anregt, und wo in der Seele - was selten ist - mehr gesehen wird, als eine chemisch-elektrische Gehirnfunktion, könnte ihr Studium auch eine hilfreiche Brücke sein. Sie würde sich besser entwickeln, wenn sie Kenntnisse bzw. Behauptungen alternativer psychologischer Richtungen nachzuspüren bereit wäre. Es nützt wenig, auf übliche Art ganze Problemkomplexe gleich im Ganzen bearbeiten zu wollen. Wirksamer wäre es, zuerst einzelne Bestandteile eines solchen Komplexes zu suchen, und dabei auch bewusst zu unterscheiden, ob es sich um einen „Balken im eigenen Auge" oder um einen „Splitter im Auge des Anderen" handelt, und wer so verantwortlich ist. Manche christliche Schulen würden Ersteres stärker betonen, weil es schwerer ist, und erst gelernt werden muß, auf eigene problematische Taten hinzuschauen, und weil diese eher selbst korrigierbar sind; die kirchliche Beichte hat insofern neben dem geistlichen Aspekt auch eine therapeutische Auswirkung. In der psychologischen Praxis würde oft mehr die andere Perspektive als Opfer im Vordergrund stehen. Am Ende wird bemerkt werden, daß trotzdem beide Seiten mehr oder weniger ins Spiel gekommen sind. Z.B. Östliche spirituelle Lehren würden den Zusammenhang von beidem im Leben als Quelle des „Karmas"/ Schicksals betonen.

Wo es um die Auflösung von Nachwirkungen von schwierigen Tagesabläufen geht, könnte auch eine von R.Steiner wieder zutage geförderte Methode helfen: eine Tagesrückschau bei der vom Abend rückwärts bis zum Morgen einfach hingeschaut wird. Danach ist es umso leichter, wieder in die Gegenwart zu kommen.

Es ist auch möglich, sich einen „Seelenspiegel" mit zu bessernden und mit erstrebenswerten Eigenschaften aufzuschreiben, und ihn öfter durchzugehen, eine bewährte Praxis aus dem mystischen Bereich.

Fortschritte im seelischen Bereich bringen es mit sich, daß sich auch z.B. ein Gespräch zwischen mehreren Menschen verbessern kann. Die vielen Vorurteile und vorschnellen Bewertungen nehmen ,in dem Maße ab, in dem der Mensch für sich selbst durchsichtiger wird und Ballast loslässt. Die Wichtigkeit, die Jesus dem „Nicht-Richten" beimisst, und dem „was aus dem Mund heraus kommt", ist kein unerfüllbarer moralischer Anspruch, sondern eine Aufforderung, mit diesem Lernprozess zu beginnen. (Dies setzt oft voraus, statt weiter zu streiten, erst einmal in die Stille zu gehen, und sich dann ruhig miteinander auszusprechen. S.a. das Kapitel "Die Stille in der Wüste").

In diesem Zusammenhang gibt es europäische Schulungswege, die Elemente wie die im Yoga bekannten Nerven- oder Bewusstseinszentren -Chakren- unter anderen Namen einbeziehen können (Anthroposophie; Universelles Leben; u.a.). Derartige Bemühungen sind nicht automatisch "nichtchristlich", wie kirchlicherseits vermutet wurde, sondern diese Zentren im Menschen waren schon den christlichen Theosophen des Mittelalters bekannt (J. G. Gichtel), und sind inzwischen als real in jedem Menschen vorhandene Energiestrukturen erkennbar; ebenso wie die Kenntnis der besonders aus China bekannten Akupunkturpunkte nicht automatisch "taoistisch" ist - denn diese sind längst mit Meßgeräten und neuerdings auch histologisch im Gewebe des Menschen nachweisbar.

Im weiteren Zusammenhang siehe auch die Extraseite "Grundlagen ethischer Werte".

Zurück zum Inhaltsverzeichnis.

Zur Bergpredigt  (mit Gesichtspunkten zum Verstand).

Über die Umkehr der Werte der alten (auch der heutigen) Gesellschaft durch die Bergpredigt ist viel geschrieben worden. Vgl. Matthäus 5 - 7,29. Die Einen begrüßen sie im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Aktivitäten. Andere verniedlichen dies als „Gesinnungsethik" und bevorzugen die von ihnen so genannte „Verantwortungsethik" mit alttestamentarischen Strafandrohungen, Militär usw. Einige versuchen einfach, danach zu leben. Über christliche Bereiche hinaus wird die Bergpredigt geschätzt (z.B. von Gandhi).

Auch vom Standpunkt der Bewusstseinsforschung ist zu erkennen, daß sich die Bergpredigt insbesondere an Menschen richtet, für die Bewusstsein mehr sein kann als menschliche Verstandesanalytik, und für die das Leben nicht am privaten Tellerrand enden muss. Die „geistlich Armen", die also „wissen, daß sie nichts (oder wenig) wissen", und offen sind für die ständige Relativierung, daß Gott mehr weiß als sie, und daß er ihnen in allen Dingen noch viel zu lehren weiß, sind „selig", das „Himmelreich ist ihrer". Diese Haltung kann sich denn auch als ständiger mächtiger Entwicklungsschub erweisen, mehr als jede andere, vom Menschen für „klug" gehaltene Einstellung.

„Die da Leid tragen" müssen nicht immer nur ihr eigenes Schicksal tragen, – und so ihren Teil am Zustand des Ganzen aufarbeiten, statt über alles leichtfertig hinwegzugehen –. Einige tragen auch Schweres mit, was ihr ganzes Geflecht von Personen betrifft, in dem sie leben, und letztendlich das Schicksal von Völkern und der Menschheit. Statt Staatsmänner sind das heute oft Basisbewegungen, und wer gibt ihnen die nötige Teilnahme, wer betet für sie, anstatt nur immer für die Mächtigen, Berühmten, und wirtschaftlich Großen ?

Die „Sanftmütigen" sind am deutlichsten die freiwillig Sanftmütigen (also nicht einfach Ängstliche). Sie „werden das Erdreich besitzen" und nur unter ihrer Hand kann es erhalten bleiben und sich entwickeln.

„Die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit": – nicht Neid, sondern faire Suche nach Gerechtigkeit für sich und für Andere öffnet den Menschen nach „oben", früher oder später nicht ohne Antwort, wenn auch nicht immer so wie vorgestellt. „Die Barmherzigen" tragen freiwillig sehr deutlich ihre Mitgeschwister und Mitgeschöpfe nach oben, und werden so auch von Gott getragen.

„Die reinen Herzens sind" und die so ihre geistigen Brillen bzw. Vorurteile erkannt und abgelegt haben, werden Gott schauen". Das ist die umfassendere Bedeutung des Wortes „Richtet nicht".

„Die Friedfertigen", auch die Frieden stiften, im Sinne des Friedensgebets des Franz von Assisi, lassen ebenfalls auch Andere erkennen, daß hier eine andere Kraft am Werke sein muss, als jene Kräfte, die sonst das Leben bestimmen. So „werden sie Söhne (und Töchter) Gottes genannt werden".

„Die um der Gerechtigkeit (/Rechtschaffenheit) willen verfolgt werden" und die „um meinetwillen", d.h. wegen Jesus verleumdet oder verfolgt werden, werden auch selig gepriesen, und so war auch vielfach deren innerer Zustand, während ihr äußeres Wesen litt. Das heißt nicht, daß Leiden ein selbständiges Ziel wäre.

Ihre Rolle als „Salz der Erde" und als „Licht der Erde" sollen die Angesprochenen au