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Seit zweitausend Jahren - mit vorausgegangenen Prophezeiungen noch einige tausend Jahre länger - stehen immer wieder Menschen für ihre vielfältigen direkten Erfahrungen mit Jesus Christus ein. Trotz verschiedener Charaktere, unterschiedlichem religiösen, philosophischen oder wissenschaftlichen Umfeld, zeigen sie unabhängig voneinander Verwandtes. Sie sprechen von der jeweils gegenwärtigen Realität Christi; auch z.T. von der Möglichkeit für Andere, und sich auf ähnliche Erfahrungen vorzubereiten; und von seit 2000 Jahren in die Menschheitsentwicklung eingeflossenen neuen Fähigkeiten durch Christus, die nicht nur im Sinne äußerer historisch-kultureller Vermittlung gedacht sind. Diesen nicht nur theoretischen, sondern praktisch nachvollziehbaren Schritten des "Wachstums" wird hier in neuer Art genau im Einzelnen nachgegangen.
Im 12.Jahrhundert prophezeite der Abt Joachim de Fiore ein "Zeitalter des Heiligen Geistes", wo eine derartige Gottesbeziehung der Einzelnen unabhängig von Institutionen Allgemeingut würde. Heute verbreiten sich weltweit mehrere Bestrebungen, die nicht nur eine dementsprechende Gestaltwerdung Christi im Menschen suchen, sondern das Individuum als bewusstwerdende Zelle im "Leib Christi" sehen.
Die z.T. damit verbunden gesehene "Wiederkunft Christi" und gegenwärtige "Apokalypse" als Vorgänge im Großen deuten auf etwas Umfassenderes hin als auf eine menschlich gedachte "Wiederverkörperung".
Welche spezifischen Entwicklungsmöglichkeiten für Mensch und Erde hier zu finden sind, und vor dem Erdenleben Jesu noch nicht gegeben waren, ist die Frage, deren Lösungsansätze in diesem Beitrag als Anstoß zusammengestellt werden.
Gerade in einer Zeit,
- wo das Phänomen Jesus Christus durch viele verschiedene Theologien und
Dogmen, durch sprachwissenschaftliche, historisch-kritische, archäologische und
paläographische, religionssoziologische und tiefenpsychologische,
naturwissenschaftliche, politische usw. Betrachtungsweisen in Anspruch genommen
wird,
- wo wie in den Zeiten des Urchristentums neben einer alten materialistischen
eine vielfältige spirituelle Szene entstanden ist, die beide zum Christentum
fließende Übergänge wie auch Abgrenzungen ergaben,
- wo die verwirrendsten Erscheinungen auftreten, wie z.B. mehrere vermeintliche
verkörperte Christusse in der Gegenwart, und wo oft recht Problematisches bis
Negatives im Namen Christi geschieht, kann es von Interesse sein, zu
untersuchen, was in dieser Kompliziertheit eigentlich der spezielle Beitrag
Christi sein könnte.
Es wird hierzu an eigene innere Erfahrungen angeknüpft, wie auch an andere mystische usw. Quellen. Die benutzten Blickwinkel sind interdisziplinär, von vielen Wissens- und Erfahrungsgebieten, also nicht nur theologischen. Bei spirituellen Gesichtspunkten soll keiner von politischem Bewusstsein ablenkenden Pseudo-Innerlichkeit das Wort geredet werden. Dogmen des mechanistischen Denkens der Naturwissenschaften des letzten Jahrhunderts können dafür selbstverständlich nicht als Sichtbegrenzung akzeptiert werden; ebenso wenig Vorstellungen aus dem östlichen Bereich, die von der Voraussetzung ausgehen, dass es nichts gebe, was nicht schon in den altindischen Veden stehe, und Jesus sei nur ein "eventuell drittklassiger Lehrer" derselben. Von den nur vergleichend oder ergänzend im Text gegebenen Hinweisen auf Bücher usw. lassen sich diese Erkenntnisse nicht ableiten, und so sind diese Bücher oder theologische Vorkenntnisse für ein Verständnis auch nicht notwendig. ( Das Gleiche gilt für eine geplante Bücherliste für theologisch Interessierte, s. Links.) Nichts ist als Dogma oder als Meinung irgendeiner äußeren religiösen Organisation zu verstehen. Es richtet sich aber auch nicht gegen irgendeine Kirche oder Religionsgemeinschaft, und auch nicht gegen z.B. das apostolische Glaubensbekenntnis. Menschen mit einem anderen religiösen oder weltanschaulichen Hintergrund, die ein positives Interesse an neuen Erkenntnissen aus dem christlichen Bereich haben, können in dieser weder dogmatischen noch materiell verflachten Schrift ebenfalls fündig werden. Daher sind auch Hinweise auf das Verhältnis christlicher Wege zu anderen Bestrebungen enthalten. Z.T. wie im Johannesevangelium in einer für die damaligen Erkenntnissucher verständlichen Sprache das spezifisch Christliche herausgearbeitet ist, so zeigt diese Schrift heute Zugänge von verschiedenen Seiten her. Diese Schrift läßt auch in ihrem Stil frei; Forschung ist etwas Anderes als Mission. Solche Christen, die für sich einen ganz einfachen Glauben ohne tiefschürfende Überlegungen bevorzugen, könnten in dieser Schrift lernen, wie sie mit den Menschen anderer Geistesart in ihrem Umfeld besser in Dialog treten könnten, ohne daß ständig Mißverständnisse auftreten.
Der Text möchte rein durch seine Inhalte sprechen.
Die folgenden 37 Kapitel folgen den Schritten in den Evangelien und der
Johannesoffenbarung. Es empfiehlt sich, sie auch in dieser Reihenfolge zu
erarbeiten, mithilfe u.a. des Johannesevangeliums und der Offenbarung.
Bibelstudium, d.h. Texte lesen, sprachlich und im Zusammenhang erarbeiten ist
nur eine Methode. Während des Studiums können die Kapitel des Texts und
nicht zuletzt Gott tiefere Erkenntnisse fördern.
Der Haupttext besteht aus längeren, durchgehenden Seiten, wobei die Kapitel
auch vom Inhaltsverzeichnis erreichbar sind. Für ein gründlicheres
Studium empfiehlt es sich, den Text auszudrucken: je nach Einstellung des
Browsers und Druckers sind es ca. 100 Seiten.
Wer über das Lesen hinaus an einer ganzheitlichen Methode des Erarbeitens
näher interessiert ist - vernachlässigte Schichten der Seele einbeziehend -,
kann nach dem Studium eines Kapitels dieser konzentrierten Betrachtungen das
entsprechende Kapitel z.B. des Johannesevangeliums lesen und darüber
meditieren. (Johannes bzw. seine Schüler befassten sich besonders mit der
tieferen geistigen Bedeutung des Geschehens.)
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten; zunächst gelten dafür Voraussetzungen
wie für jede andere Meditation: aus aktuellen Ablenkungen und Verstimmungen
oder Problemen muß die eigene Aufmerksamkeit erst durch ein
Sich-darüber-bewusst-werden oder durch ein Gespräch mit Jemandem usw.
ausreichend herausgelöst werden; so daß wieder eine geistige Offenheit
vorhanden ist. Auch sollten weder Müdigkeit noch Hunger noch die akuten
Wirkungen von Alkohol, Tabak usw. vorhanden sein. Weiter sollte kein Telefon
usw. während der Meditation stören können. Der Platz sollte sich angenehm
anfühlen, also z.B. nicht neben einem Strahlenstress erzeugenden Gerät
(s.Links: Baubiologie). Wer geübt ist, kann sich möglicherweise auch auf einem
belebten Marktplatz konzentrieren, aber am Anfang ist es sicher zweckdienlich,
solche Hinweise zu beachten. Früher wurde für eine solche
Evangelien-Meditation z.T. der Text langsam mit geschlossenen Augen gesprochen
(z.B. Rosenkreuzer). Damit die Aufmerksamkeit nicht auf den Worten liegen
musste, sondern auf dem Gehalt, wurde der Text vorher auswendig gelernt. Es gab
auch eine Variante, wo der Text mit eurhythmischen Gebärden begleitet wurde. Es
gibt auch die Möglichkeit, den Text zu lesen, und und ihn dann bei
geschlossenen Augen auf sich wirken zu lassen. Dabei wird nicht aktiv gedacht,
oder jedenfalls beginnt die eigentliche meditative Betrachtung erst nach dem
Denken. Gehen dann die Gedanken weiter, werden sie einfach ihrerseits kurz
"angeschaut", statt sie weiter zu denken. Dies gilt auch, wenn
Gedanken auftauchen, die scheinbar oder tatsächlich nichts mit der Meditation
zu tun haben. (Gehen sie um äußere Vorhaben, können sie z.B. aufnotiert
werden, wirksam vertagt, damit der Geist wieder davon frei ist. Wichtige
Ereignisse während der Meditation werden hinterher nach Möglichkeit notiert,
dann ist die eigene Entwicklung besser zu verfolgen. Die Betrachtung kann zu
einer größeren Vertiefung des Bewusstseins führen, was aber nicht
zwangsläufig eintritt (Kontemplation, Meditation).
Zusätzlich kann es hilfreich sein, beim Aufwachen einen Notizblock parat zu
haben, um Stichworte zu notieren. Dies hilft einerseits, sich überhaupt an
Träume zu erinnern; andererseits läßt sich aufgrund solcher Notizen über
Träume deren Entwicklung besser verfolgen. Werden Traumsymbole tagsüber
gezeichnet, hilft dies zusätzlich, diese Öffnung zu verstärken. Mehr und mehr
kann sich zeigen, daß eben nicht alle Träume durch Tageserlebnisse und deren
psychische Verarbeitung erklärbar sind, sondern daß hier etwas stattfindet,
was auf andere Art ebenso wichtig ist wie der Tag.
Dies sind keine okkulten Rituale, sondern es geht einfach darum, daß der Seele
Zeit gelassen wird, sich für die Inhalte bzw. für Gott zu öffnen, statt daß
die Inhalte nur für den Intellekt zur Verfügung stehen - der nicht schlecht
ist, aber zum Verstehen eben auf gar keinen Fall allein genügt. Mit der Zeit
können alle Schichten des Menschen, auch sein Wille, ja auch sein Körper davon
berührt und verwandelt werden. Erst wenn sich z.B. neue Erkenntnisse zeigen,
oder entsprechende Symbolbilder während der Meditation oder sich darauf
beziehender Träume, oder Entwicklungen im Leben, ist das, was von dem Kapitel
nachvollzogen werden kann, wenigstens anklangweise im Innern angekommen. Dann
kann weitergeschritten werden, zumal wenn das Bedürfnis da ist. Es mag dazu
nötig sein, eine Woche oder besser einen Monat mit einem Kapitel zu leben.
Nicht nötig ist hingegen, den Inhalt bereits 100%ig umgesetzt zu haben, denn
diese Schritte sind nicht mehr völlig voneinander abgegrenzt. Gott läßt einen
Menschen ein Erlebnis haben, wenn er (Gott) es will, eine
"Sternstunde" kann auch durch Meditation höchstens vorbereitet, aber
nicht erzwungen werden. Dennoch kann keine Theologie usw. allein eine solche
innere Praxis ersetzen, die zum realen Nachvollzug führen kann, statt zu grauer
Theorie
Es gibt aber auch unabhängig von den Möglichkeiten einer solchen Meditation so
viele Wege zum gleichen Ziel, wie es Menschen gibt.
Weitere Meditationsformen im christlichen Kontext
Während eine solche auch inhaltlich spezifisch christliche Meditationsform wie oben erwähnt, heute leider selten irgendwo im kirchlichen Bereich angeboten wird, werden dort in speziellen kirchlichen Tagungshäusern o.ä. oft umso mehr andere Meditationsformen angeboten. Denn die Menschen suchen mit Recht nach Erfahrungen. Nur haben die Kirchen über die Jahrhunderte ihre eigene spirituelle und damit auch meditative Tradition weitgehend verschüttet, und müssen sie erst wieder zu erschließen suchen. Daher begannen sie ersatzweise zuerst einmal, z.B. buddhistische Meditationsformen (wie Zen, eine einfache Stillemeditation) abzuwandeln, und mit einer christlichen oder neutralen Einführung zu verbinden. Oder es werden Bilder, Gemälde, oder einzelne Aussprüche der Bibel oder von christlichen Mystikern in die Stille hineingenommen. Eine z.B. auf dem Berg Athos noch lebendige Praxis griechisch-orthodoxer Mönche mit einer Wiederholung des "kyrie eleison" (Herr erbarme Dich) ist in unserem Haupttext, Kapitel "Die Stille in der Wüste" mit erwähnt. Auch Gesänge können einen besinnlichen, meditativen Charakter annehmen. Es gäbe auch die Möglichkeit, die vielen künstlerischen Bilder und Symbole in den Kirchen aufzugreifen.Das Allereinfachste wäre in der Breite das Wirksamste: wenn die Kirchen ein gutes Beispiel gäben, indem in den Gottesdiensten häufig Stille dazukäme, z.B. vor dem Gebet, während desselben, nach demselben - um auf eine "Antwort" zu warten -, nach der Predigt, während seelsorgerlicher Beratung usw. So wäre dies meditative Element nichts Isoliertes, sondern sein Wert im Zusammenhang könnte unmittelbar erlebt werden. Über solche Vorbereitungen für Gottes Wirken hinaus kann im Grunde alles Leben einen meditativen Charakter annehmen, -was in unserer hektischen Zeit sehr erschwert ist. Jedenfalls wäre es absurd, und einer erheblichen Unkenntnis entspringend, undifferenziert jede Meditation als "nichtchristlich" einzustufen, nur weil manche von nichtchristlichen Gruppen praktizierten Meditationsformen bekannter sind als die christlichen.
Selbst Jene, die durch eine Suche nach inneren Erfahrungen auf den
untauglichen und gefährlichen Weg des Drogenkonsums gestoßen sind, könnten
statt dessen durch Meditation ein erfüllendes Erleben finden.
1. Ein Bemühen, teils verschüttete spirituelle Tiefen des Christentums zutage zu fördern, muß naturgemäß zuerst an Lehre, Leben und Bedeutung von Jesus Christus selbst, und den Urchristen ansetzen; und zwar einschließlich ihrer "apokalyptischen" Züge, statt nur herauszugreifen, was der einen oder anderen Theologie gefällt. Dabei zeigt sich, daß auch die Vielfalt der frühen Christen ernstgenommen werden muß, - wie sie auch bereits von den Evangelisten ****** selbst ernstgenommen wurde, um dadurch die breitere Bedeutung der Impulse Christi erkennbar zu machen. *
2. Die alte Kirche der nächsten Jahrhunderte waren meist bestimmt von der Autorität der umfangreichen Abhandlungen der "Kirchenväter". Sie haben mit Hilfe u.a. der griechischen Sprache und Gelehrsamkeit die urchristlichen Überlieferungen für Europa deutlicher gemacht. Sie wußten auch noch Vieles über ältere Schriften, die heute verschollen sind. Wie in allen Phasen, wurde auch im weiteren Verlauf dieser Phase gestritten, was nun dem wahren Christentum entspräche und was nicht. Auch Einiges in deren Erkenntnissen, was später verdrängt wurde, verdient eine neue Aufarbeitung, freilich auch im Vergleich mit den Ursprüngen. Es gab im Übrigen auch weiterhin Christen - z.B. in Ägypten, vgl. auch die Funde in Naq Hammadi - die nicht so sehr die Heilsvermittlung durch eine Kirche, sondern eher den individuellen Zugang zu Gott in Gebet und Meditation usw. gepflegt haben müssen. In der "Mystischen Theologie" der heutigen Orthodoxen Kirchen ist Einiges davon besonders stark erhalten geblieben.
3. Die mittelalterliche Scholastik und Kanonistik führte zu einer theologischen Systematisierung durch gedankliche, eigentlich religionsphilosophisch zu nennende Ableitungen bzw. Schlußfolgerungen; wobei die Kirchenväter weiter als Autorität galten, aber nur insoweit es mit diesen Gedankengängen übereinstimmte. Auch wenn sich in den scholastischen Gedanken für die damalige Zeit viel sinnvolle Geistesnahrung fand, erschreckt die oft einseitige, absolut setzende und daher ausgrenzende intellektuelle Logik - die von der eigentlichen religiösen Dimension zu unterscheiden wäre. Dies konservierte in Form von Lehren bzw. Dogmen den Glauben, verführte aber auch zu inquisitorischen Praktiken. Aus der Kreativität eines heutigen spirituellen Suchers oder Mystikers ist erkennbar, daß an einigen Stellen dieselbe intellektuelle Methode auch zu anderen Schlußfolgerungen hätte führen können oder teils auch führte; bzw. daß wirkliches geistliches Wachstum ein flexibleres und umfassenderes, nicht derart verhärtendes Bewusstsein voraussetzt. Die strenge scholastische Methode ist noch heute ein wesentlicher Ausgangspunkt Systematischer Theologie, besonders im katholischen Bereich. Jedoch gibt es darin heute manche Öffnung für andere bzw. ökumenische Ansätze (z. B. Yves Congar). Es geht auch nicht um irgendeine einseitige Kritik an einer der theologischen Richtungen. In einem frühen Stadium der Arbeit am heutigen Haupttext von "Christuswege" würde auch geprüft, welche systematischen Gliederungsmöglichkeiten des vorliegenden Stoffes es gibt. Es blieb nur eine Möglichkeit übrig, nämlich die Reihenfolge der aufgezeigten "Schritte Jesu" entlang der Evangelien selbst! Denn gerade darin spiegelt sich eine geradezu archetypische Reihenfolge menschlicher Entwicklungsstadien und Bewusstseinsbereiche, auch im Verhältnis zur Welt darumherum. Dies ist aber ein neuer, interdisziplinärer Ansatz.
4. Als genügend kirchlicheTradition über den Ursprüngen aufgetürmt war, folgte das Bemühen der Reformatoren, die biblischen Ursprünge wieder stärker zur Grundlage zu nehmen. Dies schafften sie jedoch nur sehr beschränkt, da sie Kinder ihrer Zeit waren, und z.B. wenig von den spirituellen und mystischen Strömungen aus der Geschichte des Christentums wußten. Im übrigen wurden auch Traditionen fallengelassen, die jedenfalls in ihrem Kern wertvoll sind, wie die Marienverehrung. Es blieb damals Einzelnen wie dem ev. Theologen J. V. Andreae vorbehalten, in romanhaft verschleierten Traumbildern auf tiefergehende, evtl "christlich-esoterisch" zu nennende Erfahrungen einzugehen; daß daran das Christliche nicht so leicht erkennbar war, liegt an dieser Form, die aus Sicherheitsgründen gewählt wurde. Auch der protestantische Bereich war nicht immer so tolerant, wie es scheinen könnte. Die Gegenreformation, Religionskriege usw. taten ein Übriges. Dennoch ähnelten sich die verschiedenen theologischen Methoden damals noch in Vielem. Wo heute noch selbst innerhalb der protestantischen Kirchen getrennte Bekenntnisgemeinschaften wie die lutherischen und reformierten (calvinistischen), sowie uniierten Kirchen bestehen, müssen sich deren Träger sagen lassen, daß sich das zwar noch für theologische Fachdiskussionen eignen mag, daß es sich aber im Hinblick auf das eigene Kirchenvolk längst überlebt hat. **
5. Die danach folgende Zeit der neuen Philosophie, der Aufklärung bzw.
des Rationalismus mit den Naturwissenschaften führte nun auch nicht dazu,
daß der intellektuell bestimmten alten, systematischen Theologie eine Theologie
spiritueller Erfahrung zur Seite gestellt worden wäre. Sondern im Gegenteil
orientierten sich nun auch mehr und mehr historisch-kritische Theologen
bewusst oder unbewusst an dem ebenfalls intellektuellen, und obendrein einseitig
materialistisch gewordenen Wissenschaftsverständnis der damaligen Zeit.
Theologie wurde teilweise eher zu einer historischen,
literaturwissenschaftlichen und linguistischen Forschungsrichtung - was nicht
automatisch falsch, aber eben einseitig ist. (Demgegenüber sahen sich
zeitgenössische Vertreter der alten systematischen Theologie wieder als eine
Art Kern der eigentlichen Theologie, um den herum sich die neueren
Forschungsrichtungen gruppieren könnten. Ob sie aber wirklich ein solcher
integrativer Kern sein könnten, ist fraglich) Sicher wäre es ein teils
berechtigtes Unterfangen, die vielfältigen wissenschaftlichen Entdeckungen in
Beziehung zu Glaubenslehren zu setzen - soweit es nicht zu neuen,
naturwissenschaftlichen Dogmen führt. Aber dann wäre es nur konsequent, dies
auch heute zu tun. Das geschah aber bisher meist nicht. Das würde bedeuten,
das sich abzeichnende neue Weltbild bzw. Paradigma zu berücksichtigen, das sich
aus neueren, nicht mehr so sehr materialistischen wissenschaftlichen Strömungen
der Quantenphysik, aus der modernen Biophysik, der Geo- und Astrophysik, und
besonders auch den Grenzwissenschaften wie der Parapsychologie usw. abzeichnet.
Es ist sinnlos, eine heutige Theologie auf das wissenschaftliche Weltbild des
19. Jahrhunderts zu stützen! ***
Auch gegenüber den Tendenzen der Aufklärung gab es seit dem 19. Jahrhundert
verstärkt Gegenbewegungen, z.B. Erweckungsbewegungen, die zu vielen neuen
evangelischen Freikirchen führten. Diese sahen jedoch keine Notwendigkeit, sich
mit dem Geschehen in den Naturwissenschaften auseinanderzusetzen; sondern
vertreten auch ohne dies einen ohne Abstriche an der Bibel orientierten Glauben.
Meist würden sie dafür gar nicht den Begriff Theologie gebrauchen, aber es ist
eben auch eine eigene Art von theologischer Auslegung der Bibel (Exegese/
Hermeneutik).
6. So folgten im 20. Jahrhundert viele Bemühungen, der Theologie Facetten
abzugewinnen, die sie bisher nicht ausreichend berücksichtigt hatte, allerdings
immer noch ohne die Einbeziehung jener mystisch- spirituellen Dimension -
die von Karl Rahner immerhin schon als notwendig erkannt wurde. Diese
Versuche im katholischen und evangelischen Bereich haben vielfach für die
Gesellschaft etwas gebracht, indem sie mehr auf die praktischen Sorgen der
Menschen eingingen: z.B. Karl Barth, die politische Theologie und die
Befreiungstheologie(n) der Dritten Welt sowie die Schöpfungstheologie****,
feministische Theologie, ... . Bei einigen Richtungen wie der "Entmythologisierungstheologie"
von Bultmann wurde allerdings zu sehr das Kind mit dem Bade
ausgeschüttet, d.h. der Glaube zu sehr auf ein - wie erwähnt, inzwischen
wieder veraltetes - materielles Weltverständnis reduziert; obwohl zumindest
richtig festgehalten wird, daß der Glaube keiner wissenschaftlichen
Objektivierung bedürfe. Drewermann versuchte dann eine tiefenpsychologische
Deutung der Evangelien. Dies könnte eigentlich eine Brücke sein, um wieder
aus der seelenlosen Welt eines materialistischen Weltverständnisses
herauszuführen - wenn es nicht gegen die eigentliche spirituelle Dimension der
Bibel ausgespielt worden wäre, die davon klar zu unterscheiden ist.
Probleme zwischen Fundamentalismus und Relativismus dominieren bisher die
Diskussion. Im übrigen spielen außerhalb der theologischen Kreise in den
letzten Jahren noch jene vermeintlichen "Jesus-Enthüllungsgeschichten"
eine Rolle, die das Gesamtbild der heutigen Diskussion auch nicht gerade besser
machen.
7. Von einer "postmodernen" Theologie des 21. Jahrhunderts ist also bisher wenig zu spüren. Eine Erneuerung der spirituellen Möglichkeiten des Christentums - bei Erhaltung sowohl der alten Glaubenstiefe wie auch der errungenen sozialen Wachsamkeit - setzt einen umfassenderen Wandel im Bewusstsein voraus*****. Spirituelle Präzision und ein differenziertes Hinschauen auf die Gesellschaft und Welt sind hier gefragt, (statt nur die bisherigen Forschungsrichtungen der Theologie und Religionswissenschaft zu verwalten und fortzuschreiben): ein Weg zu einem "vollen" Christentum statt der heutigen Fragmentierung. Hier setzt "Christuswege" an.
*) Diese anerkannten eben z.B. bewusst nicht nur jene "Spruchquelle Q", die darin von Forschern später erschlossen wurde. (Sie enthielt nur Aussprüche Jesu vor der Passionsgeschichte, mit jener Ethik jenseits vieler gesellschaftlicher Konventionen, wie sie heute oft an der Bergpredigt festgemacht wird. Schon das eng verwandte und demnach auch authentische Thomasevangelium zeigt, daß je nach Predigern oder Publikum auch weitere Aussagen Jesu kursierten...). Die letzten Schritte im Leben Jesu -bereits angefangen mit der Auferweckung des Lazarus, usw.- konnten damals zunächst nur noch Wenige mitgehen und dementsprechend authentisch vertreten. Dennoch wurden sie für die Suchenden zugänglich gemacht.
**) Neuerdings gibt es in Deutschland Bestrebungen, diese Situation zu bereinigen. Siehe ergänzend den Artikel "Evangelische Kirche: Der Saurier bewegt sich", in Nr. 9, 2002 von "Publik Forum", Postfach 2010, 61410 Oberursel. Zu den verschiedenen Kirchen siehe im Übrigen unsere Seite "Die 7 Gemeinden (der Offenbarung) und die heutigen Kirchen"
***) S. u.a. unsere Seite "Naturwissenschaften und Gottesglaube" . Zur Entwicklung des Christentums s. a. Prof. Hans Küng, Das Christentum. Wesen und Geschichte, Sonderausgabe 2007. Er strebt eine integrierte Forschung an, die trotz Archäologie und kritischer Forschung die alten Schriften als inhaltliche Quellen ernst nimmt. Wir teilen nicht alle dort wiedergegebenen Folgerungen aus historisch-kritischer Forschung. Z.B. erschienen Geschehnisse mit Jesus manchmal zu sehr als rein subjektive Erlebnisse; Küng ist jedoch offen für eine eigenständige noch nicht erforschte Realität solcher Erlebnisse. Im übrigen kann seine an sich interessante Methode, Entwicklungsstufen des Christentums (Paradigmen) zu untersuchen, die Bedeutung von Richtungen, die im Großen bisher nie ausschlaggebend geworden sind - wie die Mystik - nicht ausreichend würdigen; diese haben Wege zu Tage gefördert, die für die Ausschöpfung der vollen Potenzials des Christentums sehr wichtig sind.
****) S. z.B:
"Ökologische Theologie", Kreuz-Verlag.
*****) Auch die Andeutung eines durch den heiligen Geist gegebenen "neuen,
ewigen Evangeliums" in Johannesoffenbarung 14,6 setzt eine stärkere
Bewusstheit voraus, als sie der Intellekt allein ermöglicht.
******) Ergänzung: Jesus und Theologien...
Es gibt
unterschiedliche theologische Sichtweisen im Neuen Testament. Aber die Schreiber
müssen sie bewusst kombiniert haben. Sie ertasteten, daß Jesus viele Seiten
hat. Es sind mehrere theologische Blickwinkel nötig, ihn zu verstehen.
Er lehrte einerseits das soziale Gespür der liberalen oder innerhalb der
Befeiungstheologie - und er lehrte die strikten individualethischen
Leitlinien ziemlich konservativer Theologen (jedoch nicht formalistisch und
nicht an der Staatsmacht orientiert).
Er hatte sowohl die spirituelle Haltung christlicher Mystiker oder
esoterischer Christen (vgl. die Mystische Theologie östlicher Orthodoxer
Kirchen) - als auch die Einstellung, daß die Jünger ihr Leben in dieser
physischen Welt meistern sollten (Letzteres ist das Hauptthema der meisten
gegenwärtigen Theologen und Seelsorge, besonders der evangelischen.)
Jesus zeigte eine "übernatürliche" Beziehung zu Gott, (von
der Taufe bis zum Kreuz und der Auferstehung; wie es z.B. in der Rückschau von
Johannes bzw. seinen Schülern im Johannes-Evangelium zum Ausdruck kommt); das
kann nicht mit Hilfe des intellektuellen Bewusstseins von Theologen wie Bultmann
erklärt werden. Nichtsdestoweniger mußte Jesus durch menschliche
Lebensabläufe gehen, wie sie auch für Naturwissenschaftler zugänglich
sind.
Mehrere Vorkommnisse können von der Tiefenpsychologie unserer Tage
verstanden werden; mehrere sind dagegen spirituell in einem Sinn, der
über tiefenpsychologische Erkenntnismöglichkeiten hinaus geht.
Viele Gesichtspunkte sind fast verloren, seit große Teile der frühen
Christenheit als "Ketzer" usw. verfolgt wurden (in einen Topf geworfen
mit wirklichen religiösen Mißbräuchen). Sie waren alle einseitig, aber nicht
mehr als irgendeine existierende Kirche auf ihre Weise.
Diese Einseitigkeit ist nicht automatisch negativ. Die konstruktiven Teile von
all diesen Richtungen würden insoweit in Ordnung sein - falls sie nicht denken
würden, daß sie die Einzigen seien, die recht haben, und daß die Anderen
komplett unrecht hätten.
Die einzelnen Evangelien und Theologie.
Die Evangelien -
und z.B. der Teil des Markusevangeliums, der "Quelle Q" genannt wird -
repräsentieren vers´chiedene Blickwinkel. Daher sind sie für Menschen mit
unterschiedlichem Hintergrund geschrieben. Markus war z.B. wichtig für
den analytischen Verstand der Römer und für Übersetzungen in die romanischen
Sprachen. (Aber Prof. Morton Smith nennt einen "geheimen Teil" dieses
Evangeliums, der von Unterlagen von Petrus stammte, und der nur für erfahrene
Leute genutzt wurde; mit der Auferweckung des Lazarus usw.) Der österreichische
Mystiker Jakob Lorber schrieb, Markus sei als Junge ein geschätzter Bote
zwischen den Jüngern gewesen. So würde er genau gewusst haben, was sich
ereignete. Er weist Züge eines Theologen auf, dessen Frage lautet: wer ist
Jesus?
Das ursprüngliche aramäische Matthäus-Evangelium, das verloren bzw.
noch nicht entdeckt ist, muß an die Juden gerichtet gewesen sein; dieses, wie
auch das heutige "Matthäus-Evangelium" ist letztlich an alle
gerichtet, die ausführliche Beschreibungen voller Leben über die Taten Jesu
brauchen.
Ähnlich Lukas, aber mit gefühlsmäßiger Tiefe.
Das Johannes-Evangelium war für spirituelle Christen (z.B. mit
griechischer Mysterien-Biographie) geschrieben, wobei das spezifisch Christliche
in ihrer Sprache herausgearbeitet wird.
Johannes versteht das Leben Jesu besonders deutlich vom Ostergeschehen her;
Matthäus beginnt deutlicher mit dem Leben. Beide Blickwinkel sind korrekt; aber
das Kreuz und edie Auferstehung haben die meisten Konsequenzen für die Zeit
danach.
Das apokryphe "Philippus-Evangelium" ist kein Evangelium,
sondern ein frühchristlicher Beitrag oder Kommentar zur Diskussion mit Menschen
aus verschiedenen anderen religiösen Richtungen - mit einem eigenen Standort
zwischen diesen. (Es ist keine gnostische Schrift, wie Manche annehmen mögen.)
Das apokryphe "Thomasevangelium" ist kein Evangelium, sondern eine
wahrscheinlich großenteils authentische Sammlung von Aussprüchen Jesu;
einschließlich einiger Aussagen, die in dieser Form spirituell interessierten
Menschen gewidmet waren.
Vertreter verschiedener Völker konnten den einen oder anderen Aspekt besser
herausarbeiten.
Forschungsmethoden.
Ähnlich sind die verschiedenen Forschungsmethoden alle in ihren jeweiligen Grenzen nützlich, wenn sie zusammen angewandt werden (interdisziplinär). Wenn jemand allerdings versucht, Theologie auf praktisch nur einem Wissenszweig aufzubauen (wie Sprachwissenschaft oder Archäologie), wird das Ergebnis teilweise falsch. Es ist außerdem nötig, meditative Methoden einzubeziehen, was fast nirgends gemacht wird.
Anmerkung zur Frage der "Dreieinigkeit" Gottes
: Bei kirchlichen Vorstellungen über eine Dreifaltigkeit bzw. Dreieinigkeit Gottes (Trinität) wäre zu unterscheiden, ob der, der darüber etwas lehrt, damit ein Erleben verbindet, das er irgendwie vermitteln könnte, oder ob es sich um eine rein intellektuelle Lehre (Doktrin) über drei göttliche Personen handelt. "Christuswege" beschreibt u.a. Gott, Jesus und den Heiligen Geist in ihrem Charakter und ihren erlebbaren Beziehungen, statt über Begriffe wie die Dreieinigkeit zu streiten.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis.
Solche Darstellungen dienten ursprünglich nicht zur Verdrängung des menschlichen Vorbilds Jesus, aber sie deuteten seine tiefere Verbundenheit mit Gott und dem Gang der Schöpfung an. Die Art dieser Verbundenheit mag dann immer noch verschieden gedacht werden; sie aber von vornherein als unverständlich und, nicht authentisch wegzuerklären, ist ein unzulässiger Kunstgriff. Derartiges findet sich im Johannesevangelium 1, Joh. 5, Joh. 6,69, Joh. 7 ..., in Matthäus 16,16, im Kolosser- und Epheserbrief, usw.; lebte auch noch bei alten Kirchenlehrern, bei Mystikern wie Jakob Böhme, bei Rudolf Steiner (Helsingfors 1912) und lebt wieder auf in den „Esoterischen Lehren" des christlichen Weisen „Daskalos" sowie in den Büchern des amerikanischen Theologen Matthew Fox „Der Große Segen" und „Vision vom kosmischen Christus", sowie in Tagungen z.B. der evangelischen Akademie Bad Boll zur Frage des „kosmischen Christus", und bei anderen.
In der katholischen Kirche und Teilen der evangelischen Kirche wurde versucht, die geschwundene Nähe zu einer solchen Ebene der Überlieferung durch theoretische Glaubenssätze zu konservieren. Andere Teile evangelischer Kirchen, die das soziale Wirken Jesu stärker erkannten, meinten, dies als „göttliche Überhöhung" Jesu fallenlassen zu müssen. In Lehren hinduistischen Ursprungs wird der Begriff der „Avatare" verschiedener Stufen damit verglichen. Darunter werden Menschen verstanden, die nicht zu ihrem eigenen Fortschritt auf der Erde sind, sondern freiwillig, um zum Fortschritt eines Volkes oder der Menschheit beizutragen; wie ein Tropfen „aus göttlicher Vollkommenheit". Die Unterschiede zwischen derartigen aufeinanderfolgenden „Avataren" verschwimmen jedoch oft in solchen Auffassungen, während die jüdische und christliche Auffassung den „Gott der Geschichte", den Aspekt der Weiterentwicklung und die besondere diesbezügliche Rolle des „Messias" betont.
Es sei darauf hingewiesen, daß der Koran Jesus Christus in mehreren Stellen als gottgesandten Propheten und auch als "Wort" Gottes anerkennt, "erschaffen wie Adam". Er gilt also in einem wohlverstandenen Islam auf jeden Fall mehr als bei jenen modernen christlichen Theologen, die nur den Sozialreformator Jesus übrigließen! Lediglich die Lehre von der - von den Christen der Zeit Mohammeds schon sehr irdisch verstandene - Gottessohnschaft Jesu im Rahmen der späteren Dreifaltigkeitslehre wurde im Koran nicht akzeptiert. Christen, die das, was damit gemeint war, noch so authentisch hätten erklären können, so daß auch Menschen mit anderem Ausgangspunkt das verstehen, gab es kaum noch. (S. Extraseite "Jesus und der Islam").
Es bleibt hier zunächst festzuhalten, dass diese Schicht des Rätsels Christus vielfach nicht spekulativem Denken, sondern visionären Grenzerfahrungen entsprang, deutlich zu sehen z.B. bei Jakob Böhme, der dann allerdings auch eine seltene Fähigkeit hatte, das Erfahrene begrifflich zu verarbeiten. Alle Erfahrungen spiritueller Art bedürfen zwar (selbst-)kritischer Verarbeitung; aber eine Einschätzung ihrer Ergebnisse, ohne die Existenz einer solchen Wahrnehmungsebene zu berücksichtigen, führt als sachfremde Methode ins Leere.
Dazu ein Auszug aus dem Johannesevangelium, Anfang des Kapitels 1
Evangelienmeditation ist in der Einführung unter "Methodische Hinweise" beschrieben. Besonders dieser Text wurde verwendet, um sich auf Christus einzustimmen wie einen fein abgestimmten Empfänger, statt mit irgendwelchen Kräften in Kontakt zu kommen, die nur vermeintlich christlich sind. Der Text ist auf der Basis einer alten Lutherübersetzung, wobei verschiedene Übersetzungen überprüft wurden. Der ursprüngliche Text ist griechisch. Anschließend ist der altgriechische Text in einer eigenen Umschrift wiedergegeben, um noch deutlicher die sprachliche Kraft oder "Schwingung" spüren zu lassen. Für die Meditation wird aber der Text in der jeweiligen Muttersprache verwendet. Für die weiteren Stellen des Evangeliums und der Offenbarung selbst verweisen wir auf erhältliche Bibeln.
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und
ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht
ergriffen.
Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, damit sie alle durch
ihn glaubten.
Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.
Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese
Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; aber die Welt
erkannte es nicht.
Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die
an seinen Namen glauben;
die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen
eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine
Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller
Gnade und Wahrheit."
En archee een o logos, kai o logos een pros ton theon, kai theos een o logos.
Oytos een en archee pros ton theon.
Panta di aytoy egeneto, kai chooris aytoy egeneto (oyde en) o gegonen.
En aytoo zooee een, kai ee zoee een to fos toon anthroopoon.
Kai to foos en tee skotia fainei, kai ee skotia ayto oy katelaben.
Egeneto anthroopos, apesthalmenos para theoy, onoma aytoo Jooannees.
Oytos eelthen eis martyrian ina martyreesee peri toy footos, ina pantes pysteysoosin di aytoy.
Oyk een ekeinos to foos, all ina martyreesee peri toy footos.
Een to foos to aleethinon o footizei panta anthroopon, erchomenon eis ton kosmon.
En to kosmoo en, kai o kosmos di aytoy egeneto, kai o kosmos ayton oyk egnoo.
Eis ta idia eelthen, kai oi idioi ayton oy parelabon.
Osoi de elabon ayton, edooken aytois exoysian tekna theoy genesthai, tois pistey oysin eis to onoma aytoy,
(Oi oyk) ex aimatoon oyde ek theleematos sarkos (oyde theleematos andros) all ek theoy egen eeth(eesan).
Kai o logos sarx egeneto kai eskeenoosen en eemin, kai etheasametha teen doxan aytoy, doxan oos monogenoys para patros, pleerees, charitos kai aleetheias.
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Nach der Abfolge in den Evangelien kommen wir nun zu mehr menschlichen Ereignissen. Die Geburt Jesu ist traditionell mit dem Weihnachtsfest verknüpft - auch wenn dies Fest nicht überall noch etwas davon erkennen läßt - Luk. 1, 26ff.; Matth. 1, 18ff. Es ist zu fragen, weshalb angesichts der zentralen Bedeutung der späteren „Drei Lehrjahre" Jesu heute Theologen so viele Anstrengungen darauf verlegen, die jungfräuliche Geburt Jesu zu bestreiten. Während der erdflüchtige frühe Gnostizismus meinte, der Vorstellung zu bedürfen, Jesus habe nur einen „Scheinleib" besessen, ist in anderen Strömungen insoweit Einigkeit festzustellen, dass Jesus durch alle Stationen der Lebensform Mensch durchgehen musste, gleichsam modellhaft bestimmte Maßstäbe zum Ausdruck bringend. Es wäre allerdings dieser Diskussion – wenn wirklich Wahrheitssuche das Motiv wäre – mehr Offenheit zu wünschen. In einer Zeit, wo im Zusammenhang mit der Transformation von Sexualitaet und Liebe neue Gesichtspunkte auftauchen, z.T. aus östlichen Praktiken herausgefiltert, und an alte Tempelbräuche erinnernd, sollte es nicht weit hergeholt sein, einen wahren Kern in der Überlieferung anzunehmen. Buddhisten – auch Buddha außergewöhnliche Geburtsumstände zuschreibend – hätten überhaupt keine Schwierigkeiten mit der Annahme einer „Jungfrauengeburt" Jesu, und natürlich auch nicht mit einer Jungfräulichkeit in einem vorwiegend seelischen Sinn, die z.B. Steiner behauptet. Der Koran spricht - wie die Bibel von einem Engel - von einem "Gottgesandten", durch den die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria vermittelt sei.
Es könnte sich herausstellen, dass der Wesenszug Jesu, in keines der festgefahrenen Denkschemata hineinzupassen, sich bereits hier andeutet. Spezifische Eigenschaften werden wir allerdings im weiteren Verlauf seines Lebens eher erkennen. Der Bedeutung der Möglichkeit, mit Christus während des Lebens „neu geboren"*) zu werden, werden wir dabei auch begegnen.
Dazu ein Auszug aus Johannesvangelium 3,5-8... : Die neue Geburt
... Jesus antwortete ihm: Amen, Amen, ich sage dir: wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir sagte, ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und Du hörst sein Sausen wohl, aber Du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist....
Dies ist kein Gleichnis. Es ist eine jener "schwer verständlichen" Bibelstellen, mit einer ganz präzisen und sehr wichtigen Bedeutung für Diejenigen, die die Erfahrungen und Kenntnisse hatten, um sie möglicherweise erfassen zu können. Jesus sagte nicht etwas zu Einzelnen, dessen Bedeutung sie von vornherein überhaupt nicht hätten erahnen und nutzen können. Im Verlauf der Kapitel unseres Haupttexts, z.B. "Die Stille in der Wüste", und "Die Verklärung" u.a. wird Einiges beschrieben, was das Thema der "Neuen Geburt" zugänglicher machen kann.
Auch für weniger direkt in dieser Richtung Suchende hatte besonders in früheren, geruhsameren Zeiten das Weihnachtsfest damit zu tun. Die Feste des "Kirchenjahres", in diesem Fall die Adventszeit, stimmten auch die Allgemeinheit auf ein plastisches Verinnerlichen der Christgeburt ein, ähnlich wie die Fastenzeit seelisch auf das Osterfest vorbereitete. So konnte im Lauf der Jahre etwas erfahren - wenn auch nicht voll verstanden werden, was in der heutigen, davon eher ablenkenden Zeit fast nur noch bei intensiver Meditation bzw. längeren Gebetsphasen erlebt werden kann.
Weihnachten ist im weiteren Sinne ein Fest der Liebe, zur
Erinnerung daran, daß der Menschheit Jesus geschenkt wurde. Dies ändert aber
den tieferen Sinn nicht, da alle Schritte im Leben Jesu auch nachvollziehbar
sind. Vgl. außerdem das Kapitel "Und das Wort wurde Fleisch" im
Haupttext.
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Auch diesem Bereich wird, diesmal in manchen modernen spirituellen Schriften, z.T. eine etwas überproportionale Bedeutung zugeschrieben. Die Bibel berichtet nur den Lobgesang des Weisen Simeon und die Verwunderung der Schriftgelehrten über den Zwölfjährigen - Luk. 2, 29 - 51. Das authentischste der nichtbiblischen „Kindheitsevangelien", das in Fragmenten und Neuerzählungen (Letzteres Lorber-Verlag) vorliegende „Jakobusevangelium", enthält zwar zeichenhafte Geschehnisse und Begegnungen. Nicht jedoch findet sich darin, daß – wie nach einer modernen These – Jesus alles von den Essenern oder der damit zum Teil verwandten Qumran- Gemeinde gelernt haben soll, nach einer anderen in ägyptischen bzw. griechischen Tempeln, nach einer weiteren in Indien, usw. Es könnte fruchtbar sein, aufgrund von Anhaltspunkten die kreative Phantasie zu betätigen, wenn dies nicht zu neuen vorschnellen Dogmen führen würde. So würde sich ein noch schwacher Umriss eines Jesus ergeben, der nicht der einen oder anderen, sondern allen wesentlichen geistigen Strömungen der damaligen Zeit intensiv begegnete, und dabei jeweils Dasjenige entfaltete, was er vom Innern her entfalten musste, und was nicht identisch sein muss mit dem, was Andere darüber dachten, was sein müsse. Das ist eine Grunderfahrung, die im Kleinen durchaus nachvollziehbar ist, und die Einigen wohlbekannt ist. Sie sprengt einseitige psychologische Vorstellungen über „Prägung" und Verhalten. Für ausgeprägte Individuen und Mystiker ist sie geradezu typisch. Sie kann sich in Ansätzen bereits in der frühesten Kindheit zeigen. Ein, allerdings etwas phantastisch anmutendes Gemälde in dieser Richtung stellt Levi´s sog. „Wassermannevangelium" dar (1908).
R. Steiner stellt im sog. „Fünften Evangelium" eine Szene dar, wo für Jesus vor der Jordantaufe erschütternd deutlich geworden sei, dass in der neuen Zeit die sich von der Außenwelt abkapselnde Arbeitsweise esoterischer Orden wie die der Essener kontraproduktiv sein könne. Ihr Gesetzeseifer – mit vielen körperlichen und ethischen/geistigen Reinigungsvorschriften – hielt sie selbst frei von negativen Einflüssen, aber ihre Umwelt war dann eher umso mehr davon betroffen. Zumindest im weiteren Verlauf des Lebens Jesu finden wir auch einen biblisch belegten Grundimpuls des „in der Welt Seins, aber nicht von der Welt," und des Einbeziehens der Welt in die eigene Entwicklung. Dazu gehört u.a. auch, daß Jesus Einiges letztendlich für Alle lehrt, was vorher der Geheimhaltung unterlegen hätte; was dem nicht widerspricht, daß bestimmte Lehren im Klartext zunächst den besser vorbereiteten Jüngern gelehrt wurden.
Das zeigt sich gegenüber den alten, auf strenger Geheimhaltung basierenden Mysterien-Traditionen in der Tat als ein neuer historischer Einschlag. Interessanterweise zeigte sich Ähnliches dann auch z.B. in neuen Richtungen des Mahayana-Buddhismus, wo plötzlich das Mitgefühl mit allen Wesen stark betont wird. Aber erst in unserer Zeit ist die Zugangsmöglichkeit letztlich Aller zu spirituellen Tiefen offensichtlich geworden. Niemand kann sagen, er/sie hätte noch nie etwas davon gehört. Da die heutige Bahnhofskiosk-Esoterik jedoch noch sehr oberflächlich ist, ist davon auszugehen, dass diese Tendenz noch lange nicht voll umgesetzt ist. Es ist klar, dass z.B. die Geheimhaltungspraxis der vatikanischen Bibliothek insoweit „vorchristlichen" Charakter hat.
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Hier wäre noch die Steiner´sche Deutung der unterschiedlichen Abstammungsangaben bei Matthäus und Lukas als „zwei Jesusknaben" zu nennen. Da nicht bestritten wurde, dass sich die göttliche Natur Christi nur in einem Menschen manifestierte, ist es leicht erheiternd, wie der Intellekt Anthroposophen wie Theologen hier in einen „Hauptstreitpunkt 1 oder 2" hineinschlittern ließ. Es ging dabei um etwas Anderes, nämlich um die Frage nach einer Begleitung der Menschwerdung Christi und seines Lebensumfelds durch Kräfte der Weisen aus verschiedenen Kulturen: Adam, Krischna, Buddha, Zarathustra. Da geistige Forschungsgegenstände noch vielschichtiger sein können, als es in konkrete irdische Vorstellungen gegossen werden könnte, sind konkretisierte Angaben in der Literatur nicht immer exakter als solche allgemeinen Gesichtspunkte.
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Die ursprüngliche Form der Wassertaufe war kein symbolischer Akt und keine Mitgliedserklärung an eine religiöse Gemeinschaft. Das Untertauchen durch den darin Erfahrenen, hier Johannes der Täufer, führte oft nahe am Ertrinken vorbei, stellte also eine reale Grenzerfahrung dar. Sie ähnelte insofern antiken „Einweihungen" bzw. „Einweihungsproben"; nur sind hier die möglichen psychischen Erlebnisse nicht Selbstzweck oder eine Methode zur Überwindung der Angst vor dem Tod, sondern die Taufe besiegelte den Aufruf zur „Buße"; genauer übersetzt mit „Umkehr" nämlich zum Willen des Schöpfergottes, dessen „Himmelreich" als „nähergekommen" verkündet wurde, - Matth.3, Joh. 1.
Als Jesus um die Taufe bittet, fühlt sich Johannes nicht in der Lage, diesem noch weiterzuhelfen; er willigt ein, hat aber keine Kontrolle über das Geschehen, sondern kann nur mit ansehen, wie an Jesus eine größere Veränderung geschieht, als er sie zu vermitteln vermochte. Hatte er schon die Möglichkeit einer höheren Art von Taufe durch das Feuer des Geistes vorhergesehen, durch Einen, der nach ihm kommt, so sieht er jetzt den „Geist Gottes" auf Jesus herabkommen. Christliche Esoteriker sahen darin die eigentliche „Geburt Christi in Jesus"; das erfordert jedoch nicht die zuweilen zu findende Vorstellung von Jesus und Christus als Wesen, die vorher nichts miteinander zu tun gehabt hätten.
Allgemein kann nun die Taufe, insbesondere die „Geisttaufe" – der Begriff wird auf unterschiedliche Art z.B. in Freikirchen benützt – als Einstieg in eine „Neugeburt" des Menschen gesehen werden - Joh.3. Der in christlichen Bestrebungen gebräuchlichere Begriff „Wiedergeburt" wird wegen dessen möglicher Verwechslung mit Reinkarnation hier vermieden; damit soll nicht gesagt sein, daß die Frage nach der Reinkarnation in der Bibel nicht auftauche.– Matth.11,14 z.B. ist diesbezüglich interpretationsfähiger.
Statt theologisch-theoretische Auseinandersetzungen über den Charakter der Taufe entscheiden zu wollen, könnte sich das Interesse einmal darauf richten, was eine solche „Neugeburt" praktisch für den Menschen sein kann. Er kann aus einer tieferliegenden Ebene seines Wesens heraus sein gesamtes Leben neu angehen, empfinden, und durchleuchten; aus einer Wesensschicht, die Gott zugewandt ist. Gott kann im Menschen „Gestalt annehmen", der Mensch so deutlicher als sein „Ebenbild" erkennbar werden, oder, wie es Mystiker ausdrücken, der „Christusfunke" im Herzen wird mit Leben erfüllt, und beginnt im Menschen zu wachsen. Der meditativ damit umgehende Mensch kann dies auch im Bild eines Kindes wahrnehmen, das sich real entfaltet, oder auch eines Kindes mit der Mutter als Bild der Seele. Im Unterschied zu einem flüchtigen übungsmäßig erschaffenen inneren Bild zeigt sich hier eine Weiterentwicklung, die innere Entwicklungen im Menschen wiederspiegelt, die nicht willkürlich ausgelöst werden können. Dieses innere Kind wird später erwachsen und ist noch später ständig bewusst gegenwärtig.
Bei weniger imaginativ Veranlagten mag sich dasselbe Phänomen mehr über das innere Fühlen oder Eindrücke gedanklicher Art äußern, oder einfach durch Verwandlungen im Leben. Kunstwerke wie die „Sixtinische Madonna" dürften auch aus Visionen entstanden sein, und können daher hilfreich sein, um zu. inneren Realitäten Zugang zu finden.
Bei Lorber werden auf andere Weise drei Stufen auf dem „Weg zur geistigen Wiedergeburt" unterschieden (Lorber-Verlag).
Ähnliches gilt für die meditative Betrachtung etwa des Johannesevangeliums , eine heute fast nirgends mehr gebräuchliche Praxis. Dabei wird solange ein Kapitel erarbeitet, bis etwas vom inneren Gehalt aufblitzt, meditativ oder in Träumen, deutlich wird und ins Leben übergehen kann. Siehe die "methodischen Hinweise" im Einführungskapitel.
Ein weiteres wesentliches Merkmal eines Weges im Sinne Jesu kann sich hier zeigen: die Entwicklung und ihr Maßstab wird in den einzelnen Menschen hineinverlegt. Er kann alles aus sich heraus und im Austausch mit dem Leben entfalten, ohne zwingend einer Heilsvermittlungsinstitution zu bedürfen. Das schließt geschwisterliches Einander-Beraten nicht aus. Der Weg ist zur „Nachfolge", zum Nachvollzug gedacht.
Die „innere" Erlebensart ist indessen nicht als Ersatz für das Gebet zum „äußeren" Gott gedacht gewesen: „Bleibt in mir und ich in Euch" - Joh.15 .
Die Wassertaufe selbst nach dem Beginn der Lehrtätigkeit Jesu fortzuführen, oder gar nach der „Geisttaufe" des Pfingsterlebnisses , bestand keine zwingende Notwendigkeit. Schon bei Jesus selbst wurde sie zu einem äußeren Zeichen einer im Innern bereits gereiften neuen Entwicklungsphase. Lehrte die Täuferbewegung noch „bereuet und lasst Euch taufen", lehrten die Jünger Jesu nach der Verschmelzung mit dieser Bewegung „glaubet", d.h. öffnet Euch für die Kraft des Glaubens, „und lasst Euch taufen". Dies war u.a. ein Zugeständnis an die Anhänger des Täufers. Nun wurde jedenfalls vom Positiven her begonnen. Beide tauften Erwachsene, die sich bewusst entscheiden können. Was nicht ausschließen muss, dass es eine Art von Segen auch für Neugeborene als „Geburtsrecht" seit 2000 Jahren geben könnte; aber es wäre wohl zweckmäßiger gewesen, dies von der eigentlichen Taufe zu unterscheiden, und auch von der Frage der Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche. So würden sich die diesbezüglichen Auseinandersetzungen von selbst lösen.
In unvermeidlicher Anlehnung an die im alten Israel überall gegenwärtig gewesene Interpretation des angekündigten Messias als König wurde die Taufe auch als Eintritt in das neue Königreich erlebt. Es war nur wenig erfolgreich, den Menschen damals zu erklären, dass es sich jedoch nicht um ein äußeres staatliches Königreich handeln würde, und auch nicht um eine äußere Kirchenorganisation, sondern um die Gemeinschaft all Derjenigen, die Gott als ihren Vater, und sich selbst daher in ihrer Seele als von diesem Vater neugeborenen Sohn/Tochter annehmen. Diese Sicherheit, verbunden mit der geschwisterlichen Haltung dieser „Söhne" und „Töchter" untereinander und mit dem Menschen- und Gottessohn Jesus als älterem Bruder bildeten den Kern der Lehren, die den Menschen zum Nachvollzug angeboten wurden. Im alten Israel gab es zwar neben alten, unnahbareren Gottesvorstellungen auch bereits die Vorstellung Gottes als eines Vaters. Aber er wurde dabei mehr als Vater Abrahams und des von ihm stammenden Volkes erlebt. Nur durch das Volk war Gott der Vater des Einzelnen. Höchstens ganz wenige Einzelne mögen damals zu jenem Erleben Gottes als direktem Vater des Individuums vorgestoßen sein, welches erst Jesus der Allgemeinheit brachte; eines Individuums, das sich auf dem Lebensweg von dem Einfluss Gottes in der Seele gelenkt weiß, und das mit Gott jederzeit in Kommunikation zu kommen suchen kann; eines Individuums, das durch diese Verbindung mit dem ewigen Gott auch das Überzeitliche des eigenen Wesens bereits erahnen könnte. Das wird im weiteren Verlauf des Weges Jesu deutlicher verankert, ist jedoch hier schon angelegt.
Anmerkung: Es ist möglich, dass sich die anschließend geschilderten Erlebnisse Jesu in der Wüste – samt dazugehörigen in der Bibel nicht überlieferten Erlebnissen mit Gott – in Wirklichkeit vor der Jordantaufe abgespielt haben, oder dass es mehrere solche Phasen der Zurückgezogenheit gab, die später in der Überlieferung zusammengeflossen sind. Jedenfalls bestehen hier geistige Zusammenhänge.
Dazu ein Auszug aus Matthäus 28,18-20; mit Anmerkungen zur Taufe in der Gegenwart:
Da trat Jesus* auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist gegeben alle Autorität im Himmel und auf der Erde. Darum geht hin, lehret alle Völker und taufet** sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des*** Heiligen Geistes.
Heute wird meist durch Besprengen mit Wasser oder durch
Untertauchen getauft
Die Kirchen erkennen untereinander in der Regel zumindest die
Taufe, und damit das Christsein der Gläubigen an. Freikirchen legen meist Wert
darauf, daß die Taufe entweder bewusst als Erwachsener vollzogen wird, oder
daß jedenfalls eine erneute Taufe als Erwachsener stattfindet. Dort wird auch
zusätzlich auf die tiefergehende Erfahrung des Getauftseins durch den Geist
Wert gelegt. (Zuerst wurden in der Tat Erwachsene getauft. Jedoch war damit
nicht ausgeschlossen, auch Kindern einen Segen zukommen zu lassen. Nur hätte
dieser dann einen etwas anderen Charakter als die Taufe.) In der Taufe im
ursprünglichen Sinn war es noch nicht angelegt, sie zugleich als
Mitgliedsaufnahme in eine ganz bestimmte Konfession zu verstehen, wie es heute
besonders von den Grosskirchen praktiziert wird.
Die Kirchen erkennen in der Regel auch an, daß
"notfalls", wo kein Geistlicher zur Verfügung steht, jede/r Christ
taufen darf: "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes (Jesus
Christus), und des Heiligen Geistes. Amen".
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Am Anfang des Wirkens als Christus* – griechisch, bzw. Messias – hebräisch „Der Gesalbte" – steht er allein. Dazu gehören die Taufe und die 40 Tage in der Wüste - z.B. Markus 1,12-13 - mit den Versuchungen. Im Anschluss daran findet die Berufung der Jünger statt.
Die Wüste steht äußerlich und innerlich für eine Abgeschiedenheit, die es umso mehr ermöglicht, sich bewusster zu werden und sich stärker mit dem letztlich allumfassenden Gott zu verbinden. Diese Vorbereitung für alles Weitere ist für jeden ernsthaften Weg der Religion, der erneuerten Verbindung mit dem göttlichen Urgrund unentbehrlich, auch wenn sie keineswegs das Ganze des Weges ist. Auch Jesus durchläuft auf seiner Ebene des Erlebens eine solche Phase, die mehr ist als ebenfalls mögliche z.B. tägliche Besinnungszeiten.
Die Kirchen, selbst diejenigen, die oft von „Innerlichkeit" sprechen – und dies z.B. als Scheingegensatz zu äußeren Friedensdemonstrationen aufstellten – machen sich kaum eine Mühe, den Menschen wirklich einen praktizierbaren Weg zu diesem „Inneren Frieden" usw. zu zeigen. In den Gottesdiensten aller über 30 verschiedenen Kirchen konnte nirgends das Element der Stille, des auch innerlich stillen Auf-sich-Hinschauens, des stillen Abwartens nach dem Gebet auch nur entfernt ausreichend berücksichtigt gefunden werden. Gesang, Predigt, Gebete, Gesang, möglichst mit gleichzeitigem ablenkenden Geldsammeln fast ohne Pause – es ist fast ein Abbild der Hektik in der heutigen Gesellschaft, durch die die Menschen sich unbewusst oder auch bewusst von ihrem unerforschten Inneren ablenken. Erst in jüngster Zeit, angesichts der Suche vieler Menschen nach – fast gleich welchen – Erfahrungen, gibt es hier kleine Fortschritte, dass z.B. wenigstens für einige Interessierte entsprechend anders gestaltete Wochenendseminare oder Vergleichbares stattfinden oder auf entsprechende Fragen auf Möglichkeiten in Bibelkreisen oder zu Hause verwiesen wird. Aber auch da fehlt oft die direkte Anleitung. Dabei könnten die Einen erkennen, dass eine größere Nähe zu Gott auch des „Stillen Kämmerleins" bedarf, und die Anderen, dass ihre gesellschaftlichen Werte wie Selbstkritikfähigkeit, Toleranz- bzw. Friedensfähigkeit ebenfalls als Ausgangspunkt das wirksame zeitweise Abschalten der äußeren Betriebsamkeit voraussetzen. Natürlich würde es kaum genügen, wenn es hin und wieder im Gottesdienst geschieht, aber es könnte eine Anregung sein, es als im Grunde häufiges, verdrängtes Bedürfnis zu erkennen.
Der Mystiker Jakob Lorber schrieb von einem Rat Christi an die Menschen zum „kurzen Weg zur Wiedergeburt", was heute – um Missverständnisse zu vermeiden – als „Neugeburt" bezeichnet werden kann, wie dies im vorausgegangenen Artikel beschrieben wurde. Siehe auch „Vom inneren Wort, Stimme der Stille" aus dem Lorber Verlag:
Die Praxis ist diese: soweit jemand von Christus wiedergeboren sein will, so
weit müsse er seine Sünden - also alles von Gott Trennende, erkennen -
das ist etwas anderes, als sie sich einreden lassen. Dann müsse er sie
innerlich und äußerlich tief empfindend bereuen und sich ernsthaft eine Umkehr
vornehmen. Weiterhin müsse er sich vornehmen, mit der Welt - gemeint sind ihre
egoistischen Verstrickungen, nicht das aktive Leben darin -, ganz zu brechen,
„und sich ganz Mir übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben
nach Mir, und muss in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und
den Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens sieben Viertelstunden lang
bei verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern er
muss diese Zeit in der völligen Ruhe bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir
beschäftigend zubringen". Nach einer entsprechenden einladenden Anrede „begebet
euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir! So ihr das nur eine
kurze Zeit üben werdet, so sage ich, ihr werdet bald blitzen sehen, und donnern
hören, aber dann erschreckt nicht und werdet auch nicht ängstlich! Denn nun
komme Ich zu jedem erst als Richter in Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst
in sanftem heiligen Wehen als Vater!... Sehet, das ist der kürzeste und
wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt, in welcher allein das ewige Leben zu
gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert länger und ist unsicherer, da es sehr
viele Diebeswege gibt,... wer da nicht ‚wohlgepanzert‘ und ‚kreuz und quer
bewaffnet‘ ist, der wird hart (kaum) ans Ziel gelangen."
Es ist möglich, um eine Reinigung und Durchlichtung durch seinen (Jesu
Heiligen-) Geist zu bitten.
Yogis z.B. wissen, dass die Menschen meinen, „keine Zeit zu haben". Sie pflegen dann ihre Anweisungen entsprechend von einigen Stunden über eine halbe Stunde bis auf 11 Minuten herunterzuschrauben, d.h. bis niemand mehr sagen kann, dafür habe er keine Zeit. Auch eine kürzeste Zeit der Stille, wobei andere Gedanken, Gefühle und Empfindungen nicht verdrängt aber nur beobachtet werden, ohne darauf einzusteigen, hat ihre Wirkung, besonders wenn sie mit einer Ausrichtung auf Gott verbunden wird. Sie ersetzt aber nicht längere Stille. In der Ostkirche – etwa auf Berg Athos – wird als Konzentrationshilfe das „Kyrie (Einatmung) eleison (Ausatmung), d.h. Herr erbarme dich" verwendet, vgl. z.B. Kreichauf: Als Pilger auf dem Berg Athos. In der weiteren Entwicklung kann dies dann ohne gesprochene Worte im Kehlkopfbereich gefühlt werden. Noch später kann es mit Hilfe des Atemanhaltens in den Herzbereich aufgenommen werden... .
Eine starke Herausforderung ist es auch, z.B. in einem strengen ca. sechstägigen Zen-Sesshin – eine Zen-Sitzmeditation, die sich auch in christlichen Klöstern etwas verbreitet hat – ständig zu schweigen, auch außerhalb der Meditationszeiten, beim Essen mit Anderen. Nach regelmäßig ca. drei Tagen halten es viele damit Unerfahrene kaum noch aus, um am vierten Tag – vergleichbar mit der Wirkung des Fastens – aufzuatmen und den Nutzen zu verstehen, der durch Worte immer unzureichend beschrieben werden kann.
Stille schafft Offenheit. Ein Bezug auf Gott dabei schafft auch einen Schutz für diese Offenheit. Nach einer Meditation ist wieder ein Sich-Einstellen auf nachfolgende, u.U. weniger Offenheit nahelegende Umstände zweckmäßig.
Wichtig wäre es allerdings, auch in die Welt etwas von der Stille hineinzutragen, um immer stärker eine gewisse Bewusstseinsklarheit aufrechterhalten zu lernen. Das würde zunächst für die Einzelnen bedeuten, in gefühlsmäßig zustande gekommenen Abständen, bzw. nach komplizierten Erlebnissen, oder eben sobald es danach möglich ist, einen Moment ordnende, sammelnde innere Ruhe einkehren zu lassen; d.h. Inhalte durchaus mit hineinzunehmen, ohne zunächst daran weiterzudenken; Gefühle zur Ruhe kommen lassen (und später davon weiter zu Untersuchendes zu notieren), und auch die Körperteile einer Reihenfolge nach sich entspannen zu lassen; jedoch unter Beibehaltung des Bewußtseins als ganzer Mensch, nicht im Sinne eines Sich Hineinsteigerns in einzelne Wohlgefühle.
Für Treffen, Arbeit, Tagungen u.a. würde derselbe Gesichtspunkt bedeuten, nicht auf ermüdende Art Thema an Thema zu reihen, sondern zumindest kurze Pausen dazwischen einzulegen, die auch nicht wiederum allein zu Gesprächen usw. dienen sollten, sondern in erster Linie, um Geschehenes einfach betrachten, soweit angebracht und möglich auch verarbeiten zu können, und sich jedenfalls bewusst auf ein anderes Thema einstellen zu können. Ähnlich ist es bei der Ernährung zweckmäßig, die einzelnen Speisen noch bewusst wahrzunehmen. Es können viele Zusammenhänge zwischen ernährungswissenschaftlichen Gesichtspunkten und seelischer bzw. geistiger „Ernährung" gefunden werden.
Der Vorgang, der „ Zur-Ruhe-kommen-lassen-von-Geschehenem" genannt werden kann, und der wieder Kraft für die Gegenwart und Zukunft wachsen lässt, ist also kein inhaltsloses Abheben von den Problemen. Er schafft einen Ausgangspunkt, von dem aus eine Bearbeitung von Allem eigentlich erst fruchtbar wird. Auch bei äußeren Angelegenheiten geht dadurch nicht etwa Zeit verloren, sondern es wird letztendlich Zeit gespart, weil alles leichter und besser vonstatten geht. Viele selbst spirituell denkende Menschen bemerken bisher kaum, was ihnen alles entgeht, ohne diese innere Ruhe.
Allein diese einfachste spirituelle Erfahrung, die Stille, birgt im Grunde schon Geheimnisse größter spiritueller Höhen in sich. Diese Höhe setzt aber einen Weg zu ihr voraus. Gerade Christus betont zunächst die oft zuerst freizulegende Einfachkeit des Menschen, sein Weg führt dann in immer größere und damit kompliziertere Horizonte hinein, und in dieser Kompliziertheit leuchtet dann erneut die grundlegende Einfachkeit auf.
Z.B. kann sich in der konzentrierten Stille ein gerade erarbeiteter bzw. geschenkter innerer Fortschritt tiefer verankern, im Sinne einer Fähigkeit, die nicht „von Motten zerfressen" werden kann, s. z.B. Matthäus 4. Sie kann sich dem Mosaik anderer Fortschritte des Seins richtig einfügen. Die Stille kann soweit gehen, daß das „Leben" der Gesamtheit dessen, was in uns dem göttlichen Urbild entgegenwachsen durfte, spürbar wird. Das ist eine Art, das „von Gott von neuem Geborene" in uns zu erleben. Einen Hauch von dieser Möglichkeit haben wir, wenn bei der bewussten Ruhe der Kopf freier – vielleicht verbunden mit einer Erkenntnis – die Kräfte des Herzens wahrnehmbarer und die Füße entspannter werden. Dann ist etwas „durch", um welchen kleinsten Teilaspekt des Lebens es sich immer handeln mag. Ohne dies ist andererseits nichts „durch", bleibt Wesentliches unverarbeitet „stecken"; dies kann nicht nur Probleme im Traum verursachen – die dort nur beschränkt verarbeitet werden können –, sondern auch Probleme gesundheitlicher oder anderer Art.
Christus ist eigentlich ein Titel. Es waren im frühen Christentum verschiedene Schreibweisen von "Christus" üblich, die auch unterschiedliche Bedeutungsvarianten darstellen. Die bekannteste ist griechisch "Christos", die der hebräischen Bezeichnung "Messias" = "Der Gesalbte" entspricht. Es gab aber auch griechisch "Chrestos" = der Gute, der Heilige; und, seltener, "Chrystos", von griechisch "chrysos" = golden (glänzend).
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Auch Jesus mußte in seinen menschlichen Eigenschaften lernen und sie immer stärker Gott zuwenden. Nach 40 Tagen Fasten in der Wüste erschien der „Versucher" - z.B. Matth. 4, 1-11
Auch im kleineren Maßstab treten negative Kräfte, die – wie alle Kräfte – auch als etwas Gestalthaftes empfunden werden können, auf inneren Wegen und im Leben zutage. Zunächst sind hier zurückgebliebene, verselbständigte Tendenzen im Menschen selbst zu nennen, ohne das integrierende Herz und damit ohne Gott; auf diese Verselbständigung zuerst des Denkens und daraufhin dann auch des Willens bezieht sich das „Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis".
Einerseits sind es verhärtende, an materielle Sachzwänge bindende Eigenschaften. Tiefer im Unbewussten verankert, kann ihnen zwar etwas entgegengesetzt werden, sie können auch in ihrem Wesen erkannt werden, aber in der Tiefe überwunden werden sie eher zuletzt. Bewusstes Verzichten-Können, und Haben-Können statt Haben-Müssen, und kreativer, ethischer Umgang damit ist ein Training zur Überwindung dieser Kräfte.
Die umgekehrten Wünsche führen dagegen zur Flucht und zum gleichgültigen höhnischen Abheben von materiellen Problemen, u.U. in spirituelle Bereiche hinein. Manchmal wird übersehen, dass dies nur die andere Seite derselben „negativen" Medaille darstellt, nach dem „Pendelschlagprinzip" an die andere Seite gebunden. Dieser zweite Bereich liegt heute bereits offener da, ist also leichter zu bereinigen. Ein Mittel zu dieser Umkehr ist Mitgefühl, freilassendes Geben von Liebe.
Eine im Zusammenhang mit beidem zu findende weitere Eigenschaft wäre mit Machtgier verbunden. Diese Illusion zu verwandeln, erfordert Mut zu bedingungsloser Wahrhaftigkeit und darauf gegründete Toleranz und freie Solidarität im Umgang mit Anderen.
Allgemein fehlt es in allen derartigen Bereichen an einer starken und trotzdem zugleich altruistischen Individualität der Betroffenen, die diese Bereiche an Stelle der ins Negative abgleitenden Tendenzen auffüllen könnte.
In Matthäus 4 wird Jesus diesen drei ablenkenden Impulsen ausgesetzt, hier „Satan" bzw. „Teufel" genannt. Er verweist nicht einfach auf das jeweilige Gegenteil, sondern er greift nach etwas Höherem, was jenseits des Hin-und-Her der negativen Kräfte steht auf „Gottes Wort", auf „Gott, den Herrn", und auf „Gott, den Herrn, der allein anzubeten und dem allein zu dienen" ist. Christus steht außerhalb der Dualität von Finsternis und (Schein-)Licht, und überwindet diese durch seinen dritten, übergeordneten Weg, wie auch an vielen weiteren Geschehnissen zu sehen ist.
Kurze Anmerkung: Oft ist fälschlich zu lesen, der Zarathustrismus und das Christentum bzw. „die vorderasiatischen Religionen" seien dualistisch. Dies stimmt in Bezug auf ihre Ursprünge nicht (s. Extrakapitel "Zarathustra").
R.Steiner beschrieb die beiden hauptsächlichen negativen Kräfte als getrennte Wesenheiten, wie sie in der Welt geistiger Schau erlebt werden können. Wie erwähnt, ist es zwar zweckmäßig, beide Wirkensweisen zu beachten, aber außerhalb der Welt geistiger Schau ist es nicht ganz gerechtfertigt, wenn Anthroposophen jenen christlichen Vorstellungen von einem einzigen negativen Wesen absprechen, daß sie beide Seiten mit enthalten. Die Tendenzen treten auch oft derart vermischt auf, daß letztendlich „widergöttliche" Tendenzen als Ganzes behandelt werden können, dem wiederum nicht mehrere Götter, sondern der Gott Christi gegenübersteht, mit Allem, was in seinem Sinne wirkt.
Es gibt aber andere spirituelle Richtungen, die diesbezüglich tatsächlich eines ihrer Augen zudrücken, und alles in spirituelle Höhen Strebende als göttlich ansehen.
Moderne evangelische Theologen schließlich drücken, fast wie manche weitere spirituelle Bestrebungen, gleich beide Augen zu und erklären Vorstellungen von negativen Wesen weg, etwa mit der Begründung, sie würden ja nur an wenigen Stellen in der Bibel auftauchen. Sie übersehen dabei, daß es sich eben nicht um Vorstellungen handelt, sondern um handfeste Erfahrungen, die nicht nur im Altertum vorkamen.
Ohne Ängste und andere negative Gefühle haben negative Kräfte keine direkte Macht; es kann in diesem Sinn auch ein Schutzmechanismus sein, nicht den Teufel an die Wand zu malen – auch gegenüber kirchlicher Angstmache. Heute könnte geistige Wahrnehmung ergeben, daß vermeintliche „Zunahmen" negativer Kreisläufe letztlich aufgewühlte, längst vorhandene, vorher verborgen gebliebene Potentiale darstellen. Wirklich positive Fähigkeiten hingegen können tatsächlich noch zunehmen, wenngleich sie einem Urbild entgegenwachsen, das auch bereits da ist.
Nun stellen jedoch solche persönliche „wunde Punkte" zugleich u.U. eine Resonanzfläche für verwandte äußere Kräfte dar. Spuren davon können z.B. gefunden werden – etwas vereinfachend - in einer vereinseitigten westlichen Praxis - bes. der alten Form ohne soziale Absicherung, und mit Geld und Egoismus als höchsten Werten; in den Einseitigkeiten des Nationalismus und Nationalsozialismus - speziell bei Hochmut und Gleichgültigkeit gegenüber dem Rest der Welt -, und zerstörerische "religiöse" Aktivitäten; sowie in den Extremen des Stalinismus, - etwa seiner brutalen Gleichmacherei. Dies bedeutet aber keine pauschale Verdammung von Allem und Jedem in solchen Gesellschaften.
Jesus lehrt nicht so sehr das direkte „Widerstreben gegen das Böse"; er behauptet aber auch keine Notwendigkeit des Bösen um eines „Gleichgewichts willen" (wie einige östliche Lehren meinen), und auch keine Notwendigkeit desselben, um im Gegensatz dazu das göttliche Gute zu erkennen. Nicht einmal mehr ein – oft nötiges – direktes Bearbeiten des „Negativen" ist für alle nötig. Zumindest für Einige kann ein Weg, wie ihn die „Christliche Wissenschaft" von Mary Baker-Eddy allgemein empfiehlt, funktionieren. Das beweist aber nicht etwa, daß es die widerstrebenden Kräfte nicht gäbe, sondern sie können dadurch indirekt gewandelt werden. Bei Christus gibt es auch keine ewige Verdammnis, alle destruktiven Kräfte sind letztendlich wandelbar, bis zu jener Zeit des letzten Kapitels der Johannesoffenbarung, wo verheißen wird, daß eine Finsternis nicht mehr existieren wird (s.das entsprechende Kapitel).
Auf diese Zeit in der Wüste folgte die Berufung der Jünger - Joh. 1, Matth. 4, 18 - 22, Matth. 10.
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Hier - Joh. 2, 1-12 - stoßen wir zunächst auf ein Beispiel, das illustriert, wie Probleme weniger aus falschen Übersetzungen, oder aus den frühen, kirchlich beauftragten „Korrekturen" der Evangelien, sondern schlicht aus einseitig emotional und patriarchalisch getönten Auslegungen herrühren. Dass Jesus zu Maria sagte „Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen", wurde später als abfällig gewertet. Wer sich in den Text hineinversetzt, und dann auch sieht, wie Jesus anschließend alles tut, was von Maria gewollt war, kann leicht feststellen, daß der Satz eher bewundernden Charakter hat, der deutlicher so ausgedrückt werden könnte: „Frau, was habe ich mit dir alles zu schaffen!" Der nicht überlieferte ursprüngliche Ausdruck in der z.T. recht einfachen aramäischen Sprache kann vom Griechischen her gesehen nur so geheißen haben: „Weib, ich mit dir" – ohne Einfühlung in den Zusammenhang war also schon zur Zeit Jesu der genaue Sinn vielfach nicht erkennbar.
Von hier bis zum Kreuz zeigt sich ein zeitweiser schöpferischer Erlebenszusammenhang zwischen Jesus und Maria. Sie wirkt inspirierend, erlebt die wesentlichen Stationen seines Lebens mit und erfährt so auch eine seelische Verwandlung.
Wird in der Neuzeit der Begriff „Braut Christi" für Ordensschwestern oft nur noch in einer äußeren Bedeutung genommen, so wies er ursprünglich auf eine reale Erlebensart hin.
Die „Gestalt" Christi im Menschen, wie sie schon im Kap. über die Jordantaufe erwähnt wurde, verschmilzt mit dem männlichen Aspekt der Seele (Animus**). Er kann eine „innere Hochzeit" mit unseren „weiblichen" Seelenanteilen unter göttlichem Vorzeichen eingehen. Auch bis in die Lebenskräfte und den Körper hinein kann dies alchemistisch verwandelnd wirken. Das Bild der Maria könnte sich in verwandter Weise mit dem weiblichen Aspekt der Seele (Anima**) berühren.
Für Männer lag denn auch zuweilen ein Weg über Maria, bzw. über die Marien nahe. Es können aber beide Geschlechter den Weg über Jesus, oder über Maria, oder über beide gehen, denn von der Seele bis zu den Hormonen gibt es keinen Menschen, der vollständig an Reaktionsmuster des eigenen Geschlechts gebunden wäre oder bleiben müsste. Es gibt jedoch Menschen, die zum einen oder anderen Weg einen besseren Zugang finden. Am Ende allerdings wird sich die innere Ganzheit ankündigen. In der katholischen Kirche gab es die heute fast vergessene Praxis der Verehrung des Herzens Jesu und des reinen Herzens von Maria. Diese innere Entfaltung fragt nicht danach, daß z.B. der Verfasser dieses Kapitels kein Katholik ist, also äußerlich zunächst wenig von Maria mitbekam, dafür aber auch nicht die Vorurteile bekam, die sich der äußerliche Marienkult bei vielen ihn Praktizierenden zuzog.
Erst wer einen derartigen verwandelnden Weg geht, könnte ohne Verdrängung einen Weg „alleine" gehen. Aber auch für ihn/sie muss das nicht ein Weg alleine sein; aus größerer innerer Freiheit heraus wäre eine Beziehung zum anderen Geschlecht möglich, sogar vollkommener möglich.
In diesem Zusammenhang wollen auch die von Vater und Mutter mitbekommenen Seelenanteile in die Persönlichkeit integriert werden.
Tiefenpsychologische Elemente können durchaus mit religiösem Erleben in Beziehung gesetzt werden. In anderer Art versucht dies Eugen Drewermann. Religiöse Grunderfahrungen dürften sich jedoch bei genauerer Betrachtung auf einer gesonderten Ebene zeigen, aus der heraus sie in tiefenpsychologische Prozesse hineinwirken. Es gibt heute Tendenzen, religiöse Suche als einen im Grunde allen Menschen eigenen „ganzheitlichen, sinnsuchenden und grenzüberschreitenden Vitalimpuls" zu sehen, s. Hubertus Mynarek: „Möglichkeit oder Grenze der Freiheit", 1977. Es müsste aber differenziert werden nach einem unausgeformten allgemein spirituellen Impuls, und einem religiösen Impuls im engeren Sinn der Re-ligio, der Rück- bzw. Neuverbindung des Menschen mit dem göttlichen Urgrund, dem „Vater", was für glaubende überzeugte Christen durch Verbindung mit Christus möglich ist.
Gott, als das größte Geheimnis der Welt, kann sicherlich weniger durch Beschränkung auf eine einzige Wissenschaft, Erlebensart oder ein einziges Phänomen ergründet werden, die bestenfalls Einzelaspekte zutage fördern; sondern durch den Versuch, mehrere Ansätze anzuerkennen und zusammenzuschauen. Das ist bisher nur in sehr geringem Maße geschehen. Würde der angesprochene alchemistische Prozess, und damit u.a. auch die gemeinsame Benutzung der linken und rechten Hirnhälfte (wonach heute mit vielen Methoden gesucht wird) auch von Christen auf ihre Weise durchschritten, mit dem Ergebnis „kreativer liebender Erkenntnis", würden die Gefechte zwischen den Theologien bald der Vergangenheit angehören. Auch dann wäre Spezialisierung auf einzelne Aspekte möglich, aber sie würde als solche erkannt werden, und keine ausschließliche Gültigkeit mehr beanspruchen. Die Ergänzung der Menschen untereinander käme zu ihrem Recht.
Wer indessen im Sinne des universellen Grundsatzes Jesu „Liebe Deinen
Nächsten wie Dich selbst" fühlen könnte, könnte im Laufe der Zeit
auch alleine dadurch dasselbe und mehr erreichen. Wer sich um diese
gleichzeitige Liebe zu sich selbst und zum Nächsten bemüht, wird allerdings
bemerken, daß genau dies erst gelernt sein will. Das innere „Vollständiger-Werden"
kann seinerseits diese Liebe erleichtern.
Die Frage nach den „Wundertaten", die sich auch im Zusammenhang mit der
Hochzeit in Kana stellen könnte, wird noch näher beleuchtet in einem
speziellen Kapitel. Betr. die weiblich göttlichen Aspekte von
Maria-Sophia s. später das Kapitel "Das erste Pfingstereignis".
**) Die erwähnten Begriffe "Anima und Animus" sind keine Sache des Glaubens. U.a. gibt es die Erfahrung vieler Menschen, ob Christen oder nicht, daß Männer und Frauen jeweils sog. "männliche und "weibliche" Anteile in ihrer Psyche haben, die mindestens teilweise von Vater und Mutter stammen, wo sie aufgewachsen sind; und die sie in ihre Persönlichkeit zu integrieren lernen können. Das Konzept von "Animus und Anima" mag nicht ganz identisch sein mit dieser Realität, aber es ist ein Versuch von Tiefenpsychologen, sie von ihrem Hintergrund her zu verstehen.
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Die Entwicklung kirchlicher Verlautbarungen zur Sexualitaet wie auch inner- und außerkirchlicher Gegenpositionen erwecken den Eindruck, daß es Menschen in diesem Bereich extrem schwer haben, überhaupt herauszufinden, was ein menschengemäßer oder gar „christlicher" Umgang damit sein könnte. Äußere moralische Verbote verloren seit den sechziger Jahren einen Großteil ihrer Wirkung; die Kirchen waren auch nicht fähig, in den Traditionen den vorhandenen ethisch sinnvollen Kern herauszusuchen, der dann in Bezug auf die heutige Gesellschaft zuende gedacht werden könnte. Die als Gegenreaktion gegen unterdrückte Sexualitaet entstandene „sexuelle Revolution" führte ins andere Extrem einer neuen Ideologie mit sexuellen Leistungszwängen – Verschleuderung von Lebensenergie – und Nichtbeachtung der angelegten Sehnsucht nach auch seelisch-geistig verantwortbaren Beziehungen: ständige Brüche, bis zur Arbeitsunfähigkeit. Daher blieb auch davon spätestens in den achtziger Jahren vielfach nur Resignation übrig; und es war auch hier kaum möglich, ein teilweise sinnvolles Kernmotiv für eine weitere gesellschaftliche Entwicklung jenseits dieser Extreme zu erhalten. Es könnte im Gesichtspunkt der Überwindung des „Besitz-Denkens" liegen. Aus diesem Jahrhunderte langen Ringen der Menschen lässt sich herausdestillieren, daß beides, Verantwortung und Freiheit auch gerade in Bezügen jeder Art zwischen Männern und Frauen ohne Ansätze zur ganzheitlichen Weiterentwicklung der Menschen nicht verwirklichbar ist, oder gar harmonisch miteinander verbindbar. Einzelne Partnerschaften z.B., wo es scheinbar oder auch tatsächlich gelang, deuten jedoch darauf hin, daß es möglich ist, solche Ansätze zu finden.
Christus spricht jedenfalls Menschen in ihrem Kern und ihrer Möglichkeit zur Ganzwerdung, zum Vollkommenwerden an, was allein eine Grundlage zu wirklicher Freiheit schafft. Er redet nicht dem weiteren Auseinanderfallen der ohnehin bereits stark auseinandergefallenen Teilbereiche des Menschen das Wort, also auch keinem ekstatischen Ausleben von Allem, sondern eher deren Neuintegration um die „Herzensweisheit" herum.
Er ist aber auch nicht ein Vertreter von „Sachzwängen", von äußerlichen Formen und deren Überbewertung, oder gar des Missbrauchs der Begriffe Verantwortung, Treue und Ehrlichkeit zur Verbrämung von Neid, Eifersucht und Besitzgier; es geht ihm um den Geist, aus dem heraus gehandelt wird. Auch in der Ehe ist für ihn nicht automatisch alles bestens; was außerhalb als ungünstig betrachtet wird.
Gott zu lieben - und die Naechsten - wie sich selbst, also auch sich selbst; jene Regel also, mit der Christus die Verbotslogik des Alten Testaments ablöste, beschreibt zunächst eine universelle Haltung, die alle diese drei Bereiche durchzieht und verbindet (siehe Mk. 12:33; Joh. 13:34; Gal. 5:14; Jak. 2:8). In diesem Zusammenhang ist dann die Nächstenliebe etwas Anderes als bloß instinktives Sorgen für Verwandte usw. – kann aber auch Verwandte in freierer Weise einbeziehen. Aufgrund dieser Rolle des Menschen als liebende Hilfe, wo immer sie angebracht ist, ist dann auch die Selbstliebe nicht jene egoistische, sondern letztendlich auf die Liebe zu sich – einschließlich des Körpers als Werkzeug – gerichtet, durch das auch Anderen bzw. Gott gedient wird.
Die höchste Form der Liebe ist bedingungslos. Vgl. sogar die Liebe zu "Feinden", Matth. 5, 43-48 - was nicht heißt, auf Weisheit zu verzichten.
In diesem Zusammenhang dürfte es ersichtlich sein, daß z.B. auch manchmal zu findende Thesen, die Sexualitaet und Liebe einfach gleichsetzen, oder Selbstliebe mit Selbst-befriedigung und Phantasien gleichzusetzen versuchten, Welten von diesem Ansatz Christi entfernt sind. Was eher eine innere Isolierung einzelner Kräfte darstellt, und Bilder zwischen den Menschen und die realen Anderen dazwischenstellt, ist nun einmal eine der vielen Unvollkommenheiten des Menschen, aus denen etwas gelernt werden kann, die aber nie Ziel sein können.
Für heutige Europäer kann etwas von einer Verwandlung der Sexualitaet besonders dann erlebt werden, wenn zwei Menschen erst einmal bei Unternehmungen geistig und seelisch in Kontakt kommen, dann dabei lernen, mit Anti-/Sympathieausstrahlungen umzugehen – nicht in erster Linie diese, aber eben auch diese, müssten für das Finden auch nach außen sinnvoller Kontakte beachtet werden. Erst später käme die körperliche Ebene hinzu; sie gehört nicht automatisch zu jeder Freundschaft oder jeder Begegnung dazu. Dementsprechend gehört zu einer neuen Begegnung auch nicht automatisch eine Trennung vom bisherigen Partner, wie es oft geschehen ist. Eher gehört eine liebevolle Grundstimmung dazu. Die Herzkräfte können spürbar sexuel le Energien mitziehen, und diese müssen nicht explosiv zum Verschwinden gebracht werden, wie heute aus kultureller Konditionierung heraus üblich.
Die geschlechtliche Liebe -"Eros" - ist so ein Spezialfall der universellen Liebe -"Agape", muß also nicht zu dieser im Widerspruch stehen. Dies hat insoweit auch die neue päpstliche Enzyklika "Deus caritas est" anerkannt.
Viele spirituelle Traditionen lehren statt Verdrängen und statt ständigem Ausleben eine Transformation der Sexualitaet, die auch mehr sein kann als Freudsche „Sublimierung". Vergleiche etwa Tao Yoga, und Tao Yoga der Liebe (Mantak Chia u.a.) sowie hinduistische und buddhistische Varianten des Tantras der Liebe (Yogi Bhajan, Bhagwan Sri Rayneesh, u.a.). Heute ist „Karezza" = italienisch. "zärtliche Liebkosung" und G.Brown´s „Liebe-ohne-Sex", sowie ein Suchen nach weiblicheren Formen von Sexualitaet und anderes hinzugekommen; neben einigen Aufsätzen im anthroposophischen Bereich. Die aelteren östlichen Richtungen hatten u.a. den Mangel, daß sie z.T. gleich hier bei der Sexualitaet ansetzen, statt die ganze Zeit ganze Menschen sich begegnen zu lassen - was heute Techniken ersparen könnte; bzw. statt, wie es zumindest heute passend wäre, von „oben anzufangen", sich also erst geistig und seelisch kennenzulernen. Zutreffend bleibt der Gesichtspunkt der östlichen Richtungen, daß ein ruhiges – nicht auf männliche oder weibliche Orgasmen gerichtetes Zusammensein diesen Bereich langsam in Einklang mit dem Gesamtwesen bringen kann. Es gab auch im christlichen Bereich Ansaetze in dieser Richtung, die heute vorerst verschollen sind, und so eben neu erarbeitet werden müssen; so zeigen manche Hinterlassenschaften der Minnesaenger und Troubadours diesbezügliche Kenntnisse.
Da bei Sexualitaet unterbewusste Verwicklungen stattfinden können, wird sie als Gratwanderung in den verschiedensten Religionen an eine Partnerschaft geknüpft, wo damit in der Folge auch gemeinsam umgegangen werden kann. Wer diese Erfahrung in einem strengen Sinne der Ehe vorbehalten möchte, kann dies dann schaffen, wenn bei vorherigen Freundschaften beide rechtzeitig bewußt klären, was sie wollen und was nicht, und sich darin unterstützen.
Dieser alte Ansatz, den Jesus gelten lässt, bis hin zur negativen Charakterisierung eines begehrlichen Blicks auf z.B. eine Partnerin eines Anderen, sollte jedoch eine höhere Quelle unmittelbarer begeisterter Begegnung zweier fremder Menschen nicht ausschließen - die häufiger als angenommen beteiligt ist und selbst von den Betroffenen nicht immer richtig verstanden wird: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (oder in einer ebenfalls richtigen Übersetzung „in ihnen"). Dies erfordert keine angesagte kirchliche Versammlung, keine besondere Vorbereitung, sondern kann überall geschehen, wo der „Geist Christi" zwei Menschen zu irgendeinem möglichen Zweck zusammenführt. Dies auch da aufzugreifen, wo es sich um einen Mann und eine Frau handelt, und auch da, wo diese sich zusaetzlich sympathisch sind, und dabei das durchaus klare Bewusstsein aufrechtzuerhalten, das der Ausgangspunkt ist, mag schwierig sein; aber es ist eine Weltnotwendigkeit. Dabei muss es weder um Bindungen noch um Sexuelles gehen, sondern die Betroffenen müssen es ehrlich herausfinden, um was es geht.
Schon das Erdenleben Jesu weist ihn als denkbar unkonventionell aus. Es könnte sich herausstellen, daß Konventionen höchstens solange nötig sind, wie er „nicht unter ihnen ist".
Eine selbst verbesserbare Voraussetzung für angemessene Begegnungen zwischen Menschen ist naturgemäß ein Studium der eigenen Individualitaet einschließlich der „Aura" bzw. Ausstrahlung. Selbst als Paar bleiben sie dann Individuen, eine völlige Auflösung der beiden im Paar wird jedenfalls von Christus nicht angestrebt.
*) Die Menschheit ist ein kompliziertes Netzwerk, was in den nächsten Kapiteln klarer werden mag.
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In Joh.2, 13-25 wird nach der Hochzeit zu Kana die „Tempelreinigung" geschildert. Jesus vertreibt in entsprechendem Eifer die Händler und Wechsler handgreiflich aus dem Tempel. Er will hier ein unübersehbares Zeichen gegen die Heuchelei der Welt setzen, die den Tempel als Gotteshaus bezeichnet, und selbst dort nichts anderes im Sinn hat als ihrem platten Feilschen nachzugehen. Zumal die Zustände so sind, daß er auch von städtischen oder geistlichen Amtsträgern nichts erwarten kann, legt er als Einziger, der sich „in seines Vaters Haus" noch verantwortlich fühlt, selbst Hand an; eine Aktion sozialen Widerstands, ohne Menschen zu verletzen. „Gott mehr zu gehorchen als den Menschen", ist auch sonst seine keineswegs unterwürfige Haltung. Auch wo er sagt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist"(und Gott, was Gottes ist), ist keine unterwürfige Haltung herauszulesen, wie oft versucht wurde, sondern eher das Bestreben, den Jüngern nutzlose Arten von Reibereien mit sachfremden gesellschaftlichen Mächten zu ersparen. Religion und Politik haben ihre je eigenen Gesetze. Den Mitmenschen zu dienen und „der Stadt Bestes zu wollen" ist ebenfalls nicht unterwürfig.
In diesem Zusammenhang könnte sich die Frage nach dem Umgang des Menschen mit emotionalen Regungen stellen. Denn nicht Jede/r hat seine Emotionen auf einer solch hohen Ebene wie Jesus, der ständig in „positivem Erschauern vor Gott" und Mitgefühl mit den Menschen lebte, und dessen Eifer auf bewusster guter Absicht beruhte. Beim normalen Menschen sind zunächst fast alle Emotionen zumindest vermischt mit unbewussten Reiz-Reaktionsmechanismen – die biographisch verschieden und verschieden stark zutage treten, aber in ihrer Grundstruktur recht ähnlich sind. Selbst, ohne sich mit Deutungen Anderer zufriedenzugeben, immer weitere solcher Mechanismen aus den eigenen Reaktionen herauszufischen, auf sie hinzuschauen, und sie so schließlich zu meistern bzw. sie Gott zu übergeben, ist ein langer Lernprozess.
Obwohl wir es hier mit der Psyche zu tun haben, sind hierzu übliche psychologische Analyse- bzw. Therapieverfahren für Gott- und Wahrheitssucher nicht besonders angezeigt.
Wo noch jene einseitigen Deutungsmuster im Hinterkopf sind, die psychische Probleme auf Sexualität und frühkindliche Prägung reduzieren, und wo zudem aus „Gründen" von Schwächen „Begründungen" des So-Bleibens werden, statt wie Erich Fromm die Entwicklungsfähigkeit des Menschen zu betonen, kann Psychologie sogar ein Hemmschuh auf dem geistigen Weg sein. Wo Psychologie, also „Seelenkunde", das Hinschauen auf seelische Prozesse anregt, und wo in der Seele - was selten ist - mehr gesehen wird, als eine chemisch-elektrische Gehirnfunktion, könnte ihr Studium auch eine hilfreiche Brücke sein. Sie würde sich besser entwickeln, wenn sie Kenntnisse bzw. Behauptungen alternativer psychologischer Richtungen nachzuspüren bereit wäre. Es nützt wenig, auf übliche Art ganze Problemkomplexe gleich im Ganzen bearbeiten zu wollen. Wirksamer wäre es, zuerst einzelne Bestandteile eines solchen Komplexes zu suchen, und dabei auch bewusst zu unterscheiden, ob es sich um einen „Balken im eigenen Auge" oder um einen „Splitter im Auge des Anderen" handelt, und wer so verantwortlich ist. Manche christliche Schulen würden Ersteres stärker betonen, weil es schwerer ist, und erst gelernt werden muß, auf eigene problematische Taten hinzuschauen, und weil diese eher selbst korrigierbar sind; die kirchliche Beichte hat insofern neben dem geistlichen Aspekt auch eine therapeutische Auswirkung. In der psychologischen Praxis würde oft mehr die andere Perspektive als Opfer im Vordergrund stehen. Am Ende wird bemerkt werden, daß trotzdem beide Seiten mehr oder weniger ins Spiel gekommen sind. Z.B. Östliche spirituelle Lehren würden den Zusammenhang von beidem im Leben als Quelle des „Karmas"/ Schicksals betonen.
Wo es um die Auflösung von Nachwirkungen von schwierigen Tagesabläufen geht, könnte auch eine von R.Steiner wieder zutage geförderte Methode helfen: eine Tagesrückschau bei der vom Abend rückwärts bis zum Morgen einfach hingeschaut wird. Danach ist es umso leichter, wieder in die Gegenwart zu kommen.
Es ist auch möglich, sich einen „Seelenspiegel" mit zu bessernden und mit erstrebenswerten Eigenschaften aufzuschreiben, und ihn öfter durchzugehen, eine bewährte Praxis aus dem mystischen Bereich.
Fortschritte im seelischen Bereich bringen es mit sich, daß sich auch z.B. ein Gespräch zwischen mehreren Menschen verbessern kann. Die vielen Vorurteile und vorschnellen Bewertungen nehmen ,in dem Maße ab, in dem der Mensch für sich selbst durchsichtiger wird und Ballast loslässt. Die Wichtigkeit, die Jesus dem „Nicht-Richten" beimisst, und dem „was aus dem Mund heraus kommt", ist kein unerfüllbarer moralischer Anspruch, sondern eine Aufforderung, mit diesem Lernprozess zu beginnen. (Dies setzt oft voraus, statt weiter zu streiten, erst einmal in die Stille zu gehen, und sich dann ruhig miteinander auszusprechen. S.a. das Kapitel "Die Stille in der Wüste").
In diesem Zusammenhang gibt es europäische Schulungswege, die Elemente wie die im Yoga bekannten Nerven- oder Bewusstseinszentren -Chakren- unter anderen Namen einbeziehen können (Anthroposophie; Universelles Leben; u.a.). Derartige Bemühungen sind nicht automatisch "nichtchristlich", wie kirchlicherseits vermutet wurde, sondern diese Zentren im Menschen waren schon den christlichen Theosophen des Mittelalters bekannt (J. G. Gichtel), und sind inzwischen als real in jedem Menschen vorhandene Energiestrukturen erkennbar; ebenso wie die Kenntnis der besonders aus China bekannten Akupunkturpunkte nicht automatisch "taoistisch" ist - denn diese sind längst mit Meßgeräten und neuerdings auch histologisch im Gewebe des Menschen nachweisbar.
Im weiteren Zusammenhang siehe auch die Extraseite "Grundlagen ethischer Werte".
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Über die Umkehr der Werte der alten (auch der heutigen) Gesellschaft durch die Bergpredigt ist viel geschrieben worden. Vgl. Matthäus 5 - 7,29. Die Einen begrüßen sie im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Aktivitäten. Andere verniedlichen dies als „Gesinnungsethik" und bevorzugen die von ihnen so genannte „Verantwortungsethik" mit alttestamentarischen Strafandrohungen, Militär usw. Einige versuchen einfach, danach zu leben. Über christliche Bereiche hinaus wird die Bergpredigt geschätzt (z.B. von Gandhi).
Auch vom Standpunkt der Bewusstseinsforschung ist zu erkennen, daß sich die Bergpredigt insbesondere an Menschen richtet, für die Bewusstsein mehr sein kann als menschliche Verstandesanalytik, und für die das Leben nicht am privaten Tellerrand enden muss. Die „geistlich Armen", die also „wissen, daß sie nichts (oder wenig) wissen", und offen sind für die ständige Relativierung, daß Gott mehr weiß als sie, und daß er ihnen in allen Dingen noch viel zu lehren weiß, sind „selig", das „Himmelreich ist ihrer". Diese Haltung kann sich denn auch als ständiger mächtiger Entwicklungsschub erweisen, mehr als jede andere, vom Menschen für „klug" gehaltene Einstellung.
„Die da Leid tragen" müssen nicht immer nur ihr eigenes Schicksal tragen, – und so ihren Teil am Zustand des Ganzen aufarbeiten, statt über alles leichtfertig hinwegzugehen –. Einige tragen auch Schweres mit, was ihr ganzes Geflecht von Personen betrifft, in dem sie leben, und letztendlich das Schicksal von Völkern und der Menschheit. Statt Staatsmänner sind das heute oft Basisbewegungen, und wer gibt ihnen die nötige Teilnahme, wer betet für sie, anstatt nur immer für die Mächtigen, Berühmten, und wirtschaftlich Großen ?
Die „Sanftmütigen" sind am deutlichsten die freiwillig Sanftmütigen (also nicht einfach Ängstliche). Sie „werden das Erdreich besitzen" und nur unter ihrer Hand kann es erhalten bleiben und sich entwickeln.
„Die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit": – nicht Neid, sondern faire Suche nach Gerechtigkeit für sich und für Andere öffnet den Menschen nach „oben", früher oder später nicht ohne Antwort, wenn auch nicht immer so wie vorgestellt. „Die Barmherzigen" tragen freiwillig sehr deutlich ihre Mitgeschwister und Mitgeschöpfe nach oben, und werden so auch von Gott getragen.
„Die reinen Herzens sind" und die so ihre geistigen Brillen bzw. Vorurteile erkannt und abgelegt haben, werden Gott schauen". Das ist die umfassendere Bedeutung des Wortes „Richtet nicht".
„Die Friedfertigen", auch die Frieden stiften, im Sinne des Friedensgebets des Franz von Assisi, lassen ebenfalls auch Andere erkennen, daß hier eine andere Kraft am Werke sein muss, als jene Kräfte, die sonst das Leben bestimmen. So „werden sie Söhne (und Töchter) Gottes genannt werden".
„Die um der Gerechtigkeit (/Rechtschaffenheit) willen verfolgt werden" und die „um meinetwillen", d.h. wegen Jesus verleumdet oder verfolgt werden, werden auch selig gepriesen, und so war auch vielfach deren innerer Zustand, während ihr äußeres Wesen litt. Das heißt nicht, daß Leiden ein selbständiges Ziel wäre.
Ihre Rolle als „Salz der Erde" und als „Licht der Erde" sollen die Angesprochenen auch ausüben. Ausgerechnet in diesem Kapitel bezieht sich Jesus auch auf die „Gesetze" und Propheten des Alten Bundes. Er greift das vor seiner Zeit richtig Gewesene vielfach auf, macht es jedoch in neuer Art für eine neue Zeit fruchtbar, wo nicht mehr die Gesetze selbst, sondern deren Quelle im Vordergrund stehen könnte, und wo jeder Mensch die inneren Lebensgrundsätze neu erschaffen kann.
Wer nach dem „Reich Gottes trachtet", dem wird alles andere „zufallen". Auch hier ist sichtbar, daß die Ebene des Verstandesdenkens zwar nicht zerstört, aber geöffnet werden soll, damit auch das aufgenommen werden kann, was jener höheren, spirituellen Logik entspringt. Jedoch ist nicht davon die Rede, daß die irdischen Sachzwänge einfach zugunsten eines Schwelgens in gesonderten spirituellen Bewusstseinszuständen verlassen werden sollen. Höhere Einsichten sollen vielmehr total mit dem irdischen Bewusstsein und Leben konfrontiert werden, bis die Welt verwandelt ist. Die Klarheit bleibt erhalten, oder entsteht erst, wo der Mensch in Bezug auf bestimmte Fragen in der Skala von Unwissenheit über Spekulation, Vermutung, Theorie, Überzeugung bis zum Wissen steht, und das ist eine wichtige Entwicklungsgrundlage.Das ist also ein Unterschied z.B. zu jenem reinen Glückseligkeitsstreben, wie es in einigen alten spirituellen Richtungen zu finden ist.
Dieses Höhere Denken in der Bergpredigt (s.a. nächstes Kapitel) ist schon von seinem Inhalt her in erster Linie an Menschen gerichtet, die es nicht nur zur Neuordnung ihrer individuellen Geistestätigkeit verwenden wollen. Der Weg richtet sich zunächst an das individuelle Leben, wo dann nach einem Partner oder nach „Nächsten" gesucht werden kann, wie das im Kapitel „Taufe" und „die Stille in der Wüste" beschrieben wurde. Dann wird auf die Ebene insbesondere auch männlich-weiblicher Beziehungen aufgebaut und gleich wieder der Fühler in Richtung zusätzlicher seelischer Wechselwirkungen zwischen mehreren Menschen ausgestreckt. Das wurde in den Kapiteln „Hochzeit in Kana" und „...Liebe" beschrieben. Hier bei der Bergpredigt wird wiederum auf diese seelische und ethische Ebene gebaut, und sie gleich wieder für die umfassendere geistige Zielrichtung geöffnet, die aus den Beziehungen der Menschen eine Gemeinschaft bilden könnte. Das entspricht urbildhaft dem Verhältnis von Klang zu Intervall zu Dreiklängen zu Tonleitern - zur Ganzheit.
Auszüge aus der Bergpredigt, von Matthäus 5: Die Seligpreisungen und das Salz der Erde
1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und
setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
3 Selig sind, die geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen
satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist
das Himmelreich.
11Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen
und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
12Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.
Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr
salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als daß man es
wegschüttet und läßt es von den Leuten zertreten.
14Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt,
nicht verborgen sein.
15Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern
auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
16So laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen
und euren Vater im Himmel preisen.
Das Vaterunser ( siehe Matthäus 6, 7-15)
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
Unser tägliches Brot gib uns heute;
und vergib uns unsere Schuld,
wie wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung *,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
( Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen)
*) Genauer wäre die Übersetzung: "Führe uns, daß wir
nicht in Versuchung fallen". Gott ist nicht der Versucher. Aber er ist der
Höchste, der über Allem steht, über dem Guten und dem Bösen, und daher auch
angerufen werden kann, damit eine Versuchung nicht zugelassen werden möge; oder
damit jemand, der schon in einer Versuchung steht, in derselben innerlich
richtig geführt wird.
Einige weitere Stellen aus dem Neuen Testament zum Thema
Gebet: Matth. 18,19-20 - vom gemeinsamen Beten mit Christus "mitten unter
ihnen" / "mitten in ihnen". Joh. 4,23-24 - vom Beten "im
Geist und in der Wahrheit" . Joh. 15,16 - vom Beten "In meinem Namen
zum Vater", d.h. in Verbindung mit Christus; Joh. 17 - das Gebet von
Christus selbst für die Jünger. Im Haupttext von "Christuswege"
finden sich Anmerkungen zum Gebet u.a. in den Kapiteln "Die Taufe...",
"Die Stille in der Wüste", "Die Bergpredigt", "Die
Frage der Wundertaten", "Das erste Pfingstereignis", "Die
Johannesoffenbarung".
Gebet ist wirksam - wenn das Gewollte ethisch ist; dennoch ist
es der höheren Weisheit Gottes überlassen, was äußerlich erfüllt wird und
wie es erfüllt wird (Gnade).
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Viele Taten Jesu, vom Gespräch mit Nikodemus - Joh.3 - über die Bergpredigt bis zur Heilung des Blindgeborenen und der Speisung der 5000 auf dem Berg bilden in ihrer Symbolik das äußere Umfeld dessen, was dann in der „Verklärung" innerlich zum Ausdruck kommt. Diese Verklärung hat eine Verwandtschaft mit dem östlichen Begriff der großen Erleuchtung. Der Geist wird erleuchtet. Allerdings bezieht sich das bei Jesus und auch bei dem Menschen, der in einem Nachvollzug dieser Möglichkeiten begriffen ist, auf eine engere Verbindung mit Gott, der hier nicht als das allgemeine Absolute, sondern auch als Wesen begriffen wird.
Bloßes „Positives Denken" könnte zwar, wenn es nicht-egoistisch und nicht-größenwahnsinnig und ohne technische Manipulationen praktiziert würde, das Denken in einen Zustand versetzen, der dem verwandter wäre, was von Gott kommen kann; es könnte also dafür öffnen. Die Literatur dieser Richtung lässt jedoch großenteils solche Sorgfalt vermissen, und so kann das oft auch in Selbstbetrug enden.
„Verklärung" ist das jedenfalls noch nicht. Bei ihr wird nicht einfach der allen Menschen eigenen wirren Vielfalt geistiger „Programme" ein Zuschuss positiver Programme eingefügt, so daß insgesamt ein Überschuss an positiven Programmen entsteht – eine durchaus mögliche Übung –. Sondern es wird alles durch ein Hinschauen -Können auf die geistigen Ursprünge entwirrt, von Verzerrungen und irreführenden Gewichtsetzungen befreit. Eine höhere göttliche Ordnung in Allem wird sichtbar. Wird beobachtet, wie die Reifung des Menschen auch in dieser Richtung verlaufen kann, stellt sie sich als eine Vertiefung der psychischen Reinigungsprozesse dar, wie sie im Kapitel „Der heilige Eifer" angesprochen sind. Aus einer grundlegenderen Schicht der Erkenntnisse heraus wird alles durchlichtet. Erkenntnisse sind nicht Denken, sie können mit oder ohne Denken auftauchen, sind nicht erzwingbar, und sie befreien. Die Gedankenwelt braucht hier nicht mehr verdrängt zu werden, wie einige andere Wege versuchten.
Das Denken wird von instinktartigen Reaktionsmustern befreit, und das kontrollierbare analytische und synthetische Denken wird leichter zum Werkzeug des darüberstehenden Vernunft- Bewußtseins. Die Differenzierung im Denken schreitet fort - ohne dabei unentschiedener ("lau") zu werden. Hier wird dann auch z.B. verstanden, was genau unter welchen Umständen angebracht ist.
Bei Christus selbst kann davon ausgegangen werden, daß er nicht all jene Trübungen beseitigen musste, die den normalen Menschen von dieser Ebene trennten. Dennoch gab es auch für ihn eine immer größere Klarheit. Später bat er im sogenannten Hohepriesterlichen Gebet um jene Klarheit, die er bei Gott vor der Schöpfung hatte.
Dazu ein Auszug aus dem Matthäus-Evangelium Kapitel 17, 1-13: Die Verklärung Jesu
1 Nach sechs Tagen nahm Jesus Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder mit sich, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; diese redeten mit ihm. 4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. 10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? 11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. 12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. 13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.
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Jesus handelte nicht, um die Sensationsgier vieler Menschen zu befriedigen, und schon gar nicht um Menschen durch äußere Geschehnisse zum Glauben zu zwingen. Sein ganzer Weg ist durchzogen von der inneren Klarheit, was er jeweils zu tun hatte - also nicht „wegen diesem oder jenem Umstand, um diesen oder jenen Effekt zu erzielen". Heilungen waren oft „Zeichen", Handlungen im Kleinen, die für Größeres, Grundsätzlicheres standen. Bei der Heilung des Blindgeborenen am Sabbat antwortete Jesus, daß der Grund nicht Sünden seien, „sondern daß die Werke Gottes an ihm offenbar werden sollen". Vgl. Joh. 5, 6-9; Joh. 6; Joh. 9, 3 u.a.
Zugleich ist hier sicherlich eine Erschütterung veralteter Denkmuster und ein Nachsinnen über die tiefere Bedeutung solcher Taten eine erwünschte Nebenwirkung. Dass es Menschen gibt, die hierzu die Möglichkeit des äußeren Beobachtens, Zählens, Messens, Wägens bedürfen, anerkennt Jesus im Fall des Thomas, der als „Naturwissenschaftlertypus" unter den Jüngern betrachtet werden kann. Als er ausführlich Gelegenheit bekam, äußerlich zu prüfen, ob wirklich der auferstandene Jesus Christus vor ihm stand, sagt Jesus: „sei nicht ungläubig, sondern gläubig" - Joh. 20, 19-29. D.h. die nun gemachte neue Erfahrung soll Thomas durch ehrliches und tiefgehendes Nachsinnen so umsetzen, daß die Wurzel seines Zweifels verschwindet, ihm etwas „einleuchtet". Dass Jesus dies hinterher überhaupt noch sagen muss, bedeutet auch, daß Thomas kein Skeptiker war, der nun durch die äußere Realität „erschlagen" und „zum Glauben gezwungen" worden wäre, womöglich aus Furcht vor Strafe, sondern daß Thomas auch danach seine Fähigkeit, von innen heraus zu neuen Überzeugungen zu gelangen oder nicht, behalten hatte. Trotzdem sollte er lernen, daß es noch andere Möglichkeiten des Sich- Überzeugens gibt, als das äußere Betrachten.
Jesus wusste, was Thomas angemessen war. Er wollte niemanden zwingen, was den Charakter eines Gerichts gehabt hätte, und es kann auch keine Absicht gefunden werden, irgendjemanden, der für eine Entscheidung nicht reif war, zu einer Ablehnung zu provozieren.
Auch das „Thomasevangelium" ist es wert, gelesen zu werden, eine apokryphe, präzise Sammlung von Aussprüchen Jesu, egal ob sie von Thomas selbst geschrieben wurde oder nicht. Dieser Text war auch von spirituellen Christen in Ägypten und anderswo anerkannt.
Dementsprechend sind die „Wundertaten" Jesu auch nicht der Schwerpunkt seiner Tätigkeit gewesen. Oft tat er sie auch nur, um zu helfen, nachdem er gebeten wurde, ohne daß Menschenmengen versammelt gewesen wären, und er „bedrohte" Menschen, nichts zu erzählen.
Wenn heute allerdings Theologen/innen u.a. aus der Schule der „Entmythologisierungstheologie" Bultmanns immer noch davon ausgehen, sie könnten diese Wundertaten überhaupt wegerklären, bzw. als symbolische Beschreibung erklären, dann muss ihnen bescheinigt werden, daß sie sich an das mechanistische Welt- und Menschenbild des 19. Jahrhunderts anpassen, und daß sie neuere wissenschaftliche Strömungen einfach nicht zur Kenntnis genommen haben. Denn diese neueren Richtungen in der Quantenphysik, in der Biologie und Biophysik, der naturmedizinischen und parapsychologischen Forschung, der Astrophysik, usw. sind längst so weit, daß zumindest Anschauungshilfen darin gefunden werden können, die die „Unvorstellbarkeit" der biblischen Geschehnisse wegräumen. Das muss keine Suche nach einem „Gottesbeweis" darstellen, für den andere Ebenen als die naturwissenschaftliche zuständig wären.
Nur das bleibt richtig an dieser theologischen Richtung, daß sie eine wissenschaftliche Objektivierbarkeit nicht als Voraussetzung des Glaubens für nötig hält.
Die Zeit der Einseitigkeiten der alten Aufklärung ist vorbei. Es ist auch für wissenschaftliche Geister möglich geworden zu glauben, ohne schizophren zu werden. In einer Zeit, wo die Menschen die aus der Parapsychologie bekannten Tatsachen, wie die Fähigkeiten Einzelner, Löffel aus einiger Entfernung zu verbiegen, ohne weiteres glauben – trotz soundsoviel Betrug bleibt genug Unbezweifelbares übrig –, wäre es einfach absurd, dem größeren Jesus Christus solche Möglichkeiten abzusprechen. Jesus handelte aus einem anderen Geist heraus, als aus dem Spaß am Löffelverbiegen, aber heute liegt es aus den verschiedensten Erfahrungen heraus nahe, daß Jesus tatsächlich alle Naturkräfte durchdringen konnte - und daß es gerade für heute auch durchaus wichtig ist, diesem Phänomen ins Auge zu sehen; für unser heutiges Menschenbild, für eine ganzheitliche, bzw. christliche Heilung usw. Eine solche spirituelle Sicht Jesu ist kein Gegensatz zur Wahrnehmung des „Menschensohnes" Jesus, der den Einzelnen und ihren sozialen Bezügen bzw. der Gemeinde ein äußeres Beispiel geben wollte. Vielfach führt erst die Annahme eines solchen Scheingegensatzes zur Ablehnung der „Wundertaten", weil die Betreffenden dann gutwillig meinen, falsche Tendenzen abwehren zu müssen, die von einem menschlichen und sozialkritischen Christentum wegführen. In Wirklichkeit dürfte erst beides zusammengenommen ein annäherndes Bild der wirklichen Radikalität Jesu ergeben, und seiner Verbundenheit mit dem Willen und daher auch der Kraft des Schöpfers.
Nun können wir bei den Heilungen Jesu noch einen weiteren Gesichtspunkt studieren. Er verweist nicht nur, wie manche Heiler der Gegenwart, auf „kosmische Energie", die sie durch sich hindurchfließen spüren, sondern er verweist auf den Glauben, den Glauben an eine Heilungsmöglichkeit durch ihn, letztlich durch Gott über die äußerlich anschaubare Person Jesu. Die Energie ist hier nicht wesenlose Kraft; sie ist zugleich eine Wirkung des Wesens Christi. Z.B. im östlichen Yoga wird vielfach die Energie isoliert betrachtet. Auch heute gibt es Heilungen, die im ursprünglichen Sinn mit Gebet zustande kommen, und mit Bezug auf das mit Christus verbundene Innerste des Menschen, die die Heilung und das Vollkommenerwerden des Menschen will, der dann auch laut Christus „Größeres tun" könne als er.
Die spirituelle Heilung selbst und der damit verbundene seelisch-geistige Fortschritt bleiben allerdings eine nicht erzwingbare Gnade, so viel der Mensch auch zur Vorbereitung darauf tun kann.
Zu den "Gaben des Heiligen Geistes", wie der Heilungsgabe, dem "Zungenreden", und prophetischen Gaben s.a. 1. Kor. 12, 7-11; Apostelgeschichte 2, 17-20; und das Kapitel "Pfingsten" in dieser Schrift.
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Bis hierher sind alle menschlichen Wesensschichten, mit denen sich jahrtausendelang alte Mysterienschulen abmühten, von Christus neu aufgearbeitet worden. So kann das „Überbewusste" innere Selbst des Menschen im Ergreifen des körperlichen Lebens, des Seelischen, und des Mentalen in Erscheinung treten. Dabei wird die Fähigkeit entfaltet, auf der anderen Seite immer tiefere und ältere Schichten des Unterbewussten bewusst zu klären, zu integrieren, und zu erweitern.
Vom Geistig-Seelischen bis herab zu den Kräften des körperlichen Lebenswillens ging z.B. in den altägyptischen Mysterien der Weg.
Bei der Auferweckung des Lazarus - Joh. 11* - deutet sich eine weitere Vertiefung an. Zunächst ähneln manche scheinbar nebensächliche Einzelheiten auffallend jenem besagten ägyptischen Wissen. Dieses enthielt eine Erfahrung, wo der Mensch drei Tage in einem Zustand verbrachte, den die moderne Parapsychologie als „Out-Of-Body-Experience" kennt, also als außerkörperliche Erfahrung, wie im Flugtraum, nur bewusst. Der Körper lag scheintot da. Der Mensch hatte danach die innere Gewissheit, daß er als seelisch-geistiges Wesen nach dem Tod weiterexistieren würde. Es musste darauf geachtet werden vom „Hierophanten", daß der Proband spätestens nach 3 Tagen wieder im irdischen Bewusstsein erwachte, sonst wäre ein Erwachen nicht mehr möglich gewesen, und die Körpersubstanz hätte zu verwesen begonnen. Genau das wird uns jedoch von Lazarus berichtet, nach vier Tagen „stank er schon". Tiefer, bis in die physische Substanz hinein musste so jene Kraft wirken, die ihn wieder „zurückholte". Durch das biblische Geschehen zieht sich eine Tendenz, zu demonstrieren, daß eine christliche Geistesart auch und sogar besonders im Materiellen und in der äußeren Tat erkennbar ist; eine Tendenz, die erst in unserer Zeit wieder aktuell ergriffen werden kann, nachdem die Mystik früherer Jahrhunderte z.B. erst einmal die geistig-seelischen Schichten klärend durchdrang.
Eher von derartigen Erfahrungen, sich außerhalb des physischen Körpers zu empfinden, dürften die Lehren aller Religionen über das Weiterleben nach dem Tod herrühren, als von philosophischen Spekulationen, die dem Bewusstseinszustand der Menschen der Vor-, Früh- und antiken Geschichte nicht besonders entsprachen. Eine angemessenere Darstellung findet sich bei Jean Gebser „,Ursprung und Gegenwart". Er unterscheidet eine archaische, eine magische und eine mythische Bewusstseinsstufe vor der des abstrakten Denkens und einem integralen Bewusstsein. Ob die Brüche zwischen diesen Stufen sein mussten, ist eine andere Frage; jedenfalls können sie heute aufgearbeitet werden. Auch R. Steiner betont die Unvergleichlichkeit älterer Bewusstseinsarten. Lediglich Anklänge daran lassen sich in den verschiedenen Altersstufen der heute aufwachsenden Einzelnen finden.
Der Vergleich mit antiken Einweihungsriten soll im Übrigen nicht besagen, die Auferweckung des Lazarus sei eine zwischen allen Beteiligten äußerlich vereinbarte rituelle Handlung wie in Ägypten gewesen. Jesus löste vielfach seine Handlungen im Leben von kultischen Vorschriften zeitlicher, z.B. Sabbat, räumlicher, z.B. Tempel oder situationsbezogener Art. Erst aus dieser Freiheit heraus nutzte er solche Umstände hin und wieder dennoch positiv, z.B. Pessach-Feste, Tempel.... Darin kann er heute Vorbild für den Umgang mit manchen Trends sein, z.B. die Annahme astrologischer Gesichtspunkte, „Kraftplätze", Gebräuche. (Siehe auch Bücher von Marko Pogacnik : "Wege der Erdheilung", "Erdsysteme und Christuskraft", ...)
Im Zusammenhang der Auferweckung des Lazarus wird auch Jesus und sein sich bildender Umkreis als Ganzes nach außen hin stärker sichtbar. Darin zeigt sich ein erweitertes Bewusstsein von Jesus, daß auch den Jüngerkreis umfaßt, und auf diese Weise jetzt auch die größere soziale Umwelt befruchtet. Eine verwandte Erweiterung des Bewusstseins kann sich auch heute für Menschen in der Nachfolge Jesu ergeben, wenn sie ihre Gruppenaktivitäten nach außen ausstrahlen.
Es folgt nun der Weg der Passion. Der Hohepriester stellt in seinen Worten eine Beziehung her zwischen dem, was mit Jesus geschehen soll und dem Schicksal des Volkes (Joh. 11). In seiner prophetischen Sicht nimmt er richtig wahr, daß Christus für alle sterben wird. Aber er interpretiert falsch, daß Jesus dem Volk Schaden zufüge, wenn er am Leben bliebe. Das erfordert ein Bewusstsein, das über das Denken hinaus Prozesse und Zusammenhänge gleichzeitig auffassen kann, was als Fähigkeit meist erst erworben werden muss. Es ist nicht mit instinktiv auftauchenden Bildern identisch. Tiefste Ursachen können aufgedeckt, aufgelöst, und geschaffen werden. Keine negativen oder anderen Gedanken werden mehr halbbewusst abgelagert, sie können sich nicht mehr zu bis in tiefere, auch körperliche Schichten wirkenden Problemstrukturen zusammenballen. Auch rückwirkend wird diese Problematik langsam gelöst, wenn der Mensch auch diesen Gesetzen nachspürt. Der Weg in eine freie, schöpferische Zukunft wird frei.
Dazu ein Auszug aus dem Johannesevangelium 11:
Die Auferweckung des Lazarus
... 39 Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Martha, die Schwester des Verstorbenen spricht zu ihm: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen. 40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. 42 Ich weiß, daß du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich's, damit sie glauben, daß du mich gesandt hast. 43 Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und laßt ihn gehen!...
Kirchenvater Clemens von Alexandrien war noch im Besitz einer
erweiterten, "geheimen" Fassung des Markusevangeliums. Diese war nach
seinen Worten "ein spirituelleres Evangelium für den Gebrauch derer, die
in der Vervollkommnung standen", deren "Erkenntnisfortschritt"
dienend. Hier waren Stellen aus den Aufzeichnungen des Markus und des Petrus,
wie die Auferweckung des Lazarus enthalten, während sie in den Evangelien für
den allgemeinen Gebrauch weggelassen wurden. Nur Johannes bzw. seine Schüler
nahmen solche Geschehnisse offen in ein Evangelium auf. Clemens bezeichnet
Christus als "Mystagoge" bzw. "Hierophanten", d.h. als
denjenigen, der - im Unterschied zu den alten "Mysterienkulten" - in
die neuen Mysterien (Geheimnisse des Glaubens) einführte bzw. einweihte. (Vgl.
Prof. Morton Smith, "The Secret Gospel...").
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Einige Zeit vor der Fußwaschung werden die mit Christus Verbundenen als „Schafe" angesprochen - Joh. 10, 11-18, wie auch Christus selbst an anderer Stelle als „Lamm" angesprochen wird. Es wird hier die vorhandene bzw. wieder erarbeitete Offenheit der Jünger – speziell für das, was von Christus ausgeht – betont, wie auch die ebensolche Beziehung zwischen Christus und Gott. Obwohl er nun schon sehr gereift sein mag, kann sich der Mensch nun auf einer Ebene erneut als unbeschriebenes Blatt fühlen, wie ein Kind. Wirklicher Fortschritt führt – auch wenn immer wieder Stolz aufgearbeitet werden muss – eher zur Bescheidenheit; die Einsicht, daß alle Menschen eine zwar bedeutende, aber letztlich kleine Rolle gegenüber Gott haben, wächst. Auch von „Demut" kann hier gesprochen werden; aber in einem freien und geistlichen Sinn, und nicht im Sinne kriecherischen Verhaltens gegenüber irdischen Autoritäten, welches Missverständnis oft produziert wurde. Nicht zufällig sagt Christus im selben Kapitel „Ich bin die Tür". Wer sein Wesen bzw. sein Herz öffnet für Christus, für den ist auch er offen wie eine Tür, die zu Gott führt, eine Voraussetzung für alles Weitere.
"Schafe" werden auch "Böcken" gegenübergestellt (z.B. Mt. 25:32-33).
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Der Rest der Evangelienberichte weist immer mehr symbolische Geschehnisse auf, wo eingehendere begleitende Lehren fehlen. Spätestens hier können wir die zurechtgebogenen kommerziellen „Alles-über-Jesus-Enthüllungsstories", an deren Ende wir immer noch nichts wissen, getrost beiseite legen. Zwar können auch hier manche äußere Kenntnisse hilfreich sein, aber Entscheidendes kann hier überhaupt nur noch meditative Betrachtung erschließen. Dies kann allerdings für Andere nur Anregung für eigene Erkenntnisbemühungen sein, und kein Pfarrer oder Historiker kann uns diese abnehmen.
Die Fußwaschung wird im Bibeltext - Joh. 13, 1-20 - als Reinigung umschrieben . Da solche „esoterischen" Stellen später sowieso kaum noch verstanden wurden, wurden sie wenigstens unzensiert stehen gelassen. Der Betreffende ist „ganz rein", es geht also nicht um die Füße, sondern um deren symbolische Bedeutung im gesamten Menschen. In den verschiedensten Kulturen war jenes Denken in Entsprechungen verbreitet: Die gleichen Funktionen lassen sich finden im menschlichen Organismus, also dem Mikro- oder Mesokosmos, und in der äußeren Natur, also dem Makrokosmos. Die Füße sind dem Irdischen zugewandt, ihre Bewegung folgt dem Willen. Ob der Mensch äußerlich den einen oder anderen Weg „geht", erfordert eine Willensentscheidung. Eine Reinigung dieses Willens und dessen widersprüchlicher Kapriolen zeigt sich als Inhalt der Fußwaschung. Vgl. auch, daß Jesus in Matth. 25, 31ff. der Guten Tat einen höheren Wert beimißt als christlichen Lippenbekenntnissen.
Allerdings stellt diese Handlung, wie alle nachfolgenden Geschehnisse, keine bloße Wiederholung der bereits in den Jahren zuvor gegebenen Impulse zur Reinigung der verschiedenen Wesensbereiche des Menschen dar. Alles steht unter dem neuen Vorzeichen, daß Jesus innerlich weiß, daß „seine Zeit gekommen war", und daß seine Jünger reif werden sollten, das „gewisse Etwas" eigenständig in größere Kreise weiterzutragen. Nicht mehr nur ihre persönlichen Qualitäten, hier ihr guter Wille, unter der Übersicht ihres inneren Ichs ist das Ziel wie bis zu diesem Punkt,. Sondern dieses höhere Ich - nun vereinigt mit der „Person", kann nun selbst immer stärker eins werden mit jenem „Christus, der in uns Gestalt angenommen hat"; wie ein „Selbst der Selbste". Es geht nun immer weniger um ein rein persönliches Schicksal.
Diese Erfahrung könnte zunächst so umschrieben werden, daß beim inneren Nachvollzug dieser Handlung sich eine derartige Reinheit ergeben kann, daß nun alles direkter aus der innersten Quelle selbst gesteuert werden kann durch die verschiedensten Wesensschichten hindurch. Jedoch ist es zunächst der Wille. Das Fühlen und Erkennen wird sich erst im weiteren Verlauf so vervollkommnen, daß der Mensch das Warum seiner Impulse direkt erklären kann. Auch Gott folgt in uns der Reihenfolge, wie sie auf tieferer Ebene das Aufwachsen eines Kindes zeigt. Das heißt nicht, daß dieser neue Abschnitt der Entwicklung z.B. "kopflos" abliefe. Die menschliche Entwicklung des ethischen Fühlens und der klaren Erkenntnis ist schon vorher stark angestoßen worden. Lediglich eine weitere Vervollkommnung derselben im Sinne Christi, wie sie nun der Willensbereich bereits erhält, steht hier noch aus.
Eine andere Erlebensart dieser schwer beschreibbaren Phasen könnte diese in Beziehung sehen zum Gewahrwerden der eigenen Bewusstheit, bzw. des Blicks, mit dem „Engel" bzw. das Höhere Selbst das Leben betrachten könnten. Das (engelsartige) Höhere Selbst kann sich jetzt stärker mit Christus vereint zeigen, und macht so auch eine Verwandlung durch. Engelserfahrungen sind heute in Teilen der neuen spirituellen Bewegungen gang und gäbe; während Christen trotz Bibel noch vielfach zweifeln, ob es so etwas überhaupt gibt, ganz zu schweigen von der Frage, was es mit dem „eigenen" bzw. „Schutzengel" des Volksmunds real auf sich haben könnte, und wie eine solche Verbindung aussehen könnte. Christus steht jedoch für das geformte, personale Wesen des Menschen, und für die Beibehaltung der Errungenschaften des Menschenlebens beim Sich- Öffnen für die unpersönlichen Kräftewelten der „Engel". Auch ist für Christus ein Mensch, der eine solche Erfahrung hat, noch lange nicht vollkommen. Erste Einblicke darin ließ er die Jünger schon in Joh.1 gewinnen. Manche spirituell Orientierte meinen, es gehe überhaupt nur um das Engelerlebnis, und danach könnten sie sich vom Irdischen zurückziehen; indessen setzt ein Forschen in diesen Bereichen viel an bereits erarbeiteter Stabilität voraus, wenn es nicht im Irrgarten der Illusionen enden soll; weiter beginnt sicherlich mit dieser Phase die Möglichkeit einer umfassenden Durchdringung des Irdischen durch den Geist erst richtig. Als Anhaltspunkt sei hier erwähnt, daß z.B. R. Steiner als Geistesforscher der Evolution des Menschen auf der Erde noch lange Zeitalter zuschreibt, wie insoweit auch manch andere Richtung. Dass noch andere Praktiken, wie hypnotisch-spiritistische „Geisterbeschwörungen" schon gar nichts mit der hier gemeinten archetypischen Grunderfahrung der Engel zu tun haben, braucht hier wohl nicht weiter hervorgehoben zu werden. Es gibt jedoch inzwischen viele ernstzunehmende Bemühungen von Menschen, in ihrem täglichen Leben mit Engeln in Kontakt zu sein.
Bei der Fußwaschung ist bisher kaum aufgefallen, daß jene Stelle - z.B. Joh.12 - dazu im inneren Zusammenhang steht, wo Maria von Bethanien Jesus symbolisch salbt, und seine Füße mit ihrem Haar trocknet. Steht sie einfach für sich als Mensch, oder steht sie hier auch für weibliche Aspekte Gottes, wie sie Maria, der Mutter Jesu, und Maria von Magdala – wahrscheinlich nicht identisch mit M. v. Bethanien – an anderen Stellen zugeschrieben werden könnten? Warum geht dies der bekannten Fußwaschung voraus? Für die – allerdings widersprüchlichen – Ansätze feministischer Erfahrungs-Theologie gibt es sicherlich auch noch ungehobene oder nur teilweise gehobene Schätze. Die "letzte Ölung" z.B. der katholischen Kirche kann auch als ein Nachklang dieses Geschehens aufgefasst werden.
Weiter ist bemerkenswert, daß die Fußwaschung keine einmalige Handlung durch Jesus persönlich darstellt, sondern daß auch die Jünger untereinander ermutigt werden, sich gegenseitig die Füße zu waschen, ähnlich wie das Abendmahl - zunächst - in die Hände der entstehenden Gemeinschaft gelegt wird, im Sinne eines Priestertums Aller. Der bei der Fußwaschung verfeinerte Wille bzw. Lebenswille wird über das eigene Wesen hinaus ausgeweitet auf den Umkreis, zunächst auf das Gegenüber, dem der/die Betreffende die Füße wäscht, dann auch auf die Mitverantwortung für Weitere und die Jünger insgesamt.
Fußwaschung kann auch als Dienst am Anderen verstanden werden. Nur mit dieser Fußwaschung haben sie „Teil an ihm", wie es Jesus nennt. Das unterstreicht die in vieler Hinsicht weitreichende Bedeutung dieses Schrittes. Besonders ist zunächst jener Bereich angesprochen, den junge Leute so benennen: er/sie „geht mit mir". Allerdings geht es dann nicht mehr darum, „eine Beziehung zu haben", sondern „in (einer lebendigen) Beziehung zu sein". Nur als „Schritt voran" ist die Fußwaschung verständlich. Auf die äußere Gestaltung einer derartigen Handlung kommt es weniger an. Im Sinne der alchemistischen Praxis, äußere Handlungen als Anschauungshilfe auch für innere Haltungen und Prozesse im Menschen zu nutzen, ist eine solche Handlung jedoch sinnvoll; aber eben nur mit der dazugehörenden inneren Haltung. Auch eine denkbare richtige Einstellung eines handelnden Pfarrers würde nicht genügen, es bedarf der Betroffenen selbst, denn um diese geht es. Das gilt auch für das Abendmahl – über die verschiedensten Aspekte desselben sind die Theologen zerstritten; sie mögen auf eine Art sogar jeweils recht haben, aber diesen Aspekt der bewußten Verwandlung der Betroffenen selbst , auf den es bei Licht betrachtet eigentlich ankommt, haben weder die katholischen noch die evangelischen Kirchen genügend gewürdigt.
Waren es bei einfacheren Lehren noch z.B. 5000 Menschen, und später 500 oder 70, die noch folgen konnten, so nahmen an der Fußwaschung zunächst nur die elf Jünger teil, die Vieles von Jesus gelernt hatten und so vorbereitet waren, daß sie die Gelegenheit ergreifen konnten. Judas konnte das hier eventuell noch nicht. Auch Jesus gibt nicht alle Lehren gleich für Alle, sondern schrittweise. Allerdings ist es möglich, daß Einzelne auch vorankommen, wenn ihre tiefere Betrachtung gleich bei diesen, auf die Kreuzigung zugehenden Geschehnissen ansetzt. Dies versuchten die christlichen Rosenkreuzer. Fußwaschung, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzigung und Grablegung, Auferstehung, Himmelfahrt wurden „christliche Einweihungen" genannt. In die Umsetzungstiefe einer neueren Zeit übertragen, ergaben sich daraus auch die Traumbilder der sieben Tage der „chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz", 1616 von dem lutherischen Theologen J.V. Andreae als Satire getarnt veröffentlicht.
Ein solcher Schritt ist sicherlich meist nicht beim ersten Erleben desselben im Äußeren, in der Meditation oder im Traum abgeschlossen. In viele Richtungen kann sich das Sein des Menschen mit all seinen Fähigkeiten erweitern, andere Schritte können folgen, sich mit einigen vorherigen überschneiden, aber in sich in gewisser Art abgerundet sein werden neue Qualitäten erst, nachdem das Vorhergehende, worauf sie aufbauen, abgerundet ist.
Nach der Salbung in Bethanien folgt in Joh. 12 der Einzug Jesu in Jerusalem als Messias. Nach der Fußwaschung werden z.B. in Joh. 13-17 die Ankündigung des Verrats durch Judas Ischariot, die Abschiedsreden, und das hohepriesterliche Gebet Jesu überliefert.
Hierzu Auszüge aus Johannesvangelium 13,3-15: Die Fußwaschung.
3 Jesus, der wusste, daß ihm der Vater alles in die Hand
gegeben hatte, und daß er von Gott gekommen war und dahin zurückkehrte, 4
stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem
Leinentuch. 5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die
Füsse zu waschen, und sie mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet
war. 6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du. Herr, willst mir die
Füße waschen? 7 Jesus antwortete ihm, "Was ich tue, verstehst du jetzt
nicht; doch später wirst du es begreifen". 8 Petrus entgegnete ihm
"Niemals sollst du mir die Füße waschen". Jesus erwiderte ihm:
"Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir". 9 Da sagte
Petrus zu ihm "Herr, dann nicht nur die Füsse, sondern auch die Hände und
das Haupt". 10 Jesus sagte zu ihm: "Wer vom Bad kommt, ist ganz rein,
und braucht sich nur noch die Füße waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht
alle". 11 Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er, 'ihr
seid nicht alle rein'.
(...)14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann
müsst auch ihr einander die Füße waschen. (...)
Als äußere rituelle Praxis ist
die Fußwaschung nur noch selten zu finden, etwa bei Adventisten vor dem
Abendmahl. Der äußere Vorgang ist jedoch weniger bedeutsam als die innere
Einstellung, die selten verstanden wird.
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Jesus war, als verheißener Messias gefeiert, in Jerusalem eingezogen - Joh. 12, 12-19. Die verhärteten Priesterkasten verstanden es, gezielt auf die „psychischen Knöpfe" der Menschen zu drücken, und so die Stimmung der Masse z.T. ins Negative zu drehen. Individuen, die in sich Negatives und Gleichgültigkeit beachten und einer Wandlung zuführen, könnten erst jene Stabilität und Gottverbundenheit bekommen, mit der sie nicht mehr so manipulierbar wären durch Massensuggestion – und äußere negative Kräfte, deren Realität verschiedentlich auch in Erscheinungen des 20. Jahrhunderts zu belegen versucht wurde.
Bei der Gefangennahme in Joh. 18 – es wirft die Soldaten zuerst sprichwörtlich um – zeigt Christus, daß er nicht unter ihrer Kontrolle steht. Dennoch lässt er danach willig alles mit sich geschehen.
Die „Geißelung" Jesu - Joh. 19, 1 - trifft seinen Rücken. Der mittlere Bereich des Menschen, sein Fühlen, seine Leidensüberwindungskraft im Emotionalen sind Qualitäten, die beim meditativen Nachvollzug auftauchen können, und nicht etwa passiv verzagtes Leiden. Dennoch berichten alle christlichen Mystiker, die das freiwillig oder unfreiwillig im Innern nacherlebten, vom Schmerz. Christus flieht also auch nicht ängstlich vor diesem, was ihm sicher wie einem einfachen indischen Meister, durch Pratjahara, also Zurückziehen der Sinne möglich gewesen wäre. Eher ist auch hier eine Ausweitung des Bewusstseins auf das Leiden Anderer zu ertasten.
Es sei hier angemerkt, daß es nicht die ganze Wahrheit war, wenn, wie
erwähnt, die Geißelung Jesu zum Symbol einer bestimmten „Einweihungsstufe"
gemacht wurde, also einer Entfaltungsstufe des heutigen Menschen auf dem Weg zu
größerer Vollkommenheit. Der eigentliche Schritt wird von Jesus bereits beim
auf die Salbung in Bethanien folgenden Abendmahl ins Leben gesetzt (Matthäus
26, 26-29). Dieses Abendmahl ist das bessere Symbol für das, was
Jesus der leidenden Menschheit gibt. Das Brot steht vor allem für die Substanz
(bzw. die Seele) Jesu Christi, des „Wortes". Der Wein steht für den
Geist, der dies Wort lebendig macht für das altruistische Wirken. Die
katholische Kirche betonte die Veränderung der Substanz des Brotes und Weines
zum Fleisch und Blut Christi; die evangelischen Kirchen betonten die Feier des
Gedenkens an Christus. Beide haben insoweit zwar recht - schon beim einfacheren
"Weihwasser" haben wissenschaftliche Untersuchungen eine Veränderung
des Winkels der Wassermoleküle gezeigt. Aber der eigentlich wichtige Punkt
wäre die Veränderung im Teilnehmenden selbst, indem sich dieser konzentriert
darauf einstellt, durch das verwandelt zu werden, was vom verwandelten und
verwandelnden "Fleisch und Blut" Christus ausstrahlt. Dafür ist das
Brot und Wein zugleich eine Anschauungshilfe. Einige versuchten sogar, sich rein
geistig ohne Brot und Wein auf das verwandelte und verwandelnde "Fleisch
und Blut Christi" einzustellen - und empfanden die Wirkung. Dies ist jedoch
zumindest schwieriger. Und - wenn jemand ein gesegnetes Mahl praktizieren
möchte, ohne den Anspruch eines kirchlichen "Sakramentes", würde
dies eher "Agape-Mahl" - "Liebesmahl" genannt.
Die Geißelung kann als eine Art äußere, karikaturistische Antwort unwissender
Mächte auf das, was eigentlich vor sich ging, verstanden werden, und muss daher
nicht so sehr im Zentrum des Nacherlebens stehen. Dies gilt auch für die
folgende Dornenkrönung. Die manchmal etwas einseitige Leidensbetonung in der
alten christlichen Esoterik verhält sich zu solchen neueren Erkenntnissen etwa
wie die ältere Darstellungsart Johannes des Täufers zur Art des Lehrens durch
Jesus und seine Jünger. Der Mensch ist frei zu wählen, welchen dieser Wege er
in erster Linie verfolgen will.
Dazu ein Zitat aus Matthäus 26,26-29 zum Abendmahl (Heilige Kommunion, Eucharistie):.
Während des Mahls nahm Jesus das Brot, lobte Gott*, brach's, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, dankte**, und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch, von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinken werde im Reich meines Vaters.
* andere Übersetzungen: "dankte" oder "sprach
den Lobpreis"; **andere Übersetzung: "sprach das Dankgebet"
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Da die Geißelung eine bei den Römern gebräuchliche Mindest-Strafmaßnahme war, tritt hier die Deutung dieses Begriffs im Sinne vorchristlicher Mysterienkulte in den Hintergrund. Die Dornenkrönung - Joh. 19, 2-3, ein darauffolgender Begriff aus diesen Mysterien, ist hingegen nicht Bestandteil des normalen römischen Repertoires. Sicherlich ist es als Ironie erkennbar: Dornen statt Gold. Dennoch bleibt die Frage, wie es zustande kommt, daß die Soldaten so exakt an Mysterientraditionen anknüpfen, selbst wenn ihnen das in dem Augenblick nicht bewusst gewesen sein mag. Selbst wenn sie – viele römische Soldaten waren Anhänger solcher Kulte – sich der äußeren Ähnlichkeit bewusst gewesen wären, hätten sie allerdings Christus nicht auf die ihnen bekannte Erlebensart reduzieren können.
Während die goldene Krone Symbol äußerer Herrschaft gewesen wäre – nicht notwendigerweise negativ verstanden – , war die Dornenkrone bei Christus ein Symbol einer Art von Meisterschaft, die in der Welt nichts galt. Dabei stachen die Dornen in den Kopf. Auch hier ist nicht nur Schmerz zu suchen, sondern eine Kraft, alles gedankliche Verzagen zu überwinden, von dem Christus hier keine Anzeichen zeigt. Sie finden sich nur in dem Moment, bevor er sich endgültig entschieden hatte, den „Kelch" nicht an sich vorübergehen lassen zu wollen. Mit Geißelung und Dornenkrönung finden wir etwas angedeutet, was insofern die Fußwaschung fortsetzt; auch das Fühlen und die Erkenntnis – allen Widerständen trotzend – erscheinen eher „geheiligt".
Die angesprochene stetige Tendenz in dem Geschehen, über sich selbst hinauszuwachsen, hat als Kraft auch einen Bezug zu neuen Bewegungen, wie Friedensbewegung, ökologische Bewegung, spirituelle Bestrebungen, die „die Erde heilen" wollen.*
Wie schon bei der „Geißelung" handelt es sich auch bei der „Dornenkrönung" um eine Reaktion, um einen Abklatsch dessen, was bereits vorher eigentlich vorgegangen war. Dieser eigentliche Punkt, wo vom Positiven her jene geistige Öffnung, über sich hinauszuwachsen zum Ausdruck kommt, liegt in den „Abschiedsreden" Jesu, z.B. Joh. 13,31 - 17, und in den Begegnungen mit Pilatus, z.B. Joh. 19,5* (*"Seht, Der Mensch", was sich meditativ wie ein Erahnen des Jesus Christus als Urbild eines erlösten Menschen zeigen kann.) Nicht nur die Fußwaschung und das Abendmahl als Solches, auch die Worte Jesu waren zugleich Taten.
Es könnte diesen Erkenntnissen entsprechend sinnvoll sein, wo heute von „christlichen Einweihungen oder Entwicklungsschritten" die Rede ist, die positiven Grundlagen ausschlaggebender zu berücksichtigen.
Auszug aus Kapitel 16 des Johannesevangeliums.
12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.
Auszug aus dem Johannesevangelium, Kapitel 17.
Das "hohepriesterliche Gebet":
1 ... . Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist
da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; 2 denn du hast
ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die
du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du
allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4
Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben
hast, damit ich es tue. 5 Und nun, Vater, verherrliche* du mich bei dir mit der
Herrlichkeit*, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben
hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort
bewahrt. 7 Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben
sie angenommen und wahrhaftig erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und sie
glauben, daß du mich gesandt hast. 9 Ich bitte für sie und bitte nicht für
die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein. 10Und
alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin
in ihnen verherrlicht. 11 Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der
Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du
mir gegeben hast, daß sie eins seien wie wir. 12 Solange ich bei ihnen war,
erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie
bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren haußer dem Sohn des Verderbens,
damit die Schrift erfüllt werde. 13 Nun aber komme ich zu dir und rede dies in
der Welt, damit meine Freude in ihnen vollkommen sei. 14 Ich habe ihnen dein
Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt; denn sie sind nicht von der Welt,
wie auch ich nicht von der Welt bin. 15 Ich bitte dich nicht, daß du sie aus
der Welt nimmst, sondern daß du sie bewahrst vor dem Bösen. 16 Sie sind nicht
von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. 17 Heilige sie in der
Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. 18 Wie du mich gesandt hast in die Welt,
so sende ich sie auch in die Welt. 19 Ich heilige mich selbst für sie, damit
auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.
20Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr
Wort an mich glauben werden, 21 damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir
bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, daß
du mich gesandt hast. 22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir
gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, 23 dich in ihnen und du
in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß du mich
gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. 24 Vater, ich will, daß, wo
ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine
Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der
Grund der Welt gelegt war. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich
aber kenne dich, und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast. 26 Und ich
habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit
der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
*) "verherrlichen" ist hier nicht so sehr in dem
menschlich-emotionalen Sinne gemeint, in dem es im heutigen Sprachgebrauch oft
verwendet wird. Das altgriechische Wort doxa bedeutet auch den
"Lichtglanz" himmlischer Wesen; den Übergang in einen Zustand, der
Jesus sehr konkret vor Augen stand.
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Die Sichtweisen zu Kreuzigung und Tod Jesu sind noch unterschiedlicher, als zu anderen Stationen seines Werdegangs; das liegt einerseits am ihnen kirchlicherseits zugesprochenen Stellenwert, andererseits daran, daß die Ausleger alles in ihr jeweiliges weltanschauliches System einordnen wollten. Z.B. Johannes 19, 12-37.
So waren gnostizistische Bestrebungen am Rande des frühen Christentums zwar willens, sich mit Christus zu befassen. Auf ihrem altgriechischen Hintergrund konnten sie sich jedoch nicht vorstellen, daß ein derart großes Lichtwesen von einer Frau geboren und gestorben sein sollte. Also musste er wie ein Engel, bzw. wie es später manchen östlichen Meistern zugeschrieben wurde, sich lediglich durch einen Scheinleib sichtbar gemacht haben, der dann auch nicht sterblich war, sondern einfach wieder aufgelöst wurde. Da in ihrer Lehre die irdische Welt und Materie als für ewig böse galt, lag es ihnen auch fern, anzunehmen, daß ein solches Wesen alle Stationen des irdischen Lebens durchlaufen oder gar mit seinem Licht durchdringen sollte. Der Begriff „gnostizistisch" wird hier im Unterschied zu apostolischer Gnosis verwendet, welche Unterscheidung selbst der Sektenkritiker F. W. Haack gelten ließ. Jedoch gab es die verschiedensten Übergänge in derartigen Lehren, z. B. anerkennt das gnostische „Evangelium der Wahrheit", daß Jesus ans Kreuz genagelt wurde.
Menschen mit materielleren oder ablehnenderen Einstellungen verbreiteten nicht nur Legenden, Jesus sei ein unehelicher Sohn eines römischen Soldaten gewesen, was bei den damaligen Moralvorstellungen etwas maximal Abqualifizierendes war. Es wurde auch spekuliert, Jesus sei nicht gestorben, sondern gepflegt worden bzw. genesen. Bis heute gibt es gleichartige Versuche, z. B. das Grab eines möglicherweise alten Mannes namens Jesus in Kaschmir auf den biblischen Jesus zu beziehen. Auch mindestens noch eine weitere andere, noch nicht aufgefundene europäische Grabstätte Jesu taucht in moderner Literatur auf. Dazu muss gesagt werden, daß Jesus, oder auch Jehoschua, Jeschua, Jesat genannt, kein einmaliger Name war. Auch in Apokryphen (nicht in den biblischen „Kanon" aufgenommene Schriften) tauchen mehrere andere Jesusse auf: Jesus Sirach, Jesus ben Pandira...
Teils im Zusammenhang mit solchen Thesen sind widersprüchliche Untersuchungsbefunde über das Turiner Grabtuch Jesu aufgetaucht. Einmal sollte das Tuch Pollen aus Zeit und Heimat Jesu enthalten, dann wieder stammte es „aus dem Mittelalter". Einmal konnte der Bildeindruck nur durch plötzliche hochenergetische Strahlung hervorgerufen worden sein, z. B. durch plötzliche Auflösung, ein andermal sollten Blutspuren darauf hindeuten, daß Jesus bei der Kreuzabnahme noch gelebt habe. Eine Würdigung des neueren Forschungsstandes spricht wiederum für eine Echtheit dieses Tuches, und eine ungewöhnliche Entstehungsursache des Bildes. Dies mag Menschen (vgl. die Bemerkungen über den Weg des Jüngers Thomas im Kap. "Wundertaten") helfen, auch in ihrem Erdenverstand zur Realität des Christusgeschehens vorzustoßen. Bei Lorber wird nur der „Trierer Leibrock" als unecht behandelt; dies jedoch mit der offensichtlichen Zielrichtung, den Glauben selbst im Innern zu suchen, und diesen nicht von einem solchen Wechselbad durch Befunde und Theorien über äußere Artefakte abhängig zu machen.
Solche Forschungen können jedoch meditative Untersuchungen anregen. Dabei deutet sich an, daß etwas vorliegt, was in kein bekanntes Schema von Tod und Leben passt. (Vgl. auch Grönbold „Jesus in Indien- das Ende einer Legende", und die hektographierte Schrift von Margarete Eckel, „Am Kreuz gestorben").
Wie schon weiter vorne festgestellt wurde, sind Zeugnisse der Mystiker oft hilfreicher, um der Frage nach der Bedeutung der früheren Geschehnisse für die gegenwärtige Entwicklung von Menschen, und damit auch der Frage nach ihrem Charakter näherzukommen. Je mehr spirituelle Erfahrungen in dieser Richtung jemand hat, desto mehr versteht er. Die Wahrnehmungen christlicher Mystiker und Stigmatisierter – Träger/innen der Wundmale Christi – sind ohne Kontakt zueinander z. T. verwandt; sie enthalten über das Erleben Jesu manche in der Bibel nicht bekannte Einzelheit, sind aber auch darin ähnlich, von Franz von Assisi bis Pater Pio und Therese von Konnersreuth. Alle stimmen sie darin überein, daß Kreuzigung und Tod Christi real und tief in diese Welt eingeprägt ist, und eine unverhoffte oder auch bewusste Verbindung mit diesem Geschehen unvorstellbares Leiden, aber auch eine unvorstellbare, nicht herab-, sondern alles heraufziehende Kraft erfahren lässt. Dem existenziellen, das ganze Wesen total betreffenden, Charakter der Kreuzigung steht das Leben solcher außergewöhnlicher Personen sicherlich näher, als eine allein den Intellekt betätigende Herangehensweise. Beim Thema Tod und Leben geht es um mehr, als um einzelne Wesensschichten, die hier gemeinsam beteiligt sind, hier einschließlich der „kausalen" Ebene des Erzeugens von Prinzipien und Schicksal. Auch Menschen mit nicht so ausgeprägter mystischer Gottverbundenheit können die Geschehnisse meditativ als Brücke zur Wirklichkeit nutzen, wie unvollkommen das auch immer sein mag. Durch das Wort zu seinem mitgekreuzigten Verbrecher, bald werde dieser mit ihm „im Paradiese" sein, deutet Christus an, daß auch ein rascher Nachvollzug seines Weges möglich ist.
Die bewusste Durchdringung dieser tiefsten Vorgänge menschlicher Existenz, die mit Bedrückung, Leiden und Degeneration verbunden sind, kann sich als reale gegenwärtige Möglichkeit zeigen, in welchem Maße auch immer. Obwohl diese Möglichkeit nicht an die Jahreszeit oder an die geographischen Orte des Geschehens gebunden ist, scheint Ostern die Erfahrbarkeit zu erleichtern. Es ist ,wie wenn dem alten, jahreszeitlich und traditionell bedingten Rhythmus von Vergehen und Neuwerden durch Christus eine weitere „Oktave" aufgeprägt wäre.
Dass Jesus die Übereinkunft nicht mehr anerkennt, daß die physische Materie dem Geist unüberwindbare Barrieren entgegensetze, zeigte sich bereits beim Fall Lazarus. Nichts außer Gott, egal wie träge oder auch negativ, ist für seinen Blick ewiggültig, alles letztendlich verwandlungsfähig. Je tiefer bzw. unbewusster das zu Verwandelnde, desto schwerer ist naturgemäß eine Beeinflussung.
Bei der Kreuzigung ist auch, wie bei den kurz vorher stattgefundenen Ereignissen, neben einer Überwindungskraft ein universelles Bewusstsein angedeutet, z. B. in den Worten am Kreuz, die in dem Satz gipfeln „Es ist vollbracht!" Die diesbezüglich fühlbare, universell helfende „opfernde Liebe" ist allerdings auch in der alten theologischen, geradezu juristisch klingenden Formel eines „Loskaufs der Menschen durch das Opfer Jesu" nicht ausreichend ausgedrückt. Sie kann heute als Versuch gelten, das auch für das Verstandesbewusstsein besser nachvollziehbar zu machen; ursprünglich könnte sie jedoch eine Anpassung an die Vorstellungswelt der damaligen Israeliten gewesen sein, wo es darum ging, durch rituelle Tier- usw.- Opfer die Gottheit gnädig stimmen zu können. S.a. weiter unten.
Ebenso wenig geben jene anderen Theologien, in denen der Schwerpunkt z. B. darauf gelegt wird, daß Jesus bis in den Tod zu seinen Grundsätzen steht, eine allein ausreichende Erklärung für die mystischen Erfahrungen; auch nicht für deren physische Begleiterscheinungen wie Stigmata, Nahrungslosigkeit usw.; vgl. z. B. Thurston „die körperlichen Begleiterscheinungen der Mystik", und Höcht "Von Franziskus zu Pater Pio und Therese Neumann", sowie das nächste Kapitel.
Rupert Sheldrake, ein Biologe, der wegen seiner ganzheitlichen Denkansätze u. a. in neuen spirituellen Bewegungen bekannt wurde, entwickelte die Theorie eines „morphogenetischen Feldes". Entwickelten Affen auf einer Insel eine neue Fertigkeit, konnten Affen derselben Art auf entfernten Inseln ohne äußeren Kontakt alsbald dieselbe Fertigkeit entwickeln. Ein überzufälliger Einfluss durch ein Kraftfeld, das Tiere derselben Art miteinander verbindet, musste gegeben sein. Als der Verfasser Rupert Sheldrake fragte, ob er sich vorstellen könnte, daß z. B. die Entwicklung Jesu bis zur Kreuzigung bzw. Auferstehung über ein derartiges Kraftfeld auf die ganze Menschheit ausgestrahlt haben könnte, sagte er nach erstauntem Nachdenken „Ja; jedoch wäre dafür nicht das morphogenetische Feld, sondern ein spirituelles Kraftfeld anzunehmen."
Auch das ist kein „Gottesbeweis", aber manche neue wissenschaftliche Strömungen liefern bereits bessere Annäherungsmöglichkeiten an diese schwer verständlichen Zusammenhänge, als die Theologien, die entweder die alten Lehren einfach dogmatisch festhalten, oder aber schwer Verständliches einfach wegerklären.
Auch bei der Kreuzigung zeigen sich Anklänge an – aber eben keine Identität mit – alten Initiationsriten. Das Kreuz bzw. der Baum, an dem der Mensch aufgehängt wurde, findet sich u. a. im Norden – vgl. die Mythen von Odin, der neun Tage am Baum hing, und währenddessen höhere Erfahrungen machte. Das Motiv des Grabes als Einweihungsstätte findet sich in der Megalithzeit weit verbreitet, auch noch in keltischer Zeit, und besonders ausgeprägt in der Pyramidenkultur Ägyptens. Die Pyramiden, gleich ob sie tatsächlich Begräbnisstätten waren – was nicht bewiesen ist, denn eine Namensinschrift besagt wenig – oder nicht, sie wurden jedenfalls wie auch keltische Grabhügel kultisch genutzt. Da es heute schon ein Hinwegsehen über sehr viele Fakten erfordern würde, das zu bestreiten, wird hier nicht näher darauf eingegangen. R. Steiner ist aufgefallen, daß beide geistigen Entwicklungsströme, das Kreuzes- und das Grabesmotiv bei Christus erneuernd zusammenfließen.
Das Nacherleben der Kreuzigung, bzw. der „Mitternacht der Seele", des „mystischen Todes", des Durchgangs durch eine Verlassenheit von allem, woran der Mensch sich klammern könnte, das alle bekannten christlichen Mystiker in der einen oder anderen Form zu spüren bekamen, hat auch eine gewisse Verwandtschaft mit dem Gipfelerlebnis des Yoga, dem Nirvikalpa Samadhi bzw. der Erfahrung der Leere des „Nirwana". Christliche Mystik lieferte jedoch die Erfahrung, daß in bzw. hinter dieser Leere wieder „etwas" ist, nämlich Christus bzw. Gott. Dass auch von einem indischen Weg her ein Überschreiten dieses Nirwana in das Dahinterliegende möglich ist, zeigte Aurobindo. Auf dem christlichen Weg kann jedoch etwas von dieser hinter Allem liegenden Fülle durchgehend vom ersten Moment des religiösen Weges vorhanden sein, weil das durch die Erde hindurchgegangene Wesen Christi eine Brücke darstellt.
Es macht den Eindruck einer schwierigen Gratwanderung, wenn jemand wie Aurobindo mit Kräften konfrontiert wird, die Zusammenhänge mit der Entwicklung von Christus nahe legen, aber der Hintergrund dazu nicht da ist. Unmöglich ist es aber keineswegs; es sei nur an den Fall eines Hinduknaben erinnert, der vom Christentum nichts wusste, aber durch sein intensives inneres Fragen nach Gott plötzlich eine Christuserfahrung machte, und diese später buchmäßig ausarbeitete (Hrsg. Friso Melzer, „Sadhu Sundar Singh"). Auch bei hinduistischen, tantrischen Übungen tauchte bei Menschen, die eher mit dem Auftauchen indischer Göttergestalten gerechnet hätten, plötzlich eine Christusvision auf. „Der Geist weht, wo er will".
Für eine auf das Christentum als Religionsgemeinschaft festgelegte Theologie
schwer verwertbar, aber für andere Kulturkreise umso interessanter könnte die
Anregung R. Steiners sein, in Christus ein sonnenhaftes Wesen zu sehen, das sehr
wohl in vorchristlichen Zeiten einigen höheren Weisen bekannt war;
Siehe das Kapitel „Im Anfang war das Wort..." in diesem Text und die
Extraseite über " das Alte Testament und vorchristliche Religionen".
Bei seinem Herabstieg, so auch andere Quellen wie Lorber sei u. a. das Erleben
des Jehova entstanden. Diese Erfahrung wurde wahrscheinlich später, wie
anderswo auch, menschlich getrübt. Aber das heißt nicht, daß jedes
alttestamentarische Geschehnis aus der menschlichen Logik unserer heutigen
Gesellschaft bewertet werden könnte. Gott weiß besser als wir, was er warum
tut.
Noch später, vor 2000 Jahren dann die Verkörperung des Christus auf der Erde, als Maßstab an einem Umkehrpunkt der Weltentwicklung, diese bzw. die Menschheit gleichsam auf sich nehmend, sie wiederaufnehmend in sein Leben. Die alten Kulte sind z.T. degeneriert, wie später das Christentum oberflächlich wurde, aber eine Forschung in solchen Richtungen würde trotzdem Bedeutung haben. Christus würde sich als etwas zeigen, was nicht in die ihm manchmal zugedachte Rolle als Machtgarant einer gesonderten Religionsgemeinschaft paßt. Ein Wesen, das gerade das erneuerte allgemein Menschliche verkörpert, den „neuen Adam" von Golgatha.
Theologisch wird im Zusammenhang mit der Kreuzigung von der Vergebung der Sünden gesprochen, vgl. Joh. 1:29. Was jedoch erlebt werden kann, ist, daß diese „Erlösung" wie eine keimhafte Möglichkeit der bewussten Entscheidung und „Nachfolgetätigkeit" bedarf, um im Leben real zum Ausdruck zu kommen. Was real erlebt werden kann, ist, daß bei Einstellung auf die Führung des Lebens durch den von Christus vermittelten Gott, dieses Leben organischer verlaufen kann, als bei einer Einstellung auf mechanisch wirksame Schicksals-/ oder Karma-Ausgleichsgesetze. Auch Christus spricht vom Aufarbeiten „auf Heller und Pfennig", aber er sagt nicht, daß dies nach wie vor „Auge um Auge, Zahn um Zahn" geschehen müsse. Die neue Aufgabe des Menschen steht im Vordergrund – was für ihn und seine Umwelt fruchtbar ist, wird aufgegriffen aus seinen Möglichkeiten, und umgesetzt. Keine Vergangenheitsbewältigung als Selbstzweck oder als Entwicklungsmotiv ist mehr angesagt. Eine Hilfe „von oben" beim Zusammenspiel der verschiedenen Möglichkeiten der Menschen kann heute beobachtet werden.
Während bei diesem Thema das Studium R. Steiners den Eindruck erwecken könnte, daß Christus sich nur mit dem Menschheitsschicksal befasse, und der Einzelne sein Schicksal selbst aufarbeiten müsse, ist es eine eindeutige und nachvollziehbare Erfahrung von vielen Christen, daß Christus auch sehr individuell bei der Aufarbeitung des eigenen Schicksals helfen kann. Er kann es zur Verwandlung führen, statt zum hundertprozentigen Ausleben alles Angelegten – nur eben nicht ohne Rücksicht auf die übrige Menschheit um den Menschen herum. Auch die Kraft des Verzeihens zwischen den Menschen ist eine höchst reale Erfahrung, die zum spezifischen und eigentlich Christlichen gehört. Die ewigen Kreisläufe z. B. von Gewalt und Gegengewalt werden dadurch aus den Angeln gehoben. Es ist aber nicht allein eine Lehre zur Befreiung von den irdischen Verstrickungen bzw. zur Nichtidentifizierung mit denselben – insoweit sind Ähnlichkeiten zu Lehren z. B. Buddhas festzustellen. Sondern es ist bei der tieferen Einstellung darauf eine Kraft – die es ermöglicht, die Verstrickungen von innen her aufzulösen, und trotzdem sich nicht zurückzuziehen, wie es nun möglich wäre; sondern zugleich die Kraft zu haben, im weitesten Sinn „in der Welt" zu bleiben, als „Arbeiter/in im Weinberg".
Selbst auf dieser anspruchsvollen Ebene zerfließt der Mensch offenbar nicht wie ein Tropfen im Ozean. Es ist nicht schon ausreichend beschrieben durch jenes plötzliche Zurücklassen der sich in tausende Teile verflüchtigenden Person,einschließlich psychischer und mentaler Teile, wie „Kreuzigung" z. B. im theosophischen Bereich beschrieben wird, und wie Castaneda Ähnliches aus dem schamanistischen Bereich ohne den Begriff Kreuzigung beschrieb - was ebenfalls reale Erlebnisse sind.
Eine Zelle im Ganzen, die eine Verantwortung für alles behält, was zu ihrem Wesenszusammenhang gehört, ist auch in diesem Stadium noch eine passendere Beschreibung eines Menschen, der „sein Kreuz auf sich nahm", und dessen vorherige Bemühungen sich nun gebündelt in die Meisterung des Existenziellen des Lebens hinein vertiefen.
- Bei all dem Bemühen, das Geschehen und die Symbolik der Kreuzigung für spirituelle Zwecke in der heutigen Zeit auszuschöpfen, sollte allerdings auch hier nicht übersehen werden, daß hier Mehreres zusammenkommt: · daß Jesus durch alle Stadien des Menschseins hindurchgehen musste, von der Geburt bis zum Tod, alles verwandelnd durch eine neue Haltung dazu;
- die Kreuzigung, die - unabhängig von anderen alten Bedeutungen des Kreuzes - auch einfach als damalige weltliche Verurteilungsart erkennbar ist, und die in diesem Fall auch durch eindeutig betrügerische, rechtswidrige und materialistische Praktiken seiner Gegner zustande kam. Es war, wie es war, und wie es nicht anders ging, und es ist dadurch kein Kreuzesfetischismus begründbar. Es war eine letzte, aufbäumende Reaktion der erstarrten, negativ gewordenen unbewussten Mächte der damaligen Zeit, wiederum eine Karikatur des eigentlich verwandelnden Bewusstseins Jesu. Die letztendlich segensreiche Auswirkung des Geschehens war nicht von diesem gewalttätigen Vorgehen seiner Gegner abhängig, und ist auch im Zusammenhang mit der Auferstehung zu sehen.
- Das Kreuz als Symbol bezieht den damaligen Kontext ein, auch wenn es später allgemein zum Symbol für aufopferungswilligste Liebe wurde, in welchem Sinne es auch heute noch sinnvoll verwendet werden kann - als Gegenbild zu Gleichgültigkeit, Hass usw.
- Ein neutraleres Bild für die inneren Vorgänge in Jesus jenseits des zeitbedingten Kontexts wären die letzten Worte Jesu am Kreuz, auch „in Deine Hände gebe ich meinen Geist"; sowie das Grab, das im Unterschied zu älteren Darstellungen keine gesonderte „Stufe" darstellt, sondern mit der Kreuzigung zusammengehört. Und der Sinn des Todes Jesu liegt nicht im Tod selbst, sondern in der Überwindung der Todesprogramme im Menschen.
Dass die „letzten Dinge im Leben Jesu" in dieser Schrift so ausführlich behandelt werden, hat damit zu tun, daß sie noch viel weniger geistig durchdrungen worden sind, als die einfacher zu verstehenden vorherigen Geschehnisse; und daß deswegen umso mehr verwirrende Theorien darüber entstanden sind - die umso größerer Versuche bedürfen, sie zu entwirren, und so auch hier zu einem unmittelbareren Erleben durchzustoßen. Nicht soll hingegen der Tod als das Wichtigste im Dasein Jesu missverstanden werden, wie dies bestimmte theologische Richtungen gesehen haben, wo das Kreuz das Zentrum aller Dinge zu sein scheint.
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Es wäre möglich, auf manche weiteren Fragen im Zusammenhang mit der Kreuzigung einzugehen. Das wäre einmal die Frage nach dem leeren Grab Jesu - Joh. 19, 38 - Joh. 20, 10. Dass es sich nicht um ein normales Gesundpflegen eines Lebenden mit Kräutern gehandelt haben kann, wurde bereits erwähnt. Nikodemus wandte auch eindeutige Einbalsamierungs- und Mumifizierungsstoffe an. Dass auch ein einfacher Leichenraub – mit einem Begräbnis anderswo – für eine nicht materialistisch begrenzte Sichtweise praktisch ausscheidet, wird sich anhand der Befunde zur „Auferstehung" zeigen, die im nächsten Kapitel zu beschreiben sind. Weiteres lässt sich bei der Arbeit an wenig gebräuchlichen Fragestellungen ersehen:
So könnte z. B. der Frage nachgegangen werden, was überhaupt beim Menschen bei und nach seinem Tod zu geschehen pflegt, und ob es dabei Unterschiede gibt. Dies ist vielfach auf der Grundlage religiöser Offenbarungen und Überlieferungen geschehen, auch aufgrund philosophischer Spekulationen, weiter mithilfe z. B. parapsychologischer Forschungen, der humanistischen und transpersonalen Psychologie, sowie klinischer und individueller Erfahrungen. (Z.B. Elisabeth Kübler-Ross, ...)
Praktisch alle Religionen gehen letztlich davon aus, daß der Mensch nicht
nur in seinen Nachkommen und durch kulturelle Nachwirkungen „weiterlebt";
sondern daß er als Individuum geistig weiterexistiert. Auch Ahnenkulte der
Naturvölker sind nicht rein auf das „Weiterleben" in den Nachkommen
ausgerichtet; sondern gehen in der Regel von der realen geistigen Weiterexistenz
der Ahnen aus, sogar von deren möglicher erfahrbarer Präsenz im kultischen
oder auch im weltlichen Leben der Nachfahren. Auch wo Vorstellungen entstanden
sind, daß der Mensch in andere Lebensformen hineingehen könne, selbst Steine
oder anderes, wurde die Regel der Weiterexistenz als geistiges Wesen weiter
anerkannt. Die neueren Hochreligionen betonen ebenfalls die Weiterexistenz; sie
sehen diese noch eindeutiger auf höheren Seinsebenen als der Physischen; sie
sprechen z. T. von Kontaktmöglichkeiten zwischen diesen Existenzebenen, aber
auch von deren Problematik. Zum bewussten Aufstieg in die höheren Sphären
wurden z. T. ausgefeilte Zeremonien entwickelt, vgl. z. B. das „Tibetanische
Totenbuch", mit dem sich auch z. B. C. G. Jung befasst hat. Zu Fragen
wie der Wiederverkörperung sind sehr unterschiedliche Erfahrungen und
Vorstellungen berichtet worden. Es gibt heute einige Theologen, die selbst nicht
mehr an das Weiterleben nach dem Tode bzw. das durch Christus mögliche
"Ewige Leben" glauben; sie hatten sich an einen
naturwissenschaftlichen usw. Forschungsstand angepaßt, der im Wesentlichen aus
dem 19. Jahrhundert stammte, und längst überholt ist.
Zu praktischen Erfahrungen führt eher die beständige Frage des Menschen
"was ist dahinter (hinter der äußeren Oberfläche der Welt)
verborgen?"
Im Bereich der Medizin gibt es nicht nur die Berichte von Narkotisierten oder Scheintoten, die zurückkamen, und über ihre Erlebnisse in anderen Bewusstseinsbereichen berichteten. Es gibt auch einzelne wissenschaftliche Untersuchungen darüber, daß z. B. im Moment des Todes stets eine Gewichtsabnahme in Höhe von ca. 21g erfolgte. In Anthroposophie bzw. Theosophie würde von der Abtrennung des Ichs bzw. geistigen „Wesens" und des „astralen bzw. emotionalen Leibs" samt des „Äther- bzw. Energiekörpers" und "Phantomleibs" vom physischen Leib gesprochen, dem ein weiteres Sich- Zurückziehen auf die emotionale, und danach in das Ich bzw. die Mentalebene und Ursachenwelt folgt, stets mit dem höheren Selbst darüber.
Besonders von Selbstmördern wurden grenzwissenschaftliche und mediale Befunde berichtet, daß sie für lange Zeit an ihre irdische Umgebung gefesselt blieben. Ihre unangenehmen Erinnerungen waren keineswegs ausgelöscht, wie sie es sich gewünscht hatten.
Das heutige Wissen könnte viel dazu beitragen, sich während des Lebens mit bleibenden Werten im eigenen Inneren zu befassen, was z.B. die Bibel schon immer nahelegte. Wer vorwiegend destruktiv, selbstsüchtig und habgierig gelebt hat, wird aufgrund dieses Ballasts Probleme bekommen, und sich über Versäumtes ärgern. Wer stattdessen eher rücksichtsvoll mit den Mitmenschen umging, und lernte, die Schöpfung wie einen Teil von sich selbst zu schätzen und hilfreich zu sein, wird aufgrund dieses lichteren Charakters gute Erfahrungen machen.
Es könnte auch die weiterführende Frage gestellt werden, wie das Wesen des Menschen beim Tod mit den in seinen verschiedenen Wesensschichten einschließlich des physischen Körpers im Leben aufgezeichneten Fähigkeiten, Erfahrungen und Substanzen umgeht; auch wie es diesbezüglich mit Unterschieden aussieht. Auch zu dieser Frage gibt es in der Literatur Berichte ,z. B. Pfarrer Roesermüller. Sie weisen auf eine mehr oder weniger ausgeprägte „Mitnahme" von Essentiellem aus allen Wesensgliedern hin; wie auch auf eine unter Umständen gegenüber der Feuerbestattung zu bevorzugende Erdbestattung wegen dem genannten Prozess. Selbst von unerwartet in einem Grab beobachteter, plötzlicher Substanzauflösung war dort die Rede.
Weiter existieren aus mehreren Jahrhunderten bis in die Gegenwart kirchlich überprüfte Berichte über „Unverwesliche Leichname", z.B. noch heute Bernadette Soubirius in Lourdes. Ebenfalls gibt es viele Berichte über „Leere Gräber". In solchen Fällen konnte gehäuft festgestellt werden, daß diese Menschen ein besonders gottverbundenes Leben geführt hatten.
An einen Zusammenhang mit dem leeren Grab Jesu wurde zunächst offenbar nicht gedacht, dieser Gedanke ist erst später im esoterischen Blätterwald aufgetaucht. Eine Reihe weiterer eigentümlicher Geschehnisse, die nicht alle ohne weiteres kontrollierbar sind, aber auch nicht pauschal als unseriös behandelt werden können, könnten aufgezählt werden. Sicher ist allerdings, daß die physische Materie noch erhebliche Geheimnisse birgt. Forschungen aus dem Bereich der Chemie und Physik erschüttern das Bild der vermeintlich relativ unveränderlichen Atome im Körper zusätzlich, was hier nur am Rande erwähnt werden kann, da es ein Kapitel für sich wäre.
Außerdem wäre zu denken an die apokryphen, von Kirchen nicht als „ketzerisch" behandelten, aber nicht als Hundertprozent korrekt betrachteten und daher nicht in die Bibel aufgenommenen - frühchristlichen Schriften. Ein Teil des sog. „Nikodemusevangeliums" schildert die „Höllenfahrt Jesu" nach seinem Tod, seine Einflüsse auf die dortigen eine – wohl emotionale – Reinigung durchlaufenden Wesen. Weiter wird seine Begegnung mit den im – wohl darüberliegend und geistig gedachten – Paradies lebenden Gestalten z. B. des Alten Testaments beschrieben. Einerseits lagen solche Vorstellungen nahe, sie können aber sehr wohl auch echte Visionen darstellen, die dann teils direkt, teils symbolisch sein können.
Als Bild zeigt das Grab Phase des Weges Christi eine letzte Wandlung des – bereits im Leben durchgeistigten – Leichnams Jesu auf der einen Seite und entsprechende Ereignisse des vom Körperbewusstsein gelösten geistigen Wesens. Die Entstehung eines wieder ganzheitlichen „Neuen Adam" kündigt sich hier an. Symbolträchtig ist auch, daß nach entsprechenden Überlieferungen „Adam und Eva" unter jener Gegend von Golgatha („Schädelstätte") begraben sein sollten.
Noch nicht ausgeschöpft ist auch die Bedeutung des Berichts in Joh. 20,11-18, wonach Maria von Magdala, genannt M. Magdalena, als Erste das leere Grab entdeckt, und Christus in einem Zwischenstadium* erkennt. Im geistigen Zusammenhang scheint sie hier die Rolle der Eva zu symbolisieren. – *„rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen." Dies ist ein Unterschied zum späteren Erscheinen als Auferstandener, wo er z. B. Thomas ausdrücklich die Berührung gestattet. Der tote Leib schien wie aus dem Geist in neuer Weise belebt. Aber die Überlieferungen geben auch rein gar nichts für die Spekulationen über Jesus als gesundgepflegten Verletzten her. Sein Aussehen war stark verändert, und die Reaktionen von Maria Magdalena deuten in keiner Weise darauf hin, daß diese Veränderungen durch viele Wunden und Krusten kämen, die ja auffallend gewesen wären. Auch die beiden Kräutersubstanzen, die Nikodemus verwendete, sind in dieser Zusammenstellung eindeutig speziell zur Einbalsamierung von Toten geeignet und üblich gewesen. Was hier geschehen ist, passt nicht in das Schema von Tod und Leben im klassischen Sinn; und auch nicht in das Schema der vorher schon bekannt gewesenen Grenzerfahrungen zwischen Leben und Tod. Dies hat auch eine Bedeutung für die Zukunft, vgl. „Die Offenbarung des Johannes".
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Das leere Grab und die Auferstehung Christi setzen das Bewusstsein vieler Menschen einer maximalen Herausforderung aus - z.B. Joh. 20, 11- Joh. 21. Ihr Erfahrungshintergrund, daß Menschen sterben müssen, und die verständliche Tendenz, Unerklärliches zu verdrängen, sowie veraltete - aber immer noch in den Schulen gelehrte -, einseitig materielle Denkweisen über das Leben sind einige der vordergründigen Ursachen dafür.
Dennoch gibt es auch gerade aus den Reihen teils recht materiell denkender historisch-kritischer Ausleger Stimmen, die feststellen, daß die Auferstehungsberichte die urchristlich bestbezeugten Berichte sind, besser belegt sogar als sämtliche anderen Berichte über das Leben Jesu; Berichte also, die das Erscheinen Christi an verschiedenen Orten in einer nicht immer sofort eindeutig erkennbar gewesenen neuen Gestalt mit einigen neuen Eigenschaften, jedoch trotzdem mit physischen Augen für Alle wahrnehmbares Wesen belegen.
Eigentlich müsste daraus auch folgen, sich der biblischen Darstellung zu stellen, die reale Umwandlungsvorgänge im – vom Leben her durchgeistigten – Leichnam Jesu, oder/ und im nachtodlichen „Körper" Jesu voraussetzt (sog. „Geister" sind normalerweise unsichtbar.) In der Abfolge der menschlichen Entwicklung auseinandergefallene Bewusstseinszustände könnten die Getrenntheit verlieren: „Trennung" ist die wörtliche Bedeutung des Wortes „Sünde". Die Trennung war auch eine Trennung des Menschen von Gott, seinem Ursprung. So könnte das „Untere", also der Körper, neu in die übrigen Wesensbereiche Christi aufgenommen werden. Vgl. das vorangegangene Kapitel: „und das Grab war leer".
„In 3 Tagen werde ich diesen Tempel neu erbauen. Er aber sprach vom Tempel seines Leibes": Nach dem auch für andere Gestorbene anzunehmenden Aufstieg des Wesens in andere Ebenen bzw. in sein Innerstes (vgl. letztes Kapitel) könnte, da nun mangels trennender Eigenschaften alles dem Innersten gehorcht, von dort eine Neuerschaffung der Schichten der Person einschließlich eines physischen Körpers folgen – ohne „unbewusste" Bereiche.
Auch nach anthroposophischer Anschauung (R.Steiner) ist der Auferstehungsleib von Christus als "Neuem Adam" - 1. Kor. 15:45-47 - neu geschaffen, und als Entwicklungsmöglichkeit bei allen Menschen vorhanden (sog. physischer "Phantomleib"). Selbst in theosophischen Kreisen (A. Bailey, dort z.B. auch "Offenbarung" oder "5. Einweihung" genannt) wird die Auferstehung Jesu als reale Neuerschaffung gesehen; im Fall der Wie ungenau die theosophische Sicht im Einzelnen z.T. auch sein könnte - christliche Theologen müssen sich jedenfalls fragen lassen, warum sie nicht selbst Vorstellungen entwickeln, die wenigstens einer heutigen breitgefächerten Allgemeinbildung gerecht werden würden. Das Zögern mancher Theologen, die Auferstehung überhaupt noch in irgendeiner Form ernst zu nehmen, genügt heute nicht einmal mehr dem Kriterium einer guten Allgemeinbildung.
Hier sei noch angemerkt, daß der „Auferstehungsleib" als real dem
Wesen zugehörig nicht ohne weiteres dem Scheinleib (Mayavirupa) der
esoterischen Literatur gleichgesetzt werden könnte, mit dem sich einige Meister
angeblich wie durch ein Kleid sichtbar machen können. Jedenfalls ist gemeinsam,
daß sich hier die Herrschaft des Geistes über die Materie zeigt.
Auch die von Manchen unklar formulierten Lehren über „Lichtkörper"
können in diesem Zusammenhang gesehen werden. Dabei geht es u.a. um das, was
entsteht, wenn die höheren Wesensschichten des Menschen sich im Physischen
spiegeln. Dies bildet eine Brücke, über die der Mensch ohne Ablegen des
Körpers in die Realitäten oberhalb des Physischen eintauchen kann, hebräisch
auch "Merkabah" genannt. Viele Grundlagen dazu bietet Prof. J.
J. Hurtak „Die Schlüssel der Enoch" und „Die synoptischen
Evangelien". Zentrum d. Einheit Schweibenalb, CH-3855 Brienz. Es hat
sich eine organisatorisch nicht faßbare Bewegung entwickelt, die durch "Lichtarbeit"
auf die verschiedensten Arten in dieser Übergangszeit mit spirituellen Kräften
helfen möchten. Nur ist die Versuchung groß, zu meinen, die eine oder andere
neue Übungstechnik werde allein endlich die ersehnten Ergebnisse - den "Aufstieg"
- bringen. In Wirklichkeit würde immer eine ganzheitliche Entwicklung
dazugehören, also auch z.B. eine charakterliche Reifung. Siehe auch das
nächste Kapitel.
Die in den verschiedensten Religionen in der einen oder anderen Ausprägung zu findenden Vorstellungen der Reinkarnation, d.h. Wiederverkörperung der Seele im einem neuen Körper, wären eine tiefere, unvollkommenere „Oktave" des neuen Auferstehungsgeschehens, und nicht damit identisch. Lehren einer Präexistenz der Seele vor der Befruchtung und auch die Lehre der Wiederverkörperung waren auch im frühen Christentum weit, nach Ruffinus sogar allgemein verbreitet. Es ist aber interessant, daß darauf in der Folge kein besonderes Gewicht gelegt wurde. Das ist nicht nur dem Umstand zuzuschreiben, daß die Menschen sich eine zeitlang mehr auf das Erdenleben konzentrieren sollten, - wie R. Steiner schreibt -; auch nicht nur einem eventuellen Bestreben machthungriger Päpste, die Menschen so durch die Begrenztheit des einen Lebens abhängiger zu machen, wie andere spirituelle Autoren vermuten. Es können hierzu noch weitere aussagefähige Phänomene gefunden werden. Das Wichtigste ist die Verankerung des Auferstehungsmotivs in den Menschen. (Vgl. auch z.B. 1.Kor.15:53; Philipper 3:21; ). Auch wenn diese in der Praxis wie Zukunftsmusik erscheinen mag, bekäme dadurch die Reinkarnation den Charakter eines durch Christus letztendlich überholten Vorgangs. Der auferstandene Christus musste sich nicht wieder verkörpern, um den Menschen wieder erscheinen zu können. An der Kritik vieler - nicht aller -christlicher Gruppen an Reinkarnationslehren ist also anzuerkennen, daß die Vorstellung starrer „seelen-mechanischer" Gesetze von Schicksal, Tod und Reinkarnation, zumindest wenn als Selbstzweck betrachtet, dem von Christus Vorgelebten nicht entsprechen. Das heißt aber nicht, daß es Reinkarnation nie gegeben haben könnte oder gäbe. Viele frühere und heutige sogenannte "Reinkarnationserlebnisse" – wenn auch nicht alle diese Erlebnisse auf tatsächlicher Reinkarnation beruhen müssen, sondern oft auf bestimmten anderen Faktoren – sind nicht alle wegzudiskutieren. Nur eben im christlichen Bereich tauchen sie, wo sie auftauchen, besonders als Sonderfälle auf, etwa im Falle Johannes des Täufers. Statt daß er die Funktion des Elia übernommen habe – wie meist gedeutet wird – sagte Jesus eben einfach „er ist‘s". Das wäre jedoch die Rolle eines für eine besondere Aufgabe erneut herabgesandten Wesens, um den Menschen zu helfen, und nicht der Zwangskreislauf des im Rad der Geburten Gefangenen (im Sinne der Hindus). Weiter wird im Bereich christlicher Mystik, auch da, wo die Reinkarnation als Tatsache bejaht wird (etwa bei Lorber), oft die größere Bedeutung neuer jenseitiger Schulungswege betont. Ungeheuer viel kann heute in einem Menschenleben gelernt werden. Reinkarnation zur normalen Läuterung/ Weiterentwicklung, eventuell mit neuen Aufgaben in Bezug auf den Umkreis, müsste nach entsprechenden Erfahrungen jedenfalls nicht mehr den alten automatischen Charakter haben – wo sie vorkommt. Jene alten Vorstellungen mögen der Anlass gewesen sein, daß Reinkarnationslehren in der Sicht von Christen besonders verdächtig wurden; hinzu kam, daß Gott und Christus in Reinkarnationslehren anderen Ursprungs nicht berücksichtigt waren. Das heißt aber nicht, daß es sachlich zulässig wäre, alle Phänomene, die heute vorwiegend von anderen Religionen behauptet werden, als für Christen von vornherein nicht relevant zu betrachten. Die körperlich-seelisch-geistige Natur des Menschen ist zunächst überall die gleiche, und daher können Alle durch Vergleiche etwas lernen - ohne der Gleichmacherei zu verfallen.
Über die Wirkung mechanischer Vorstellungen über Karma und Reinkarnation wurde bereits im Kapitel „Die Kreuzigung" geschrieben.
Heute ist vielfach bei ausgeprägten Persönlichkeiten festzustellen daß sie, kaum erwachsen geworden, den leiblichen Eltern recht unähnlich sind. Manchmal erscheinen sie, wie wenn sie ihre Gestalt aus einer anderen bzw. früheren Kultur ihrem jetzigen Körper stärker aufgeprägt hatten, als dies sonst der Fall ist. Das könnte zusammenhängen mit einer gegenüber den Altertum verstärkten Bedeutung des seelisch-geistigen Wesens gegenüber den Ahnen- und Vererbungszusammenhängen. R. Steiner denkt an einen Zusammenhang mit dem Wirken Christi.
Es besteht trotz dieses Phänomens kein Anlass, im Wirken Christi eine
einseitige Betonung des Seelisch-Geistigen zu sehen, sondern langfristig eher
einen Impuls, beide Bereiche jeweils zu verfeinern und neu in Einklang zu
bringen. Geist, Seele und Körper sollen zueinander passen (was heute
sicherlich nicht überall gefunden werden kann). Gerade
der Weg zur Auferstehung ist nicht allein durch sog. "leibfreie"
geistige Arbeit zu verstehen oder zu beschreiten, sondern Leibliches wird auch
geistig und Geistiges auch leiblich werden - er beginnt erst jenseits
aller einseitiger intellektueller Zurechtlegungen. Vgl. z.B. Luk. 24:36-43.
Eine Ideologie der Auslöschung der Vielfalt der Völker usw. in einer
Einheitsmenschheit liegt diesem Impuls ebenso ferne, wie die Ideologie einer
alle Anderen diskriminierenden Herrenrasse. Es gibt Teile und das Ganze; was
selbstverständlich klingen mag, aber heute ist nichts selbstverständlich,
alles muß bewußt erarbeitet werden.
Des Motto des Christus ist „Siehe ich mache alle Dinge neu". Auch wenn er sich letztlich an den Kern der Individualität richtet, wo der Mensch „nicht Jude noch Grieche..." ist, sondern Mensch, ist damit dennoch kein bloßes einheitliches menschliches Überbewusstsein gemeint, sondern der Gedanke, den Gott durch den individuellen Menschen denkt, bzw. verwirklicht. Aus der Individualität heraus kann der Mensch neue Gemeinschaften bilden, die nicht den alten Familien- Stände- usw. Bindungen entstammen. Unter den neuen Beziehungen aus dem Geist können aber auch „alte" sein, die aus alten unbewussten Zwängen zu frei entschiedenen Beziehungen geworden sind.
Im Zusammenhang mit den Bemerkungen über menschheitsweite Auswirkungen durch Kraftfelder, wie sie etwa im Kapitel über die Kreuzigung gemacht wurden, ist hier zu bedenken, daß nachdem Christus durch alle diese Schritte bereits durchgegangen ist, diese insgesamt und gleichzeitig „da" sind. Auch wenn die Schritte Christi und derer Reihenfolge darin erhalten sind, ist ein „Kreuzigungs-Nacherleben etwas Anderes, nachdem nun der Auferstehungsimpuls bereits hindurchscheint. Es ist nicht selbstverständlich, daß, auch bei ernsthaftestem Nachvollzug der physische Tod eintreten müsste, bevor die „Auferstehungskraft" wirken kann. Mystische Erfahrungen erhärten dies, die Auferstehungskraft kann wie eine hinter allen, auch einfachsten Schritten gegenwärtige Zugkraft erlebt werden. Auf anderer Grundlage fand R. Steiner, daß das Ostergeschehen heute als Einheit wirke; weitere Befunde, wie eine „Ätherisation des Blutes", fügten sich an.
In diesem Kontext ist es interessant, daß neue Bestrebungen existieren, die wie Christus die allgemeine Annahme der selbstverständlichen, zwangsweisen Sterblichkeit des Körpers nicht mehr teilen:
Der indische Philosoph und Yogi Aurobindo arbeitete nach dem Durchgang durch die Nirwana-Erfahrung in verwandter Richtung, und suchte „supramentale, d.h. übermentale Kräfte ins irdische Leben herabzubringen". Seine spirituelle Weggefährtin, die "Mutter" Mira Alfassa konnte damit die gedächtnisbeladenen Schichten des physischen Körpers, z.B. der Zellen durchdringen, die mit den alten Programmen des Todes zu tun haben. Sie erlebte dies zugleich als "Arbeit am einen Körper der Menschheit".
In anderer Art sprach Rudolf Steiner von
neuentstehenden höheren Wesensgliedern bzw. „Körpern" in diesen
Bereichen über dem Verstand, die es dann ermöglichen würden, die älteren
emotionalen, die ätherischen Lebenskräfte- und die physischen Wesensbereiche
nacheinander willentlich durchzugestalten. Er nennt die höheren Wesensglieder:
„Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch". Es könnte bei ihm der
Eindruck entstehen, diese Prophetie sehe dies erst für ferne Zeitperioden
verwirklicht. Ein Vergleich mit der gegenwärtigen Entwicklung zeigt jedoch,
daß dies zumindest ansatzweise schon für jetzt relevant sein kann.
Ein Motto der christlichen Rosenkreuzer war/ist "In Gott geboren, in
Christus gestorben, im Heiligen Geist wiederauferstanden."
Im esoterischen Buddhismus waren diese höheren „Körper" zumindest als Möglichkeit für Buddhawesen ebenfalls angedeutet - „Dharmakaya, Sambhogyakaya, Nirmanakaya". Zwar werden in diesen verschiedenen Richtungen keine einheitlichen Zielvorstellungen, Methoden oder Ergebnisse deutlich. Was aber deutlich wird, ist, daß verschiedene Menschen unabhängig voneinander gleiche Arbeitsgebiete ansprechen, so daß diese als solche als umso realer zu bewerten sind.
Hier sei eine weitere Erfahrung aus unserem Jahrhundert angefügt: Carl Welkisch, „Im Geistfeuer Gottes". Als körperlich ungemein sensibler Mystiker fühlte er, durch Visionen bestätigt, die Aufgabe, daß jetzt auch die Körpermaterie von Gott verwandelt werden kann, und daß er dazu ein Werkzeug war. Da es jedoch öfter vorkommt, daß Menschen mit außergewöhnlichen „von oben gegebenen Aufgaben" z.B. meinen können, die Einzigen zu sein, während Gottes Aufgabenverteilung eher komplizierter ist, ist es oft leicht, sie als „Spinner" abzutun. Wer mit der Art mystischer Erlebnisse vertraut ist, kann jedoch erkennen, daß die Erlebnisse trotz möglicher subjektiver Abstriche von realer Bedeutung sind. Das gilt auch für Welkisch.
„Immortality", Unsterblichkeit, wird von speziellen neuen spirituell-therapeutischen Gruppen, bes. in USA gepredigt. Die „Sterblichkeitsvorstellungen" werden wegzutherapieren versucht, weiter wird durch Atemtechniken wie Rebirthing – zur Bearbeitung des Geburtstraumas – durch gesunde Ernährung u. a zur realen Verlängerung des Lebens, eines Positivität ausstrahlenden Lebens beizutragen gesucht. Auch wenn in diesen Kreisen Christus oft mehr am Rande auftaucht, sind dort auch Christen wie die Mormonin Annalee Skarin ein Begriff, die über eigene Erfahrungen betreffend De- und Rematerialisierung des Körpers geschrieben hat, hier auf dem Hintergrund ihrer Verbindung mit Gott.
Andere, im medizinischen Bereich, forschen an hormonellen Methoden zu einer gewissen Verjüngung. Diese Entwicklung enthält sinnvolle Motive. Sie sind nicht pauschal des Größenwahns zu verdächtigen.
Allerdings ist zu bedenken, daß es im Sinne von Christus um das gesamte Menschenwesen ginge, und nicht etwa um einen Körperlichkeitskult, der als höchsten und isolierten Wert das physische Leben betrachtet. Auch nicht um eine isolierte Verlebendigung der Zellen geht es ihm, sondern um eine vereinte Heiligung des Körpers - einschließlich der Organe, Zellen, usw. - und der spirituellen Bereiche des Menschen. Auch geht es Christus um die Freiheit zu leben und nicht um einen Zwang zum Leben. Dies alles soll nicht pauschal diesen Bestrebungen unterstellt werden, aber als mögliche Gefahrenquellen bei dieser schwierigen Gratwanderung müssen sie erwähnt werden.
Die Auferstehungskraft, mit Christus erlebt, der sie sichtbar und ganzheitlich ins Werk gesetzt hat, scheint das eigentliche „Ferment" einer harmonischen Entwicklung in diese Richtung darzustellen. Vieles, was er als Keim vorgegeben hat, ist noch längst nicht erschlossen. Daher ist es sinnvoll, sich darin bewusst auf ihn zu beziehen.
Ergänzung: eine Arbeitsweise, die die erwähnten Einseitigkeiten vermeidet, wird in dem neuen Buch "Körperliche Unsterblichkeit als Christusweg" von Dr. med. O. Quast, Books on Demand, 2006, ISBN 3-8334-6287-6 vorgeschlagen. Es geht hier u.a. um eine harte Arbeit an den eigenen Einstellungen mit ständiger Annäherung an Christus und seine Eingebungen. Die Kirchen hatten aus der Überwindung des Todes durch Christus fast keine derart praktischen Konsequenzen gezogen - nur Wenige wie einige "Heilige" waren unmittelbar von diesem Thema betroffen; somit wurde auch so gut wie keine 'Sprache' dafür entwickelt. So ist es nicht verwunderlich, daß in dem Buch auch jenseits des theologisch abgesteckten Rahmens gesucht wird.
„Auferstehung" ist nicht nur eine spirituelle Erfahrung. Sie kann alles im Leben bleibend erneuern, wofür eine weniger bekannte der Neuoffenbarungsgruppen, nämlich das „Lichtzentrum Bethanien" in CH-Sigriswil, in ihrer Zeitschrift „Lichtbote" seinerzeit den Begriff „Auferstehungsleben" geprägt hatte. Nach der „engen Pforte" des Kreuzes kommt die Fülle. Jesus betonte, daß sein Weg erst durch das Tun klar wird. Fortschritte auf dem persönlichen Weg der „Nachfolge Christi" allein können diesen noch weiterführenden Schritt ansatzweise verständlich machen. Wie wir gesehen haben, ist dieser Weg kein gleichförmiger, auch kein gleichförmig sich steigernder, der in einem einzigen Gipfelpunkt mündet; sondern er zeigt sich in den Betroffenen als gottgeführte Erstellung eines umfangreichen Gebäudes, wo jeder neue Stein auf dem vorangegangenen aufbaut. Die Steine sind Fähigkeiten im Sein des Menschen, die seine äußerlich erstellten Gebäude überdauern. Wie der Urmensch nach den Offenbarungen verschiedener Heiliger Schriften vollkommen erschaffen wurde, so kann er nach dem Durchgang durch die freien Spiele bzw. Dramen der Welt der Unvollkommenheit langsam erneut „vollkommen werden wie der Vater im Himmel", verheißt Christus den Menschen. Das gilt nicht nur für die einfachsten Schritte auf dem Weg, sondern selbst für den Schritt der Auferstehung – er hat keine Grenzen gesetzt, und schon gar nicht die jeweilige menschliche Fassungskraft zum Maßstab erklärt. Er selbst setzt neue Maßstäbe, vgl. die „Ich bin...„-Worte in den Evangelien: „Ich bin das Brot des Lebens", „Ich bin das Licht der Welt..."; „Ich bin die Tür"; „Ich bin der gute Hirte" und eben auch „Ich bin die Auferstehung und des Leben", wer glaubt „wird (ewig) leben, auch wenn er gleich stürbe" d. h. nicht erst bei einem allgemeinen „Jüngsten Gericht", wie bestimmte christliche Richtungen behaupten; „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"; „Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner... ihr seid die Reben..."; „...ich bin ein König, ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll". Christus ist das eigentliche ICH BIN im Menschen, wohl zu unterscheiden vom egoistischen Alltags-Ich.
Dazu ein Auszug aus dem Johannesevangelium 20
Zwei der Erscheinungen des Auferstandenen.
19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche*, als die
Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden,
kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und
als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden
die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu
ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin
den heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen;
und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
24 Thomas aber, genannt der Zwilling, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als
Jesus kam. 25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.
Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe
und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege,
kann ich's nicht glauben. 26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals
drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen
verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände,
und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig,
sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein
Gott! 29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst
du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
*Ostersonntag; nach dem Tod und Grabesaufenthalt Jesu, und
nach seiner Erscheinung vor Maria Magdalena.
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Vorbemerkung: Im Englischen sind die Begriffe "Himmelfahrt" und "Aufstieg" identisch: Ascension. Der "Aufstieg", wie dies Wort von modernen spirituellen Bestrebungen bzw. "Lichtarbeitern" verwendet wird, zeigt jedoch eher Beziehungen zum vorangehenden Kapitel, der Auferstehung; s.dort.
Beginnt Jesus Christus mit den 40 Tagen der Zurückgezogenheit in der Wüste unmittelbar vor Beginn seiner Lehrtätigkeit, so beschließt er seine sichtbare Erdentätigkeit mit den 40 Tagen nach Ostern, in denen er Menschen an verschiedenen entfernten Orten erschien.
Nach einem letzten Mahl und Gespräch „führte er sie hinaus bis gen Bethanien, und hub die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel" - Luk.24, Markus16. „...ward er aufgehoben zusehends und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg... Da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten ‘...Dieser Jesus, welcher von Euch aufgenommen ist gen Himmel wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.‘ " (Apostelgeschichte 1). Offenbar unterschieden die Jünger sehr deutlich zwischen jenen 40 Tagen, wo Christus auch jeweils plötzlich unter ihnen war, und wieder verschwand, und der Zeit danach, wo sie sich auch in seinem Geist versammelt fühlten, aber eben ohne seine persönliche Gegenwart.
Christus hatte angekündigt, er gehe zum Vater. Erst nach der Himmelfahrt wird von ihm gesagt, er sitze „zur Rechten des Vaters", also mit Gott auf einer Ebene außerhalb auch des menschlich erreichbaren „Jenseits". Hier deutet sich ein Punkt an, wo Christus universell mit Gott wirkt. Gott ist. „Ich bin der Ich Bin"; er ist allmächtig, und doch auch freilassend; lebendiger Ausgangspunkt aller Kräfte und Wesen, und doch auch für sich; er ist außerhalb des Raumes und auch allgegenwärtig; er ist ewig und auch in jeder Zeit verborgene Realität. Das heißt nicht, daß Christus sich in Nichts aufgelöst hätte, vielmehr ist er nun überall. Auch jene Überbrückung zwischen Mensch und Gott durch Einstellung auf Christus war weiterhin erfahrbar im Leben – „Betet zum Vater in meinem Namen". Das ist auch unabhängig von den jeweiligen Vorstellungen über die Ereignisse vor 2000 Jahren eine Realität eigener Art.
Die Jünger werden nun ihrer Höhe als Apostel gewahr, die für Christus auf der Erde sind. Christus tritt nun in ihnen, über sie stärker in Erscheinung. Es wäre unkorrekt, diesen Zustand rein äußerlich zu bewerten, als sei nichts weiter vorgefallen, als daß ein Lehrer nicht mehr da war, und sie selbst die Sache weitertragen mussten. Wird dabei die mögliche eigenständige Rolle der Himmelfahrt mit einbezogen, lässt sie sich als Universalisierung des Wirkens Christi umschreiben. Ein Bild dafür wäre ein Hologramm, wo jeder Splitter desselben wiederum das ganze Bild enthält. Nebenbemerkung: Mit diesem Vergleich soll nicht auf jene holographische Weltanschauung angespielt werden, nach der der Mensch sowieso gleich Gott wäre, sich also nicht anzustrengen brauche, ihm gleich zu werden – übrigens jener Erlösungsvorstellung verwandt, die vergisst, daß die Erlösung wie ein Keim erst durch individuelle Entscheidung und Nachfolge ergriffen werden will - wie sich Christus bewusst für uns entschieden hat.
Zu den eigenen Beziehungen des Menschen erhält er auch die Bezüge Christi. Im Grunde dürfte gerade mit der Himmelfahrt dasjenige als Impuls für die Jünger und letztlich für Alle besiegelt worden sein, was während des Lebens Jesu als Möglichkeit angelegt worden ist – so wurde im Kapitel über die Jordantaufe auf die Möglichkeit der Gestaltwerdung Christi im Menschen hingewiesen. D.h. was Christus gebracht bzw. erarbeitet hat, hat nun noch einen erweiterten Charakter gegenüber der Auswirkung dessen auf die Menschheit, was irgendein Mensch erarbeitet hat. Es ist in Gott verankert, nicht allein in einem „morphogenetischen" Feld – s. Kap. „Die Kreuzigung". Eine andere Art, dies annäherungsweise auszudrücken, wäre „Gott zieht dadurch alles nach sich".
Paulus ist heute oft wegen einiger traditioneller Ecken und Kanten bekannt. Abgesehen davon, daß diese durch einseitige Auslegungen oft überschätzt werden, sind seine visionären Erlebnisse als echt anzusehen. Er konnte so auf seine Weise erkennen, was auch im Johannesevangelium usw. zum Ausdruck kommt, daß die Bedeutung Christi über eine Rolle für das Judentum hinausging, daß eher das Judentum ausersehen war, für den universellen Christus Ausgangspunkt zu seinem Beitrag für die Menschen überhaupt zu werden. Verständlicherweise war das eine der ersten Auseinandersetzungen unter den Jüngern.
Kirchliche Aussagen neigen dazu, Kirche und einen „Leib Christi" gleichzusetzen, wenn auch im weiteren Sinn die übrige Menschheit letztendlich dazugerechnet wird. Anthroposophische Aussagen sehen eindeutiger die Menschheit als Leib Christi. Theosophische Richtungen, die nicht ausschließlich auf christlicher Grundlage gewachsen sind, sehen z.T. ebenfalls eine Bedeutung Christi für die ganze Menschheit, auch wenn sie ihn fast nur in einer Lehrerrolle sehen.
Moderne christliche Neuoffenbarungsgruppen, besonders das „Universelle Leben" sehen heute eine Rolle Christi auch für die nichtmenschlichen Lebewesen - bis zur Konsequenz, daß das weitere Schicksal der Erde der Herrschaft des Menschen entzogen wird. Aber Diejenigen, die nicht in erster Linie ein Teil des Problems sind, sondern Teil der Lösung, werden sicherlich ihre Rolle haben, wie in der Bergpredigt erwähnt.
Wo jemand wirklich etwas „in Christus" täte, wäre es auch für Christus und dementsprechend für die Welt getan.
Wer sich jedoch wirklich mit Christus und seiner von Menschen nicht willkürlich änderbaren Richtung seines Wirkens verbinden könnte, wäre zu sehr vielen Theorien, Ausdrucksweisen und Taten schlicht nicht in der Lage, die in all den Jahrhunderten kirchlicherseits gang und gäbe waren. Christus ist nach dem Zeugnis der Mystik nicht bewusst und schon gar nicht unbewusst „anzapfbar" für ihm entgegengesetzte Bestrebungen.
Woher die Kirchen dann die Kraft zu Krieg, Verfolgung und Hass nahmen – zudem meist im Dienst weltlicher Mächte –, können sie sich in ihrer Terminologie selbst überlegen. Zwar kann nach in spirituellen Kreisen allgemein bekannten Erfahrungssätzen Licht auch gerade „Schatten" aufwirbeln. Sich aber zum Werkzeug der Schatten zu machen, statt an sich selbst wie auch an Anderen zur Arbeit an diesen Schatten beizutragen, spricht christlichen Ansprüchen Hohn.
Immerhin ist in neueren Zeugnissen, etwa dem Schlussdokument der europäischen ökumenischen Versammlung „Frieden in Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung" 1989, der Versuch einer Aufarbeitung zu erkennen. Die Übersetzung ist z.B. bei der EKD Hannover erhältlich.
Auch die „Himmelfahrt" kann eine reale Bedeutung im Rahmen der Nachfolge Christi bekommen. Rosenkreuzer z.B. erlebten jenes Herabkommen der Wolke des Himmels auf sie in Bildern und Träumen. Ein einmaliges oder auch mehrmaliges Erlebnis dieser Art bedeutet jedoch nicht, daß dieser Mensch einen solchen Schritt voll verwirklicht hätte im Leben, es bedeutet wie bei den anderen Schritten zunächst einfach, daß diese Qualität in ihm starker zu wirken begonnen hat.
„Himmelfahrt", in die sich tiefer einzufühlen Einiges an spiritueller Entwicklung voraussetzt, ist also keinesfalls zu verwechseln mit einer „Hinwegbeförderung durch „UFOs" (unidentifizierte Flugobjekte). Für ältere überlieferte Arten der „Hinwegnahme" biblischer Propheten ist es bei Berücksichtigung der anderen, spirituellen Möglichkeiten auch nicht übermäßig wahrscheinlich (siehe im Kapitel „Die Auferstehung"). Damit soll jedoch angesichts der Überfülle des internationalen „UFO"-Sichtungsmaterials nicht bestritten werden, daß es „UFOs" als Erscheinungsweise teilweise außerirdischer Astronauten geben dürfte; und daß entsprechend auch davon ausgegangen werden kann, daß sich einige Sagen aus der Vergangenheit auf verwandte Phänomene sowohl positiver als auch negativer Art beziehen können; und daß sie auch in der Zukunft eine Rolle haben mögen. Der Versuch entsprechender Kreise, jede spirituelle Felszeichnung mit Kreisen usw. mit Raumschiffen zu identifizieren, ist jedoch völlig überzogen, und entspringt einem einseitig an unserer technisch-materialistischen Zivilisation orientierten Vorstellungsvermögen. Auch wenn die Menschheit göttliche Hilfe verschiedenster Art benötigt, muss sie letztendlich den rettenden Durchbruch selbst vollziehen. Durch Fortschritte im Sein, Tun und Bewusstsein können die Erdenmenschen überleben und darüber hinaus ihre Aufgabe finden und erfüllen. Keine, auch keine eigene äußere Errungenschaft, kann das Hineinwachsen in weitere Bewusstseinsbereiche ersetzen. Jenes Streben, das z.B. zur Challenger-Raumfähre und ihrem warnenden Unfall führte, erscheint z.T. wie ein ablenkender Abklatsch des eigentlich Nötigen.
Damit soll nicht übergangen werden, daß auch technische Ausarbeitungen nötig sind, etwa zur Ablösung der lebensfeindlichen Atomenergie, einiger anderer Arten elektromagnetischer Strahlung, Gentechnik u.a. Technologien. Auch dies kann jedoch nur aus einem anderen Geist heraus geschehen. Geschieht jenes erwähnte Hineinwachsen in ein umfassenderes Bewusstsein im Sinne Christi, müsste es allerdings ein organisches Wachsen sein, und keine wiederum technische Manipulation. Durch keine spirituelle „Technik" lässt sich das „Heil" erzwingen. Übungen verschiedener Art wollen letztlich, nachdem sie ihre Rolle erfüllt haben, wieder abgelegt werden; nur, was zum Eigenen geworden ist, zählt letztlich. Gar völlig unmöglich ist es, durch die heutigen problematischen elektronischen „Brain-Machines"– in Wahrheit: Gehirn-Manipulations-Geräte – Gott passiv und z.T. unterbewusst zu „konsumieren".
Christus ist in erster Linie in seiner speziellen Rolle auf der Erde überliefert; es ist aber auch an Manifestationen in anderen Ebenen und Bereichen des Kosmos zu denken: „Das Urantia Buch"/ USA, das aber nicht als Quelle, sondern nur als Anregung erwähnt wird; seine unverwechselbare Aufgabe auf der sehr dichten physischen Erde wird hier jedoch nicht in Frage gestellt. Weiter s. die Bücher „Analekta" 1 und 2. "Analekta" ist aus Restauflagen erhältlich bei: Mag. Alois Thurner, Staudach 103, A-8230 Hartberg, Österreich.
Dazu ein Auszug aus dem Lukasevangelium 24 mit
Anmerkungen :
Die Himmelfahrt.
50 Er* führte sie aber hinaus gen Bethanien, und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf in den Himmel.**
*Der auferstandene Jesus. **Andere Übersetzung: Und während
er sie segnete, verließ er sie und wurde in den Himmel emporgehoben.
Auch Markus 16,15-20.: 'Dann sagte er ihnen, geht hinaus in die
ganze Welt, und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und
sich taufen läßt, soll Rettung finden. Wer aber nicht glaubt, wird gerichtet
werden (üblichere Übersetzung: verdammt werden). Zeichen, die Gläubigen
folgen werden, sind: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, mit
neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und wenn sie etwas Giftiges trinken,
wird es ihnen nicht schaden; und mit den Kranken, denen sie die Hände auflegen,
wird's besser werden.' (Anmerkung: D.h.offensichtlich ist es nötig, zu
forschen, was den Kirchen fehlt, denn solche Erscheinungen sind heute in den
meisten Kirchen selten geworden, wenngleich sie immer noch vorkommen.) 'Und
nachdem der Herr mit ihnen geredet hatte wurde er aufgehoben in den Himmel, und
sitzt zur Rechten Gottes. Sie aber gingen hinaus, und predigten an allen Orten,
und der herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte die Verkündigung durch die
Zeichen, die er geschehen ließ.'
Siehe auch Apostelgeschichte 1.
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Vor der Kreuzigung hatte Jesus angekündigt, daß durch sein Weggehen zum Vater der Heilige Geist, der „Tröster", der „Geist der Wahrheit" vom Vater ausgehen werde - Joh. 14,15,16.
Etwa zehn Tage nach der Himmelfahrt ist die Urgemeinde in Jerusalem zum Gebet versammelt. „Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, wie ein gewaltiger Wind, und erfüllte das ganze Haus... Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt wie von Feuer und setzten sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen..." - Apostelgeschichte 2. Mit solchen Worten beschreibt Niemand ein gewohntes Erfülltsein nach dem Gebet. Eher schon finden wir Anklänge daran in der Praxis der Pfingstgemeinden und der Quäker. Das erste Pfingstereignis schließt sich als äußerlich wahrnehmbares Phänomen an das an, was hier im Kapitel über die Himmelfahrt beschrieben wurde, die Verbreitung der Wirksamkeit Christi auf die Jünger und deren Umkreis. Auf dem Wege des „Herabsendens" des Geistes der Wahrheit teilt sich wieder etwas mit von einem gemeinsamen Wirken von Gott und Christus. In dieser Hinsicht kann das erste Pfingsten auch als erstes Zeichen einer beginnenden „Wiederkunft Christi" gesehen werden, eines Näherkommens zumindest. Auch von dieser Warte her ist zu erwarten, daß die in Prophezeiungen enthaltene „Wiederkunft Christi" noch anders gemeint ist, als eine zweite Verkörperung als Mensch.
Anmerkung: Der „Tröster" bzw. „Geist der Wahrheit" ist, streng genommen nicht ohne weiteres gleichzusetzen mit dem „Heiligen Geist", bzw. der „Heiligen Geistin", s.u.: „Sophia".
- Der „Geist der Wahrheit" erscheint wie ein Stück von Christus selbst, welches an die Gemeinschaft mit ihm und an seine Worte erinnert, und nun den Jüngern ermöglicht, sein Werk auf der Erde weiterzuführen. Es ist seither im Grunde nicht mehr seriös, religiöse und philosophische Fragen nur im Sinne einer Geschichte literarischer Rezeption und gedanklicher Ableitung zu behandeln. Darüber ist viel geschrieben worden. Es sind andere Faktoren mit am Werk, auch im Menschen, und sie zu ertasten, darum geht es in dieser Schrift in erster Linie.
Das Erbe des Schöpfergottes, des Vaters im Menschen, insofern er „... von Gott geboren ist" - Ev. Joh.1 - wird allgemein zur bewussten Verinnerlichung angeboten im Leben Jesu; und nun wird seit dem Pfingstereignis das Erbe von Christus selbst bei den auf der Erde Verbliebenen befestigt, die es aufnehmen.
- Der Heilige Geist als „weibliche, mütterliche" spirituell-intelligente Gotteseigenschaft und -Energie wurde in verschiedenen Ebenen und Erscheinungsformen bereits vor dem Erdenleben Jesu gefunden, sowohl außerhalb des Menschen, als auch in seiner inspirierenden Wirkung auf den Menschen.
Es gibt selbst Beziehungen zum "himmlischen Manna" (Exodus, Deuteronom., Numeri, Psalmen, Nehemia, Joshua, Joh., Hebräerbrief, Offenbarung).
Es ist aber auch nicht völlig falsch, wenn die Begriffe „Geist der Wahrheit" und „Heiliger Geist" in Bezug auf praktische Erfahrungen gleichgesetzt werden, wie es oft geschieht. Es mag immer häufiger werden, daß Kräfte Gottes zusammen- und schließlich als Einheit wirken; so wie auch der Mensch, der ursprünglich „zum Bilde Gottes geschaffen" wurde, die Erfahrung der Ausdifferenzierung des Bewusstseins und dann auch wieder der Integration seines Wesens machen kann.
Dadurch wird auch das gemeinschaftliche Leben der Menschheit und Erde erst wirklich in der heute noch kaum feststellbaren Art in Erscheinung treten können, wie es hier anschließend im Zusammenhang mit der Johannesapokalypse in den Blick genommen wird; ohne damit zu meinen, diese Zukunft sei durchweg an heutige Vorstellungsmöglichkeiten anpaßbar.
Der „Heilige Geist" ist nicht einfach Geist oder Lebensatem, Lebenskraft. Es kann zweckmäßig sein, sein anscheinend stufenweises Auftreten im Weg Christi zu verfolgen. Er wird genannt im Zusammenhang mit der Empfängnis der Maria, also zumindest im Sinne einer Mitwirkung in Bezug auf ein einzelnes Ereignis.
Er kann gefunden werden in jener Stelle, wo der persönlich anwesende Christus im Auferstehungsleib die Jünger „anbläst", und spricht „Nehmet hin den Heiligen Geist" (Joh. 20, 22) - der also hier durch ihn hindurch wirkt. Eine Reinigung ihres Wahrnehmungsvermögens bzw. im tieferen Sinn ihres Gewissens kann als Voraussetzung der Verantwortung gesehen werden, die ihnen übertragen wird bzw. die ihnen bewusstgemacht wird: „Sünden zu vergeben oder nicht(s zu tun)". Dieses Gewissen, das auch von Mystikern wie J. Lorber als Wirkung des Heiligen Geistes gesehen wird, ist nicht jenes Gemisch von biographisch geprägten Ängsten, das oft fälschlich mit Gewissen verwechselt wird, hinter dem jedoch manchmal ein Stück echtes Gewissen verborgen sein mag. Gewissen im reinsten Sinn ist auch eine bewusste innere Führung des einzelnen Menschen.
Im ersten Pfingstereignis wirkt der Heilige Geist bereits unpersönlich, direkt „kosmisch", jedoch auf vielfältige Weise entsprechend der verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten der davon Durchdrungenen, oder entsprechend der verschiedenen Voraussetzungen der Angesprochenen bzw. der Welt - präzise wunde Punkte zu treffen, sie durch dieses Hinschauen- Müssen aufzulösen, und wesentliche Unterschiede und Wahrheiten immer besser zu erkennen, sind Merkmale eines Bewusstseins, das vom Heiligen Geist angestoßen scheint. Wo es weniger um Auflösung von Verworrenem geht, zeigt sich dieselbe Kraft mehr als kreativ gestaltend, gemeinschaftsbildend, vervollkommnend – zu Gott führend.
Auch das 19.Jahrhundert mit seinen verschiedenen Erweckungs- und Neuoffenbarungsbewegungen, wie auch das 20.Jahrhundert kann bei genauerem Hinschauen immer neue Schübe des Heiligen Geistes und seiner Folgewirkungen erkennen lassen. Überhaupt deutet sich an, daß christliche Impulse und der Heilige Geist längst Übergänge zu jenem Gebiet ergeben, mit dem sich die Johannesapokalypse befasst, die sich der Entwicklung im Großen zuwendet.
In diesen Abschnitten der Apostelgeschichte sind mit den Jüngern auch stets Maria und die anderen Frauen bzw. Jüngerinnen „im Beten und Flehen vereint". Die Rolle der Frauen – ob redend oder wie bei Paulus „schweigend", dürfte aus verschiedenen Gründen dabei unersetzlich gewesen sein. Sie waren z. B. gefühlsmäßig empfänglicher für feine Einflüsse, und konnten diese verbal oder nicht-verbal sicherlich auch in die Runde hineingeben. Auch heute kann in Versammlungen aller, auch geistlicher Art der Unterschied beobachtet werden, wenn nicht nur Männer, sondern auch Frauen teilnehmen. Wo es dann nicht um männliches Imponiergehabe geht, kann die Veranstaltung inspirierender und befeuernder ablaufen, auch innerliche Beteiligung am Geschehen vorausgesetzt. In anthroposophischen und rosenkreuzerischen Bereichen wird Maria, die Mutter Jesu, sogar als die eigentliche Quelle gesehen, durch die hindurch der Heilige Geist auf die Jünger wirken konnte.
Hier stoßen wir auch auf das Geheimnis der „Sophia", der „Weisheit" des Alten Testaments, einer weiblichen Ausdrucksform göttlicher Kraft. Im Bereich der orthodoxen Ostkirche ist Maria vielfach mit Sophia identifiziert worden. Der Sophiologe und Visionär Solowjoff hat sie als – wie dies von Christus angenommen wird – erst in unserer Zeit in ihrer kosmischen Dimension näherkommende Wesenheit erlebt (wie dies auch für Christus angenommen wird, z.B. Steiners „ätherische Wiederkunft Christi" um 1909, o.a.) Wie Jesus und Maria im Kleinen, so kann offenbar der „kosmische Christus" und Sophia als Himmelsmutter im Großen mystisch erlebt werden. S.a. Hildegunde Wöller "Ein Traum von Christus". Der Zusammenhang kann auch so ausgedrückt werden: die "mütterliche" Eigenschaft Gottes wirkt daran mit, daß die Schöpfung Gott entgegenwachsen kann, wie Gott ihr seinerseits entgegenkommt.
Feministische Theologinnen haben darauf hingewiesen, daß der Heilige Geist in der damaligen Sprache eigentlich „Heilige Geistin" hieß. Maria bzw. Sophia könnten eventuell genauer als Ausdrucksform gesehen werden, in die der Heilige Geist einfließt und Gestalt annimmt, wie im Symbol der Taube.
Aber auch in unterschiedlichen Bestrebungen der Frauenbewegungen in West und Ost kann „Sophienhaftes" gefunden werden, vgl. Dr. Susanne Schaup im Protokoll der Ev. Akademie Bad Boll zur Tagung „New Age 3: Sophia". Ähnlich kann auch „Christushaftes" nicht nur in neuen weltweiten christlichen Bestrebungen mit modellhaften Projekten wie dem „Universellen Leben" oder in Erneuerungsbestrebungen in den Kirchen, sondern auch in anderen, auch weltlichen Bewegungen gefunden werden. Kommentar des NT: „Der Geist weht wo er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er fährt. So ist es mit Jedem, der aus dem Geist geboren ist".
Das Kommende hat jedenfalls männlich-weiblichen Charakter, ist nicht mehr patriarchalisch, aber auch nicht matriarchalisch.
Während etwas vom Wirken Christi in jedem Menschen ist, wie in vorangegangenen Kapiteln erläutert wurde, kann dies nun durch den äußeren Christus und den Heiligen Geist von neuem verstärkt werden, auch durch seine Worte, aber nicht nur durch diese.
Das Gralsrittertum ging auf eine andere Art davon aus, daß vom Wirken Christi vor 2000 Jahren auf der Erde etwas verblieben ist, was vom Menschen gesucht und gefunden werden könne, der „Gral". Diese Legende berichtete, daß etwas vom Blut Jesu, das am Kreuz in die Erde tropfte, in einer Schale aufgefangen wurde. Josef von Arimathia und seine Begleiter hätten es nach Frankreich oder England gerettet, und sich stets vor diesem „wundertätigen Gral" zum Gebet und zum Empfang von Inspirationen versammelt. Vgl. z. B. R. de Boron „Die Geschichte des Heiligen Gral", um 1200 aufgeschrieben. Obwohl der Legende auch eine äußere Realität zugrunde liegen kann, fällt es ins Auge, daß die goldene Gralsschale mit ihrem Kelch oben, ihrer Verdickung in der Mitte, und ihrer Verbreiterung bzw. Öffnung nach unten den Menschen symbolisiert*; einen Menschen, der von seiner Mitte bzw. seinem Herz aus sich nach oben für den Hl. Geist, nach unten für die Erlösung der Erde öffnet; einen „erlösten Menschen", auf den „die Kreatur wartet" (Römerbrief 8, 18-28). Im Großen kann sie auch als ein Symbol einer zu Gott hin geöffneten Erde gesehen werden. Um diese Strömung herum gruppierten sich die z.T. etwas weltabgewandt gewordenen Katharer, sprich: Ketzer, und Albigenser, Minnesänger, Troubadours. Mehrere Millionen solcher esoterischer Christen wurden vom Papsttum als vermeintliche Häretiker (Ketzer) ausgerottet. Die tiefere Bedeutung des Grals ist also noch nicht ausgeschöpft in jener anderen Legende, angebliche leibliche Nachfahren Jesu in Königsgeschlechtern seien der Gral gewesen.
Joh. 4: „... Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß Ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet... Es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater will haben, die ihn so anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." Diese selbstbewusste, freie Haltung von Richtungen eines geistigen Christentums wäre für Institutionen nur zu verkraften, wenn sie den Mut hätten, sich auf der Basis freier Christenmenschen zu erneuern. Da solche Richtungen eines spirituellen Christentums so dezimiert wurden, daß sogar deren Inhalte nur noch schwer rekonstruierbar sind, hat sich die Kirche letztlich selbst jene Substanz an eigener spiritueller Tradition abgegraben, die sie heute langsam als Vakuum erkennen muss. Nachdem viele, z. T. auch recht zweifelhafte Angebote aus anderen Kulturen dieses Vakuum zu füllen versuchten, suchen nun auch Kirchen nach der verschollenen christlichen spirituellen Praxis.
Der berühmte Abt Joachim di Fiore (um 1100) sprach von der Zeit des Vaters – der Zeit der Gesetzesreligion des Alten Testamentes –, sowie der Zeit des Sohnes mit kirchlicher Vermittlung, und prophezeite ein drittes „Zeitalter des Heiligen Geistes" – Buchtitel Turmverlag – , wo in den Menschen selbst ihre individuelle Verbindung zu Gott wächst. Auch von dieser Prophezeiung, deren Bedeutsamkeit wir je länger je mehr erkennen können, sind Elemente direkt und indirekt in die verschiedensten Bestrebungen eingeflossen, von Luther über Marx - bis Hitler, wo sie missverstanden bzw. mißbraucht wurden. Meist gibt es von solchen Missverständnissen auch ein sinnvolles Urbild.
Hier ist auch eine Anmerkung zur Unterscheidung zwischen einer Spiritualität des Heiligen Geistes und spiritistischen Praktiken angebracht. Das „Ergriffensein vom Heiligen Geist", im Idealfall ein bewusstes Aufnehmen des Heiligen Geistes, geht über das innerste Wesen des Menschen. Hypnose bzw. ekstatische Trancezustände und „Besessenheit" durch jenseitige „Geister" Verstorbener finden dabei nicht statt, und schon gar nicht deren „Beschwörung". Weder für die betreffenden Menschen, noch für Andere in der Runde ist diese Erfahrung kräfteraubend wie in einer spiritistischen Sitzung. Das Bewusstsein wird nicht eingeengt, sondern ausgedehnt. So mögen durchaus außergewöhnliche Wahrnehmungen in der Umgebung möglich sein, aber dann bewusst und ohne Gedächtnisverlust.
Die Wirkensweise des Heiligen Geistes wäre vereinbar sowohl mit meditativer Stille – in westlichen Kirchen fast immer fehlend – als auch mit Versuchen, dasselbe im Gegenteil durch mehr und bessere Kommunikation zu erreichen, wie dies besonders im Westen bzw. Amerika entwickelt wurde. Würden Stille und Kommunikation bzw. Inhalte miteinander verbunden – eine Chance besonders der Mentalität in der Mitte Europas –, so könnte das von Christus bzw. dem Heiligen Geist Gewollte besonders deutlich erkennbar werden. Er verkörpert vielfach Drittes jenseits östlicher oder westlicher Extreme; allerdings stets nur, wenn das Streben nicht egoistisch, d.h. unethisch ist. Christus ist nur mit richtig verstandener Bescheidenheit, Ethik und dem Sinn vorstellbar, den er der Welt im Sinne einer Heilsgeschichte gab.
Der Heilige Geist kann auch nicht völlig abgelöst von dem Christus, bzw. seinen Anliegen betrachtet werden. Christus sprach dem Heiligen Geist die Eigenschaft zu, daß er die Jünger „an alles erinnern wird, was ich euch gesagt habe". Darüber hinaus sagte er: „habe ich euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten."
Was immer in Richtung der Wahrheit bereinigt wird, könnte sich allerdings mit dem Heiligen Geist zur Gesamtheit jener Kräfte vereinigen, die die Erde retten wollen.
In den Lehren Christi gibt es den Menschen mit seiner Subjektivität, - aber nicht jene grenzenlose Relativierung, die nach manchen modernen philosophischen Vorstellungen keinerlei objektive Wahrheiten mehr zuließe.
* Dazu im Internet eine Symbolische Skizze des Heiligen Gral.
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Wer eine deutlichere Vorstellung haben möchte, wie Jesus aussah, sei hier
zum Abschluss der Evangelien auf jene Darstellung hingewiesen, die als echteste
gelten könnte –obwohl kein allgemein anerkanntes Bildnis existiert:
Das sog. einzig wirkliche „Bild unseres Heilandes", erhältlich über den
Lorber-Verlag. Der Überlieferung nach wurde es auf Befehl von Kaiser Tiberius
von einem Bildnis auf einem Smaragd aufgenommen und aus der Schatzkammer von
Konstantinopel durch den Sultan der Türken dem Papst Innocenz VIII. übergeben
zum Loskauf seines Bruders. Damit ist eine Beschreibung der Gestalt Jesu durch
Publius Lentulus verbunden, zu jener Zeit Statthalter in Judäa, für den Senat
und das römische Volk :
"Es erschien in diesen Tagen ein sehr tugendhafter Mann namens Jesus
Christus, welcher jetzt noch unter uns lebt und von den Heiden als ein Prophet
der Wahrheit angesehen, von seinen Jüngern aber Sohn Gottes genannt wird. Er
erweckt vom Tode und heilt alle Arten von Krankheiten. Ein mittelgroßer Mann
von stattlicher Figur und sehr ehrwürdigem Aussehen, so daß die, die ihn
sehen, ihn sowohl lieben als auch fürchten müssen. Sein Haar hat die Farbe
einer völlig reifen Haselnuß, bis zu den Ohren beinahe glatt, von da abwärts
etwas gelockt über seine Schultern wallend und von mehr orientalischer Art,
nach Sitte der Nazarener in der Mitte gescheitelt. Seine Stirn ist offen und
glatt, sein Gesicht ohne Flecken und Runzeln, schön, von angenehmem Rot. Nase
und Mund sind so geformt, daß nichts daran zu tadeln ist. Der Bart ist wenig
stark, in der Farbe zu den Haaren passend, von nicht sehr großer Länge. Seine
Augen sind dunkelblau, klar und lebhaft. Sein Körper ist wohlgeformt und
straff, seine Hände und Arme sind proportioniert. Im Tadel ist er furchtbar, im
Ermahnen freundlich und einnehmend, in der Rede gemäßigt, weise und
bescheiden, vermischt mit Würde. Niemand kann sich erinnern, ihn lachen gesehen
zu haben, aber viele sahen ihn weinen. Ein Mann, durch eigentümliche Schönheit
die Menschenkinder übertreffend."
In der alten gedruckten Ausgabe "Christuswege..." ist dieses Bild enthalten - mit Genehmigung des Verlages von 1992.
Zum Abdruck des Leichnams Jesu auf dem Turiner Grabtuch s.a. unser Kapitel "Kreuzigung und Grablegung". Seit 1979 ist außerdem der „Schleier von Manoppello“, durch P. Prof. Dr. Heinrich Pfeiffer und Schwester Blandina Paschalis Schlömer wissenschaftlich untersucht. Im Unterschied zum Turiner Grabtuch findet sich dort nur das Gesicht, allerdings mit geöffneten Augen: http://voltosanto.com . Auch bei diesem Tuch ist die Entstehungsursache wissenschaftlich schwer oder nicht erklärbar: Muschelseide ist z.B. nicht bemalbar. Die Maße des Gesichts sind bei diesen beiden Tüchern deckungsgleich. Vgl. Joh. 20: 5-7. Diese Bilder haben die künstlerischen Darstellungen Jesu von den ersten Jahrhunderten an entscheidend mitgeprägt. Auf dem anscheinend gewickelt gewesenen Schleier sieht das Gesicht von vorne mit den Haaren oval aus; es gibt auch Ähnlichkeiten mit dem weiter oben erwähnten Bild, welches den lebendigen Jesus von der Seite her zeigt.
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Teil 2
Beim Johannesevangelium ist bei intensiverer meditativer Auseinandersetzung erahnbar, daß seine Schwerpunktsetzung einer meditativen Rückschau des Evangelisten auf selbst im Leben Miterlebtes entstammt.
Bei der Johannesoffenbarung hingegen ist es offensichtlich, daß sie auf Visionen zurückgeht. Hier sind keine gedanklichen Fortschreibungen äußerer Lebenserfahrungen in die Zukunft hinein am Werk. Die Form dieser Visionen zeigt auch – Erfahrungen im Ringen um die Unterscheidungskraft bei eigenen inneren Bildern usw. vorausgesetzt –, daß sie von höheren Ebenen stammen, als von jenen, wo sich äußere Erwartungen in imaginative Bilder formen können; eine Vermischung mit Persönlichem ist nicht erkennbar. Die Quelle ist auch klar benannt, wenngleich das allein bei solchen Erlebnissen keine Gewähr wäre: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in der Kürze geschehen soll; und hat sie gedeutet und gesandt durch seinen Engel zu seinem Knecht Johannes...".
Moderne evangelische Theologie interessiert sich meist nicht besonders für diese apokalyptische Schrift. Sie könnte sie mit ihren äußeren Methoden nicht wirklich, oder nur bruchstückhaft entschlüsseln, da sie die „Methode" ihrer Entstehung und die damit verbundene Symbolik nicht aus eigenen Erfahrungen ableiten kann. In der katholischen Kirche bestehen einige Vorstellungen über die Apokalypse, aber die Menschen lesen diese dort kaum; zu ferne ist sie der Selbstzufriedenheit vieler Menschen und Kirchen in der heutigen Zeit. Freikirchen und Sekten dagegen berufen sich direkt auf die Apokalypse*. Sie lesen aus der prophetischen Schau verstandesgemäß, also auch mit einer allein nicht zureichenden Methode, oft eine einzige äußere Katastrophenzeit heraus; und sehen sich jeweils als die Auserwählten, oder zumindest als die am direktesten Auserwählten. *Apokalypse stammt aus dem Griechischen, und heißt Aufdeckung, Offenbarung, und nicht etwa Katastrophe.
Im Kapitel zum Pfingstereignis wurde bereits auf Übergänge von individuellen Wirken Jesu in seinem Umkreis zu Entwicklungen im Großen hingewiesen.
Wird nach den Evangelien auch die Johannesoffenbarung auf ganzheitliche Weise erarbeitet, wie in der „Einführung..." angeregt, zeigt sich Unerwartetes, in der Literatur so nicht zu Findendes:
Die Offenbarung zeigt eine Abfolge, die der Abfolge im Leben Jesu verwandt ist. Jedoch ist eindeutig von Entwicklungen in der Menschheit bzw. Erde und im Kosmos die Rede; auch eine noch so innerliche, mystische Verarbeitung bestätigt lediglich, daß es keine bloßen Bilder zur Unterstützung der Entfaltung oder „Einweihung" des einzelnen Menschen sind; wenngleich sie angesichts der besagten Parallelen zu den Evangelien Einzelnen auch derart individuell helfen können. Die eigentliche Stufe der Apokalyptik ist eher ein Bewusstsein, welches das urbildhafte Geschehen um Jesus Christus vor zweitausend Jahren ausweitet auf eine ebenso von urbildhaften Schritten durchzogene Entwicklung der Menschheit und Erde vor dem Hintergrund des Kosmos. Hier ist auch der universelle Aspekt Christi inbegriffen, gegenüber seinem Wirken als Menschensohn um die Zeitenwende. Von dieser Warte her wären wiederum einige Rückschlüsse auf das Geschehen im Kleinen vor ca. 2000 Jahren möglich.
Die Offenbarung besitzt allerdings eine unnachahmliche größere Komplexizität als die Schilderung der Evangelien. Sie ist also auch keine bloße Projektion des von Johannes am Leben Jesu Erlebten auf das Weltgeschehen.
Die Offenbarung beschreibt in ihrem eigentlichen „Element" ein Geschehen im mehreren Dimensionen bzw. Seinsebenen. Nur sekundär sind auch zeitliche Abfolgen in den Schritten zu finden. Schon von daher ist klar, daß viele Deutungen auf historische Geschehnisse teils bestenfalls als Anklänge an das Geschaute gelten können, und teils ausgesprochen irreführend sein müssen.
Von einem anderen, ebenfalls zulässigen Gesichtspunkt her sieht R. Steiner die erschauten zukünftigen Bewusstseinszustände der Menschheit als z.T. vorwegnehmbar durch einige Geistesschüler der Gegenwart. R. Steiner, nachzulesen in: „Die Apokalypse des Johannes", Vortragszyklus 1908.
Im Sinne von Otto Hanish, Gründer der zarathustrisch orientierten „Mazdaznan"- Lebensreformbewegung fand Oberdörffer Entsprechungen zu physiologischen Entwicklungen z.B. der Nervenbahnen im Menschen. „Die Apokalypse", Dt. Mazdaznan Bewegung, Gablonzer Str.7, 76185 Karlsruhe.
Eine kapitelweise esoterische Ausdeutung versuchte etwa Artur Schult: „Das Johannesevangelium als Offenbarung des Kosmischen Christus" und „Weltenwerden und Johannesapokalypse". Natürlich sind das erkenntnismäßige Annäherungsversuche, zu denen es viele Anmerkungen zu machen gäbe.
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Hier mögen noch einige allgemeine Gedanken zum Umgang mit Prophezeiungen angebracht sein, nicht nur der Johannes-Apokalypse, sondern auch anderer, meist kurzer „Apokalypsen" aus der apokryphen Literatur der ersten Jahrhunderte, oder moderner apokalyptischer Visionen moderner Hellseher, die meist „gemischten" Charakter haben; darüber hinaus von sonstigen, individuellen „Vorhersagen" verschiedener Art. Die urbildhaften Schritte der Johannesoffenbarung als solche dürften ebenso wenig vermeidbar sein wie die verschiedenen Stadien der Entwicklung eines Embryos bzw. eines Lebewesens, oder gewisse Schritte in der Entwicklung eines Mystikers usw. Wie diese Schritte jedoch durchlaufen werden, ob bei kleinsten Anlässen viel gelernt und so manche Härte im Äußeren vermieden wird, oder ob große Katastrophen geschehen müssen, das liegt in der Hand der Menschen. Wer das äußere Geschehen in der Welt untersucht, unabhängig von Propheten, kann dieselbe Gesetzmäßigkeit erkennen, gleich ob das Schicksal des Einzelmenschen oder größerer Zusammenhänge betrachtet werden.
Die nicht urbildhaften und daher weniger grundlegenden Einzelheiten in Zukunftsvisionen sind geistige Programme, die aufgrund des Vorherigen zu einem bestimmten Zeitpunkt so weit gediehen sind, daß aus ihnen in der Zukunft bestimmte Geschehnisse folgen würden, die immer enger eingegrenzt werden nach Art, Raum und Zeit. Ändern sich aber durch menschliche Bemühungen die ursächlichen geistigen Programme im Einzelnen oder in Menschengruppen, dann ändern sich auch die Einzelheiten in der Zukunft, insoweit diese über die Notwendigkeiten der Urbilder hinausgehen. Daher ändern sich Visionen im Laufe der Zeit. Das gilt insbesondere für Visionen von Menschen, die nicht von jener weitreichenden Ebene wie Johannes schauen; ihre Visionen können u.U. innerhalb kürzester Zeit überholt sein. Allerdings ist der Spielraum der Menschheit angesichts menschlicher Trägheit begrenzt.
Hellseher können entweder vage Impulse wahrnehmen, diese sind dann u.U. am korrektesten; oder sie sehen schon deutlichere Möglichkeiten in symbolischer Form, oder auch exakte physische Geschehnisse, deren Einzelheiten jedoch manchmal, weil sie nur in geringem Grade festliegen, vom Unterbewusstsein beigesteuert werden; von schlichten Projektionen aus Erlebnissen der Vergangenheit auf die Zukunft, oder anderen häufig vorkommenden täuschenden Wahrnehmungen oder völlig falschen Ausdeutungen einmal abgesehen.
Andere Widersprüche in solchen "Zukunftswahrnehmungen" spiegeln offenbar festgefügte, einander teils widersprechende Zukunftsszenarien wieder (*s. a. Verweis am Schluß des Kapitels über "die Letzten 7 Plagen"). Diese sind in psychischen Ebene der Menschheit "reale, noch nicht klar entschiedene Möglichkeiten", zu denen unterschiedliche menschliche Vorstellungen beigetragen haben. Jeder Mensch nimmt an diesem fortschreitenden Entscheidungsprozeß über die Zukunft bewußt oder unbewußt teil.
Einerseits ist die Erde ein bewusster, freier Organismus, und wie Gott diesen Teil seines Wesens bzw. seiner Schöpfung ergreifen soll, das wird ihm niemand sagen. Andererseits ist auch der Mensch für seinen Teil frei, sich für immer bessere Lösungsmuster zu entscheiden, ähnlich wie auch seinen Zellen eine erhebliche Variationsbreite ihres Verhaltens zugesprochen werden könnte; - diese wird nicht zentral vom menschlichen Bewusstsein diktiert, welches sie aber durchaus mit positiven Gedanken usw. ansprechen kann.
Also ist durch wandelnde Gedanken und Gebete, durch Liebe und Gottvertrauen, durch rettende Taten und Gnade sehr viel mehr zu bewirken und bewirkt worden, als es fatalistische Haltungen nahe legen würden.
Auch Zeitangaben von Hellsehern oder inspirierten Schriften sind in Bezug auf die irdische Zeit meist nicht exakt gewesen.
Die Wahrnehmung einiger Mystiker, wonach auf höchsten Ebenen jenseits von Raum und Zeit alles schon vorhanden ist, und die irdische Wahmehmungsebene des Ringens um richtige Entscheidungen usw. sind beide unabhängig voneinander richtig. Beides philosophisch wertend gegeneinander auszuspielen, entspricht nicht dem völlig unterschiedlichen Charakter dieser Ebenen und macht das Denkergebnis falsch.
Hier noch eine Anmerkung zu älteren Prophetien: Es hilft wenig, die Johannesapokalypse in der Ausdeutung zu vermischen mit der Prophetie des Alten Testamentes. Auch wenn an einigen Stellen verwandte Bilder verwendet werden, müßten die Aussagen der alten Propheten erst einmal mit den geschichtlichen Ereignissen der vorchristlichen Zeit und entsprechenden Zeittafeln verglichen werden. Dann zeigt sich nämlich, daß diese Propheten fast ausnahmslos von damals bevorstehenden Ereignissen in vorchristlicher Zeit und in der Zeit Christi sprachen: z.B. der babylonischen Gefangenschaft und der damaligen Rückkehr der Juden, sowie den nachfolgenden Kriegen im Land, einem damaligen Sieg der Juden, usw.; auch vom Kommen des Messias bzw. Christus (zum Messias vgl. die Seite über das Alte Testament). Nur an ganz wenigen Stellen schimmert zusätzlich etwas durch, was auf unsere Zeit bzw. auf das in der Johannesoffenbarung Geschilderte hindeutet (z.B. Jesaja 24; 25; 27; 66:15; Daniel 7:9-28).
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In der Offenbarung 1. Kapitel beschreibt Johannes die erste Christusvision nach der Himmelfahrt. „Ich wandte mich um", oder deutlicher im 4. Kap. „Steig her...", „und alsbald war ich im Geist" bedeuten, daß hier nicht Christus zu Johannes „herabsteigt", sondern Johannes zeitweilig bewusst auf die Ebene „heraufsteigen" kann, von der aus zu ihm gesprochen wird. Dies ist wichtig und nicht symbolisch. „Der Erste und der Letzte und der Lebendige", der „tot war", „...und die Schlüssel der Hölle und des Todes hat", der mit Gott vereinte Christus spricht zu ihm. Er benennt damit auch das allgemeine, vielfach variierte Thema, das die Apokalypse wie ein roter Faden durchzieht: Die Durchdringung der verschiedenen zurückgebliebenen bzw. „finster" gewordenen Ebenen des Lebens – nicht durch irgendein Licht, sondern durch das „wahrhaftige Licht", im Sinne des Johannesevangeliums, durch Christus. Alles wird zu Beginn in den Kontext der nun wiederholten Prophezeiung einer Wiederkunft Christi „in den Wolken" gestellt.
Christus zeigt sich bildhaft in seiner Eigenschaft als sonnenhaftes Zentrum
der „Sieben Gemeinden in Asien". "Bekleidet mit einem Gewand, das
bis an die Füße reichte" -d.h. sein Geist durchdringt alles, auch den
Willen, der in den Füßen zum Ausdruck kommt-; "um die Brust trug er einen
Gürtel aus Gold" -die Liebe des Herzens ist auch an Weisheit gebunden-.
"Sein Haupt und seine Haare waren weiß..." -durch diese Verbindung
mit der Liebe ist wiederum das Haupt strahlend-; "und seine Augen wie
Feuerflammen" - seine Augen 'beleuchten' die Welt -; "seine Beine
glänzten wie Golderz" -seine Schritte haben auch eine reinigende Wirkung
nach außen-; "und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen"
-auch in seiner Stimme schwingt der Geist mit-. "In seiner Rechten hielt er
sieben Sterne" -er zieht alle Kräfte, alle Charaktere mit der Rechten, die
für die Zukunft steht, nach sich, sie folgen ihm nach-; "und aus seinem
Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert" -er bringt die wirkliche
Unterscheidungskraft und Differenzierung.
Diese Vision erscheint wie eine Analogie zu jener Vision Johannes der Täufers
am Beginn des Johannesevangeliums, mit der Taube des wahren Geistes; die sieben
Gemeinden entsprechen der Berufung der Jünger - z.B. ab Joh. 1, Matth.
4,18-22.
Die „sieben Gemeinden" - sieben Kirchen; Off. 2-3 - existierten real. Sie verkörperten unterschiedliche kulturelle Probleme, Qualitäten und Möglichkeiten, die Christus schonungslos den „Engeln" dieser Gemeinden schreiben lässt. „Engel" scheint sich hier auch auf irdische Leiter dieser Gemeinden zu beziehen, die Briefe sind keine rein übersinnliche Angelegenheit. Daneben wurde sicher davon ausgegangen, daß diese Kirchen tatsächlich jeweils von einem Engel betreut werden. Der Begriff Engel kann jedoch zusätzlich darauf hinweisen, daß die christlichen Gemeinden in den sieben Städten auch stellvertretend für jene Kräfte angesprochen werden, die sie verkörpern, und die auch anderswo zum Ausdruck kommen.
Daher dürfte es auch einigen Wahrheitsgehalt haben, wenn Strömungen rosenkreuzerischer, theosophischer, anthroposophischer Art ohne große Begründungen davon ausgehen, daß diese Gemeinden Kulturen darstellen. Diese werden als einander folgend beschrieben. Der heutige Umbruch der abendländischen Kultur zu einer am Horizont auftauchenden sanfteren Kultur wird entweder mit einem Wechsel von der 5. zur 6. Gemeinde, oder mit einem Wechsel von der 6. zur 7. Gemeinde identifiziert. Manchmal wird ein Bezug zu den Vorstellungen von einem kommenden „Wassermannzeitalter" herzustellen versucht, das nach verschiedenen astrologischen und New-Age-Richtungen zwischen ca. 1961 und ca. 2000 oder auch 2242 beginne, bzw. nach R. Steiner seine eigentliche Wirksamkeit jedoch erst ca. 3500 bekomme. Dabei werden z.T. noch Unterzeitalter von 300-400 Jahren angenommen. Auch wenn diesen kosmischen Zyklen Realitäten zugrunde liegen, wird hier jedoch Einiges übersehen.
Die Apokalypse ist ihrem Charakter nach nicht auf ein zyklisches Geschehen der „ewigen Wiederkehr der gleichen zwölf Tierkreisqualitäten" gerichtet. Das Bild einer Spirale, wo sich alles auf immer höhere Ebenen entwickelt, wäre schon besser. Die sehr grundsätzlichen „Quantensprünge" der Menschheits- und Weltentwicklung in der Apokalypse können jedoch nicht allein auf der Basis einer kontinuierlichen Kreiselbewegung, der Präzession der Erdachse und geistiger Begleitumstände derselben, gesehen werden. Wird z.B. die Zeitgeschichte betrachtet, dann geschehen immer schnellere Entwicklungen. Hier kann ein Eingreifen von etwas übergeordnetem ertastet werden. Auf Zyklen fixiert, müsste für apokalyptische Veränderungen ein zusätzlicher, größerer Zyklus angenommen werden. Es können aber auch jene Einflüsse sein, von denen die Apokalypse spricht.
Werden die wenig ernstgenommenen Forschungen über kosmische Veränderungen in frühgeschichtlicher Zeit wie Kalender, archäologische Befunde, schriftliche Aufzeichnungen, Sagen, nach H.J. Andersen u.a. mitbedacht, zeigen sich die Himmelsmechanik und daher auch die Zeitalterrhythmen nicht mehr als konstant bleibend. Sie können offenbar durch umwälzende Einflüsse außer Kraft gesetzt bzw. verändert werden. Die Zeitzyklen hätten dann eine eher noch eingeschränktere Bedeutung als bei den ersten fünf „Gemeinden" - darin wurden im theosophischen Bereich usw. Kulturen Indiens, Persiens, Ägyptens & Chaldäas, Griechenlands & Roms usw., und die bisherige abendländische Kultur gesehen -.
Ergänzung: Die "Aufschließung der
Apokalypse" (aus dem "Schriftwerk des Erzengels Raphael" von
Helene Möller - 1884-1969 -, Radona-Verlag, Am Buchstein 14/15, D-61250
Usingen) bezieht die "7 Gemeinden" auf Zeiten in der Entwicklung
der Kirche - eher unabhängig von kosmischen Zyklen:
1. 33- 333 n.Chr.: Kämpfe um das richtige
Befolgen der Weisungen Jesu... .
2. 333- 633 n.Chr.: Probleme und die Treue der frühen
Kirche... .
3. 633- 933 n.Chr.: Erleuchtung durch die Schrift... .
4. 933- 1233 n.Chr.: Gefahren durch "Eitelkeit, Prunksucht,
Habgier, Sinnlichkeit" in der Kirche.
(Anmerkung: in diese Zeitspanne fielen auch kriegerische und
inquisitorische Verwicklungen der Kirche.)
5. 1233- 1533 n.Chr.: "Unreinheit und Eigensucht in der
Kirche", gefolgt von massenhaftem "Abfall von der Kirche".
(Die katholische und evangelische Kirche werden im weiteren
Verlauf des betr. Buches jedoch als "die beiden Zeugen" nach J.Off.11
, bzw. als zusammengehörige Partner anerkannt.)
6. 1533- 1833 n.Chr.: Veräußerlichtes Christentum.
(Anmerkung: In dieser Zeit entstand auch der Rationalismus und
die ältere, mechanistische Naturwissenschaft.)
7. 1833- 2000 n.Chr.: Gleichgültigkeit Vieler betreffend Kirchen und
Gott.
(Dann geht es im erwähnten Buch auf den großen Umbruch mit der baldigen
Wiederkunft Christi zu, die im Rest der Johannes-Offenbarung geschildert sind.
Dies wurde als ein von mehreren Seiten beleuchtetes kosmisches Geschehen
gedeutet. Zwar überwiegt dabei jenes alte Szenario mit großen Kriegen der
Gottfernen; aber dem wird bereits gegenübergestellt, daß "das Gebet der
Völker zu Gott" das ändern kann; und insbesondere, daß die ernsthaft
Gläubigen sich an Gott und seine Inspiration "anschließen", und so
in seine Nähe angehoben werden können.
Im Verhältnis zu den nachfolgenden Schritten der Offenbarung stellen die „Gemeinden"
jedenfalls eine Ebene dar, die noch mit den Kräften des Bewusstseins des
äußeren Lebens allein ergriffen werden könnte.
Die "7 Gemeinden" und die heutigen Kirchen -
mit Auszügen aus der Johannesoffenbarung 1 - 3.
a.) Die 7 frühen Kirchen in Kleinasien
1,1 Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze* geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gedeutet und gesandt seinem Knecht Johannes, 2 der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat. (...) 7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. (...) 9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden**: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und seines Reiches***. 19 Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach. 20 Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.
| Kirche | Christus spricht als: | Anerkennung | Ermahnung | Ziel für die, die sich überwinden |
| in Ephesus | "der die sieben Sterne in seiner Rechten hält und mitten unter den sieben Leuchtern einhergeht" | Werke, Mühsal, Geduld, die Bösen nicht geduldet, "Nikolaiten waren euch zuwider, wie sie mir zuwider sind"****, falsche Apostel erkannt, Geduld, wegen Christus Last getragen, nicht müde geworden. | hat die erste Liebe verlassen; soll Buße und die ersten Werke tun; andernfalls wird bis dahin der Leuchter weggestoßen von seiner Stätte | "...dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist." |
| in Smyrna | "der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig geworden ist" | Bedrängnis, Armut - "und doch reich", "die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern sind die Synagoge des Satans." | "Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage." | "Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, dem soll kein Leid von dem zweiten Tode geschehen." |
| in Pergamon | "der das scharfe, zweischneidige Schwert hat" | "Hältst an meinem Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch nicht in den Tagen, als Antipas, mein treuer Zeuge getötet wurde" | Darunter Bileam- Anhänger: Balak- Götzenkult mit (Tempel-) Hurerei; einige Nikolaiten. "Tue Buße; wenn aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und gegen sie streiten mit dem Schwert meines Mundes" | "Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm einen weißen Stein geben; und auf dem Stein ist ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt als der, der ihn empfängt." |
| in Thyatira | "der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und Füße wie Golderz" | Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld und weiß, daß du je länger je mehr tust. | duldet falsche Prophetin Isebel: Götzenopfer mit Tempel- Prostitution. Drohung: grosse Trübsal, ihre Kinder tot; alle bekommen nach ihren Werken. Den anderen: nicht noch eine Last, "doch was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme". | "Wer überwindet,... dem will ich Autorität geben über die Heiden (/Nationen), und er soll sie weiden mit eisernem Stabe, und sie wie die Gefäße eines Töpfers zerschlagen", "... und ich will ihm geben den Morgenstern. |
| in Sardes | "der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne" | "Ich kenne deine Werke". Einige, die ihre Kleider nicht beschmutzt haben. | "Du hast den Namen, daß du lebst, und bist tot. Werde wach und stärke das, was schon am Sterben war"; Werke unvollkommen. Festhalten, was empfangen und gehört wurde, Buße tun. Andernfalls "werde ich kommen wie ein Dieb...". | "Wer überwindet, soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln." |
| in Philadelphia
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"der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf" | Werke; hat eine kleine Kraft und sein Wort bewahrt und seinen Namen nicht verleugnet. "Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Welt kommen wird..." | "ich werde einige aus der Synagoge des Satans schicken, die sagen, sie seien Juden, und sind's nicht..."; sie sollen "vor euch niederfallen und erkennen, daß ich dich geliebt habe."... "Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme!" | "...den will ich machen zum Pfeiler im Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen." |
| in Laodizea | "der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes" | ("Ich kenne deine Taten"; aber hier gibt es keine klare positive Bestätigung) | "...Weil du aber lau ***** bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde". "...Du weißt nicht, daß du elend und jämmerlich bist, arm, blind und nackt. Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist...", "und weiße Kleider...", "und Augensalbe...". "Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!" | "Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe." |
**** üblichere Übersetzung
"haßt"& "hasse" (Christus hasst niemanden!); s.a.den
Epheserbrief des Paulus 4-6; *****"lau"
bedeutet nicht etwa eine klare differenzierte dritte Position, sondern die
Abwesenheit einer klaren Haltung.
Schon daß Christus jeweils in einer anderen Eigenschaft
zu den Kirchen redet, deutet an, daß die Kirchen auch im Positiven
Unterschiedliches zu lernen haben.
b.) Heute existierende Kirchen.
Diese sieben frühen Gemeinden / Kirchen existierten real. Im Haupttext von
Christuswege.net wird auch auf eine allgemeinere Bedeutung für verschiedene
Menschengruppen/ Kulturen hingewiesen. Es ist jedoch auch möglich, zu
untersuchen, ob verwandte Eigenschaften wie in den "sieben Gemeinden"
in heutigen Kirchen bzw. innerkirchlichen Richtungen und christlichen Bewegungen
wiederzufinden sind. Damit dies nicht zu einer vorschnellen Identifizierung und
Schematisierung beiträgt, sind solche Erkenntnisse hier nicht genannt; sondern
im Folgenden werden die verschiedenen Seiten der heutigen Kirchen gesondert
skizziert, sodass jede/r eigene Überlegungen anstellen kann. Es sei betont,
daß hier keine Kirche verurteilt wird - dies könnte nur Christus selbst.
Vielmehr könnte so der verborgene Sinn der "Einheit in der Vielfalt"
der Ökumene sichtbar werden, indem eine Entsprechung zu universellen
Grundmustern wie den "sieben Tönen" usw. erahnbar wird.
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syrisch- orthodoxe Kirche & einige Anhänger des alten keltischen Christentums; armenische Kirche; ägyptisch- koptische und äthiopische Kirche; griechisch-, russisch-, serbisch- orthodoxe Kirchen; (&ausgerottete Zweige des Christentums des Arius) "Thomaskirche" in Indien; Nepalesische Kirche;... |
Oft tiefer
Glaube, teils starkes geistliches Streben bei den Mönchen usw.,
Durchhaltekraft, Konsequenz. Ein Hauch von Ursprünglichkeit. Z.T. Krypta unter der Kirche als Rest alter christlich- esoterischer Traditionen. Weisheitslehre (Maria- Sophia). ... |
Meist
schöner aber strenger traditioneller Ritus - z.B. 3 Stunden im Stehen -
(außer z.B. bei der Thomaskirche). Geringe Anpassungsfähigkeit an die
vielgestaltige Suche moderner bzw. junger Menschen, gerade in früher
atheistischem Umfeld - die daher vielfach eher am Rande der Kirche
stehen und mehr weltlich denken. Bei einigen dieser Kirchen führten kommunistische Systemzwänge oder nationale Vorlieben in Begrenzungen der Arbeit hinein, oder förderten Feindschaften zu anderen Kirchen oder Völkern. ... |
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Freikirchen, Evangelikale, auch Pfingstkirchen, Quäker Weitere Gemeinschaften, die manchmal mit zweifelhaften Begründungen als "Sekten"** bezeichnet wurden: Adventisten, Neuapostolische Kirche, Mormonen, u.a. |
Einfachkeit
und Kompromisslosigkeit entsprechend der eigenen Glaubensauffassung und
Moral. Diese unkomplizierte Beziehung zu Jesus Christus gibt besonders
dafür Geeigneten auch einen direkteren Zugang zu seiner Kraft: starke
Glaubenserfahrungen wie außergewöhnliche Gebetserhörungen,
Glaubensheilungen usw.; intensives Bibelstudium ohne Wegerklärung schwer verständlicher Stellen; starke gegenseitige Unterstützung der Gemeindemitglieder - kein bloßes Sonntags- oder gar Weihnachtschristentum ... |
Außer der
vielfachen Bestärkung im Glauben keine direkten Methoden zur
Vorbereitung auf spirituelle bzw. Glaubenserfahrungen. Also auch meist
zuwenig Stille oder darauf beruhende Methoden wie christliche Meditation
(wie dies auch anderen Kirchen fehlt.) Die gut gemeinte moralische Strenge in zwischenmenschlichen Dingen besteht oft aus Verboten und wird selten mit ausreichenden Hinweisen begleitet, wie z.B. Freundschaften denn heute real zu meistern sind. Teils beschränkter Wille, die Vielfalt christlicher Erfahrungen über die in diesem Spektrum vertretenen hinaus zu verstehen. Oft die Meinung, was für einen selbst genügt hat, genüge auch für die Missionierung aller Anderen. Teils zu starkes Auserwähltseinsgefühl in Bezug auf die eigene Kirche (besonders Neuapostolische usw.). Manchmal entgegen der eigenen Selbstdarstellung politische Vereinnahmung. ... |
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Mehrheit in den protestantischen/ evangelischen Kirchen & progressive Offene Kirche usw. |
Z.B.
Luthers stärkerer Rückgriff auf die Bibel als Quelle des Glaubens. Viel soziale Dienste. Teils Offenheit, den Glauben auch bei den eigenen politischen Entscheidungen ernst zu nehmen, selbst nachzudenken und zu mahnen - auch außerhalb der "moralischen Themen". Offenheit für das ökumenische Verhältnis der Kirchen zueinander. ... |
Das
historisch-kritische Theologiestudium nimmt heute leider oft den Glauben
an Vieles, und im Predigerseminar wird dann gelehrt, wie das dem
Kirchenvolk dennoch gepredigt werden soll. Wege zur spirituellen Glaubensvertiefung werden von Einigen gesucht, aber selten angeboten. Verflachung und zu viel Anpassung an die Gesellschaft sind bis in kirchliche Veranstaltungen hinein sehr verbreitet. Manchmal waren Kirchen sogar Mitursache problematischer Entwicklungen der Leistungsgesellschaft (beim Calvinismus). ... |
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Linkskatholizismus, Feministische Theologie, Befreiungstheologien in der 3.Welt |
Sehr nahe
am Leben der Menschen, starke, christlich motivierte Bemühungen um
soziale und Menschenrechte usw. Diesbezüglich auch innerkirchliche
Wachsamkeit. Bemühungen, auch für Frauen die angemessene spirituelle und menschliche Rolle zu finden Seit einiger Zeit auch ein Mindestmaß an Offenheit für mystische Erfahrungswege. ... |
Bei Einigen
verflachter Glaube. Teils Beschränkung auf Maßstäbe
tiefenpsychologischer oder sozialer Art, (die für Alle, auch für
Humanisten gelten.) Innerhalb der feministischen Theologie manchmal von alten Kulten inspirierter Glaube, die nicht immer darauf überprüft sind, inwieweit sie mit dem Christentum kompatibel sind. ... |
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Katholische Kirchentradition & strengere katholische Bestrebungen z.B. um die Marienprophetie ***, und Mystik |
Aufrechterhaltung
dessen, was dieser Kirche an Glauben und Ritus gegeben war. Innerhalb
der Marienverehrung u.a. Traditionen auch Elemente, die einigen anderen
Kirchen fehlen. Viel karitative Arbeit und soziale Wachsamkeit auch weltweit. Z.T. Bremse gegen den allgemeinen ethischen Verfall der Gesellschaft. Immerhin einige Ansätze zur Vermittlung von Methoden (Exerzitien, einfache Meditationsarten) für eine kleine Zahl der Kirchenmitglieder. Bei den Mystikern - die in dieser Kirche häufiger erschienen - teils Nachvollzug der Geheimnisse im Zusammenhang der Kreuzigung Jesu. (Auch z.B. der bekannte Theologe Rahner erkannte, die Kirche der Zukunft müsse die Mystik pflegen). ... |
Viel wurde
auf Dogmen und eine äußere Durchsetzungskraft der Kirchenleitung auch
innerhalb der Kirche gesetzt, statt auf Einfühlung und verstehendes
Lehren gegenüber den heutigen selbständigen Menschen. Moralisch auch
meist nur Ge- und Verbote. Wenig Bemühungen um die Sprachen, die
Kirchen in der heutigen Zeit finden müssen, um das Glaubensgut lebendig
an unterschiedliche Menschen vermitteln zu können. Die moralische
Bremsfunktion reicht nicht bis zur realen Verwandlung und Erneuerung. Die begonnene Aufarbeitung betreffend der früheren inquisitorischen und kriegerischen Praxis und der einstigen Zusammenarbeit mit bestimmten weltlichen Machthabern ist schwierig. Lehre, daß nur die eigene Kirche vollgültig ist. Auch die Mystiker wurden oft bestenfalls geduldet, statt ihre wegweisende Funktion zu erkennen. ... |
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Christengemeinschaft und Christologie von Rudolf Steiner; und christliche Rosenkreuzer; Sondergemein- schaften wie Neuoffenbarungs- bewegungen****; weitere Richtungen, u.a. aufgrund von Lehren Prof. J. Hurtak's. |
Solche
Zugänge zu Christus sind verwandt mit den vernachlässigten, teils
durch Verfolgung ausgerotteten vielen Ansätzen eines Erkenntnis-
Christentums**** z.B.
aufgrund des Johannesevangeliums - nicht identisch mit dem
"Gnostizismus" -. (Deren Fehlen führte zu vielen
verbesserungswürdigen Erscheinungen heutiger Kirchen.) Verschiedene Schulungswege zur Öffnung auf dem Weg zu Gott. Im Fall Hurtaks u.a. Arbeit mit den biblischen "Namen Gottes". |
Z.B. in der
Anthroposophie oft nur "Arbeit im Sinne von Christus", statt
ihn auch im Gebet usw. direkt einzubeziehen. (Die auch von R. Steiner
inspirierte Christengemeinschaft wird nicht direkt zur Anthroposophie
gezählt). (Nicht bei allen modernen Rosenkreuzergruppen ist der christliche Bezug gleich deutlich.) Neuoffenbarungsgruppen wie die auf den Schriften des Mystikers Jakob Lorber aufbauenden beziehen neben der Bibel hauptsächlich Formen von "Prophetie" ein. Wer sich über deren Sinn und Probleme eine Meinung bilden will, müßte sich dafür entsprechende Unterscheidungsmaßstäbe erwerben.***** |
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Einige der organisatorisch kaum fassbaren Kreise am Rande des Christentums z.B. mit Nähe zu New Age- Gruppen |
Teils Bemühungen um eine neue Zeit jenseits der Unvollkommenheit der heutigen materialistischen Gesellschaften, insoweit verwandt mit den Verheissungen der Offenbarung. Hinschauen auf die eigenen Eigenschaften und Erfahrungen statt Andere zu beschuldigen. Bemühungen um einen Dialog zwischen sehr vielen Richtungen. ... | Nicht immer
klare Unterscheidung zwischen Christus und angeblichen Christussen,
sowie dem "Christusbewusstsein" einiger Richtungen. Da umfassende Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen nur in ethischen Fragen, aber weniger im Glauben selbst vorliegen, werden Unterschiede z.T. mit Kunstgriffen wegerklärt. Daß auf der Erde ethische Entscheidungen zwischen konstruktiven und destruktiven Kräften nötig sind, wird manchmal nicht verstanden, weil Gott über Allem steht. Daher auch teils Toleranz gegenüber problematischen Erscheinungen, und ein Mangel an jenem ethischen Durchtragen von Schwierigkeiten, das das organisierte Christentum geprägt hat. Als Bewegungen wenig gesellschaftliches Engagement. ... |
* Es wäre auch möglich, die Verwandtschaft der jeweiligen
Kirchen mit den jeweiligen ursprünglichen Aposteln zu untersuchen.
Unterschiedliche Menschen haben in unterschiedlichen Kirchen das, was ihnen ein
Stück weiterhilft.
** Wenn Sie sich für eine Gruppe interessieren, und
diese: a.) läßt Ihnen Ihre persönliche Freiheit und Ihre Kontakte zu Familie
und Freunden; b.) leitet Sie nicht zu unethischen Aktivitäten an; c.) bemüht
sich nicht, Ihnen wegzunehmen, was Ihnen gehört (außer dem Kirchenbeitrag bzw.
Kirchensteuer und freiwilligen Leistungen); d.) bezieht sich auf die Bibel oder
das Neue Testament bzw. auf Jesus Christus im Sinne derselben; e.) erkennt an,
daß sie nicht die einzig wahre christliche Gruppe ist; - dann ist zumindest der
meist abwertend gebrauchte Begriff Sekte unzutreffend; wie auch immer ihre
theologischen Interpretationen aussehen, und wie auch immer ihre zusätzlichen
Traditionen bewertet werden mögen, die bei fast allen Kirchen - außer den ev.-
freikirchlichen - zu finden sind
*** Einen Eindruck davon vermitteln:
"Manduria", Parvis-Verlag, Schweiz (ein Beispiel aus der Gegenwart in
Italien); Georg Schmertzing "Geheimnis Maria" (Zusammenstellung
verschiedener Orte)
**** z.B. Johannes selbst, Clemens von Alexandria,
Origenes, die Paulikianer, Joachim de Fiore, Meister Eckehart, Tauler, Seuse,
Nicolaus von Kues (Cusanus), Jakob Boehme, Angelus Silesius, Paracelsus, Novalis
usw. Solche Kreise mögen ebenso ihre Begrenzungen gehabt haben wie alle Kirchen
ihre, aber sie sind auch ein Bestandteil des gesamten Christentums. Die
Bogumilen und die Katharer waren z.T.damit verwandt, aber etwas einseitig
weltflüchtig.
***** Siehe auch das Kapitel "Zum Umgang mit
Prophezeiungen" - auch generell zu "prophetischen Worten" und
Ähnlichem - im Haupttext von Christuswege.net. Nicht alle
Neuoffenbarungsgruppen betrachten sich als Konkurrenz zu den Kirchen, weswegen
dann auch nicht zum Kirchenaus- bzw. Übertritt aufgefordert wird (z.B. Lorber).
Andere Gruppen wiederum sind sehr kirchenkritisch, weil sie heute noch die
grossen Kirchen als ihre Verfolger wahrnehmen.
c.) Lösungsansätze zu den Konflikten zwischen den Kirchen in der Ökumene.
Die vollen Möglichkeiten des Christentums werden überhaupt erst sichtbar, wenn die ökumenische Vielfalt der Kirchen betrachtet wird. Wer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner der bekannten Lehren der jeweiligen Grosskirchen als christlich gelten läßt, enthält den Menschen und Kirchen genau die Anregungen vor, die sie bräuchten, um voranzukommen in der nötigen Erneuerung des verflachten Christentums im Sinne der frühen Kirche. Es ist nötig, unter Christen voneinander zu lernen. Dabei behalten jedoch alle ihre Identität. Ein stärkeres Bewusstsein von der Zusammengehörigkeit innerhalb der Vielfalt der Kirchen heisst nicht, daß ein Einheitschristentum erstrebt werden müsste. Dies hat Christus selbst in den Sendschreiben an die sieben Kirchen in Asien überhaupt nicht angesprochen; er wusste, daß es unterschiedliche Menschen gibt. Auch die an anderer Stelle gemachte Voraussage einer Zeit, wo es einen Hirten und eine Herde geben wird, heißt nicht, daß diese Herde keine innere Vielfalt mehr hätte. Der höchste "Hirt" ist letztendlich Christus. Er ist auch der Einzige, der eine direkte Vereinigung der Kirchen in der rechten Weise zustandebringen könnte. Auf wen würde denn sonst gehört? Schritte dahin können allerdings gemacht werden. Im Folgenden wird auf die Punkte eingegangen, die von den Leitungen der Grosskirchen zur Zeit als die Haupthindernisse in dieser Diskussion angesehen werden. (Die meisten Menschen in den Kirchen sind nicht sehr interessiert daran, "Hindernisse" aufrecht zu erhalten.)
0. Eine wichtige Basis für ein gewisses
Miteinander der Kirchen ist das weitgehend gemeinsame Verständnis der Taufe als
Sakrament.
Beim 2. Vatikanischen Konzil 1962 gab
es eine gewisse Öffnung für die Ökumene: die katholische Kirche anerkannte,
daß es Elemente wie das Wort Gottes, lebendige Gnade, Hoffnung, Liebe, und die
Gaben des Heiligen Geistes - unsichtbare und sichtbare Elemente - auch jenseits
der katholischen Kirche gibt; und daß so eine "Heiligung" und
Erlösung auch dort möglich ist. Die Katholische Kirche wurde aber weiterhin
als die einzige vollständige Kirche bezeichnet.
1. Die ununterbrochene "apostolische Sukzession"
(Nachfolge) durch Handauflegen seit den ursprünglichen Aposteln und die damit
zusammenhängende Bischofs- und Priesterweihe spricht die katholische Kirche den
Protestanten ab. Daher seien diese keine vollen Schwesterkirchen. Nun sind
jedoch einige evangelische Kirchen mithilfe entsprechender Landesfürsten durch
teilweise Konvertierung entstanden, wobei also auch geweihte katholische
Priester übergetreten sein müssen. Diese waren dann wiederum beteiligt an der
Einsetzung von weiteren Pfarrern in entsprechenden gottesdienstlichen
Handlungen. Das Handauflegen zu verschiedenen Zwecken (Heilung, Segnung ...) ist
durchaus biblisch begründet. Würde dies im katholischen Sinne so ausgelegt -
was die Bibel nicht ausdrücklich vorschreibt - daß dies eine ununterbrochene
Kette bis heute sein muß, dann gäbe es immer noch die Möglichkeit, daß die
evangelischen Kirchen dies Handauflegen wieder einführen - was ihnen insoweit
keinen Zacken aus der Krone bräche; und dazu in ihren eigenen Reihen oder
außerhalb jemanden fänden, der Teil dieser "ununterbrochenen Kette"
ist - was je nachdem schon mehr an das Selbstbewusstsein evangelischer Kirchen
rütteln würde.
Es gäbe aber auch die Möglichkeit, gegenseitig anzuerkennen,
daß die Beziehung zu jenem Heiligen Geist Christi, der sonst durch das
Handauflegen vermittelt wird, auch direkt erbeten werden kann. (Das könnte
sogar jede/r Gläubige. Daher gibt es auch Menschen, die zu christlichen
Heilungen mit Handauflegen offensichtlich besonders befähigt sind, ohne jemals
eine kirchliche Weihe erhalten zu haben; befähigter auch als die meisten
Geweihten.) Darauf folgend könnte dann dieser Heilige Geist von einem Pastor
auch in klassischer Weise durch Handauflegen weitergegeben werden. Diese
Variante wiederum würde wahrscheinlich dem Selbstbewusstsein der katholischen
Kirche fremd sein. (Aber die evangelische Kirche hat es auch nicht praktiziert;
so wäre niemand übervorteilt. Streng genommen könnte die Katholische Kirche
es als Möglichkeit erkennen, und könnte nur einschränkend sagen, daß es mit
normalen Mitteln nicht kontrollierbar wäre, ob auf diese Weise der Heilige
Geist in derselben gültigen Weise wirkt. Dazu hätte sie jedoch zu allen Zeiten
Menschen an der Hand gehabt, die ihr jeweils hätten sagen können, wie gültig
oder ungültig das Ergebnis aussieht (Z.B. Menschen wie Pater Pio usw.). Es
kommt hinzu, daß es auch für die bisherige katholische Weihe eine
wahrscheinliche Einschränkung gibt. Was geschieht mit einem solcherart
Geweihten, der sich durch drastische Vergehen wahrscheinlich das Fliessen
des Heiligen Geistes untergraben hat? Wäre er noch befähigt, den
Heiligen Geist weiterzugeben? Auch dies sind Fragen, die ohne Untersuchungen
bzw. ohne Menschen wie Pater Pio nicht wirklich zuverlässig beantwortbar sind -
egal wie dies die Dogmatik sieht.
2. Die Frage nach der Rolle des Petrusamtes, also des Papstes für die anderen Kirchen steht für die katholische Kirche im Zusammenhang mit ihrem Konzept einer sichtbaren, vollen Einheit der Kirchen unter seiner Führung. Jesus hatte Petrus aufgetragen, seine "Lämmer" und "Schafe" zu "weiden" (Joh.21). Jesus hat damit allerdings nicht die anderen Jünger und deren Schülerkreise Petrus zugeordnet, sondern die vorhandenen Christen in ihrer Breite: z.B. die alten "7 Kirchen in Asien" (s.o.) wurden von Johannes betreut, und nicht von Petrus; viele Gemeinden wurden von Paulus betreut usw. Es ist also die Frage, was jenes "Weiden" durch einen Nachfolger von Petrus unter heutigen Umständen bedeuten könnte. Vertreter orthodoxer Kirchen signalisierten vor einigen Jahren, daß sie mit einem "Ehrenprimat" des Papstes ohne direkte Machtfunktion für die anderen Kirchen einverstanden wären, wie in der frühen Kirche der römische Bischof als Erster unter Gleichen allgemein anerkannt war. Selbst einige protestantische Theologen dachten darüber nach. Der Vatikan ging damals nicht darauf ein. Jedoch äußerte der Papst seinerseits später, die anderen Kirchen sollten sich im Hinblick auf die Einheit der Kirchen überlegen, welche Rolle ihrer Meinung nach das Papsttum haben sollte. Überlegungen würden Niemandem schaden. Würden sich die Kirchen wirklich zusammenschliessen, würden sie sicherlich auch eine gemeinsame Spitze wählen.
3. Die Zulassung der Ordination von Frauen als
Priesterinnen vermissen protestantische Kirchen in der katholischen Kirche.
Jedoch haben auch orthodoxe Kirchen und auch Teile der anglikanischen und der
protestantischen Kirchen selbst in manchen Ländern Schwierigkeiten mit dieser
Frage. Andererseits gibt es auch innerhalb der katholischen Kirche das
"Kirchenvolksbegehren Wir sind Kirche", das auch u.a. diese Forderung
erhebt. Wie wichtig eine solche Frage auch immer ist, es ist nicht einzusehen,
weshalb sie speziell in diesem Zusammenhang des Weges zur Einheit der Kirchen
gelöst werden soll. Das ist eigentlich eine Forderung, die die einzelnen
Kirchen selbst lösen müssen, so wie es dem jeweiligen Bewusstsein entspricht.
Der Vatikan dürfte dann zunächst lediglich den evangelischen Kirchen nicht
absprechen, daß sie mit der Frauenordination in der bisherigen Weise weiter
verfahren dürfen, auch wenn die Annäherung fortschreitet. Freilich kann die
abweichende Praxis eine positive Herausforderung sein, in den einzelnen Kirchen
daran zu arbeiten.
Biblisch ist (von Paulus) zunächst nur eine teils
unterschiedliche traditionelle Funktion von Männern und Frauen in der Gemeinde
anvisiert. Daß Frauen dabei allgemein weniger Rechte haben sollten, war zu
einer Zeit kein Thema, wo die Runde der Jünger noch wußte und erlebte, wie
wichtig die Rolle z.B. von Maria bzw. der Frauen selbst beim Pfingstereignis
war. "Die Frau schweige in der Gemeinde" hatte so sicherlich eine
andere Bedeutung, als sie später hineininterpretiert wurde, und hat mit den
besagten heutigen Fragen wenig zu tun. Da es jedoch zu bezweifeln ist, daß dies
einhellig verstanden wird, bleibt dabei nur das Argument der Unangebrachtheit
dieser Frage als Knackpunkt der Bemühungen in Richtung Kircheneinheit beim
jetzigen Stand. Wer meint, er/sie könne durch ein Verquicken dieser Frage mit
der Einheitsdiskussion die Frauenordination in der Kirche voranbringen, dürfte
sich gleichfalls enttäuscht fühlen. Besser zwei Themen als zwei Themen
behandeln. Wenn die Einheit der Kirchen näherrückt, wird sich zeigen, welche
Kirche wie weit gekommen ist.
4. Die Marienverehrung in der katholischen bzw. orthodoxen Kirche ist in dieser Form zwar in den protestantischen Kirchen nicht vorhanden; aber dies wird offenbar nicht als ein zentraler Streitpunkt auf dem Weg zu größerer Einheit gesehen. Das 2. Vatikanische Konzil gestand auch zu, daß es bei der Liturgie Unterschiede entsprechend der Geistesart der Gläubigen geben könne, auch solche, die gegenseitig bereichernd sein können. Uns wurden z.B. Bemühungen eines evangelischen Pfarrers aus den 50er/ 60er-Jahren bekannt, die Marienverehrung in der evangelischen Kirche in geeigneter Form wieder einzuführen.
5. Einerseits ist verständlich, daß das Kirchenrecht (CIC), dessen frühere Formen Anlaß zu allerlei Mißbräuchen waren, allgemein ein heißes Eisen ist. Die biblisch nicht zwingende Rolle des traditionellen Kirchenrechts in der katholischen Kirche müßte aber keine Frage sein, die Bemühungen der Kirchen um eine stärkere Einheit blockiert, wie die EKD meinte. Dies betrifft zunächst eine einzelne Kirche. Jede Kirche kann ihre eigene Satzung haben und damit auch ihr wie auch immer geartetes Kirchenrecht, muß dies sogar in irgendeinem Maße, solange sie als wie auch immer eingestufte eigene Einheit oder Untereinheit existiert. Die Veränderung dieser innerkirchlichen Normen ist ebenfalls Sache der einzelnen Kirchen, solange niemand verlangt, daß seine Regeln von Allen unbesehen übernommen werden. Und selbst wenn jemand eine solche Diskussion über eine solche Übernahme wollte, wäre auch der katholischen Kirche klar, daß dies ein neues gemeinsames Konzil voraussetzen würde, das eben ein gemeinsames neues Kirchenrecht schafft oder anregt - ebenso wie sie selbst es 1983 an die neue Volk-Gottes-Theologie ihres 2. Vatikanischen Konzils von 1962 angepasst hatte. Es ist also deplaziert, wenn dieses Thema als einheitsverhindernd dargestellt wird.
6. Ein anderer Streitpunkt, die Frage der Rechtfertigung des Menschen vor Gott durch seine Werke oder/ und durch die Erlösungstat Jesu Christi kann aufgrund einer inzwischen dazu existierenden gemeinsamen Stellungnahme von evangelischer und katholischer Kirche als ausreichend geklärt betrachtet werden.
Es wäre somit durchaus möglich, daß die Kirchen im Sinne der Ökumene weiter aufeinander zu gingen, statt Christus weiter durch ihre Abgrenzungen voneinander zu quälen*). Dieses Aufeinander-zu-gehen sollte in der Tat "mit Sensibilität und Rücksichtnahme aufeinander, in Geduld und zugleich mit Mut in Ehrfurcht vor der Wahrheit" geschehen, wie es Papst Johannes Paul II. nannte. Was allerdings unabhängig davon schon heute erlebt werden kann, ist jene "allgemeine Kirche" im Geist von Jesus Christus, die aus Allen besteht, die Jesus Christus auf ihre Weise nachfolgen, und sich bemühen, "den Willen des Vaters zu tun" - gleich in welchen Kirchen sie sind; und auch wenn welche darunter sind, die in gar keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft Mitglied sind, oder die nicht ständig den Begriff Christentum vor sich hertragen. Hierauf baut in Bezug auf das Thema Kirchen die Website "Christuswege" auf. Bemühungen um eine sichtbare Einheit bleiben trotz dieser Erfahrung als Aufgabe bestehen, sind also kein Gegensatz. Dies muß jedoch wirklich aus dem Inneren heraus gewollt sein; eine äußerliche Unterschrift allein wird es nicht bringen.
*) Dabei könnten sich Kirchen wie die Katholische anregen lassen von den diesbezüglichen Christusbotschaften der orthodoxen Christin Vassula Ryden, "Das wahre Leben in Gott" Band 1. Die katholische Kirche wertet solche Schriften als "Privatoffenbarungen" (Inspirationen, s.u.). Oft geht der Inhalt jedoch über solche Inspirationen hinaus, die lediglich für das persönliche Leben der Betroffenen von Bedeutung wären. (Literaturangaben werden von dieser Website nur als zusätzliche Hinweise gegeben, und unsere Erkenntnisse sind unabhängig davon.)
Zurück zum Inhaltsverzeichnis.
Das Neue Testament schildert die direkte Inspiration der einzelnen Gläubigen, wie auch weitere Gaben des Heiligen Geistes als etwas Wichtiges, das allgemein zum Christsein dazugehört (vgl. z.B. 1.Kor 14,26; Mk.16,17). Offenbar wurden aber die Wege dahin erschwert. Es ist aber möglich, um den Heiligen Geist zu beten.
Zwar anerkennt neben den Pfingstkirchen z.B. die katholische Kirche diese Möglichkeit ausgesprochener Botschaften. Sie unterscheidet aber zwischen einer "allgemeinen Offenbarung" für Alle durch die Bibel, die Tradition und ein kirchliches Lehramt auf der einen Seite - und mystische "Privatoffenbarungen" auf der anderen Seite. Letztere werden, sofern sie Sinnvolles für das Leben der Betreffenden oder deren unmittelbaren Umkreis enthalten, unter Umständen als Offenbarung des Heiligen Geistes gelten gelassen, aber nicht als verpflichtend gesehen, und auch nicht besonders gefördert. Besonders dann kam oft erst einmal eine kritische Reaktion aus dieser Kirche, wenn prophetische*) Botschaften mitgeteilt wurden, die sich ihrem Inhalt nach über das Private hinaus an die Kirche oder die Menschheit richten; z.B. in Marien- und Christusbotschaften. Seit Papst Paul VI wird der Druck solcher Schriften durch kirchennahe Verlage offiziell nicht blockiert. Nach wie vor wurden jedoch solche Zeugnisse z.T. zurückgehalten, z.B. jahrzehntelang die 3. Botschaft von Fatima. Die Kirche behält sich in solchen Fällen ein späteres endgültiges Urteil vor. Alle, selbst die Glaubenskongregation sind im Kirchenrecht gehalten, bei einer etwaigen näheren Prüfung das Recht auf Anhörung bzw. faire Behandlung in Can. 844 §3 zu beachten. Can. 220 verbietet weiter unrechtmäßige Rufschädigungen von wem auch immer (wie sie durch vorschnelle öffentliche Verurteilungen entstehen könnten).
In vielen weiteren Kirchen spielt dieser ganze Bereich keine große Rolle, bzw. sie haben keine besondere Praxis des Umgangs damit entwickelt. Andererseits gibt es viele derartige Erscheinungen auch außerhalb der Kirchen. Insgesamt entsteht der Eindruck, daß Gott ein Interesse daran hat, daß auch auf diesem Wege Menschen immer neu angeregt, ja, regelrecht unterrichtet, und auch gewarnt werden. Das ist jedoch ein lebenslanger, schwieriger Lernprozeß; und solche Botschaften zu verbreiten, setzt eigentlich eine besondere Berufung, sowie eine besondere Verbundenheit mit Gott und eine entsprechende Vorbereitung voraus.
Die ersten Apostel - Menschen, die durch die ihnen gegebenen Gaben für Jesus Christus stehen konnten - lehrten nach 1.Kor 14,26 direkte Offenbarungen und deren Auslegung auch als Bestandteil der Zusammenkünfte. 1.Kor.12,4-7: "Was nun der Geist in jedem Einzelnen in uns wirkt, ist zum Nutzen Aller bestimmt". Nach 1.Kor. 12,28 kann die Rolle von "Propheten" *) den Aposteln nachgeordnet gesehen werden, und in der dritten Reihe kamen die Lehrer. In 1. Kor.14 werden Zungenreden zum eigenen Aufbau von prophetischen Reden zum Aufbau der Gemeinde unterschieden; Menschen mit prophetischen Gaben waren ausgesprochen geschätzt, zumal die anderen Jünger nicht automatisch diese Aufgabe erfüllen konnten (z.B. Matth.10,41).
Unterscheidungsmerkmale: Hier geht es nicht so sehr um die Frage, ob es überhaupt Inspirationen gibt, die nicht der Autosuggestion bzw. Massensuggestion, der Schizophrenie oder anderer psychischer Erscheinungen zuzurechnen sind. Wer ohne Vorurteile solche Phänomene im Christentum studiert, wird rasch bemerken, daß solche einengenden rein psychologischen Erklärungsversuche in den meisten Fällen nicht ausreichen**. Nach dieser Erkenntnis beginnen jedoch erst die eigentlich interessanten Fragen.
Es ist sinnvoll, Erkenntnis zu suchen, was aus dem Geist der Wahrheit kommt und was nicht; vgl. 1.Joh.4,1. Dies muß aber mit der nötigen Behutsamkeit und Achtung geschehen. Allein von der Bibel her gesehen wäre es nicht automatisch so, daß Priester immer durch theoretische theologische Einschätzungen über diese Offenbarungen des Geistes befinden könnten. Die Wenigsten können unmittelbar wahrnehmen, aus welchem Geist eine Botschaft kommt; daher sind entsprechend Matth. 7,15-20 prophetische Gaben vor allem nach ihren "Früchten" einzuschätzen. D.h. wo sie zu Christus führen - z.B. zu sog. "Bekehrungserlebnissen" mit einem folgenden positiven Wandel im Leben; oder auch zu seelischer bzw. körperlicher Heilung u.a., wäre es äußerst fragwürdig, sie als unecht oder gar "vom Teufel kommend" abzutun, denn sie pflegen durch Gnade zu geschehen - Joh. 15,5: "ohne mich könnt ihr nichts tun". Auch wenn dadurch z.B. größere Liebe zu Christus und den Mitmenschen entsteht, ist dies ein positives Zeichen. Vgl. auch die Warnung vor dem Urteilen in Matth.7,1; Matth.12,24-30 und Apostelgeschichte 5,38-39. Auch moraltheologisch und nach weltlichen Rechtsgrundsätzen wäre es falsch, im Zweifel verurteilend zu handeln.
- Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal kann die Bescheidenheit des Auftretens
solcher Menschen sein; denn nur wo der Mensch "leise" wird, kann er
Gottes Geist hören. Theologiekenntnisse sind hier überhaupt kein Merkmal; oft
wurden gerade einfache Menschen ausgewählt ("Laiencharismen").
Gebildete können dies nur, wenn sie nicht eingebildet bzw. festgefahren sind,
und so trotzdem zu jenen "geistlich Armen" nach Matth. 5,3 gehören.
(Z.B. die Sadduzäer - Rationalisten und Materialisten - und die Pharisäer -
soweit sie mehrheitlich im religiösen Verstandeswissen erstarrt waren -
gehörten beide nicht zu jenen "Armen im Geist".)
- "Daß Ihr euer Leben würdig wie Menschen lebt und eure täglichen
Pflichten erfüllt, aber auch Gott dem allmächtigen Vater den gebührenden
Platz in Eurem Leben einräumt" (aus Marienbotschaften an die Seherinnen
von Garabandal und anderswo).
- Ein liebevolles Verhalten im Sinne der Ethik Jesu - s. etwa Matth. 7,12 - kann auch deswegen ein solches Merkmal sein, weil der Mensch umso mehr über sein Inneres Kontakt zum Geist bekommt - der über dem Verstand steht -, je mehr er in Einklang mit göttlichen Eigenschaften wie der Liebe kommt. Ethik bedeutet hier aber nicht automatisch das Sich-Einfügen in gängige traditionelle Vorstellungen über fromme Personen, etwa hinsichtlich Bekleidung, Kirchgang usw.
Z.B. wo jemand aggressiv, sich auf Inspirationen von Christus berufend, angelesene landläufige, verleumderische Urteile über Mitchristen verbreiten würde, damit Unfrieden stiftend, wäre also die Wahrscheinlichkeit besonders groß, daß es sich weder um eine berechtigte Aktivität noch um eine echte Botschaft Christi oder des Heiligen Geistes handelt.
- Ergänzend spielt die Freiheit von äußerer geistiger Unterdrückung als Merkmal eine Rolle. Der Heilige Geist ist frei von menschlichen Einteilungen, und er braucht zu seinem Gedeihen Freiheit. Der Mensch hat ein eigenes Gewissen, welches nicht identisch ist mit einer Prägung durch äußere Einflüsse. Apostelgeschichte 5,29: "Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen". Damit wird hier jedoch nicht bestritten, daß geistliche Wegbegleitung weiterhin ihren Sinn hat. Es muß nicht jede Generation ganz von vorne anfangen.
- Kriterien wie die "Übernatürlichkeit" wurden zwar oft untersucht: z.B. Begleiterscheinungen in einigen Fällen der sog. "Verzückung" (kein Blinzelreflex, Herzschlagfrequenz verändert, Puls verlangsamt, Blutdruck höher - und keine Hinweise auf Manipulationen oder Drogen); oder daß die Person das Mitgeteilte nicht wissen konnte usw. Das ist aber nicht entscheidend, da der Geist sich auch der "natürlichen" Eigenschaften des Menschen bedienen kann.
Es gibt viele Formen, über die sich eine Botschaft aus dem Geist äußern kann. Z.B. das "Innere Wort aus dem Herzen" bei vollem Bewusstsein - also nicht zu verwechseln mit schizophrenen oder hypnotischen Erscheinungen. Bei einiger Praxis wird auch klar, daß es einen anderen Charakter als telepathische Erscheinungen hat. (Vgl. "Vom Inneren Wort", Auswahl aus Johannes Tennhardt, u.a., Lorber-Verlag.) Selten kommt auch ein tranceähnlicher Zustand in Betracht, wo der Mensch weitgehend in den Hintergrund tritt, aber auch dann wäre an den Umständen (z.B. die Art der Einstimmung bzw. Verbundenheit mit Gott) zu unterscheiden, daß es sich nicht um eine normale Trance, d.h. eine reine Bewusstseinseinengung handelt - bei der auch sehr problematische Inspirationen im Sinne des Spiritismus kommen könnten, die auf die Teilnehmer schwächend wirken. Weiter kommt es vor, daß jemand etwas innerlich als Vision, Licht oder Idee erlebt, und es dann in Worte umsetzen und aufschreiben kann. Auch direktes Schreiben kommt vor, jedoch bei Bewusstsein, also zu unterscheiden vom automatischen Schreiben des Spiritismus, welches in Trance geschieht.
Daß der "Heilige Geist" in einer Botschaft gewirkt haben kann, gilt nicht nur bei direkter Anrede aus geistiger Quelle (:"..."). Sondern auch ein Gedanke, ein Gespräch zwischen Menschen oder ein Aufsatz oder Buch kann ganz oder teilweise aus dieser Inspirationsquelle stammen, da sie die menschliche Kreativität so anregen kann, wie sie das will. Zum Heiligen Geist allgemein vgl. Joh.3,8; Joh.14,26 und den Haupttext von Christuswege.net, Teil 1, u.a. Kapitel "Das erste Pfingstereignis".
Zu Prophezeiungen im engeren Sinn von Zukunftsvisionen siehe die entsprechenden Kapitel im Haupttext von Christuswege.net, Teil 2, z.B. das Kapitel "Zum Umgang mit Prophezeiungen"
*) Prophetie - aus dem Griechischen - bedeutet zunächst Hinweise aus dem übersinnlichen Bereich, im christlichen Sinne von Gott. bzw. dem Heiligen Geist. Inspirationen, die eher Die "Zukunftsvoraussagen", die häufig darunter verstanden werden, sind also nur ein Spezialfall: dazu siehe z.B. im Haupttext Teil 2 das Kapitel "Zum Umgang mit Prophezeiungen". Hier sei noch auf einige alttestamentarische Stellen zum Charakter der Prophetie hingewiesen - mit dem Vorbehalt, daß sich die Voraussetzungen dafür seither geändert haben (die alte Art von Prophetie war bis zur Zeit Jesu praktisch eingeschlafen, und sie wurde neu erweckt): Joel 3,1-2; Amos 3,7-8.
**) In manchen Fällen können jedoch auch Menschen mit echten inspirativen Fähigkeiten zeitweise in Zustände geraten, die bekannten psychischen Störungen ähneln - etwa mit einem zwanghaft fortgesetzten Fluß der inneren Dialoge, und einer anhaltenden Unfähigkeit, mit irdischen Notwendigkeiten umzugehen. Zur möglichsten Vermeidung solcher Exzesse könnte neben den obigen Gesichtspunkten auf folgende äußere Voraussetzungen geachtet werden: genügend Schlaf; genügend B-vitaminreiche Ernährung, z.B. mit genügend B-Vitaminen - d.h. Vorsicht mit Fasten usw. in diesem Zusammenhang, wenn damit keine ausreichende Erfahrung vorliegt; klare Einstellung auf die erwünschte Quelle, d.h. auf Christus beibehalten; keine allzulangen Sitzungen, die Gelegenheit zum Abschweifen und zum "Überdrehen" bieten würden; genügend Bemühungen, außerhalb der intensiveren inneren Erlebnisse auch wieder in der irdischen Gegenwart anzukommen. Helfer, geistliche Begleiter, Therapeuten u. dgl. können sich in solchen Fällen oft nur dann wirklich zweckdienlich verhalten, wenn sie spezifische Erfahrungen / Kenntnisse haben, wozu gehört, nicht nur die momentan gestörte Verfassung, sondern auch das ungestörte Grundphänomen ernst zu nehmen.
Es ist einerseits möglich, eine ganz individuelle, innere Verbindung zu Jesus Christus und zu Gott zu finden. Dies ist der Kern. Sogar zu den nötigen äußeren Anregungen kann jemand direkt von Gott geführt werden, wenn er auf diese feineren Winke achtet.
Es gibt jedoch eine weitere Ebene dieser Verbindung, die sich erst in Gemeinschaft mit Anderen entfaltet: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (Matthäus 18,19-20). Dies ist zunächst einfach das, was es wörtlich aussagt. Weniger leicht erlebbar, aber grundsätzlich möglich wäre dies auch aus der Ferne, wenn sich Menschen z.B. zu einer bestimmten Zeit absprechen. Ein Mystiker könnte eine derartige Verbundenheit sogar ohne Absprache erleben. Dies wäre jedoch für die Meisten ein zu hoher Anspruch. Der Mensch ist meist nicht zum Einsiedler geboren.
Diese Form der Gebetsgemeinschaft kann z.B. in einen regelmäßigen Hauskreis münden. Des weiteren kann es in einer Kirchengemeinde gelebt werden, oder in einer sonstigen individuell geeigneten Glaubensgemeinschaft. Auch wenn dabei die eine oder andere Kirche ihre Rolle für die Gläubigen aus ihrer Tradition heraus überbetonen möchte, ändert dies nichts am Sinn der Sache.
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Die anschließende Vision schildert zunächst die Anbetung Gottes durch die „24 Ältesten", die „sieben Geister vor dem Thron Gottes", und die „vier Gestalten" – womit unterschiedliche Urqualitäten ausgedrückt sind und die Schöpfung. Dann wird geschildert, wie nur das „Lamm" – mit Attributen des Christus – das Buch mit den sieben Siegeln öffnen konnte - Off. 4 - 8, 1. Diese Vision spielt im „Himmel" – in diesem Zusammenhang der göttliche Bereich. Die Inhalte der Siegel werden zunächst auf einer Ebene geschildert, deren Kräfte durch Symbole gekennzeichnet sind – die vier verschiedenfarbigen Pferde bzw. Reiter. Von Veränderungen auf dieser Ebene, vergleichbar mit einer bildhaften Traumebene, gehen hier nur indirekt Wirkungen auch auf das Erdgeschehen aus.
Trotz dieses primär auf die Entwicklung dieser psychischen Ebene im Großen gerichteten Charakters dieser Abschnitte heißt es zu Beginn auch „ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll", d.h. nach den sieben Gemeinden. Dementsprechend versuchten R.Steiner und Arthur Schult, weitere sieben „Siegelkulturen" auf der Erde anzudeuten, die mit jener Reinigung der betreffenden Bewusstseinsebene zusammenhängen. Die aus Christusinspirationen in Mexiko enstandene "Buch des wahren Lebens" legt in die 7 Siegel die gesamte Geschichte von den Zeiten "Kains und Abels" bis zur kommenden Zeit der Vollendung.
Jedenfalls ermöglicht dieser Text keine klare Identifizierung mit der physischen Erde der Gegenwart. Würde im Stile mancher Freikirchen in dieser Richtung nachgedacht, dann könnten allenfalls schwache Anklänge der ersten vier Siegel an die beiden Weltkriege, das anschließende Gleichgewicht des Schreckens zwischen Ost und West, sowie Hunger und Seuchen vermutet werden; Religionsverfolgungen und Katastrophen kosmischen Ursprungs würden sich eventuell anschließen: Meteore, Beben, unter Umständen Polwende/Polsprung; siehe aber das Kapitel „Die letzten sieben Plagen".
Bereits z.B. jene Szene im Johannes-Evangelium 2 – Hochzeit in Kana und Vertreibung der Händler und Wechsler aus dem Tempel durch Jesus – s. unser Kapitel dazu - erinnern in ihrem gemeinschaftsstiftenden bzw. kämpferischen Charakter an diese Abschnitte.
Prophezeite Jesus im Kapitel 5 des Johannesevangeliums die Scheidung der Geister, die Gutes, und die Übles getan haben, so geht die Schilderung zwischen dem 6. und 7. Siegel in die seelische „Versiegelung der Auserwählten aus zwölf Stämmen" über, und den "Triumph der Auserwählten im Himmel".
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Auch die Vision der Engel mit den sieben Posaunen spielt sich im „Himmel" ab - Off. 8, 2 - 11, 19. Die aufsteigenden „Gebete der Heiligen" und auch das auf die Erde herabgeschickte „Feuer vom Altar", wie auch die Posaunen selbst als im Kopfbereich benutzte Instrumente spiegeln eine mehr geistige Ebene, wie es auch bei Träumen mit ähnlichen Symbolen wäre. Hier ist diese der Ausgangspunkt der Veränderungen, die z.T. bis ins Irdische reichen mögen, wo allerlei Schatten aufgewirbelt werden.
Trotz dieses primär geistigen, nichtphysischen Charakters ist auch hier versucht worden, sie zeitlich nach den Siegeln z.B. als irdische „Posaunenkulturen" einzuordnen. Auch in der Zeitgeschichte Anklänge zu finden, ist schwierig: Es wäre nicht ausgeschlossen, Waldsterben und Gifte im Zusammenhang mit der Qualität der 1./2. Posaune zu sehen. Bei der 3. Posaune ist verschiedentlich aufgefallen, daß jene Fackel, die auf 1/3 der Wasserströme fiel, Wermut = Tschernobyl heißt. Die 4. Posaune könnte eine Gestirnskonstellation hervorheben, wie sie z.B. Mitte August 1987 in einem kosmischen Dreieck aller Planeten vorlag. Teile der New-Age-Kreise meditierten damals ohne Berufung auf die Apokalypse, aber mit Hinweis auf die apokalyptische Zahl der 144000 Menschen – indianisch „Regenbogenkrieger" – über den angeblichen Beginn bzw. eine Station auf dem Wege in ein Neues Zeitalter. Die fünfte Posaune – Rauch aus dem Brunnen des Abgrunds, eiserne Heuschrecken, fünf Monate Qual...– könnte den Eindruck hinterlassen, der Golfkrieg sei zumindest ein äußerliches Abbild der Kraft dieser Posaune und deren Fortsetzung in der sechsten Posaune. Die siebte Posaune führt in den „Tempel Gottes", wiederum begleitet mit Blitzen und Stimmen und Donner usw., was auch innere, mystische Bedeutung haben kann.
Bei der siebten Posaune gibt es auch Stimmen, nach denen in diesem Stadium „die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus" bereits da sind; zumindest auf geistiger Ebene, hat sich bereits Einiges entschieden, was auf der Erde noch nicht voll durchgearbeitet ist. Die Kraft der „Posaunen" ist vergleichbar mit derjenigen der „Verklärung" (Matth. 17, und unser entspr. Kapitel) und der Lehren in ihrem Umfeld, auch der Bergpredigt (Matth. 5-7) usw.
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Nach der sechsten Posaune „redeten sieben Donner", deren Inhalt Johannes „versiegeln" und nicht niederschreiben soll. Dann wird der „Tempel im Himmel gemessen". Zwei Propheten werden getötet und auferweckt. Off. 10 - Off. 11, 14. Hier ist eine Verwandtschaft mit der Auferweckung des Lazarus im Evangelium feststellbar - unser Kapitel dazu und Joh. 11.
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In allen Phasen des Geschehens sind die spirituell tragenden Kräfte und die verschiedenen widerstrebenden Kräfte beteiligt. Im Text ist einmal die eine Seite breiter ausgeführt, ein andermal die andere. Das Zeichen im Himmel, das „Weib mit der Sonne bekleidet, und den Mond unter den Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen" - Offenbarung 12 - zeigt unverkennbar „Sophia", die Himmels- bzw. Weltenmutter, weniger der Aspekt einer Erdmutter; - siehe im Kapitel „Das erste Pfingstereignis" in dieser Arbeit. Deren z.T. angenommene Beziehung zu Maria wurde bereits erwähnt. Maria wohnte im Alter auch symbolträchtig in einer Höhle, in der früher die Muttergöttin Kybele verehrt wurde, wie um hier Neues zu bringen. Ihr „Kind" in der Offenbarung – ein Kind eines Himmelswesens ist zunächst auch als Himmelswesen zu sehen –, das später Menschen mit „eisernem Szepter", d.h. u.a. mit ständiger Ermahnung an ihren aufrichtigen, individuellen Kern führen soll, wird sich auf eine bestimmte Wirkensart des kosmischen Christus beziehen; es kann auch mit "eisernem Stab" übersetzt werden, und ist so nicht nur ein Königssymbol, sondern auch ein Symbol des " Einweihenden", und kann auch mit den "himmlischen Heerscharen" zu tun haben. Mehr im Kapitel „Die letzten 7 Plagen (Zornesschalen)".
Hier wird z.T eine Beziehung zum Charakter der Fußwaschung und der vorherigen Salbung durch Maria in Bethanien erkennbar - s. unser Kapitel "Christus und die Fußwaschung" und Ev.Joh.12,13. Auch die Wiederaufnahme des Motivs der Neugeburt auf immer höheren Ebenen der Entwicklung ist darin enthalten.
Der „Drache" mit seinen negativen Engeln ist die Kehrseite. Durch „Michael und seine Engel" werden sie im Kosmos besiegt und auf die Erde geworfen. Himmel und Erde schützen jetzt ihnen gegenüber das Weib.
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Auch die beiden anderen negativen Kräfte treten in dieser Vision auf; zunächst die mehr auf Wünsche und Leichtfertigkeit gerichtete - Off. 13, 1-10; vgl. unser Kapitel "Die Versuchungen" und Joh. 13, 1-10 und Matth. 4, 5-11. Die sieben Köpfe werden später in der Offenbarung selbst gedeutet als „sieben Berge, auf denen die Hure Babylon sitzt" und die Berge wiederum als „sieben Könige".
U.a. wegen der „sieben Berge", die u.a. an die Siebenhügelstadt Rom erinnern könnten, gibt es christliche Freikirchen, die in der „Hure Babylon" das Papsttum erblicken. Das scheint jedoch etwas weit hergeholt, und trotz der historischen Problematik der katholischen Kirche durch die übrige Symbolik nicht gedeckt. In Off. 18:11-23 wird eindeutig ein Zusammenhang mit dem globalen Welthandel hervorgehoben. (S. Kapitel "Die letzten sieben Plagen und das Ende Babylons...".) Das "Bild" des Tieres lt. dem folgenden Kap. Off.14 könnte etwas mit falschen Bildern (Vorstellungen) von Jesus zu tun haben.
Die zugrundeliegenden verführerischen Kräfte dieses „Tieres" können besonders durch die Kraft verwandelt werden, die in unserem Kapitel "Die Geißelung" beschrieben wurde - Joh. 19,1.
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Hier haben wir jene negative Kraft, die auf materialistische Sachzwänge gerichtet ist - Off. 13, 11-18; vgl. unser Kapitel "Die Versuchungen" und Matth. 4, 1-4. Die zehn Hörner werden in der Offenbarung selbst als „zehn Könige", die einer Meinung sind und ihre Macht diesem Tier geben, gedeutet.
Der Zusammenhang der Kennzeichnung der Menschen an Stirn und Hand, sowie der Zahl 666 in diesen Kapiteln, als Voraussetzung für das Kaufen- und Verkaufen- Können, findet sich bereits besonders deutlich widergespiegelt auch im Weltgeschehen. Die Entwicklung der Computervernetzungsmöglichkeiten, der Scheckkarten, die Strichcodes mit drei Doppelstrichen als Begrenzung = 666 in diesem Code, die in Kanada bereits entwickelten bzw. die in Malaysia in einem Großversuch getesteten Geräte zur Personenkennzeichnung an Stirn oder Hand, die Bezeichnung „La bête" = das Biest, das Tier für die alte EG-Verrechnungszentrale in Brüssel, ein internationaler Bank-Code 666, usw., zeigen eine Tendenz; wie unbewusst oder auch bewusst und eventuell witzig gedacht z.B. bestimmte Bezeichnungen auch zustande gekommen sein mögen. Das biblische „Tier aus der Erde" ist auch identisch mit dem „Götzen Mammon".
Eine weitere, noch nicht ganz ausgestandene Tendenz ist auch, die immer dramatischer werdenden Umweltprobleme zuerst mit unwirksamer technischer Umweltkosmetik, und danach wohl umso mehr durch eine täuschende, technokratische Ökodiktatur anzugehen - statt die eigentlichen effektiven Kurskorrekturen eher demokratisch bzw. mit Unterstützung der Bevölkerung zustandezubringen. Manipulationsmechanismen werden durch klare Erkenntnis ihres Charakters ihrer Auflösung nähergebracht. Dieser Prozess hat einen Zusammenhang mit der Kraft, die bezüglich der Dornenkrönung erwähnt wurde - unser Kapitel und Joh. 2 - 3.
Auch in den Kapiteln über den Drachen und die beiden Tiere sind eventuell Anklänge in Erscheinungen der Gegenwart noch nicht der ganze Gehalt. Das Ganze spielt, wie erwähnt, nicht nur auf der physischen Erde. In der nachfolgenden erneuten Vision der 144000 (J.O.14) treten erneut nacheinander mehrere Wesen bzw. Engel auf, die zwei verschiedene Menschengruppen auf der Erde „ernten". Die mit dem Tier Verbündeten werden in die „Kelter des Zorns Gottes" geworfen, d.h. Auswirkungen der Naturgesetze überlassen. Allerdings sei darauf hingewiesen, daß die Offenbarung in Wirklichkeit keine "ewige Verdammnis" kennt, sondern daß letztendlich alles zu Gott finden kann; und in höherem Sinne alles von ihm umhüllt ist. Vgl. J.O. 22 und das diesbezügliche Kapitel über die "Neue Erde" in dieser Schrift.
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Diejenigen, die gegenüber dem Tier und seinem Bild standfest blieben, tauchen in der nächsten Vision auf, in einer Ebene, die als „gläsernes Meer, mit Feuer gemengt" umschrieben wird. Aus dem „Tempel im Himmel" kommen erneut sieben Engel, mit den „letzten sieben Plagen", die sie aus „Zornesschalen" auf die Erde, auf das „Meer", in die „Wasserströme", in die Sonne, auf den „Stuhl des Tieres", auf den „Euphrat" und in die „Luft" (Off. 15,5 - Off. 21).
Einerseits sehen wir hier eine noch höhere Bewusstseinsebene am Werk; andererseits kann diese ein noch tieferes und existenzielleres Aufwühlen auch aller Elemente der Erde und des sichtbaren Teils des umgebenden Kosmos bewirken: Geschwüre, Gifte, Leiden, Feuer, Dunkelheit, negative „Geister" und eine weltweite Katastrophe mit Kontinentalverschiebungen, Senkungen oder Überflutungen, Meteorfällen, einschließlich einer Dreiteilung bzw. Zerstörung der materialistischen Zivilisation „Babylons" - Off. 17 - 18,24. Eine Möglichkeit bzw. „Zeitfenster" für ein Geschehen in dieser Richtung zeigte sich bereits beim sechsten Siegel.
Es ist auch hier möglich, hierfür letztendlich größere Zeiträume zugrunde zu legen. Jedoch deuten die Abschiedsreden Jesu (z.B. Markus 13) und viele Prophezeiungen, die im Anschluss an die Johannesapokalypse entstanden sind, einhellig auf einen zentralen Umbruch in den Jahren um 2000, der alle Weichen neu stellt. (Siehe oben: Zum Umgang mit Prophezeiungen). Wissenschaftliche, in ihrer Bedeutung noch nicht voll erkannte Befunde weisen in die gleiche Richtung. Die massive Abnahme des erdmagnetischen Feldes und eine inzwischen hinzugekommene ungewöhnliche Häufung von Erdbeben und vulkanischen Aktivitäten, das „Hellerwerden" der Sonne unabhängig von klassischen Zyklen der Sonnenaktivität, sowie der Verlauf des Maximums der Sonnenaktivitäten 2000/ 2001 zeigen wachen Menschen, daß hier etwas Ungewöhnliches im Anzuge ist.
Falls sich die Magnetpole plötzlich stark verlagern oder gar das Magnetfeld praktisch in sich zusammenfiele, und sich dann in umgekehrter Richtung wieder aufbauen würde, wie es in der Erdgeschichte mehrfach vorkam, würde dies zu einer geologischen Umwälzung führen. Diese würde nicht nur eine neue Situation für die Menschheit, sondern auch ein neues erdgeschichtliches Zeitalter einleiten. Würde der magnetische „Van-Allen-Gürtel" im Umkreis der Erde z.B. seine wahrscheinliche Schutzfunktion gegenüber Partikeln und „kosmischem Staub" zeitweise verlieren, könnten auch die prophetisch angekündigten Meteorfälle leicht Wirklichkeit werden.
Eigene u.a. Erkenntnisse u.a. deuten zwar darauf hin, daß die von manchen Autoren gefürchtete umfassende Zerstörung nicht oder nicht mehr sein muss, weder in Form eines dritten atomaren Weltkriegs noch durch ein komplettes ökologisches Desaster, noch im Sinne der Theorie des Polsprungs der Rotationsachse oder deren Wende vor dem kosmischen Hintergrund. Vieles hat sich an den Grundlagen solcher Visionen geändert.
Da einerseits apokalyptische Prozesse in göttlicher Zielrichtung, andererseits aber Manipulationen vieler Naturprozesse durch egoistisch gebliebene Teile der Menschheit und deren „Eliten" real im Gang sind, neben einigen positiven menschlichen Einflüssen, könnten beschränkte Erdveränderungen mit bis ins Astronomische reichenden „Neujustierungen" unumgänglich sein; neben den Veränderungen in der Menschheit und in deren Bewusstsein.
Häufig vorhergesagt wurden „antichristliche" diktatorische Bestrebungen derer, die ihre Macht behalten wollen, wie auch die Verkürzung bzw. das Ende dieser alten Zeit durch jene Umwälzung mit bis zu drei Tagen Dunkelheit. Diese Veränderung kann somit nicht einfach als Unsinn abgetan werden.
In diesem Zusammenhang wird aus der Marienvision von
Garabandal eine „Grosse Warnung" prophezeit, die weltweit allen Menschen
schonungslos im Innern zeigt, was sie an sich überwinden (lassen) müssen -
vgl. Joh. 16:8; Off. 14:6-20 -, wenn sie den Durchgang zum Licht schaffen
wollen (vgl. Joh. 16:13). Dies sei verbunden mit einer
sichtbaren Erscheinung am Himmel. Innerhalb eines Jahres danach soll ein
"Grosses (Heilungs- ) Wunder" geschehen, und ein Zeichen in Garabandal
zurückbleiben. Nur soweit die Menschheit daraufhin nicht umkehrt, soll später
das vielfach angekündigte große "Strafgericht" (der
"Zornesschalen" = der "letzten 7 Plagen") durch
"Feuer vom Himmel" stattfinden (siehe außerdem Mt. 24:28).
(Franz Speckbacher, "Garabandal" S.120... Die in der Literatur
über Marienoffenbarungen meist zu findenden Kommentare aus streng katholischer
Sicht sollten nicht darüber hinwegtäuschen, daß die prophetischen
Ankündigungen für die ganze Menschheit gedacht sind.)
Eine mögliche Vorbereitung könnte es sein, - neben der Bereinigung des eigenen
Lebens - jetzt schon um eine stärkere Einwirkung des Heiligen Geistes zu beten.
In neueren „Durchgaben" usw. wird von einer "Nullzone" gesprochen, nach der diejenigen, die die Reife dazu haben, auf der Erde in ein kosmisch-spirituelles Kraftfeld eintauchen – oft nicht ganz exakt „Photonenring" genannt – und ein Leben mit den Fähigkeiten der „Lichtkörper" höherer Dimensionen im Physischen führen können (siehe die Kapitel "Die Auferstehung" und „Das Friedensreich").
Es werden auch Hilfsaktionen wie zeitweise „Entrückungen" durch Christus, oder durch die Engel vorbereiteter Menschen, vorläufige Evakuierungen und weitere Hilfen durch positive Außerirdische angekündigt. Woher jemand Hilfe erhofft, muß jede/r aufgrund Religion oder Weltanschauung selbst wissen. Da es auch im Kosmos Licht und Schatten gibt, ist es gut, angesichts der wahrscheinlichen Kompliziertheit des Geschehens bei allem um die Führung Christi zu bitten, und die eigene Differenzierungsfähigkeit anzuwenden, – denn diese ist ein spezifisch irdischer Weg in Richtung der Einheit, im Zusammenhang mit dem, was an neuen Kräften von oben hinzukommt.
In diesem Durchgang geht es im Kern um die letzten Chancen der Entscheidung auch aller einzelnen Menschen in ihrer Seele, ob sie an der Entwicklung hin zum "Friedensreich", wie sie Gott für die Erde vorsieht, weiter teilnehmen wollen. Am Schluß dieses Geschehens findet letztendlich die Wiederkunft Christi statt (J.O.19, vgl. J.O. 12, Matth. 24:30): Christus kommt nicht einfach wieder als Erdenmensch, sondern als Kern eines umfassenderen Geschehens des Näherkommens von Gottes "Himmel" (und "Jenseits") und Erde ; sowie von Geist (und Seele) und Körper. Dennoch ist sehr wohl auch eine Wiederkunft von Christus als reales Wesen beschrieben, also nicht allein die durch ihn bewirkte Veränderung in der Menschheit, wie einige moderne Gruppierungen vermuten. Dieses Geschehen hat direkt oder indirekt für alle Menschen eine Bedeutung, nicht nur für Christen. Eine Wiederkunft Jesu als Zeuge über die Seinen beim göttlichen Gericht wird auch im Koran anerkannt. Weiter kann es auf Grund von Prophezeiungen aus anderen Religionen sein, daß deren Propheten auch erneut eine Rolle spielen werden, und ihren Anhängern auf die Sprünge helfen.
Auch für diesen Schritt der Offenbarung passt kein Bestrafungsdenken. Er erscheint eher als Teil eines in sich logischen Konzepts, das auf eine weitere Evolutionsstufe des Lebens auf der Erde ausgerichtet ist. Sie, wo auch immer, als gemeinsamen Durchgang zu Höheren zu erleben, wobei alle letztendlich zur für ihre Entwicklung richtigen Stelle bzw. Ebene finden werden, ist die Herausforderung. Wer in sich die jeweils nötigen erneuernden Kräfte in gutem Willen in sich aufnimmt, und umsetzt, kann eher das Positive darin erleben, jedoch auch das Leiden der Welt mitempfindend. Wer hingegen das Neue nicht in sich einlassen will, erlebt es wie etwas von außen Aufprallendes. Das ist der eigentliche Charakter des „Gerichts" bzw. des "Jüngsten Tages" im Sinne der Apokalypse. Der Mensch hat eine große Entscheidungsfreiheit, aber, wie auch sonst im Leben, zu einem bestimmten Zeitpunkt muss er sich entschieden haben, andernfalls ist keine Entscheidung unter Umständen auch eine – die „Lauen" sind im Kontext der Offenbarung nicht besonders gut angesehen (siehe in "Die 7 Kirchen" mit Ergänzung). Die Scheidung der Geister gehört auch auf dem Weg zur letztendlichen Einheit zum Kern des Geschehens der Apokalypse.
Die „sieben Plagen" – die siebte endet mit einer Stimme vom Himmel „Es ist geschehen" – entsprechen der Kreuzigung und dem dabei geäußerten „Es ist vollbracht", s. u.a. Joh. 19, und unser Kapitel dazu.
Mystisch/ durch Einfühlung kann heute bereits erlebt werden, wie die Erde leidet und um Hilfe schreit, ja, wie sie sich auf jene „schwere Geburt" vorbereitet. Die Kreuzigung bzw. das „Grab" als Durchgang zur Auferstehung betrifft hier die ganze Erde, und reicht in den Auswirkungen über diese hinaus. Auch hier ist zu erahnen, wie bei den Schritten der Evangelien erwähnt, daß der Durchgang von der Kreuzigung über einen Zustand jenseits von Leben und Tod zur Auferstehung heute als Einheit wirkt; sodass auch von daher gesehen die Schritte der "letzten Plagen" ohne eine "weltuntergangs"artige Katastrophe ablaufen können.
Da die Offenbarung nicht auf einen mechanisch ablaufenden Film, sondern auf eine vielschichtige Entwicklung aufmerksam macht (s. das einführende Kapitel "Die Offenbarung des Johannes"), kann es sein, daß das tatsächliche äußere Geschehen weiter fortgeschritten ist, als es Manchen scheinen mag, die vielleicht auf die eine oder andere Einzelheit starren, die sich (noch) nicht ereignet hätte. Auf anderen Gebieten ist schon Einiges an Plagen vorhanden, die in dieser weitgehenden Form in der Offenbarung noch gar nicht angelegt waren.
Eine Ergänzung: Auch die neuen Bücher von Wladimir Megre über die sibirische weise Frau Anastasia (Wega-Verlag, Neufelderstr.1, D-67468 Frankeneck) enthalten das innere Wissen, daß die alten Programme der Weltkatastrophe veränderbar sind; und Alles mithilfe von Menschen und im Einklang mit Gott zu optimieren ist das Ziel. Aber auch das heißt nicht, daß alles so weitergehen könnte wie bisher.* (Christuswege ist unabhängig von solchen Bestrebungen Anderer, und stimmt nicht automatisch mit allen Inhalten ihrer Bücher oder Webseiten überein.
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Diese kurze Übersicht setzt das Kapitel zum Umgang mit Prophetien als bekannt voraus. Sie ergänzt die Kapitel zur Johannesoffenbarung in derselben Webseite. Die folgenden Szenarien sind nicht automatisch alle christlichen Ursprungs, und die meisten werden von dieser Webseite auch in dieser Form nicht unterstützt. Aber wir haben nur einen Planeten, auf dem diese Konzepte miteinander im Wettstreit stehen. Hier wird lediglich gezeigt, welche unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen in den vorliegenden Prophezeiungen, hellseherischen Angaben und "Durchgaben" / Channelings enthalten sind, gegenüber der rein materiellen Zukunftsforschung.
1.) Ein unverändertes Weiterlaufen der zur Zeit äußerlich noch vorherrschenden Entwicklung einer materialistischen Zivilisation, aufgebaut auf dem von allen gesuchten persönlichen Vorteil gegenüber Anderen, auch gegenüber anderen Gruppen, usw.. Hier dominieren Vorstellungen von Geld und technischer, notfalls militärischer Machbarkeit. Die Risiken für Menschenrechte, Umwelt und den Planeten werden von vielen Menschen, Zukunftsforschern usw. teils diskutiert, angesichts der scheinbaren Alternativlosigkeit aber oft verniedlicht oder fatalistisch zur Kenntnis genommen. Die Bewusstseinsfortschritte Vieler könnten hier jedoch im Grossen praktisch nicht zum Tragen kommen, und die existenziell notwendigen weiteren geistigen Fortschritte wären großenteils blockiert. Eine solche bloße Fortschreibung der bisherigen Faktoren des Geschehens ohne grundlegend neue Impulse wird interessanterweise von keiner einzigen prophetischen o.ä. Quelle bestätigt. Es wäre denn auch im Endeffekt mit das zerstörerischeste Szenario, und würde unausgesprochenermaßen am stärksten zu solchen Katastrophen führen, wie sie in einigen anderen Szenarien vorkommen. Auch im Rahmen dieses Ablaufs haben sich jedoch einige Werte erhalten oder gebildet, die auch beim Übergang in andere Szenarien zukunftsfähig wären. Es gibt auch überall Keime des Neuen.
2a.) Interessant ist, daß auch ein reines Weltuntergangsszenario in keiner ernsthaften Prophetie enthalten ist.
2b.) Hellseherische Zeugnisse vorwiegend älteren Datums, die das Erahnen krisenhafter Ereignisse in Bilder eines Dritten atomaren Weltkriegs umsetzten. Dieser zerstöre die bisherige Zivilisation, belasse aber die Chance zu einem besseren Neuanfang, einer bewußteren Kultur. Dies Szenario ist mit allerlei Varianten in den meisten Buchveröffentlichungen über Zukunftsvisionen zu finden. Einige Grundlagen für dieses Szenario sind seit ca. 1990 schlicht entfallen, auch wenn andere Arten von Kriegsgefahren weiter bestehen, und auch die Notwendigkeit zu einem Bewusstseinssprung für die weitere Existenz der Menschheit unverzichtbar bleibt.
2c.) Auch andere in älteren Visionen vorkommenden rein materiellen Katastrophenszenarien auf der Basis geologischer Umwälzungen oder/ und auf der Basis von Meteoriten- Einschlägen - wie sie in der Erdgeschichte häufig stattgefunden haben - würden nicht automatisch zu jenen letztendlich positiven Perspektiven der biblischen Prophetie oder der Prophetie anderer Kulturen führen, und es spricht nicht viel dafür, daß Derartiges unumgänglich wäre.
3a.) Mediale Botschaften / "Channelings", meist vor Jahrzehnten entstanden, die ebenfalls katastrophale Geschehnisse kriegerischer oder/ und geologischer bzw. kosmischer Art voraussetzten und Varianten von Rettungsaktionen verschiedener Art für gutwillige bzw. offenere Menschen ankündigten. Für die Einen sind hierbei wohlgesonnene Außerirdische (UFOs) die Hoffnungsträger, und die Evakuierten würden später wieder auf der Erde die Grundlagen einer neuen Zivilisation schaffen. Für Andere sind Engel, ein "Aufstieg" oder eine "Entrückung" durch Christus im Sinne einiger christlicher Bestrebungen die Hoffnung. Auch von vielen Vertretern dieser Anschauungen wurde verstanden, daß es Entwicklungsschritte gibt, die der Mensch trotz evtl. Hilfe selbst vollziehen muß. Es wäre also falsch, das alles mit einer reinen Sehnsucht zu erklären, alle Probleme schlicht abgenommen zu bekommen. Auch hierfür gilt, daß einige Voraussetzungen für katastrophale Geschehnisse entfallen sind; jedoch sind nicht alle Situationen überholt, bei denen die Menschheit ohne Hilfe, welcher Art auch immer, am Ende ihres Lateins wäre. Von wo jemand Hilfe erhofft, muß jede/r aufgrund Religion, Weltanschauung usw. selbst wissen. Allerdings gäbe es dann auch die andere Seite derselben Sache, daß jemand, der helfen möchte, und der so evtl. auch den Anschluß an spezielle Entwicklungsmöglichkeiten irdischer Art erhalten könnte, auch nicht an Gott vorbei könnte, bzw. an Demjenigen, der für die Erde eine bestimmte Rolle spielt (s. z.B. Offenbarung 19, 11-14).
3b.) Andere Varianten des Szenarios 3a ließen entweder offen, was auf dieser Erde oder ihrer gegenwärtigen "3. Dimension" weiter geschieht, oder aber betonten ausdrücklich, daß die neue verheißene Zeit für die Geretteten in einer anderen Ebene bzw. auf einem anderen Planeten stattfinde, und die Erde bestehenbleibe, d.h. zurückbleibe. Da hier die spezielle Rolle der Erde und deren Zusammenhang mit der Menschheit überhaupt nicht bedacht ist, liegt hier keine in sich schlüssige Perspektive vor.
3c.) In einem Teil späterer Medialer Durchsagen / Channelings seit ca.1991 wurde zunehmend die Möglichkeit in den Vordergrund gestellt, mithilfe solcher gesammelter Hilfen von außen (s. 3a.), letztendlich unter göttlicher Führung und Kraft, die früher prophezeiten Katastrophen überhaupt vermeiden zu können, und beinahe die gesamte heutige Menschheit in eine neue höhere Zivilisationsstufe überführen zu können. Dabei wurde u.a. übersehen, daß sich die verschiedenen Kreise innerhalb der jetzigen Menschheit in ihrem Bewusstsein so auseinandergelebt haben, daß es eine einheitliche "Schulklasse" für Alle gar nicht geben kann, es sei denn mit ebenfalls recht horrorartigen Aussichten einer Zivilisation mit höheren Fähigkeiten und Technologien bei gleichzeitigem Mißbrauch derselben. D.h. solche Szenarien ohne jegliche Form einer (z.B. biblischen) "Scheidung der Geister" (innerhalb eines Universums) sind schlicht illusionär. Illusionär ist auch die Vorstellung, die Grundprobleme der Menschheit seien durch noch stärkere technische Durchdringung aller Lebensbereiche lösbar. Richtig ist aber daran, daß Katastrophen tatsächlich vermeidbar wären, wenn alle gutwilligen Kräfte zwischen Himmel und Erde zusammenwirken würden; und Teile der Menschheit - aus allen ihren Regionen - könnten so in der Tat zu einem großen geistigen Schritt der Menschheit und Erde... finden. Auch sind z.T. durchaus andere, menschengemäßere und ökologischere Technologien nötig.
3d.) Vorstellungen, negative oder egoistische Außerirdische würden in Zukunft die Erde erobern, sind dagegen eher eine Sache von Hollywood. Im Weltall gibt es sicher Licht und Schatten, und das Universum ist voll von theoretischen Möglichkeiten aller Art; aber aus überprüfbaren prophetischen Quellen läßt sich ein solches Schicksal der Erde nicht eindeutig belegen. Wo Derartiges angedeutet scheint, ist auch gleich wieder erkennbar, daß die Erdenwesen trotz ihrer besonderen Unvollkommenheiten auch besondere Fähigkeiten haben, in denen sie selbst solchen anderen Zivilisationen voraus wären: z.B. das menschliche freie Mitgefühl und die ungeheure Kreativität und Vielfalt hinter allen irdischen Kreaturen. Es könnte sich herausstellen, daß die Erde und ihr Zusammenhang mit dem Wirken Gottes auch ein wesentliches Feld für Studien unter Einhaltung der Freiheit der einzelnen Menschen ist, statt eine zur "Eroberung" geeignete Stätte. Weiter könnte sich zeigen, daß die Erde nicht in der Zukunft, sondern eher jetzt von negativen Kräften durchsetzt ist.
3e.) D So wird hinter all diesen Szenarien inzwischen ein Szenario erkennbar, eine Möglichkeit, daß tatsächlich ein gewaltiger Entwicklungsschub für die Menschheit im Sinne der vielschichtigen Johannesapokalypse eintritt - die nicht durchgehend materiell gedacht ist -; mit umfassender göttlicher Begleitung; bei Erhaltung und Höherentwicklung der Erde; bei gesonderten Lebensbereichen für unterschiedliche Menschen, was immer das heißt. Aber auch im Sinne der Bergpredigt, in der es singemäß heißt "...Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen".
Wie schon im Kapitel "Zum Umgang mit Prophezeiungen" erläutert, ist die Zukunft von den Menschen abhängig. Dies betrifft ihre inneren Entscheidungen der Einzelnen, in welche Richtung sie sich jeweils orientieren möchten, und die gemeinschaftliche Anstrengung der Gutwilligen im Gebet und im Leben: Es ist möglich, sich auch jenseits der alten Polaritäten irdischer Streitigkeiten aus der höheren Sicht des Gewissens für neue Entwicklungen auf der Erde einzusetzen: "In der Welt, aber nicht von der Welt" zu sein, wie es eine entsprechende Tafel am Schluß des Haupttextes aufzeigt.
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Auf den Durchgang durch die Zeit der „sieben Plagen" folgt die kosmische Vision des aus dem Himmel wiederkommenden Christus – „genannt Treu und Wahrhaftig"– mit seinem „Heer" aus Weißgekleideten. Damit sind nicht etwa die heutigen menschlichen Pseudo- Christusse gemeint. Der „falsche Prophet" (mit falschen/ einseitigen Vorstellungen über Jesus, oder darüber, was christlich sei...) wird gestürzt. Das nun einsetzende „1000-jährige Reich" - Off. 20, 1-6 ist gerade kein Imperium. Genau die gesellschaftliche „Große Maschine", die äußeren negativen Kräfte und ihre Manifestationen, werden verbannt.
Hier finden wir auch das geistige
Gericht. Hier muß auch eine verbreitete irreführende Übersetzung korrigiert
werden:
Off. 20:4:
"Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von
Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier
und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf
ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus
tausend Jahre."
In Wirklichkeit heißt es
hier wörtlich "lebten" statt "wurden lebendig" (vgl. z.B.
die Fußnoten der Elberfelder Bibel). Dies kann zwar - z.B. im Falle der
"Seelen ..." - ein Wieder-ins-Leben-treten bedeuten, aber bei Solchen,
"die das Tier ... nicht angenommen hatten" auch ein Weiterleben auf
der Erde. D.h. von den Letzteren müssen keineswegs erst alle umkommen.
Dieses Stadium ist verwandt mit der Auferstehung Christi (Joh. 20-21; und unser diesbezügliches Kapitel). Auch im Text selbst wird es die „erste Auferstehung" genannt.
Die negativen Kräfte sind jedoch nicht restlos aufgelöst; auch Unvollkommenheiten der einzelnen Menschen müssen weiterhin bearbeitet werden, was jedoch jetzt leichter möglich ist.
Nach „1000 Jahren" treten die Reste der negativen Kräfte geballt zutage , um dann gar aufgelöst zu werden (Off. 20, 7-10). Siehe auch nächstes Kapitel.
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Erst nach dem „1000-jährigen Reich" und dem anschließenden verzehrenden Feuer auf das erneut verführte Heer, und dem Werfen des „Teufels in den feurigen Pfuhl" - Off. 19, 19 - Off. 20, 3 - naht der Neue Himmel und die Neue Erde - Off. 21-22 . Welche Zeiträume hierfür gedacht sind, bleibt offen.
Das Motto Christi ist „Siehe, ich mache alle Dinge neu" – ohne Ausnahme - Off. 21, 5 - Auch diese „Neuschöpfung" hat jedoch Ähnlichkeiten mit dem, was vorher bereits in den Einzelnen und im Großen im Sinne unvergänglicher Werte entfaltet wurde. Daher bleibt die heutige Tat auch für diejenigen wichtig, die heute nahe apokalyptische Geschehnisse erwarten.
Im Neuen Himmel – im Text genannt vor der Erde und dem Neuen Jerusalem - ist etwas wie eine kosmische Himmelfahrt angedeutet. (Vgl. die Himmelfahrt der Evangelien, Luk. 24, Mark. 16, und unser Kapitel dazu). Lag bisher der Schwerpunkt der Beschreibung auf der Erde, tritt nun die Bedeutung des Geschehens für den sichtbaren und unsichtbaren „Himmel" in den Vordergrund. Hier ist nicht der ewige Himmel Gottes jenseits von Raum und Zeit gemeint – dieser bleibt unveränderlich – sondern geschaffene Welten. Es könnte sich herausstellen, daß der kleine Planet Erde auch im kosmischen Maßstab nicht nur „Entwicklungsland" ist, sondern in einer Lösung seiner Problematik eine weiterreichende höchst spezifische Aufgabe hätte. Die Problematik aufgrund großer menschlicher Freiheit und großer Verwicklungen im Materiellen wäre im Sinne Lorbers und anderer Aussagen so keineswegs in allen eventuell „bewohnten" Welten zu finden; auch nicht die negativen Kräfte, die nach den Visionen des Johannes „auf die Erde geworfen" waren, und nun in deren „feurigen Pfuhl". Ebenso wie Jesus eine Auswirkung auf die Menschheit hatte, ebenso hätte ein entsprechender Durchgang der ganzen Menschheit bzw. Erde mit Christus sicherlich eine erneute, erweiterte Auswirkung.
Die dann erneuerte „Neue Erde" und das damit verbundene Geschehen des Herabkommens des „Neuen Himmlischen Jerusalems" auf diese Erde ist vergleichbar dem Pfingstgeschehnis (Apostelgeschichte), auch dieses hier jedoch im kosmischen Maßstab. Dies ist nicht das geographische Jerusalem. Die Erde steht in einem Austausch mit dem umgebenden Kosmos auf verschiedenen Ebenen.
„Und wird kein Verbanntes mehr sein - andere Übersetzungen: nichts Verfluchtes/ keine Finsternis usw. - , ...und der Stuhl Gottes und des Lammes wird darinnen sein" (J.O. 22:3). In der Konsequenz heißt das, hier sind auch die negativen bzw. todbringenden Kräfte erlöst, die Gespaltenheit der Welt ist aufgehoben. Die Welt erscheint überhaupt erst hier als bewusstes Ganzes, ein "in Gottesnähe" in Visionen usw. zwar erahnbarer, aber unbeschreiblicher Zustand. Ein schwaches Abbild von diesem Zustand wäre es, wenn von irgendeinem Punkt im Innenleben aus alle anderen Punkte belebt werden könnten, eine Erfahrung, die auf dem Weg auftreten kann; „Alles in Allem". In Gott ist die höhere Einheit von Allem bereits vorhanden.
Das göttliche Muster der Schöpfung – das A – und die neue Schöpfung mit den bewusst wieder mit allem in Gott verbundenen Wesen – das O – werden deckungsgleich, und doch bleiben das A und das O bestehen. Das „Ende" ist also mehr als der Anfang, obwohl der Anfang alles schon enthält. Als eine durch alles durchgehende Tendenz des Deckungsgleichwerdens in kleinen Teilbereichen z.B. des Menschen ist selbst diese Richtung des Geschehens bereits erkennbar.
Es sei hier noch darauf hingewiesen, daß sich z.B. in der Schau R. Steiners das Geschehen der „Neuen Erde" auf eine von drei in riesigen Zeiträumen aufeinander folgende „Erdinkarnationen" bezieht. Ohne hier dazu Stellung nehmen zu wollen, sei jedenfalls zum Charakter der „Neuen Erde" erwähnt, daß dies, wie geschildert, noch aus einem anderen Prozess hervorgeht, als – vergleichsweise – einem Verkörperungsrhythmus, wie er z.B. in der Hindu-Kosmologie auch für Planeten usw. und den ganzen Kosmos berechnet wurde. Wird er einmal ernstgenommen, geht er über bisher bekannte oder vermutete Arten des Werdens und Vergehens hinaus, in immer höhere „Oktaven" bzw. "Spiralen" hinein.
Selbst gegenüber den heute möglichen Erfahrungen verblasst jene Meinung einiger Theologen völlig, die die Apokalypse nur als mahnende Gleichnisse ohne Realitätscharakter nehmen.
Die Gleichnisse Jesu in den Evangelien waren dem Leben der Menschen entnommen, um Gesichtspunkte zu veranschaulichen. Später, noch während seines Erdenlebens betonte Jesus gegenüber den Jüngern, daß er nun nicht mehr in Gleichnissen, sondern offen zu ihnen redet. Die Offenbarung stammt nicht aus dem menschlichen Leben; überall, wo im Text selbst Deutungen gegeben sind, handelt es sich um direkte „Entsprechungen"; d.h. auf der betreffenden Bewusstseinsebene ist das Gesehene etwas dort „real Vorhandenes" wie in heutiger Geistesforschung, z.B. von R. Steiner. Die Apokalypse ermahnt allerdings auch; z.B. dazu, von einer Theo-logie zu einer „Theo-Praxis" überzugehen; zu schauen, was in der Luft liegt, und „Gott in der jeweiligen Gegenwart mit in Erscheinung kommen zu lassen". Gott handelt auch durch Menschen - was aber nichts mit willkürlichen menschlichen Handlungen zu tun hat: der Mensch soll nicht Gott oder Apokalypse spielen. Die menschliche Entwicklung kann immer mehr einher gehen mit Gottes Plan im Großen - dem Schöpfungsprogramm.
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Das eigentlich Christliche ist Jesus Christus selbst und damit selbständig im Innern die Verbindung mit dem gegenwärtigen Christus zu suchen –"Suchet, so werdet ihr finden"–, die Zwiesprache mit ihm ernst zu nehmen, und Impulse daraus umzusetzen, kann sich als der direkteste Weg, ihn zu verstehen, zeigen. Dazu mögen diese Artikel Interessierte ermuntern.
Ein anderer Weg, jedoch vereinbar mit dem genannten "direktesten" Weg ist, jene spezifischen Qualitäten zu ertasten und ins eigene Leben nach und nach hereinzunehmen, die Jesus Christus einbrachte. Dazu mögen die neu herausgearbeiteten fettgedruckten Passagen dieser Artikel helfen.
Diese verschiedenartigen Merkmale, die erweiterungsfähig wären, haben gemeinsam, daß Christus offenbar jenseits der Gegensatzpaare (Dichotomien) dieser Welt steht. Er vermischt die jeweiligen beiden Seiten auch nicht einfach, sondern die von ihm nahegelegten Einstellungen sind stets ein "Dritter Weg", der von einer anderen Ebene her das Fruchtbare, nicht Abgeglittene aus allen Seiten einzubeziehen in der Lage ist, unter Verwandlung von allem Verhärteten. Siehe dazu die Tafel am Schluss.
Aus den einzelnen betrachteten Merkmalen ergäben sich auch weitere Konsequenzen für die heutigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen älterer und neuerer Bestrebungen. Viele dieser Gruppen sprechen zumindest in einem Punkt und in einer Hinsicht etwas Notwendiges aus, was andere Gruppen z.B. aus dem Verfangensein in veralteten Links-Rechts-Gegensätzen nicht berücksichtigen. Auseinandersetzungen zwischen alt und neu würden – zumindest in absehbarer Zeit – nicht verschwinden; aber an die Stelle starrer Fronten mit Scheingegensätzen würde der Dialog treten; und die Auseinandersetzungslinien würden an die richtigen Stellen kommen. Auch würden leichter diejenigen passenden Menschen zusammenfinden, die miteinander neue Projekte aufbauen können, – die nicht wieder in Einseitigkeiten enden. Nicht Passendes würde sich neu gruppieren.
Auch alle weiteren Betrachtungen dieser Artikel können über das Studieren hinaus entsprechend der individuellen Intensität und Entwicklung Praxischarakter gewinnen; auch wenn manche durchgängige Gesichtspunkte dazu verstreut und nicht in jedem Kapitel wiederholt sind.
Diese Art der Untersuchung führt also über die Gewohnheit der vielen theologischen und anderen Richtungen hinaus, Jesus stets für ihre gutgemeinten, aber eben einseitigen Sichtweisen zu „benutzen"; sie betonten dazu jene Stellen, die in ihr jeweiliges Bild paßten, und erklärten die anderen weg, oder interpretierten sie um, oder ignorierten sie. Schon die Verfasser der Evangelien in den ersten Jahrhunderten erkannten zumindest ansatzweise, daß die Vielseitigkeit Jesu dann besser darzustellen war, wenn sie mehrere Quellen dazu heranzogen. Sie waren nicht so dumm, daß sie die Unterschiedlichkeit der Anschauungen darin nicht bemerkt hätten. Dagegen sahen es einige moderne Theologen als ganz große Entdeckung, daß sie unterschiedliche Quellen mit unterschiedlichen Sichtweisen aus den überlieferten Evangelien erschließen konnten, z.B. eine sog. „Quelle Q"; gleich verbunden mit der vorschnellen Frage und deren Entscheidung, wer von den Urhebern nun eher „recht" gehabt haben mochte. Es ist nun erkennbar, daß sie auf ihre Weise fast Alle „recht" haben mögen, unter Abzug ihrer jeweiligen Einseitigkeiten. Das könnte der "Ökumene" neue Impulse geben.
Menschen, die sich auf einen anderen religiösen bzw. weltanschaulichen Hintergrund beziehen, aber einer weder kirchlich verhärteten, noch verflachten christlichen Herangehensweise positiv interessiert gegenüberstehen, oder in ihr jedenfalls etwas Sinnvolles erkennen können, können sicherlich auch etwas daraus lernen; wie auch der Verfasser dieses Kapitels die verschiedensten Richtungen kennen und schätzen lernte. Manche Vertreter anderer Religionen erkennen heute immerhin schon mehr von den materiell schwer erklärbaren Seiten von Jesus Christus an, als viele historisch-kritische christliche Theologen. Das könnte diesen zu denken geben.
Darüber hinaus ist Christus sowieso nicht von den Religionsgemeinschaften des „Christentums" zu pachten. Seine Herangehensweise kann Menschen die Kraft zur Einheit in der Vielfalt geben: Liebe, und tiefernstes Verstehen- Wollen, eine harmonisierende Kraft. Diese nivelliert aber nicht alle Unterschiede, sondern erhält Vereinbares liebevoll nebeneinander und lässt wirklich Unvereinbares als solches sichtbar werden. Diese zur Konvergenz/Annäherung verschiedener Strömungen beitragende Kraft von Christus haben Christen der Welt vielfach vorenthalten. Auch im Interesse der Rettung der Erde ist es Zeit zu einer grundsätzlichen Neubesinnung von Christen auf ihre eigentlichen Aufgaben – vorausgesetzt, sie wollen sich wirklich als Christen verstehen.
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Wer - mit Jesus als Maßstab und Hilfe -
Fortschritte von den eigenen Unvollkommenheiten hin zu den zukunftsträchtigeren
Eigenschaften sucht (vgl. die Seiten "...Heilung" und "...Ethik"),
mag zunächst etwa
- wahrhaftiger mit sich selbst umgehen, statt alles auf Andere zu projizieren (vgl.
Mt. 5,3; und "Ein
christlicher Weg zur Verarbeitung der Ereignisse des Lebens");
- zu den Anregungen des Gewissens stehen, statt sie zu verdrängen (vgl. Mt.
5,5 und 5,9 ...);
- bemerken, daß er/sie im Sinne der Seele auch für Andere da ist, statt nur
für sein materielles Wohl (vgl. Mt. 5,7);
- die lebendige Suche nach Gottes Geist pflegen statt in äußeren Formen zu
erstarren (vgl. Mt. 6,5-8... und Joh. 4,21-24);
- sich bemühen, mehr zu sein als zu scheinen (vgl. Mt. 5,8);
- sich getrauen, nach den neuen Erkenntnissen zu leben, auch wenn sie in dieser
Welt nicht immer viel gelten (vgl. Mt. 5,15);
- trotz neuer Erkenntnisse sich in einer bescheidenen, dienenden Rolle sehen,
statt eingebildet zu werden (vgl. Mt. 5,19 und Luk. 9,48)...
Wer durch eine solche liebevollere und weisere Ausrichtung nicht mehr sich selbst im Wege steht, wird finden, daß Christentum nicht nur eine Art zu leben ist, sondern ein wirklicher spiritueller Weg. Auf diesem Weg kann er/sie Jesus auch als Kompaß erleben, der ein neues Gleichgewicht jenseits der einseitigen Abwege zu finden ermöglicht:
|
Weder im Äußeren aufgehend sondern äußerlich aktiv |
- noch innerlich abschwebend - und innerlich gegründet sein |
|
Statt bloßem Denken Inhalte, Probleme, Unklarheiten betrachten |
- oder bloßer meditativer Leere - in bewusster meditativer Stille ("Die Stille in der Wüste", Haupttext Christuswege) |
|
Den "äußeren Gott im Himmel" erahnen |
- und ihn im Innern Gestalt annehmen lassen ("Zur Jordantaufe...", Haupttext Christuswege) |
| Die Spuren des unveränderlichen Schöpfers | - im sich wandelnden (freien) Leben sehen |
| Gesetzmäßigkeiten in der äußeren Welt studieren | - und die dahinter liegende Ordnung der Schöpfung ertasten |
|
Triebkräfte weder voll ausleben sondern Triebe integrieren |
- noch verdrängen, - und verwandeln |
|
Zeit, Raum, Umstände nutzen, Einklang suchen |
- trotz persönlicher Freiheit davon ("...Lazarus", Haupttext Christuswege) |
|
Äußerlich arbeiten |
- und innerlich beten (Benediktiner-Regel: "ora et labora") |
| Den positiven Beitrag Anderer verstehen wollen (aktive Toleranz) | - und sich von der eigenen Glaubensbasis aus entfalten |
|
Rational-analytische |
- und "mythisch"- synthetische Hirnhälfte bzw. die Brücke zwischen den Hirnhälften ernstnehmen |
|
Subjektive Wahrnehmung kennen |
- und doch die differenzierte Wahrheit hinter den subjektiven Betrachtungsweisen suchen |
| Von (konstruktiven) Traditionen lernen | - und in sich zum eigenen geistigen Leben erwecken (lassen) |
|
Vorbereitungsübungen machen |
- und Gnade annehmen (christliche Mystik, Exerzitien, ...) |
|
Gott persönlich ansprechen |
- und in seiner Kraft |
|
Die Nächsten lieben |
- wie auch sich selbst |
|
Verstand beibehalten |
- und darüber hinausschauen |
|
Weder zerfließen im All sondern im Ganzen |
- noch verhärten des Egos - wie eine bewusste Zelle sein |
|
Körper, Materie als Instrument achten |
- und seelisch-geistig wachsen |
|
Fülle, Verantwortung annehmen |
- nach der "engen Pforte" |
|
Ringen um richtige Entscheidungen im Erdenbewusstsein |
- und auf anderer Ebene Gottes Plan erahnen/ ertasten |
| Weitergabe von Erkenntnissen | - und sich darauf einstellen, was angemessen ist |
|
Im Umkreis / gesellschaftlich verändern |
- was sich im Innern verbessert hat |
|
Mitempfinden mit dem Leiden der Welt |
- und sich über Gottes Führung freuen |
|
Geistliche Gemeinschaften schätzen |
- und als Einzelne/r zu Gott streben |
|
Völkervielfalt achten |
- und den allgemeinmenschlichen Kern in Allen gedeihen lassen |
*...so zeigt sich der Christusweg als ein Dritter Weg jenseits der Scheingegensätze ("Dichotomien"). der Welt - ein Weg, der zum vollen Leben und zu wirklicher geistiger Freiheit in Gott führt. Siehe dazu auch die fettgedruckten Passagen des Haupttextes, und z.B. Joh. 17, und "Apokryphe Evangelien aus Naq Hammadi": Thomasevangelium 22. Wer die Gratwanderung des Lebens besteht, kann sich nun mit mehr Gewinn in die weiteren Schritte Jesu in den Evangelien, bzw. der Passionsgeschichte und Apostelgeschichte (Pfingsten) hinein vertiefen. Diese sind sowohl der Ausgangspunkt wie auch das Ziel dieser Gratwanderung. (Siehe unseren Haupttext, Teil 1).
Es gibt eine Beziehung zwischen dem, was in den Evangelien angelegt ist, und dem, was im größeren Maßstab in der Johannesoffenbarung zum Ausdruck kommt, siehe unseren Haupttext, Teil 2.
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Es ist so aufgebaut, daß sich im ersten Abschnitt die für ein wirksames Gebet nötige Einstellung ohne viel Erklärungen ergibt. Es mag so verändert werden, daß es den eigenen Empfindungen entspricht. Statt des dritten Abschnitts können auch andere Angelegenheiten Gott übergeben werden. Am besten langsam und mit Vorstellungskraft beten:
Gott, mein Ursprung, meine Hilfe
und meine Hoffnung!
Vereint mit Jesus Christus danke ich Dir für Alles, was von Dir kommt;
verzeih mir, was mich von Dir entfernt hat;
bitte laß mich in dieser Stille durch Deinen Geist schöpferisch werden.
Leite mich, daß
ich Anderen auf ihrem Weg zu Dir nicht schade;
führe mich, Anderen in Deinem Sinne zu helfen;
schütze mich auf meinem Weg*.
Inspiriere die
Menschen, Entscheidungen über Leben und Tod in Deinen Händen zu lassen **;
Hilf Denen, die für Deine Schöpfung arbeiten***;
Führe Du diese Welt zum Durchbruch zu Deiner verheißenen neuen Zeit.****
*) Hier können
Andere einbezogen werden.
**) Hier können auch Einzelheiten einbezogen werden, oder
anschließend in einer meditativen Betrachtung bearbeitet werden, wie "das
Aufschaukeln von Gewalt und Gegengewalt zu beenden", "der Gewalt durch
Problemlösungen eine ihrer Grundlagen zu entziehen", "nur solche
Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, die friedlichen Bürger/innen ihre
Menschenrechte lassen", "einen friedlichen Dialog zwischen den
Gutwilligen der Religionen zu führen", ... vgl. Mt 5:9 und 26:52. Siehe
auch Kirchenerklärungen
zu Krieg und Frieden.
Die heiligen Schriften der Religionen betonten ursprünglich den Kampf des
Menschen mit seinen eigenen Schattenseiten - sowohl die Bibel, als auch der
Koran, der Zend Avesta oder die Bhagavadgita, ... und nicht äußere Kriege.
Dies wurde vielfach später übersehen oder mißverstanden. Heute jedoch gibt es
Bemühungen, die sich daraus ergebenden ethischen Gemeinsamkeiten der
Religionen dem Werteverfall dieser egoistischen Zivilisation
gegenüberzustellen. Dabei behalten die Religionen ihre Unterschiede.
Gebet - s.a. Markus 12:30 - und ein Leben und Handeln im gleichen Geist
gehören zusammen, beides stützt sich gegenseitig.
***) Die gequälte Natur schreit um Hilfe. Es wäre an der Zeit, Gott
bzw.Christus zu bitten, vor den erregten Naturgewalten zu schützen. Das ist
aber kein Ersatz für die notwendige Änderung des menschlichen Verhaltens
gegenüber der Schöpfung.
****)Lukas 11:2; 21:31. Offenbarung 11:16; ... .
Die hier gegebenen teils neuartigen Anregungen stellen keinen Gegensatz dar zu
der vielgestaltigen Gebetspraxis in den Kirchen usw. Siehe auch das Vaterunser,
mit Bibelstellen usw. zum Gebet und Katholische
Gebete. Gott kann die Liebe austeilen, die ihm gegeben wird,
in welcher Kirche auch immer.
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Jesus Christus legte Wert darauf, daß der Maßstab für ethisches, moralisches Verhalten im einzelnen Menschen lebt, statt nur aufgrund des Drucks einer äußeren gesetzlichen Norm oder Sitte zu wirken. Diese Verinnerlichung kommt ebenfalls nicht durch ein "Einhämmern" von außen zustande, sondern durch ein Leben, in dem sich die "Liebe zu Gott, und zu den Nächsten wie zu sich selbst" entfalten kann. "Liebet einander" (Joh.13,34) ist die Kraft, die es ermöglicht, in Übereinstimmung mit dem wirklichen Gewissen zu handeln. Die Liebe zu Gott läßt dessen höhere Ziele erahnen. Wo Einzelne, Paare, Gruppen, usw. diese universelle Liebe einbeziehen, wird der Unterschied sichtbar sein. Je mehr dies in Allen lebt, desto unwichtiger werden äußere, detaillierte Vorschriften.
Dennoch sind dadurch die Inhalte, wie sie z.B. in den älteren "10
Geboten" gegeben wurden, als solche nicht veraltet, sondern bestätigt
worden. Sie sind nicht in den Grundlagen, aber in den Details kulturellem Wandel
unterworfen. Dies bescheinigt schon der Bericht von Moses selbst, der zuerst
eine wohl höhere Form von Ethik vermittelt bekam, der aber der dafür
anscheinend unreifen Bevölkerung dann eine einfachere Version brachte. Diese
ethischen Grundlagen sind im Christentum, im Judentum und im Islam insoweit
dieselben, und in praktisch allen anderen Religionen findet sich Verwandtes, wie
sich in der "Deklaration des Parlamentes der Weltreligionen zum
Weltethos" zeigte (siehe unsere Links-Seite). Im Kern geht es in der Ethik
umk die Goldene Regel, Andere so menschlich zu behandeln, wie jemand selbst
behandelt werden möchte; Anderen also nicht zu schaden, sondern eher zu helfen.
Dies ist wesentlich für das Schicksal, denn "was ihr säet, werdet ihr
ernten". Es ist letztendlich auch das Hauptkriterium für die Teilnahme an
jener neuen Zeit, über die es im "Vater unser" - Gebet heißt:
"Dein Reich komme!" (Matthäus 6), und über die es in der Bergpredigt
heißt "Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen".
Im weiteren Sinn ergeben sich daraus Gesichtspunkte, die für die
verschiedensten Ebenen menschlicher Existenz lebenswichtig sind. Die Ethik der
Bergpredigt wird heute auch von einigen christlichen Kreisen fälschlich als
nicht unmittelbar anwendbare "Gesinnungsethik" bezeichnet. Sie ergibt
zwar tatsächlich nicht automatisch eine Handlungsanleitung z.B. für alle
schwierigen politischen Entscheidungen. Aber eine Meßlatte wäre es
letztendlich auch dafür. Wo eine menschlich abwägende sog.
"Verantwortungsethik" gesellschaftlich zu gegenteiligen Entscheidungen
führt, als sie jene "Gesinnungsethik" vom Einzelnen in seinem
Privatleben erwartet, wird nicht automatisch erwartet werden dürfen, daß dies
Jesus genauso entscheiden würde.
Das Individuum ist für seinen Anteil am Geschehen verantwortlich. Auch Gruppen
usw. tragen durch die Zwänge, die sie ausüben, bzw. durch das positive oder
negative "Schulungsfeld", das sie darstellen, Mitverantwortung. Sie
bräuchten somit alle auch einen Ethik - Kodex (wie ihn z.B. einige
Berufsstände bereits haben). Über die individuelle Ethik hinaus wäre demnach
eine "strukturelle Ethik" der Gesellschaft bzw. von Teilen derselben
gefragt. Gesetze mit ihren Willkürlichkeiten können dies alleine nicht
ersetzen.
| Mosaische Gebote (2. Mose =Exodus 20) | "Weltethos" |
| 1. Ich bin der Herr, Dein Gott. ...Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. (Du sollst Dir kein Gottesbild machen...) | (Die Verständigung über ein "Weltethos" betraf nicht den Gottesbegriff der verschiedenen Religionen. Es war z.B. wegen der Buddhisten nur Allen gemeinsam, daß sie eine "Letzte Wirklichkeit" anerkennen - d.h. etwas jenseits der materiellen Wirklichkeit.) |
| 2. Du sollst den Namen des Herrn, Deines Gottes nicht mißbrauchen (denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.) | |
| 3. Du sollst den Feiertag/ Sabbat heiligen... | |
| 4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren (, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott gibt.) | |
| 5. Du sollst nicht töten/ morden | Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allerm Leben... |
| 6. Du sollst nicht ehebrechen * | Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau, (gegen destruktiven Umgang mit Sexualität...) |
| 7. Du sollst nicht stehlen | Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung... |
| 8. Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten/ du sollst nicht lügen | Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit... |
| 9. Du sollst nicht begehren deines
Nächsten Hauses.
10.Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. |
s. oben: Solidarität |
*) Hieran wurden von den verschiedenen Religionen besonders viele unterschiedliche Details angeknüpft. Dies könnte das Verständnis dafür wecken, daß eben nicht mehr für Alle dieselben Einzelheiten richtig sein müssen. Auch wurde früher für heutige Zwecke oft nicht genügend unterschieden zwischen religiösen Prinzipien und detaillierten weltlichen Gesetzen; das heißt aber nicht, daß es erstrebenswert wäre, wenn Glaube und Gesetze immer größere inhaltliche Gegensätze zeigen.
Schon nach der Sintflut - also vor den o.g. 10 Geboten - gab
es entsprechend der biblischen Überlieferung einige grundlegende ethische
Anforderungen an die gesamte neue Menschheit zu deren Erhaltung, also über die
späteren Israeliten hinaus:
- Das Leben zu achten bzw. nicht zu morden ("denn Gott hat den Menschen
nach seinem Bild gemacht": Gen 9:6) und nicht das Fleisch noch lebender
Tiere zu essen. Im rabbinischen Judentum wurden später 7 "Noachische
Gebote" für Nichtjuden abgeleitet, wobei es unterschiedliche Lesarten
gab:
- das Verbot zu morden;
- das Verbot, grausam zu Tieren sein;
- das Verbot zu rauben;
- das Verbot des Ehebruchs bzw. der Unzucht;
- das Verbot des Götzendienstes (d.h. Nichtjuden mußten nach dieser
Vorstellung zwar Gott nicht auf die Weise wie die Juden anbeten, aber sie
sollten, da es nur einen Gott gibt, auch keine konkurrierenden Gottheiten
annehmen);
- das Verbot der Gotteslästerung;
- das Gebot einer Rechtsordnung mit Gerichten.
Es kann hilfreich sein, die festgestellten eigenen Unvollkommenheiten und
positiven Eigenschaften wie in einer Tabelle zu notieren, und den Fortschritt
bewusst zu verfolgen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, daran zu arbeiten:
1. Die direkte Arbeit an den eigenen problematischen Eigenschaften anhand der
Vorkommnisse des Lebens. Gute Vorsätze usw. Dies bleibt auch bei Jesus wichtig:
"zuerst der Balken im eigenen Auge...". Auch im Koran gilt die Arbeit
an sich selbst als der "Grosse Gihad", der "Grosse Heilige
Krieg", d.h. als etwas, was ausschlaggebender ist als alle äußeren
Auseinandersetzungen.
2. Die direkte Wiedergutmachung und 3. das direkte Einander - Verzeihen, soweit
noch möglich. Andernfalls die Probleme im Gebet Gott zur weiteren Lösung
übergeben und innerlich verzeihen. Auch dies bleibt bei Jesus wichtig - auch er
spricht von der Aufarbeitung "auf Heller und Pfennig". (Siehe aber 5.)
4. Wo anders nicht möglich, gibt es auch die Möglichkeit entsprechender guter
Taten für Andere, als die, denen Schaden zugefügt wurde. Vieles wird auch
indirekt von Gott bereinigt, wenn z.B. jemand gemeinnützige Aufgaben
übernimmt.
5. "Bittet Gott in meinem Namen", hier um seine Verzeihung und Gnade
in der weiteren Entwicklung des Lebens. Dies ist die wesentliche Hilfe, die eine
rein humanistische Ethik nicht geben kann. Das Schicksal muß dann nicht mehr
mechanisch ablaufen, sondern der Mensch erlebt sich dann als von Gott geführt,
alles wird so aufgearbeitet und weiterentwickelt, wie es aus seiner höheren
Weisheit heraus für den Einzelnen und seinen Umkreis am Besten ist.
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Im Text der Webseite wurden bereits einige der gravierendsten Einseitigkeiten einiger theologischer Richtungen direkt oder indirekt korrigiert - mithilfe neuer Erkenntnisse und Methoden. Hier wird auf eine weitere verwirrende Blüte moderner "Sensationsschriftsteller" eingegangen. Wir fördern nicht zusätzlich die Publizität dieser Bestseller, sondern der folgende Beitrag ist für Jene gedacht, die diese Literatur kennen, und sich davon irritiert fühlen.
1. Mit Bezug auf die Schriftrollen von Qumran wurde von solchen Schriftstellern versucht, darzustellen, die meisten Berichte des Neuen Testaments über Jesus seien unzutreffend. Jesus und die Jünger usw. seien in Wirklichkeit einfach militante Aufrührer gegen das römische Regime gewesen. *
Zwecks größerer Glaubhaftigkeit wird diese Deutung in eine Art Verschwörungstheorie eingehüllt: Die 1947-1956 entdeckten Schriftrollen der Gemeinschaft von Qumran seien zu 75% geheimgehalten worden, wobei insbesondere Gelehrte der katholischen Kirche die Kontrolle darüber gehabt hätten. Schon dies ist schlicht falsch - was hier festgestellt wird, obwohl diese Webseite keine Kirche rechtfertigen muß, und schon gar keine Geheimhaltung christlicher Schriften akzeptiert. Vielmehr bestand das Gelehrtenteam aus katholischen, protestantischen, anglikanischen, jüdischen, und selbst atheistischen Gelehrten. Wegen der Vielfalt der Meinungen über die vielen kleinen beschädigten Schnipfel dauerte es zwar tatsächlich lange, bis alles veröffentlicht war. Als jedoch die englische Originalausgabe der betreffenden "Verschlußsachen" - Literatur erschien, waren 80% der Qumran-Texte veröffentlicht. 1992, ein Jahr vor der Herausgabe eines entsprechenden Sensationstaschenbuches, das nach wie vor auf dem Rückentext 75% unveröffentlichte Texte behauptete, waren auch die restlichen Texte veröffentlicht, soweit entzifferbar.
Zur inhaltlichen Deutung mußten die Autoren eine ganze Reihe jeweils für sich waghalsige Theorien aufstellen, um bei deren Aneinanderreihung dann zu dem obenerwähnten Ergebnis zu gelangen. Einmal seien die Schriftrollen nicht vorchristlich, sondern aus der Zeit Jesu.**) Diese Schriften sind aber offensichtlich aus unterschiedlichen Zeiten und in ihren Aussagen nicht einheitlich. Die Qumran-Gemeinde bestand über längere Zeit. Sie kann weder mit den Essenern sicher gleichgesetzt werden, noch mit den militanten Zeloten, die später in einiger Entfernung davon die Festung Massada hatten. Qumran könnte etwa mit einem heutigen spirituellen Ökodorf verglichen werden. Sie müssen überallhin Kontakte gehabt haben; von den Essenern hatten sie wohl einige Gebräuche in abgewandelter Form, von den Schriftgelehrten des Tempels von Jerusalem erhielten sie Aufzeichnungen über den Tempelschatz anvertraut - was besagt, daß sie als nicht unmittelbar an Auseinandersetzungen mit den Römern beteiligter, sicherer Aufbewahrungsort eingeschätzt wurden -; und auch zu einzelnen Zeloten können Kontakte bestanden haben.
Auch behaupteten die Autoren, die Essener seien keine asketisch lebenden Mönche, sondern militante Widerstandskämpfer gewesen. Alles, was über die Essener überliefert ist, deutet jedoch auf eine pazifistische, vegetarische, strenggläubig jüdisch - esoterische Richtung hin, die wegen ihrer, geradezu zarathustrisch anmutenden Reinheitsvorschriften die Abkapselung vom Rest der Welt suchte, eher stärker als heutige Mönche. In der besagten Einschätzung der Essener als militant wurden Essener und Zeloten unzulässigerweise in einen Topf geworfen, ohne daß dies ausreichend begründet wäre.
Johannes der Täufer, Jesus, und Jakobus, der (Halb-)bruder Jesu, hätten dieselben militanten Motive gehabt "wie die Essener". Auch diese -obendrein an den vorhergehenden Annahmen hängende- Einschätzung, wie eine Tatsache präsentiert, ist durch die Qumranschriften nicht beweisbar. Jesus, Jakobus und Johannes sind dort praktisch nirgends in der Art identifizierbar. Es mußte z.B. der "Lehrer der Gerechtigkeit", offenbar eine leitende Persönlichkeit dieser Gemeinde, mit Jakobus identifiziert werden, was eine nicht beweisbare Theorie ist. Auch daß dieser "Lehrer der Gerechtigkeit" ein radikaler Zelot gewesen sei, ist unbewiesen und unwahrscheinlich; es kann aber sein, daß ihn die Gemeinde als höhere - geistliche - Autorität gegenüber den im Verfall befindlichen Tempelpriestern anerkannte. Auch das, was über Jakobus selbst überliefert ist, paßt nicht zu diesem militanten Bild. Jakobus -nicht der Jünger Jakobus, sondern der besagte Bruder Jesu, der nach dessen Kreuzigung die christliche Urgemeinde in Jerusalem leitete - hatte allem Anschein nach einen ausgesprochen toleranten, ausgleichenden Charakter. Er mußte sich sozusagen zwischen Petrus und Paulus setzen, bzw. zwischen den streitenden Jüngern vermitteln, um die Gemeinde zusammenzuhalten.
Um weiter behaupten zu können, Paulus sei ein römischer Agent gewesen, der alles verfälscht habe, mußte eine weitere künstliche Konstruktion herhalten, die wieder durch nichts zu beweisen ist, nämlich die Römer hätten seine Verhaftung zur Täuschung inszeniert. (Im unserem Text "Christuswege..." wird u.v.a. auf Paulus noch weiter eingegangen, u.a. darauf, daß -egal wie jemand zu dessen traditionellen Ecken und Kanten stehen mag, z.B. zu seiner Haltung zu Frauen- auf jeden Fall seine visionären Erlebnisse und -Erkenntnisse als authentisch erkennbar sind; freilich nur, wenn sich jemand der Mühe unterzieht, sich überhaupt eingehend und praktisch mit mystischen Erlebensarten zu befassen, was die Sensationsautoren offensichtlich nicht getan haben.)
Die Qumran - Rollen sind einfach einige von vielen sonstigen Schriften aus der damaligen Zeit, die Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen Auskunft über einige damalige Gebräuche geben. Einige andere Schriften aus diesen Jahrhunderten sind als Apokryphen schon lange bekannt, und andere wurden erst in neuerer Zeit aufgefunden (etwa die Funde von Naq Hammadi, die über den Glauben früher Christen in Ägypten Einiges hergeben.) Sicher ist, daß die Menschen in Qumran gottesgläubig waren, und daß sie in manchen Einstellungen und Gebräuchen mit den Lehren Jesu verwandt waren -denen, die in der Bibel stehen, und nicht den angeblich militanten Lehren des Jesus der Sensationsautoren. Es ist durchaus möglich, daß Johannes der Täufer ursprünglich aus diesen strenggläubigen Zusammenhängen der Essener bzw. Qumraner stammte, oder jedenfalls dort ein allgemein angesehener Gast war. Ebenso ist denkbar, daß Jesus diesen Menschen begegnete. (In unserer Webseite "Christuswege" wird jedoch auch begründet, daß er vielen Kreisen begegnete, und daß er nicht automatisch aus der jeweiligen Schule stammte, deren Anhängern er begegnete.)
2. Weitere Autoren schlossen sich den erwähnten Spekulationen
über Jesus an, mit vielen Details über die jüdische Geschichte, aber ohne
daß sich die besagten Widersprüche auflösen ließen. Indem in einem Teil
dieser Literatur auch die Auferstehung Jesu reduziert wurde auf ein historisch
ertastbares äußerliches Auferstehungs-Ritual der späten Ägypter und evtl.
der Essener und darauf aufbauender Traditionen, wird darin den Lesern gerade das
Erneuernde vorenthalten, was Jesus in diesem Zusammenhang gebracht hat. Dabei
wäre es gar kein Verlust für die dort dargestellten Zusammenhänge zwischen
historischen Gruppierungen wie Essenern und Tempelrittern, wenn auf dieses
Anti-Auferstehungs-Dogma verzichtet würde. Der nur mystisch nachvollziehbare
Teil dessen, was Jesus vollbrachte, ging schon in frühchristlicher Zeit über
das Verständnis einiger judenchristlicher und gnostischer Gemeinschaften
hinaus, und somit ist es nutzlos, mit deren Auffassung beweisen zu wollen, daß
das, was sie verstanden hatten, schon alles gewesen sei. Andere hatten andere
Teile der Wahrheit verstanden, was sowohl die vielen frühen Christen zeigen,
die an eine umfassenderen Bedeutung der Auferstehung glaubten; als auch Jene,
die die diesbezügliche Streitschrift des Philippus-Evangeliums
benutzten. Der sich hervorragend zum Buhmann eignende Paulus war keineswegs die
einzige Quelle derjenigen Traditionen, die an der spirituell wie materiell
verwandelnden Auferstehung
festhielten. Menschen, die dem in der Kirchengeschichte breit akzeptierten
Überlieferungsstand noch eine gewisse Achtung entgegenbringen, können der
Wahrheit eher näher kommen, als Jene, die leichtfertig alles wegerklären, was
ihnen nicht ins Konzept passt.
Wo solche Aktivitäten in eine ständige Verunglimpfung von Jesus Christus
ausarten, kann das auch geistige Folgen haben, die über eine rein menschliche
Angelegenheit hinausgehen.
3. Auch über mehrere angebliche "Gräber mit Gebeinen
Jesu" wurde spekuliert, mehrere in Israel und anderswo. In einem Umfeld im
Nahem Osten, wo Grabräuber beteiligt sind - z.B. ist von den aufgefundenen
Knochenbehältern eines solchen Grabes einer "verschollen" -; und wo
tausende solcher Behälter in Museen gelagert sind und wo etwaige Knochen
entfernt und zur Wiederbestattung weitergegeben wurden, usw., ist es fast
unmöglich, zuverlässige Erkenntnisse über die Personen zu gewinnen. Da
beweisen auch eingeritzte häufige Namen nichts. Auch die
Wahrscheinlichkeitsrechnung kann keine Ähnlichkeiten zwischen Namen in
verschiedenen Familien ausschließen.
Eine ganzheitliche historische Forschung würde nicht von der Voraussetzung
ausgehen, daß es die Auferstehung im überlieferten Sinn nicht gegeben haben
könne. Auch entspräche es eher dem heute möglichen Stand der Erkenntnis,
Prophetie, die auf Jesus bezogen werden kann, nicht nur als eine Quelle
subjektiver Hoffnungen Jesu vor 2000 Jahren zu verstehen; sondern in Betracht zu
ziehen, daß sie auf etwas ganz Reales hinweisen kann, was teilweise noch der
Ergründung harrt, bis es geschehen sein wird.
* 4. Es gibt noch eine Reihe weiterer solcher Spekulationen über Jesus, die zu jeweils unterschiedlichen Ergebnissen führten. S.a. ein update zu Maria Magdalena. Darüber hinaus wollten Andere Jesus sogar mit Moses gleichsetzen; oder mit einem ägyptischen Pharao; oder mit Julius Cäsar; oder mit einem militanten byzantinischen Kaiser. Womit auch schon offensichtlich ist, daß da Vieles nicht stimmen kann...
** Es fällt auch auf, daß in solchen Büchern die Tatsache nicht erwähnt wird, daß in Qumran auch besonders alte Evangelientexte aus dem 1. Jahrhundert gefunden wurden, deren Vergleich mit den heutigen Texten (Markus-Ev.) zeigt, daß sie recht originalgetreu weitergegeben wurden.
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Dass es Menschen gibt, die auch in Glaubensfragen der Unterstützung durch äußeres Beobachten, Zählen, Messen, Wägen bedürfen, anerkennt Jesus im Fall des Thomas, der als „Naturwissenschaftlertypus" unter den Jüngern betrachtet werden kann, und damit ein Vorbild für sehr Viele gerade in unserer Zeit ist. Als er ausführlich Gelegenheit bekam, äußerlich zu prüfen, ob wirklich Jesus Christus vor ihm stand, sagt Jesus: „sei nicht ungläubig, sondern gläubig". D.h. die nun gemachte neue Erfahrung soll Thomas durch ehrliches und tiefgehendes Nachsinnen so umsetzen, daß die Wurzel seines Zweifels verschwindet, ihm etwas „einleuchtet": - dass Jesus dies hinterher überhaupt noch sagen muss, bedeutet auch, daß Thomas kein Skeptiker war, der nun durch die äußere Realität „erschlagen" und „zum Glauben gezwungen" worden wäre, womöglich aus Furcht vor Strafe; sondern daß Thomas auch danach seine Fähigkeit, von innen heraus zu neuen Überzeugungen zu gelangen oder nicht, behalten hatte. Trotzdem sollte er erahnen, daß es noch andere Möglichkeiten des Sich- Überzeugens gibt, als das äußere Betrachten. Jesus wusste, was Thomas angemessen war. Er wollte niemanden zwingen - was den Charakter eines Gerichts gehabt hätte; und es kann auch keine Absicht gefunden werden, irgendjemanden, der für eine Entscheidung nicht reif war, zu einer Ablehnung zu provozieren.
Eine Wissenschaft, die Empirie = gehäufte Erfahrungen immer dann ausblendete, wenn etwas nicht ins alte Bild paßte, ist der Bezeichnung Wissenschaft nicht würdig. Wahre Genies wie Einstein betrieben keine solche Wissensverwaltung, sondern setzten in ihrer Forschung im Gegenteil immer da an, wo es etwas Ungeklärtes gab. Auch diese Suche kann einer der vielen Wege zu Gott sein - so lange die Motive ehrlich sind, und die Wissenschaft nicht durch wirtschaftliche oder andere problematische Interessen korrumpiert wird.
Nun reicht das äußerliche naturwissenschaftliche Arbeiten - mit Beobachten,
mit dem Aufstellen von Hypothesen und schließlich Theorien und deren
Verifizierung - in geisteswissenschaftlichen und Glaubensfragen in den meisten
Fällen allein nicht aus. Nicht immer ist ein Wesen zur Stelle, das eine höhere
Wirklichkeit unbezweifelbar und womöglich reproduzierbar vor uns hinstellt (wie
bei den Jüngern Jesu), oder uns die Wahrnehmung dafür öffnet (wie in Johannes
1, 51 erwähnt). Dennoch gibt es viele Anzeichen dafür, daß es Schichten z.B.
im menschlichen Wesen und darüberhinaus gibt, die nicht dem bekannten
physischen Spektrum von Kräften und Stoffen entstammen, sondern sich dort
lediglich in ihren Auswirkungen zeigen: Lebenskräfte, seelische Regungen,
Denken, Bewusstsein... ( einige Beispiele finden sich an verschiedenen Stellen
des Haupttexts von Christuswege.net). Vielfach entpuppen sich alte
"vorwissenschaftliche" Traditionen der verschiedensten Kulturen
darüber als eine ältere Form von Erfahrung und Wissenschaftlichkeit. Auch
heute ist es möglich, für solche Bereiche speziell angemessene Verfahren der
Wahrnehmung und Auswertung zu entwickeln, wie das Beispiel von Goethes
naturwissenschaftlichen Betrachtungen oder den darauf aufbauenden
erkenntnistheoretischen Arbeiten von Rudolf Steiner zeigt. Auch neuere
wissenschaftliche Ansätze von der Quantentheorie bis zu jenen Wissenschaftlern,
die eine neue Biologie, eine neue geo- und Astrophysik usw. und letztlich ein
neues wissenschaftliches "Paradigma" bzw. Weltbild erarbeiten, gehen
in diese Richtung; jedoch meist ohne zu den neuen Inhalten auch eine passendere
neue Methodik zu suchen wie Steiner.
So ergibt sich zunächst, daß die bisherigen wissenschaftlichen Kenntnisse a.)
nur einen winzigen Ausschnitt der Wirklichkeit zeigen;
b.) daß Fundamente der Naturwissenschaft immer relativer werden: Materie zeigt
sich als verdichtete Energie oder gar als verdichteter Geist; Energieformen
wiederum können Geschwindigkeiten oberhalb der Lichtgeschwindigkeit bis
unendlich annehmen (Tachyonen...); sie können dabei "jünger werden",
die Zeit wird noch relativer als schon in der Relativitätstheorie; sie können
so aus unserem Raum verschwinden und aus einer Art Jenseits/ Transzendenz wieder
auftauchen - sodass auch der Raum noch weniger absolut ist, als es schon durch
die sog. "Krümmung" des Raumes schien. Übrig bleibt die nicht
greifbare "Information" der Kybernetik, die materie- und energielos,
und daher mit herkömmlichen Mitteln gar nicht beschreibbar ist. Es könnte hier
von "Bewusstsein" gesprochen werden.
c.) Nun wäre dieser Zusammenbruch des alten Weltbildes insoweit streng genommen
noch kein "Gottesbeweis", sondern allenfalls eine Vorbereitung.
Manchen reicht dies, da sie lediglich durch das veraltete materialistische
Weltbild blockiert waren und nun direktere Schritte auf Gott zugehen können.
Aber, sieh da, es geht noch weiter: was ist nun diese "Information"
oder auch schon die anderen genannten ungreifbaren Abläufe im Universum?
Was/wer erschafft ständig neue Materie und Energie und löst sie wieder auf?
Was/wer ist es, der hier wie auch im Leben die Grenzen von Leben und Tod regelt
und zu überschreiten gestattet, ebenso von Wachzustand und Schlaf? Was/wer ist
es, der hier ständig zeit- und raum- übergreifend im Universum wirkend zum
Ausdruck kommt? Ist der Mensch, der in seinem Bewusstsein Energie, Zeit und Raum
wie von "außen" erleben kann, tatsächlich ein keimhaftes
"Abbild" von Einem, der das im Großen kann (vgl. Genesis 1,26) ?
d.) Obendrein kommt hinzu, daß hier als Antworten das Chaos und der Zufall mehr
oder weniger ausscheiden. Denn diese Welt, und diese Lebewesen, und diese Welt
der Teilchen, und auch die Abläufe im Leben zeigen einen solchen überzufällig
hohen Grad an Ordnung im Chaos, an Zielstrebigkeit und Sinn innerhalb des Ganzen
wie in einem Gesamtkunstwerk; an mangelnden Zwischengliedern, wie sie für eine
zufällige Evolution erforderlich wären, usw. Schon bei diesem
Erkenntnisschritt wird klar, daß es schwerer geworden ist, nicht zu glauben,
als zu glauben - an eine eine zentrale Urintelligenz, die den Anfang und das
Ziel eines "Schöpfungsprogramms" setzt, und die den Weg mit sich
wandelnden Gesetzmäßigkeiten gestaltet. Es ist so etwas möglich geworden, was
über den Verstand zum selben Ergebnis führen kann, wie einst vor ca. 800 vor
Chr. das mythische Bewusstsein der alten Völker, die hier mit ihrer
"rechten, mythischen Hirnhälfte" Gott am Werk sahen. (Die
"Götter" anderer Völker waren ursprünglich auch nur Bezeichnungen
für bestimmte Eigenschaften des einen Gottes; erst als diese Weisheit
verblasste, wurden sie als eigenständige "Götter" gesehen und
auch mit weitentwickelten menschlichen Wesen verwechselt, die es auch gab.) Auf
ähnlichen Wegen kamen nicht an Gott glaubende Wissenschaftler wie Max
Thürkauf, Georg Todoroff, u.v.a. zum Glauben an Gott.
e.) Glaube im Sinne entstandener tiefer Überzeugung ist mehr als rein
intellektuelles Für-wahr-halten von etwas.
f.) Zudem zählen auch jene Menschen, die als Mystiker usw., aber auch als
normaler Gläubige, direktere, verwandelnde Erfahrungen mit Gott und mit
Christus bezeugen; und die durch diesen Kontakt auch höchst reale Erfahrungen
mit dem kreativen göttlichen Geist in ihnen selbst machten. Diese Wege können
auch auf eine völlig eigenständige Art früher oder später zu einer
Verarbeitung und zu Erkenntnissen über die Natur der Erfahrungen führen. Hier
setzt der Haupttext von "Christuswege.net" an.
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Die Vorgeschichte: Im 1. Buch Moses (Genesis), 29, heißt es: Dann
sprach Gott, "Ich übergebe Euch alle Pflanzen, die Samen tragen, und alle
Bäume mit samenhaltigen Früchten. Sie sollen Euch zur Nahrung dienen."
Dies entspräche Erkentnissen, daß der Mensch in erster Linie die Kau- und
Verdauungsorgane eines Frugivoren (Fruchtessers) hat (und nicht eines
Allesessers, wie gedacht werden kann, wenn nur die für die meisten Tiere
ausreichenden Kategorien Raubtiere, Allesfresser und Grasfresser bedacht
werden.) Nach der (archäologisch z.B. in Vorderasien belegten) Sintflut
hingegen Genesis, 3 zu Noah: "Alles Lebendige soll Euch zur Nahrung
dienen; ... Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft Ihr nicht essen." Bis
hierher bezieht sich alles auf eine Zeit vor der Entstehung der heutigen
Völker, betraf also, soweit es korrekt überliefert ist, nicht nur die
späteren Juden.
Nach dem Auszug aus Ägypten wurde dies im 5. Buch Moses
(Deuteronomium),14,3-21 bestätigt und es kamen weitere Details hinzu.
Anscheinend ging es seit der Flut aus den Umständen heraus darum, im Prinzip
alles zu erlauben, und nur die ernährungsmäßig allerungeeignetsten Stoffe zu
vermeiden. In einigen Fällen konnten dafür moderne
ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse gefunden werden. Allerdings gab es
weiterhin Fälle, wo auf die besondere Bedeutung der Pflanzenkost hingewiesen
wurde, ohne daß dies bindend für Alle vorgeschrieben worden wäre, siehe Daniel
1,8.
Vielfach schien ein Zusammenhang zu bestehen zu den viel umfangreicheren,
heute kaum mehr nachvollziehbaren Vorschriften über Tieropfer und den Genuß
des Opferfleisches. Schon der Prophet Hosea (6.6) übermittelte:
"Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt
Brandopfer". Dies aufgreifend, sagte Jesus: "Darum lernt, was es
heißt: 'Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer'" (Matth. 9,13 und 12,7). Zu
Lukas 22,11, wo Jesus fragt, wo er das Passahlamm essen könne - das dann bei
dem anschließenden Abendmahl selbst überhaupt nicht auftaucht -, gibt es
frühchristliche "apokryphe" Schriften (die um 400 in den biblischen
Kanon nicht aufgenommen wurden), etwa das "Ebionäerevangelium". Dort
liest sich das so: "Begehre ich etwa, an diesem Passahfest Lammfleisch mit
Euch zu essen?". Die aramäische Sprache pflegte für solche Sätze einige
Worte weniger zu verwenden, und ermöglichte so unterschiedliche Lesarten, wenn
der Tonfall nicht mehr gegenwärtig war. Dies führte zu unterschiedlichen
Übersetzungen, die sich hervorragend für gegenseitige Vorwürfe eigneten.
(Die praktisch verschwundenen - nämlich später weitgehend islamisierten -
judenchristlichen Gemeinschaften waren ein echter und wichtiger Teil der frühen
Christenheit, auch wenn sie sich in manchen Anschauungen wie in obigem Beispiel
von den übrigen sich entwickelnden Kirchen unterschieden.)
Die Apostelgeschichte 15,19 berichtet von der Aussage des Gemeindeleiters
Jakobus in der Urgemeinde, daß den (von Paulus gewonnenen) "Heiden, die
sich zu Gott bekehren, keine (ungewohnten) Lasten aufzubürden sind. Man weise
sie nur an, Verunreinigungen durch Götzen(opferfleisch) und Unzucht zu meiden,
und weder Ersticktes noch Blut zu essen." Hingegen ergibt sich bei dem
frühen Kirchenhistoriker Eusebius, in apokryphen (s.oben) Apostelakten usw. das
Bild, daß Jesus, Johannes, Petrus, Jakobus usw. selbst zumindest normalerweise
fleischlos lebten.
Matth. 15,11-20 / Mk.7, 17-21 zeigt allerdings, daß Jesus mehr Wert
legte, "auf das, was aus dem Mund herauskommt", als auf das, was in
den Mund hineingeht"; jedoch bezog sich dies auf Fragen von Pharisäern
nach dem Händewaschen vor dem Essen. Es ist dieselbe Werteordnung, wie sie sich
in dem Satz vom Balken im eigenen Auge und dem Splitter im Auge des Anderen
zeigt. D.h. es geht darum, bei sich selbst anzufangen, statt bei der Furcht vor
äußeren Einflüssen. Es ist dagegen keine Vorschrift, Fleisch essen zu
müssen.
Lt. Luk. 10,8 empfahl Jesus den Jüngern, bei ihren Wanderungen das zu
essen, was ihnen die Gastgeber anboten. Das heißt nicht automatisch, daß dies
völlig gleichgültig sei. Sondern es kann noch heute z.B. im arabischen Raum zu
den unberechenbarsten Reaktionen führen, wenn jemand eine gutgemeinte Speise
oder Trank ablehnt, und wenn er dies nicht sehr geschickt anstellt. Außerdem
wurde den damaligen Jüngern die Fähigkeit verliehen, daß ihnen selbst
ausgesprochen schädliche Stoffe nichts schadeten (Markus 16,18.). Es hat
also keinen Sinn, solche Bibelworte aus dem Zusammenhang herauszureißen, und
sie unbegrenzt zu verallgemeinern.
In noch höherem Maß als die biblischen Ernährungsgesichtspunkte ist das religiöse Fasten in der Reinigung des Körpers begründet, wodurch die Offenheit für tiefere seelische, geistliche Erfahrungen steigt. Dies war zwar besonders in der katholischen Kirche verankert - an Freitagen, mit Bezug auf den Karfreitag, und in der Fastenzeit zwischen "Fastnacht" und Ostern. Aber auch außerhalb dieser Kirche ist, nachdem es lange Zeit nicht mehr besonders ernst genommen wurde, die Bedeutung des Fastens wieder gestiegen. Über die Ernährung hinaus wird dabei auch auf andere Weise freiwillig die Fähigkeit zu Entbehrungen praktiziert. Auch wird daran gedacht, daß viele Menschen in der Welt Hunger leiden. Wie tief das alles gehen kann, zeigt die schon von mittelalterlichen Mystikern bis in die Neuzeit beobachtete Nahrungslosigkeit - "inedia", über einige Wochen Fasten weit hinaus. Dies kommt sowohl auf christlichem Hintergrund, als auch auf anderen Hintergründen vor, - heute von Manchen "Lichtnahrung" genannt - und deutet an, daß der Geist die Materie viel stärker beherrschen kann, als dies wissenschaftlich bisher verstanden wäre. (Es setzt voraus, daß der/ die Betreffende sich darin von Gott "geführt" weiß, bzw. sachkundig begleitet wird, um Gefahren zu umgehen. Das ist nicht als Empfehlung zu verstehen, jenen Weg zu beschreiten.)
Der Körper ist ein Werkzeug, und ein solches bedarf des verantwortlichen
Umgangs.
Im übrigen sind auch Tiere, biblisch gesehen, von Gott geschaffene Lebewesen,
Mitgeschöpfe; also keine beliebig behandelbaren "Sachen", als die sie
z.T. heute noch behandelt werden (durch Tierschutzgesetze eingeschränkt).
Die Entscheidung, welche Ernährung für ihn/sie die Richtige sei, muß
letztendlich jede/r selbst treffen.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis.
Jesus mit seinen Jüngern und weiteren Begleitern wurden seinerzeit von Vielen als eine Bewegung zur Heilung von Leib und Seele erlebt. Da dies heute nicht mehr so selbstverständlich ist, muß daran gearbeitet werden.
Der Wille zum Gesundwerden.
Jesus stellte einem unvorbereiteten Menschen zuerst eine wichtige
Frage: "Willst Du gesund werden?" (Joh. 5,6). Jesus
spricht zur Seele. Der Kranke schildert seine äußeren Hindernisse
bei seiner Heilungssuche. Aber er wird durch die Frage auch veranlaßt, sich
bewußt zu werden, ob/ daß er wirklich gesund werden will. Dies
ist die erste Voraussetzung einer richtig verstandenen Heilung. Solange das
Unterbewusstsein den Weg zur Heilung und Hilfesuche aus irgendeinem Grund
blockiert, wäre auch die Annahme dieser Hilfe schwierig. Es würde dann evtl.
möglich sein, auf welchem Weg auch immer, eine medizinische
Erste-Hilfe-Maßnahme zu ergreifen, oder ein Symptom zu beeinflussen. Aber
Heilung ist etwas darüber Hinausgehendes, was nur funktioniert, wenn der Kranke
es sich zu eigen machen kann, also mit seinen Selbstheilungskräften verbinden
kann.
In diesem Bereich setzen nicht nur jene Angehörigen von Heil- und
Heilhilfsberufen und Lebensberater an, die bereit sind, mit dem Patienten
zusammenzuarbeiten, sondern eben auch seriöse "Heiler" und Menschen,
die Heilungen durch den Glauben bzw. durch Fürbitte unterstützen.
Die Glaubenskraft.
Matth. 9,22 : Jesus wird von einer Heilungssuchenden nur an seinen
Kleidern berührt und sie wird gesund. Jesus: "Dein Glaube hat dir
geholfen". Wer Glaubenserfahrungen hat, wird unter dieser Glaubenskraft
etwas höchst Reales in seiner Beziehung zu Gott verstehen, was den
Heilungsprozeß ermöglicht. Zwar zeigt auch der sog. Placebo-Effekt in der
Medizin etwas von der Kraft menschlicher Überzeugung (wo z.B. Zucker in der
Meinung genommen wird, es handle sich um das Medikament). Dabei geschehen aber
keine solche tiefgreifenden Umkehrungen krankhafter Prozesse, wie sie bei
Glaubensheilungen vorkommen.
Jesus ist auch das Urbild eines im umfassendsten Sinne körperlich, seelisch und
geistig gesunden Menschen.
Auszüge aus dem Kapitel "Die Frage nach den
Wundertaten" unseres Haupttexts*): Jesus
Christus verweist nicht nur, wie manche Heiler der Gegenwart, auf „kosmische
Energie", die sie durch sich hindurchfließen spüren, sondern er verweist
auf den Glauben, den Glauben an eine Heilungsmöglichkeit durch ihn, letztlich
durch Gott über die äußerlich anschaubare Person Jesu.
Auch heute gibt es Heilungen, die wie ursprünglich bei den
Jüngern mit Gebet zustande kommen; und mit Bezug auf das mit Christus
verbundene Innerste des Menschen, das die Heilung und das Vollkommenerwerden des
Menschen will, der dann lt. Jesus sogar „Größeres tun" könne als er (Joh.
14,12-13).
Die spirituelle Heilung selbst und der damit verbundene
seelisch-geistige Fortschritt bleiben allerdings eine nicht erzwingbare Gnade,
so viel der Mensch auch zur Vorbereitung darauf tun kann.
Heilungen waren oft „Zeichen", Handlungen im Kleinen, die
für Größeres, Grundsätzlicheres standen. Bei der Heilung des Blindgeborenen
am Sabbat antwortete Jesus, daß es nicht darum geht, als Grund der Krankheit
Sünden zu sehen, „sondern (es geht darum), daß die Werke Gottes an ihm
offenbar werden sollen". Vgl. Joh. 5, 6-9; Joh. 6; Joh. 9, 3 u.a.
Heute ist es auch durch viele Erfahrungen und
grenzwissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr unvorstellbar, daß Jesus
tatsächlich die Naturkräfte beeinflussen konnte. Diesem Phänomen ins Auge zu
sehen, kann für unser heutiges Menschenbild, für eine ganzheitliche, bzw.
christliche Heilung usw. wichtig sein.
Das Auflegen der Hände.
Nicht immer, aber oft legten Jesus und die Jünger zur Heilung die Hände
auf. Diese Praxis lebt vereinzelt noch heute. Die Person, die Kranken die Hände
auf den Kopf oder die Schultern auflegt, spricht dabei ein Gebet, wo möglich
begleitet von der Gemeinde. Es unterstützt die Einfühlung und das Bewusstsein,
ein Kanal für Gottes Hilfe zu sein. Dies mag symbolisch verstanden werden. Aber
aufgrund der Erkenntnisse aus modernen Geistheilungsbestrebungen -auch darunter
finden sich bewusste Christen- wissen wir, daß es eine Realität ist. Im
frühen Christentum wurde hier von "Pneuma" gesprochen, dem Lebensatem
oder Heiligen Geist*), der vermittelt wurde. Diese Praxis wurde sowohl bei
Heilungsfürbitten wie auch zur Segnung verwendet, teils verbunden mit weiteren
Bemühungen. Siehe z.B. Matth.19,13; Mk.8,23; Mk.10,16 (Segnung von Kindern);
Luk.4,40-41 (Heilung & Geisteraustreibung); Luk.24,50 (Segnung der Jünger);
Apostelgeschichte 6,6 und 19,12 sowie 28,8.
Eine Heilungsfürbitte ist aber nicht unbedingt auf das Händeauflegen
angewiesen. Es geht im Übrigen auch aus der Ferne - was als schwieriger
empfunden werden mag.
Seelisch bedingte Leiden.
Die Gesundung von Psyche, Lebenskräften bzw. Körper hängen eng zusammen. Schon eine gute "seelsorgerliche" oder Lebensberatung kann daher auch Einfluß auf psychosomatische Leiden haben - wenn vernünftige Ratschläge auch umgesetzt werden, statt Fehler in der Lebensführung fortzusetzen.
Auszüge aus dem Kapitel "Der heilige Eifer und...
Emotionen" des Haupttexts *): Jesus lebte
ständig in „positivem Erschauern vor Gott" und Mitgefühl mit den
Menschen... Beim normalen Menschen sind zunächst fast alle Emotionen zumindest
vermischt mit problematischen unterbewussten Reiz-Reaktionsmechanismen – die
biographisch verschieden und verschieden stark zutage treten, aber in ihrer
Grundstruktur recht ähnlich sind. Selbst... immer weitere solcher Mechanismen
aus den eigenen Reaktionen herauszufischen, auf sie hinzuschauen, statt
sie zu verdrängen, und sie so schließlich zu meistern bzw. sie Gott zu
übergeben, ist ein langer Lernprozess.
Es ist dabei meist wenig effektiv, auf übliche Art gleich
Problemkomplexe im Ganzen bearbeiten zu wollen. Wirksamer wäre es, zuerst
einzelne Arten von diesbezüglichen Erlebnissen zu suchen, und dabei auch
bewusst zu unterscheiden, ob es sich um einen „Balken im eigenen Auge"
oder um einen „Splitter im Auge des Anderen" (Matth.7,1-5) handelt,
und wer so verantwortlich ist. Manche christliche Schulen würden Ersteres
stärker betonen, weil es schwerer ist, und erst gelernt werden muß, auf eigene
problematische Taten hinzuschauen, und weil diese eher selbst korrigierbar sind.
In der psychologischen Praxis würde oft mehr die andere Perspektive als Opfer
im Vordergrund stehen. Am Ende wird bemerkt werden, daß trotzdem beide Seiten
mehr oder weniger ins Spiel gekommen sind.
Eine mögliche Praxis dazu ist: 1. Z.B. die betreffende als negativ
empfundene Regung, wie sie konkret auftrat, innerlich anzuschauen (z.B. Angst,
Haß und Wut, Gleichgültigkeit und Überheblichkeit, übertriebener Zweifel,
...). 2. statt nachzugrübeln, einen Moment ruhig zu warten, um sich möglichst
bewusst zu werden, um was es sich handelt. Dann 3. Dieses so erfahrbar, geradezu
körperlich spürbar gewordene Problem im Gebet**) Gott übergeben. 4. ruhig
warten, bis sich eine Spur von Erleichterung einstellt.
Dies mag bei einiger meditativer***) Übung z.B. wie ein nach oben abfließender
Strom und unter Umständen ein danach von oben einfließender Strom erneuernder
Kräfte empfunden werden. Es ist andernfalls auch möglich, die negative Emotion
usw. mit dem Atem "auszuatmen", mit der Haltung, es Gott zu
übergeben; und beim Einatmen zu ermöglichen, daß Positives aus Gottes
Barmherzigkeit heraus einfließen kann (eine Abwandlung des ständigen
Gebetes der christlichen Mönche auf dem Berg Athos, das im Kapitel "Die
Stille in der Wüste" in unserem Haupttext erwähnt ist.)
Mentale Probleme.
Auszug aus dem Kapitel "Die Verklärung" des Haupttexts*: Es gibt das „Positive Denken" und positive "Affirmationen" (Leitsätze). Es könnte zwar, wenn es nicht-egoistisch und nicht-größenwahnsinnig und ohne technische Manipulationen praktiziert würde, das Denken in einen Zustand versetzen, der dem verwandter wäre, was von Gott kommen kann; es könnte also dafür öffnen. Die Literatur dieser Richtungen lässt jedoch großenteils solche Sorgfalt vermissen, und so kann das oft auch in Selbstbetrug enden.
"Schicksalsprobleme".
Es gibt z.B. aus modernen Geistheilungs- Bestrebungen die Erfahrung, daß es Fälle gibt, wo der Eindruck entsteht, daß eine Heilung (noch) nicht möglich bzw. "nicht gestattet" ist. Das ist etwas wie eine Ebene der "Programme". Es mag z.B. sein, daß der Kranke noch etwas aus der Krankheit lernen "will" oder soll. Auch dies ist jedoch mit Gott durchaus einer Lösung zugänglich. Siehe dazu auch den obigen Abschnitt "Der Wille zum Gesundwerden".
Rechtliche Fragen.
Eine reine Christliche Gebetsheilung einschließlich Händeauflegen ist z.B. in Deutschland durch die grundgesetzliche Freiheit der Religionsausübung geschützt. Wer dies jedoch über den Hausgebrauch im privaten Kreis oder der Kirche hinaus als Dienstleistung anbieten würde, sollte sich vorher genauer über die Rechtslage informieren. Falls dabei Tätigkeiten stattfänden, die von Anderen als Diagnose oder direkte Therapie ausgelegt werden könnten - auch wenn dies kostenlos oder auf Spendenbasis erfolgt -, müßte in Deutschland entweder eine Heilpraktikerprüfung oder eine Approbation als Arzt vorliegen (Geistheiler z.B. - deren Praxis meist von der klassischen urchristlichen Heilung abweicht, aber auch Gemeinsamkeiten damit erkennen läßt - können oft Krankheiten mit den Händen erfühlen usw.). Auch wenn es wünschenswert wäre, daß Gesetze dem speziellen Charakter dieser Tätigkeiten in unbürokratischerer Weise Rechnung tragen würden, empfiehlt auch der "Dachverband Geistiges Heilen"****) unter den gegebenen Umständen das Ablegen einer Heilpraktikerprüfung. Es ist theoretisch eine vereinfachte Form derselben gestattet, wenn nur psychologische Beratung oder Geistheilung ausgeübt werden. Ob diese vereinfachte Form überall verwirklicht werden kann, ist eine andere Frage.
News: In Deutschland erleichterte das Bundesverfassungsgericht am 2.3.2004 die Heilertätigkeit ohne Heilpraktikerprüfung: Voraussetzung ist, daß ein/e Heiler/in die Patienten vor Beginn der Heilungstätigkeit darauf hinweist, daß geistiges Heilen nicht die Tätigkeit eines Arztes ersetzt - z.B. durch ein Merkblatt oder einen gut sichtbaren Aushang im Behandlungszimmer. In der Urteilsbegründung heißt es u.a.: "Ein Heiler, der spirituell wirkt und den religiösen Riten näher steht als die Medizin, weckt im Allgemeinen die Erwartung auf heilkundlichen Beistand schon gar nicht." ... "... dürften ganz andersartige, ergänzende Vorgehensweisen, wie beispielsweise die Krankensalbung, das Segnen oder das gemeinsame Gebet wohl kaum den Eindruck erwecken, es handle sich um Ersatz für medizinische Betreuung." ... "Die Forderung an den Beschwerdeführer, eine Heilpraktikerprüfung abzulegen, ist unangemessen, weil eine solche Prüfung mit der Tätigkeit, die der Beschwerdeführer auszuüben beabsichtigt, kaum noch in einem erkennbaren Zusammenhang steht. Die in der Heilpraktiker-Prüfung geforderten Kenntnisse in Anatomie, Physiologie, Pathologie sowie Diagnostik und Therapie kann er sämtlich bei seiner Tätigkeit nicht verwerten." (AZ: 1 BvR 784/03). Wer in seiner Tätigkeit von solchen Arten des Heilens deutlich abweicht, sollte sich z.B. vom u.g. DGH beraten lassen.In England z.B. sind "Spirituelle Heiler" bereits allgemein akzeptiert und auch an Krankenhäusern zugelassen.
*) Der Haupttext
behandelt diese und weitere Punkte von einem breiteren Blickwinkel her, -
nämlich betr. die Möglichkeiten der menschlichen Entwicklung überhaupt; also
über "Heilung" im engeren Sinne hinaus.
**) Allgemein zur besten inneren Haltung beim Beten vgl. auch
unsere Seite "Ein Gebet für Frieden..."
***) Siehe die Seite "Christliche Meditation".
****) Dachverband
Geistiges Heilen (DGH): http://www.dgh-ev.de/
Er distanziert sich von Scharlatanen, die es auf diesem Gebiet nicht weniger,
aber auch nicht mehr als auf den anderen Gebieten des Lebens gibt.
Unter den vielen einzelnen Vereinigungen gab es bisher keine, die sich
ausschließlich auf christliche Wurzeln solcher Aktivitäten stützt, oder die nur
christliche Heiler enthält. Innerhalb einer noch im Aufbau befindlichen
"Internationalen Vermittlungsstelle für herausragende Heiler"
entsteht zur Zeit ein “Christliches
Heiler-Netzwerk” (CHN). Geleitet wird es von Kirchenrat Pfarrer Bernhard
Wolf, dem Vorsitzenden der Bundeskonferenz der Weltanschauungsbeauftragten der
evangelischen Landeskirchen in Deutschland; an der Universität Bayreuth leitet
er ein Forschungszentrum für neue religiöse Strömungen. Eine einfache,
wirksame biblische Praxis der intensiven Heilungsfürbitte findet sich darüber
hinaus in evangelischen Freikirchen wie Baptisten oder Pfingstkirchen; auch an
einigen katholischen Wallfahrtsorten wie Lourdes geschehen außerordentliche
Heilungen durch Gebet und Glauben. Ein Beispiel eines christlichen Heilers ist Daniel
Hari (Verfasser des Buches: Heilen wie Jesus, Verlag Urs-Heinz Nägeli /
Schweiz.)
Für andere Länder siehe die Links auf unserer entsprechenden englischen
Webseite. (Christuswege.net ist nicht für Webseiten
oder Bücher Anderer verantwortlich, und unterstützt nicht automatisch alle
ihre wechselnden Inhalte.)
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Als gläubiger Christ können Sie Alle und Alles segnen, soweit Sie fühlen, daß es mit dem Glauben im Einklang steht, und wenn Sie sich dazu auf Gott eingestellt haben. Es gibt nicht nur den gebräuchlichen Segen durch Priester bzw.Pfarrer aus 4.Mose (Numeri) 6:23 - 7:1 :
4.Mose 6:23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: Also
sollt ihr sagen zu den Kindern Israel, wenn ihr sie segnet:
24 Der HERR segne dich und behüte dich;
25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß ich sie segne.
7:1 ¶ Und da Mose die Wohnung aufgerichtet hatte und sie gesalbt und geheiligt
allem ihrem Geräte, dazu auch den Altar mit allem seinem Geräte gesalbt und
geheiligt,
2 da opferten die Fürsten Israels ...
SIE können - auch als Laie - Segen verbreiten. Sie brauchen dazu keine Formel und müssen nicht laut sprechen; nur die rechte innere Haltung ist nötig, in diesem Sinne: "Der Segen des Herrn sei mit Euch, wie er es möchte". Gott wird aus Ihrem Segen nichts Falsches machen. Dieser Brauch ist selten geworden, aber er könnte hilfreich sein.
Es gibt viele Bibelstellen zum Thema des
Segens. Einige typische zu den verschiedenen Aspekten des Segnens:
Sacharja 8:13 Und soll geschehen, wie ihr vom Hause Juda und vom Hause
Israel seid ein Fluch gewesen unter den Heiden, so will ich euch erlösen, daß
ihr sollt ein Segen sein...
Apostelgesch. 3:26 Euch zuvörderst hat Gott auferweckt seinen Knecht Jesus
und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, daß ein jeglicher sich bekehre von
seiner Bosheit.
Epheser 1:3 Gelobet sei Gott und der Vater unsers HERRN Jesu Christi, der
uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch
Christum.
1 Petrus 3:9-12 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit
Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß
ihr den Segen erbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der hüte seine
Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er
wende sich vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn
die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Gebet; das
Angesicht aber des HERRN steht wider die, die Böses tun.
Hebräer 6:7 Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft über sie
kommt, und nützliches Kraut trägt denen, die sie bauen, empfängt Segen von
Gott.
.Einige weitere Bibelstellen dazu: Matthäus 5,44 bzw. Lukas 6:28; Römer
12:14; 1. Mose (Genesis) 9:1; 5. Mose (Deuteronomium) 11:26; Psalmen 115:13;
Sprüche 11:25.
*) Es versteht sich von selbst: wo z.B. Waffen gesegnet werden, dürften mit
solchen "Segnungen" die Engel Probleme haben ... .
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Manche christliche Kreise, gerade streng gläubige, erwecken den einseitigen Eindruck, Christen sollten sich am besten in ihr Schicksal fügen, und auch die Entwicklungen in der Welt nicht zu engagiert kritisieren: sie können zwar für Besserung beten oder auch sonst etwas dafür zu tun versuchen. Aber daß sie sich bei Gott "bitterlich beklagen" können - s. die Klagelieder im Alten Testament - kommt außer in literarischer Form ('Don Camillo und Peppone') nur noch selten vor, wird jedenfalls in den Kirchen nur selten offiziell gelehrt. Im privaten Gebet mag es eher vorkommen. Wird gar noch die jüdische Praxis an der Klagemauer in Jerusalem mit dieser Lage verglichen - ohne jetzt etwas Gleichartiges für Christen empfehlen zu wollen - dann wird endgültig deutlich, daß es hier um einen möglichen Glaubensbestandteil von hoher Wichtigkeit geht.
Gerade auch wenn die spezifisch christlichen Werte und Verheißungen - vgl. etwa in der Bergpredigt Mt. 5:5 "Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen" der in der Welt immer noch dominierenden Entwicklungsrichtung gegenübergestellt werden, könnte der Gedanke kommen, daß hier vielleicht sogar mitspielen könnte, daß Christen mit solchen Verheißungen nicht umgehen können. Verheißungen sind keine unverbindlichen Möglichkeiten der Gnade, die es auch gibt, und die kommen können oder auch nicht. Sondern es sind Versprechungen. Wann diese eingelöst werden, kann auch von der Reife der Menschen abhängen, bzw. davon, daß sie "herabgebetet" werden. "Das Himmelreich erleidet Gewalt". Mt.11:12.
Es war nicht mehr klar, über wen oder was hier zu klagen wäre. Über andere Menschen? Oder über die - von einigen Theologen wegerklärten - teuflischen Machte, die an der Verführung der Menschen mitgewirkt haben können? Alle mögen ihren Teil der Verantwortung haben. Da kommt aber oft die Ahnung zum Zuge "dies wurde zugelassen" (mit manchem menschlich gedachten "weil..."). Ist aber diese "Regie", die etwas "zulassen" kann oder nicht, und die so die Spielregeln des Herrn weiter ausgestaltet, nur ganz direkt der Allerhöchste? Es wäre sehr kurzschlüssig gedacht, wollte jemand Gott selbst für das Übel in der Welt oder für jede Art von "Zulassung" verantwortlich machen. In den ersten Jahrhunderten sprachen und schrieben die heute noch in der einen oder anderen Kirche hoch angesehenen Kirchenväter noch von den überlieferten Engelshierarchien, die zwischen Gott und den Menschen usw. stehen. Die Gnostiker sprachen darüber hinaus auch von sog. "Archonten" mit oft problematischen Eigenschaften. Auch andere Kulturen haben solche Erfahrungen auf ihre Weise aufgegriffen: z.B. das tibetanische Totenbuch ist voll von Empfehlungen, wie mit solchen Wesen nach dem Tod umzugehen sei. Gerade, was die grundsätzlichen Dinge betrifft, die über die kleinkarierten gegenseitigen Vorwürfe der Menschen hinausgehen, könnte sich eines Tages bestätigen, daß hier eine nicht ganz fehlerfreie "Regie" unterhalb des Allerhöchsten, auch unterhalb von Christus wesentlich mitspielt - die aber verglichen mit dem Menschen oder gar verglichen mit direkt negativen Kräften außerordentlich "hoch" steht. Dieser Ansatz ist auch ein Beitrag zur alten Frage der Philosophen nach der "Theodizee" bzw. nach dem Verhältnis von Gott zum Übel der Welt (seiner "Rechtfertigung").
Fazit: Es ist zwar möglich, sich bei Gott zu beschweren, denn er bleibt der richtige Ansprechpartner; aber es macht keinen Sinn, sich über ihn zu beschweren. Diese Beschwerde kann auch beinhalten, Gott Einsichten mit den dazugehörigen aufgewühlten menschlichen Gefühlen zu übergeben, auch wenn diese Gefühle statt Trauer z.B. Verärgerung über Unrecht enthalten (Mt. 5:6). Da dann die Lösung Gott überlassen wird, stellt diese Klage im Grunde eine spezielle Art von intensivem Gebet dar. Die Liebe bzw. Hochachtung gegenüber Gott bzw. Christus gehört trotzdem dazu; dies schützt auch davor, in pure Negativität zu verfallen, die dann nicht mehr zu Gott führen würde, sondern eher anderswohin.
Ein anderer Weg ist es, diese Gefühle erst selbst etwas zur Ruhe kommen zu lassen, so daß ein klassisches, reines Gebet möglich wird, wo Gott alles in Form von Dank und Bitten entgegengebracht wird. Es ist sicherlich eine angemessene Haltung gegenüber Gott, normalerweise auf diese Weise zu beten. Es ist aber erlaubt, im obigen Sinne auch zu klagen, wenn es nötig erscheint und ehrlich (authentisch) ist.
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- Wer, -mit Jesus als Maßstab und Hilfe- Fortschritte
von den eigenen Unvollkommenheiten hin zu den zukunftsträchtigeren
Eigenschaften sucht (vgl. die Seite "...Ethik":
nicht schaden, sondern helfen...), mag zunächst
sich der eigenen Charaktermängel, der gemachten Fehler und Verfehlungen
bewusst werden, statt alle Stimmungen, Probleme und Schäden auf Andere zu
schieben (vgl. Mt 7:1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. 2
Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit
welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. 3 Was siehst du aber den
Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem
Auge?...). Anschließend kann sehr wohl auch der "Splitter"
des Anderen bzw. was einem angetan worden ist, bearbeitet werden.
Derartiges wird, sobald es möglich ist, und mit soviel innerer Ruhe wie
möglich (vgl. unser Kapitel des Haupttexts "Die Stille in der
Wüste") und so gewissenhaft wie bei einem fertigzustellenden
'Produkt' innerlich oder auf Papier notiert und nach Verbesserungsmöglichkeiten
durchsucht, sowie der Erfolg beobachtet. D.h. eigene Bemühung ist gefragt: dabei
mag es um diesbezügliche Gebete gehen, und entsprechend dem Glauben mag Hilfe
kommen; jedoch wird dies bei ernsthafter und daher ganzheitlicher Praxis auch
mit Korrekturen in den Einstellungen und im Denken, mit mehr Wachsamkeit auf
negative Gefühle, und letztendlich auch mit Änderungen des Verhaltens Hand in
Hand gehen. Das Ganze geht je einfacher, je mehr feinste Teile des täglich
an sich Beobachteten in solcher Art betrachtet und dann einzeln im Gebet an Gott
übergeben werden. (Vgl. das Kapitel "Der Hl. Eifer, und
Gesichtspunkte zu Emotionen".)
Gerade tief eingegrabene Lebensgewohnheiten sind sehr schwer zu verändern,
da sie in einer unbewussten Schicht der Persönlichkeit verankert sind. Dazu ist
auf dem Weg oft schon erhebliche Erfahrung im Erkennen unter- oder unbewusster
Ursprünge nötig (dennoch kann es im Einzelfall auch unmittelbar gelingen, wie
beim Raucher, der von einer Minute zur anderen für immer durch einen starken
Entschluß mit dem Rauchen aufhört. Vgl. das Kapitel "Die
Verklärung Christi").
Dies "Hinschauen und bewusst mit Hilfe von Gebet Verarbeiten" wäre
für sich genommen schon ein spiritueller Weg, der sehr weit führen kann, und
jemanden das ganze Leben begleiten kann; der aber auch bei entsprechend
intensiver Praxis schon in kurzer Zeit immerhin wesentliche Fortschritte bringen
kann. "Tiefere Schichten" der zu bereinigenden Angelegenheiten mögen
noch zur Aufarbeitung anstehen, obwohl sie sich bereits in hohem Maße gebessert
haben. Wer durch eine solche liebevollere und weisere Ausrichtung nicht mehr
sich selbst im Wege steht, kann Jesus auch als Kompaß erleben, der ein neues
Gleichgewicht jenseits der einseitigen Abwege zu finden ermöglicht: (S. d.
Tafel zum Schlusskapitel
des Haupttexts: Eine christliche Haltung - "In der Welt, aber nicht
von der Welt", ein "Dritter Weg" - vgl. z.B. Joh. 17).
Es werden auch Anregungen des Gewissens auftauchen ... (vgl. Mt.
5,5 und 5,9 ...).
(Diese Praxis ist in erster Linie anwendbar, wenn es um die Besserung von Verhaltensweisen geht, die psychologisch gesehen vorher schon im Rahmen des "Normalen" liegen. Wenn es um die Besserung von Zuständen geht, die heute in gewissem Maße als krankhaft gelten, wäre es umso mehr nötig, daß dann eine entsprechend erfahrene, unter Umständen auch eine psychologisch geschulte Hilfsperson den Weg aktiv begleiten müßte, da dann die Selbständigkeit im Umgang mit den eigenen Problemen noch mehr eingeschränkt ist, als sie es ohnehin bei allen Menschen ist, wenn sie auf ihre eigenen Schwächen hinschauen sollen. Wäre jemand darin so eingeschränkt, daß es auch mit Unterstützung nicht ginge, dann wäre es immer noch möglich, dass eine solche Hilfsperson für den Betroffenen beten würde, ergänzend zu einer geeigneten Therapie. Vorausgesetzt ist, daß Hilfe gesucht wird, denn selbst von Jesus ist die wichtige Frage bekannt "willst Du gesund werden?" Vgl. unsere Seite "...Heilung".)
Ein einfacher Maßstab ist z.B. die Fähigkeit des Zuhörens. Dabei werden die hochkommenden eigenen Vorurteile bewusst zu registrieren gesucht, um sodann vorurteilsfreier zuhören zu können, und auch die positiven Möglichkeiten im Gehörten entdecken zu können, auch wenn es nicht durchgehend der eigenen Sicht entspricht (aktive Toleranz). Das hat dann wieder Auswirkungen auf das Gespräch mit Anderen, usw. (Vgl. Mt. 5,3 "Selig sind, die geistig arm sind"- d.h. die sich dessen bewusst werden, denn alle sind es zunächst auch ohne dies).
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Zunächst sei darauf verwiesen, daß der Mensch auch nach neuesten Wirtschaftsforschungen *) nicht jenes rein egoistische Wesen ist, das die bisherige liberale Wirtschaftstheorie voraussetzte. Nur eine Minderheit handelte rein aufgrund von Eigeninteressen. Für die meisten spielen andere Werte wie freiwillige gegenseitige Zusammenarbeit eine mindestens ebenso große und oft entscheidende Rolle. Dieser "gegenseitige Altruismus" führt allerdings ebensowenig wie der Egoismus automatisch zum Besten der Gesamtgesellschaft, sondern kann auch im Sinne einer Cliquenbildung wirken. Da helfen nur bewußte, konsequente ethische Entscheidungen weiter.
Hier können psychologische und religiös-ethische Gesichtspunkte ansetzen. Der Mensch ist gleichermaßen als individuelles und als soziales Wesen angelegt. Sowohl ein gesundes -nicht übersteigertes- Selbstbewusstsein wie auch eine solidarische Haltung gegenüber den Mitmenschen sind bei entsprechender Offenheit trainierbar. Wo nur die egoistische Seite vorhanden scheint, ist die altruistische Seite entweder nicht stark entfaltet oder u.a. durch die harte "Schulung" durch die westliche Gesellschaft verkümmert. Die sozialistischen Gesellschaften betonten einseitig die Solidarität und ließen umgekehrt vielfach die freiheitsbedürftige individualistische Seite der Menschen verkümmern - und entsprachen insofern auch nicht dem, wozu der Mensch angelegt ist. Wo die Menschen keine ausgeglichenen Verhältnisse vorfinden, zeigen sie dies früher oder später durch Kritik usw. Entweder es wird dann rechtzeitig dazugelernt, oder es geht früher oder später bergab. Dies gilt auch für die heute vorherrschende Wirtschaftsform, die durch global handelnde Grossunternehmen gekennzeichnet ist. Jesus legt nahe, zuerst die jeweiligen hausgemachten Probleme zu klären (Matth. 7).
Zwar sind die Werte der Bergpredigt (Matth. 5-7) ** usw. nicht
unmittelbar in gesellschaftliche Handlungsanleitungen zu übersetzen. Aber
dennoch wäre die Bewusstseinsspaltung nicht im Sinne Jesu, z.B. im privaten
Leben nach dem Gebot der Nächstenliebe zu handeln, und in beruflichen oder
gesellschaftlichen Funktionen genau gegenteilige Prinzipien anzuwenden. Eine
ernsthafte Ethik *** muß sich auf allen Ebenen bewähren, und letztendlich auch
für die Welt insgesamt gelten. Z.B. der Wert der Barmherzigkeit und daß sich
Jesus auch in der Praxis gerade den Armen zuwandte, ist unzweifelhaft auch über
die bekannten kirchlichen Sozialdienste hinaus gesellschaftlich relevant -
auch für den menschlichen Umgang innerhalb von Unternehmen. Auch Matth.
22,21 hat sehr praktische Bedeutung, indem dort neben der Barmherzigkeit
auch der überlieferte "Zehnte" von Jesus bestätigt wird, d.h. eine
neben der römischen Steuer bestehende 10%- Spende für religiöse bzw.
wohltätige Zwecke. Die Hilfswilligkeit im Sinne von Jesus
beruht jedoch auf freiwilligen Entscheidungen; es ist nicht möglich, daraus
unmittelbar Zwangsumverteilungskonzepte abzuleiten. Es gelten auch nach wie vor
die Gebote 9 und 10 "Du sollst nicht begehren ... was dein Nächster
hat." Auch bei allem Bemühen, die soziale Lage Vieler zu bessern, bleiben
die unterschiedlichen Schicksale in Gottes Hand.
Das Gleichnis in Matth. 25,14-30 / Lukas 19 nimmt bekannte materielle
Sachverhalte. Der Zusammenhang (bei Lukas z.B. die ethische Haltung eines
Zöllners, bei Matthäus z.B. das vorangehende Gleichnis über die
Glaubenskräfte der Jungfrauen) zeigt jedoch, daß damit Umfassenderes
veranschaulicht werden soll, als die Vermehrung materieller Güter bzw.
Finanzen. Dies kommt deutlicher z.B. in Luk. 12 / 33 zum Ausdruck, wo
seelische Werte über die irdischen gestellt werden. Trotzdem bezieht sich der
verantwortliche Umgang mit anvertrauten Gütern durchaus auch auf Materielles.
Auch wo z.B. geraten wird, die Armen und Benachteiligten zu unterstützen, wird
dieser materiellen oder finanziellen Unterstützung ein Wert beigemessen, statt
daß das Materielle generell als wertlos erachtet würde. Es kommt dann z.B.
darauf an, ob das Geld oder der Besitz Selbstzweck ist, oder für etwas
Sinnvolles eingesetzt wird - Matth. 6,24 spricht von der Unmöglichkeit, Gott
und dem Mammon gleichzeitig zu dienen.
Z.B. zu lügen und zu betrügen, Mobbing zu betreiben, und Projekte in die Welt
zu setzen, deren Harmlosigkeit für (nichtkriminelle) Mitmenschen und andere
Geschöpfe nicht ausreichend erwiesen ist, ist nicht im Sinne eines
verantwortlichen Miteinanders, wie es Jesus auf Schritt und Tritt demonstrierte.
Jesus lehrt auch nicht, immer sog. "Sachzwänge" in den Vordergrund zu
stellen.
Aus dem Islam ist das Verbot des Zinses bekannt.
Aber Juden und Christen könnten in der Bibel ähnliche Ratschläge finden (im
Alten Testament selbst sind es Verbote):
Hesekiel 18:8 und 9: "Der nicht wuchert, der nicht (andere
Übersetzung: überhöhten) Zins nimmt, der seine Hand vom Unrechten kehrt, der
zwischen den Leuten recht urteilt; der nach meinen Rechten wandelt und meine
Gebote hält, daß er ernstlich darnach tue: das ist ein frommer Mann, der soll
das Leben haben, spricht der HERR HERR."
S.a. Esra 7:24 (Zins-, Zoll- und Steuerverbote gegenüber bestimmten
Berufen);
Sprüche 28:8 wurde manchmal auf die bequeme Art so ausgelegt, der Umgang
mit dem durch Zinsen erworbenen Geld sei letztlich gleichgültig, weil das Geld
über die Reichen ohnehin wieder den Armen zugute komme. Wo heute Geld vielfach
gerade entgegen der Interessen der Armen bzw. des Gemeinwohls eingesetzt wird,
sind jedoch die Voraussetzungen des Verses nicht erfüllt. Um die Werteordnung
in diesem Vers zu erfüllen, kommt es daher gerade darauf an, wofür das Geld
verwendet wird.
Im Neuen Testament siehe betr. Zins auch Mt. 23:23 und Mt. 17:24.
Für diese Ausarbeitung interessiert am meisten, was auch dann noch als
nachdenkenswert erscheint, wenn der Bezugsrahmen, in dem das Alte Testament
entstanden ist, verlassen wird. Daher wird hier auf Deuteronomium 23,20
nicht näher eingegangen.
Die Bibel hält dazu an, keine unnötigen Schulden zu machen (Sprüche 22:7), und vorausschauend zu planen (Sprüche 21:5), sowie in der Weisheit und im Verstand laufend dazuzulernen (z.B. Sprüche 4:5-8). Es wurde zum Sparen angehalten, schon der erwähnte "Zehnte" sollte jedes Jahr zurückgelegt werden, um damit zu den religiösen Festen reisen zu können und Gaben dafür bereit zu haben (5. Mose 14:22-27). Paulus forderte Christen auf, jede Woche etwas zurückzulegen, um es bei Bedarf für in Not geratene Mitchristen zur Verfügung zu haben (1. Korinther 16:1,2), und legt eine maßvolle Haltung im Umgang mit irdischen Gütern nahe (1. Timotheus 6:8). Jesus geht davon aus, daß berechnet werden muß, ob genug Geld da ist, bevor z.B. ein Bauprojekt gestartet wird (Luk. 14:28). Ein nachhaltiges Wirtschaften wäre auch heute dringend gefragt als Therapie und Vorsorge: private, wirtschaftliche und öffentliche Überschuldung ist die Ursache weltweiter finanzieller Instabilitäten. Die Webseite Christuswege verfolgt keine politischen Ziele; daher werden hier nur allgemeine Gesichtspunkte gegeben.
*) So Ernst Fehr, Direktor des Instituts für Empirische
Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich, lt. Interview in
"Spektrum der Wissenschaft" März 2002, "Reziproker
Altruismus...".
**) In mehr geistiger Hinsicht werden diese Werte in dem Kapitel
über die Bergpredigt im Haupttext von Christuswege.net erläutert.
***) Siehe auch unsere Seite "Grundlagen der
Ethik".
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Matth. 22, 21; Mk 12,13-17; Lk 20,20-26: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist" ist eine realistische Haltung betr. die Steuerzahlung an die römische Herrschaft. Es zeigt sich darin auch eine klare Unterscheidung zwischen staatlichen und religiösen Funktionen. Dagegen ist hier keine grundsätzliche Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit gemeint; Apostelgeschichte 5,29: "...Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." Dementsprechend rechtfertigt Jesus auch nicht automatisch jedes Versagen mit "Sachzwängen".
Einerseits ist die allgemeine Werteskala der Bergpredigt (Matth. 5-7)
usw. nicht unmittelbar in gesellschaftliche Handlungsanleitungen zu übertragen.
Jedoch wäre es sicher nicht im Sinne Jesu, im privaten Leben nach dem Gebot der
Nächstenliebe zu handeln, und z.B. in Verbänden oder politischen Funktionen
gegenteilige Prinzipien anzuwenden. Eine ernsthafte Ethik **) muß sich auf
allen Ebenen bewähren, und letztendlich auch für die Welt insgesamt gelten.
Z.B. wäre es nicht im Sinne der Wahrhaftigkeit und Verantwortlichkeit, die
Jesus demonstriert, sich mit unredlichen Methoden gegenüber Mitbewerbern
durchzusetzen; die Öffentlichkeit zu betrügen; und über die Betroffenen
hinweg Projekte in die Welt zu setzen, deren Harmlosigkeit für
(nichtkriminelle) Mitmenschen und andere Geschöpfe nicht ausreichend erwiesen
ist.
Ein prophetischer Rat findet sich in Jeremia 29,7: "Suchet der
Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum
Herrn; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl." Dies legt
eine Entscheidung zugunsten des Gemeinsinns im weitesten Sinn nahe. Christen
wird auch durch Matth. 5,13, Matth.13,33 usw. ans Herz gelegt, sich für
die Gesellschaft zu interessieren, und "das Salz der Erde" zu sein.
Jedoch kann es für Christen auch Situationen geben, wo sie sich von
gesellschaftlichen Mißständen distanzieren müssen: Johannesoffenbarung
18,4: "Und ich hörte eine andere Stimme vom Himmel, die sprach: Geht
hinaus aus ihr (der Stadt 'Babylon'), mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an
ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen!"
*) Die Website Christuswege.net verfolgt keine politischen
Zwecke. Hier werden zu diesem Thema nur allgemeine Anregungen gegeben.
**) Siehe auch unsere Seite "Grundlagen der Ethik"
Siehe auch unsere Extraseite "Christliche Gesichtspunkte
zu Wirtschaft und sozialen Fragen"
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Der Philosoph Prof. Dr. Jürgen Habermas ***), bisher als unreligiös betrachtet, erkannte die Wichtigkeit religiöser Vorstellungen auch als Wurzel der Werte und des sozialen Zusammenhalts einer weltlichen Gesellschaft. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen, geschaffen mit der Fähigkeit und dem Recht auf Freiheit, könne auch "religiös Unmusikalischen" - wie er sich einschätzt - etwas sagen. Die Welt bleibe angewiesen auf Versöhnung und Vergebung - also auf Werte, die der Religion entstammen. Er bezieht sich auf das "Leiden der unschuldig Misshandelten, Entwürdigten und Ermordeten, das über jedes Maß menschenmöglicher Wiedergutmachung hinausgeht". "Die verlorene Hoffnung auf Auferstehung hinterläßt eine spürbare Leere" (in der säkularen Gesellschaft).
Bei aufgeklärten Christen findet Habermas gewichtige Vorleistungen, die
nun umgekehrt auch weltliche Denker gegenüber diesen Christen zu leisten
hätten:
- Das religiöse Bewusstsein müsse die erkenntnismäßig
"dissonanten" Begegnungen mit anderen Konfessionen und Religionen
verarbeiten. Anmerkung: Immerhin ist im Abendland eine gewisse Zivilisierung
des Umgangs zu verzeichnen, die aber auch begrenzt ist. Gesichtspunkte, die für
einen ökumenischen oder interreligiösen Dialog wesentlich sein können, finden
sich in unserem Haupttext verstreut, und in einigen Extraseiten, z.B. betr. der Kirchen
und betr. Ethik.
- Es müsse sich weiter auf die wissenschaftlichen "Autoritäten"
einstellen. Anmerkung: aus Sicht dieser Website ist der wissenschaftliche
Mainstream (Mehrheit) oft keineswegs auf dem oft betonten neuesten möglichen
Stand, oder wollte diesen aus wirtschaftlichen u.a. Gründen nicht wahrhaben.
Diese Form von Autorität ist daher in vielen Fragen zweifelhaft geworden. Auch
im wissenschaftlichen Bereich fehlt es an interdisziplinärer Offenheit, und an
dem nötigen Pluralismus. Dies gilt auch gerade für wesentliche Fragen, die das
Menschenbild berühren, etwa in der Gentechnik (deren Problematik Habermas auch
erwähnt); aber auch in den übrigen Naturwissenschaften. Dies Problem wird an
mehreren Stellen unseres Haupttextes entlang der Schritte der Evangelien
aufgegriffen. Es ist aber richtig, daß ein Dialog zwischen Religion und
Wissenschaften notwendig ist. Nur müssen dann unserer Erfahrung nach auch die
neueren Strömungen der Naturwissenschaften **) einbezogen werden, d.h. auch
"Außenseiterforschung" usw. Außerdem müssen dann vonseiten der
Religion auch Erkenntnisse einbezogen werden, die aus der bewussten Verarbeitung
religiöser Tiefenerfahrungen stammen, statt bloßer theologischer Denkgebäude.
Nur so ist es möglich, nicht aneinander vorbeizureden. Bisherige Dialoge auf
der Basis veralteter wissenschaftlicher Paradigmen (Grundvoraussetzungen,
Weltbilder) bzw. verkürzter Vorstellungen von Christentum greifen daher zu
kurz. Auch Geisteswissenschaften könnten von einem solchen Prozeß profitieren,
in dem der Mensch wieder zu einem Menschen wird, seine Seele wieder zur Seele,
statt zu einer bloßen chemischen Hirnfunktion.
- Das religiöse Bewusstsein müsse sich auf die "Prämissen eines
Verfassungsstaates einlassen...". Er verweist darauf, welche
Destruktivität sich ohne diesen Schritt im religiösen Bereich ergeben kann. Anmerkung:
Diese Anpassung von modernen Christen an freiheitliche Werte ist teilweise auch
ein Schritt in Richtung der Ursprünge vor der Verquickung des Christentums mit
staatlichen Zwangsinstrumenten seit 325 n.Chr.
Während also christliche bzw. religiöse Kreise sich im Umgang mit weltlichen Einrichtungen meist an deren Sprache anpassten, müßten sich nun nach Habermas die rein weltlich denkenden und sprechenden Kreise im Dialog mit Christen bzw. religiösen Menschen auf deren eigentliches Denken einstellen, statt "das, was einmal gemeint war", bloß zu "eliminieren". Säkulare Mehrheiten dürften in für Gläubige wesentlichen Fragen keine Mehrheitsentscheidungen durchdrücken, ohne ernsthaft geprüft zu haben, was sie selbst von dem Einspruch von dieser seite lernen können. Anmerkung: Nun denn, sollen in der Tat Naturwissenschaftler, Politiker, usw. sich im Gespräch mit Christen tatsächlich auf das gewisse "Etwas", einstellen, das in Begriffen wie "die Schöpfung bewahren", "Geschöpf", selbst "Mensch" usw. zusätzlich mitschwingt, gegenüber Begriffen wie Kosmos, Biosphäre, Ökologie, Lebewesen, Homo Sapiens... .
Habermas setzt auf eine vermittelnde "dritte Partei" zwischen Religion und Wissenschaft: einen "demokratisch aufgeklärten Common sense" (Gesunder Menschenverstand/ -Vernunft); und dies in einer "post-säkularen Gesellschaft", die sich auf den Fortbestand religiöser Gruppen einstellt. Anmerkung: Das funktioniert bisher z.B. in Deutschland nur wenig, oder nur, insofern zumindest die grossen Kirchen mehr oder weniger in Diskussionsprozesse einbezogen werden müssen. In den USA z.B. genießt zwar die religiöse Betätigung der Einzelnen eine größere Achtung; aber die religiösen Werte kommen dafür dort in einer Form in der säkularen Gesellschaft an, daß sie oft kaum wiederzuerkennen sind.
*) FAZ/ SZ 15.10.2001 oder deutscher Internettext;
**) siehe auch unsere Seite "Naturwissenschaft und
Gottesglaube"
***) Anmerkung: Habermas und weitere philosophische Richtungen:
Jürgen Habermas gehörte
neben Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse zur "Frankfurter
Schule", die mit ihrer "kritischen Theorie" die Studentenbewegung
von 1968 erheblich beeinflußte, und damals abgewandelte neomarxistische,
aufklärerische und atheistische Denkweisen einbezog.
Aus einer konservativen philosophischen und theologischen Sicht hat besonders Günter
Rohrmoser seit 1969 die Theorie und Praxis der 1968er-Bewegung kritisiert.
Er sah deren "Utopie" als Ersatzreligion (und damit als Konkurrenz zur
kirchlichen "Heilslehre / Eschatologie"), und versuchte dem gegenüber
z.B. die alte Lehre des Augustinus von "zwei (gottgewollten) Reichen"
- Religion und Staat - zu retten.
Sowohl Vertreter der Frankfurter Schule als auch deren konservativ-christliche
und wirtschaftsliberale Gegner waren und sind teils heute noch groß darin,
einseitig alle Argumente aufzulisten, die so gegen die jeweils Anderen zu
sprechen scheinen, bzw. die überhaupt die "Gegenseite" fälschlich
als einheitlichen Block darstellen. So haben die einen die Chance versäumt,
differenziert danach zu suchen, was von der traditionellen Werteordnung
erhaltungswürdig ist; und die Anderen versäumten, differenziert darauf
hinzuschauen, was an den neuen sozialen Bewegungen jenseits ideologischer
Verzerrungen das berechtigte - gegen formalistische Autoritätsgläubigkeit
gerichtete - Motiv war. Allerdings haben viele Menschen in Deutschland und
anderswo seither einige Fortschritte in dieser Diskussion gemacht, weil sie
nicht mehr bereit waren, sich in die alten "Frontlinien" von 1968
hineinpressen zu lassen. In der Forschung ist dieser Fortschritt allerdings noch
nicht ausreichend nachvollzogen - da gibt es immer noch Bücher, wo der Gegner
für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht wird, und wo das Handeln der
eigenen Freunde fleckenlos erscheint.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis.
Genesis 1:26-28 "Dann sprach Gott: laßt uns Menschen machen als unser Abbild**), uns ähnlich. Sie sollen herrschen über ... die ganze Erde... " heißt keineswegs, - wie es praktisch umgesetzt wurde - daß der Mensch verantwortungslos mit der Umwelt umgehen darf. Vielmehr ist hier von der ursprünglichen Vision einer Menschheit die Rede, als zuletzt hervorgebrachte Spitze der Schöpfung mit gottähnlichen Eigenschaften. Daher ging es um die natürliche Autorität eines Menschen, der die anderen Wesen "benennen" konnte, und sehr wohl verantwortlich mit ihnen umgehen konnte. Genesis 2:15 benennt diese Verantwortung so: "Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte / bewahre". Dieses "Hüten" bezieht sich auf eine lebendige Schöpfung, die sich weiter entfaltet. Der Mensch ist später (vgl. Paradiesgeschichte) aus dieser Einheit mit Gott und seiner Schöpfung herausgefallen, und wurde egoistisch. Da nun die Grundlage entfallen war, muß der Mensch sich nun alle geistigen Grundlagen neu erarbeiten, statt auf paradiesische Vollmachten zu pochen.
Auch im Neuen Testament wurde die Schöpfung wichtig genommen:
In Römer 1:20 heißt es, daß "Gottes unsichtbares Wesen, seine
ewige Kraft und Gottheit seit Erschaffung der Welt an den Werken der Schöpfung
erkannt". Römer 8:19 "Denn das sehnsüchtige Harren der
Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes" (andere
Übersetzung; "auf den erlösten Menschen", d.h. auf vollkommener
gewordene Menschen.) Römer 8:22 Denn wir wissen, daß die ganze
Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Markus
16:15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt und prediget das
Evangelium der ganzen Schöpfung. (s.a. Kolosser 1:23).
Jetzt hilft Jesus Christus. Auch er nimmt jedoch dem Menschen nicht die
Verantwortung für Mitmenschen und Mitgeschöpfe ab; sondern hilft, daß
Menschen "vollkommen sein sollen wie der Vater im Himmel" (Matthäus
5:48), d.h. so, wie es ursprünglich gedacht war - sodass sie ihre
Verantwortung wahrnehmen können. Erst dadurch wird die Schöpfung wieder eins.
Nur setzt dies voraus, daß sie diese Hilfe auch annehmen. Ein Fortfahren des
Menschen ohne Gott wird in Römer 1:20 sogar "unentschuldbar"
genannt.
In der Johannes-Offenbarung (zu ihrem Charakter siehe
Teil 2 unseres Haupttextes) werden zwar u.a. katastrophale Entwicklungen
angeführt, die die Menschheit bzw.Teile davon, und die übrige Natur betreffen
können. Aber nirgends werden diese Begleiterscheinungen in einer Zeit
göttlicher Korrekturen als positiv bzw. als die eigentlichen göttlichen Ziele
gezeigt; und nirgends werden in der Offenbarung Menschen entschuldigt, die
ihrerseits zum Artensterben oder anderen Katastrophen beitragen, und schon gar
nicht werden sie dazu aufgefordert, dazu beizutragen.***) Vielmehr wird diese
leichtfertige Zivilisation in der Offenbarung äußerst kritisch gesehen.
Die Offenbarung ändert nicht die positive Vision des übrigen neuen
Testamentes, z.B. der Bergpredigt (Matth. 5 "Die Sanftmütigen
werden das Erdreich besitzen ...").
Zum "Kreationismus", besonders im englischsprachigen Raum verbreitet: unsere Seite vertritt keine Art von -"ismus". Die Schöpfung der Welt und des Menschen läßt allerdings tatsächlich statt des reinen Zufallsprinzips göttliche Weisheit erahnen. S. auch unsere Seite "Naturwissenschaft und Gottesglaube". Auch Zweifel an manchen nicht gesicherten archäologischen bzw. erdgeschichtlichen Zeitangaben sind zulässig. Aber Diejenigen, die obendrein die "7 Schöpfungstage" in der Genesis als 7 Tage im heutigen Sinn mit 24 Stunden verstanden haben, sollten dies als eine Interpretation erkennen: damit sollte der Glaube nicht stehen oder fallen. Die heutigen Tage setzen die fertig entstandene bzw. geschaffene Erde samt ihrer heutigen Drehung voraus, was es ja am Anfang alles nicht gab. Schon in der Bibel selbst wird festgestellt "für Gott sind tausend Jahre wie ein Tag". Die 7 Tage dürften sehr wohl etwas Reales bedeuten, aber "Zeiträume", "Schöpfungszyklen" mit nicht näher genannter Dauer. Ausgerechnet die umfangreichsten Schöpfungsprozesse als die kürzesten anzusehen, dürfte angesichts neuer Entdeckungen bald ebenso wenig haltbar sein, wie viele bisherige archäologische Vorstellungen. In der Bibel genügend angedeutet ist, daß sich Gott schon vor Mose Menschen wie Henoch und Noah offenbaren konnte. Unsere heutige Schöpfungsgeschichte dürfte auf eine alte mündliche, später schriftliche Überlieferung aus solchen - echten - Ursprüngen zurückreichen, von der sich Teile auch in anderen Kulturen erhalten haben. In der Forschung bekannt sind z.B. einige auffällige Ähnlichkeiten mit dem sumerischen Gilgamesch-Epos. Das heißt nicht, daß die Genesis dort abgeschrieben sein müßte. Aber es erinnert daran, daß Abraham aus Mesopotamien stammte.
*) Diese Website ist nicht politisch tätig.
Daher werden hier nur allgemeine Maßstäbe diskutiert, und keine
Handlungsanleitungen für einzelne politische Sachfragen der Gegenwart.
**) Dies könnte als eine spezielle Form eines pan-en-theistischen Ansatzes
("Gott ist auch in seiner Schöpfung wiederzufinden") gesehen
werden - nicht zu verwechseln mit Pantheismus ("Gott ist alles"). Die
direkteste Beziehung Gottes zur Schöpfung kommt hier jedoch mit Hilfe des
Menschen zustande (vgl. auch Joh. 14:21, 14:23, 15). Und selbst diese kommt erst
in dem Maße praktisch zur Geltung, in dem der Mensch dessen immer bewusster
wird, und er Christus immer verwandter wird. Auch die Freude an der Schöpfung
kann zu Gott führen; aber bei einer solchen Schöpfungsmystik sind stattdessen
auch erhebliche Abwege möglich, wo Gott nur noch ein Wort für die eigenen
materiellen Angelegenheiten und Wünsche wäre.
***) Das mag im deutschsprachigen Raum selbstverständlich sein; aber in den USA
z.B. ist das nicht Allen klar.
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Der Beginn menschlichen Lebens:.
Das Menschenbild konservativer wie auch kritischer Christen stimmt
darin weitgehend überein, daß menschliches Leben schon mit der Zeugung
beginnt.
Die Bibel zeigt in vielfacher Weise menschliches Leben als Einheit; von seinem
göttlichen Ursprung - über das Weitergeben des Lebens durch die Generationen -
bis zu den verschiedenen Alters- bzw. Entwicklungsstufen des Einzelnen. Es ist
darin nicht angelegt, von "Leben ohne Wert bzw. ohne Menschenwürde"
in irgend einer Zeit vor der Geburt, oder in irgend einem Zustand von Alter und
Krankheit zu sprechen.
Prof. Böckle nennt im "Handbuch der christlichen Ethik" aus
der Geschichte einige Theologen - in deren Originaltexten so teils nicht
auffindbar - die statt der Zeugung die kurz danach erfolgende Einnistung
(Nidation) als wesentlichen Zeitpunkt angenommen hatten.
Moderne Naturwissenschaft möchte meist wertfrei sein. Aber auch
naturwissenschaftliche Befunde zeigen nur fließende Übergänge zwischen dem
Stadium der befruchteten Eizelle und dem erwachsenen Menschen. Wo immer in der
Gesellschaft Grenzen gesehen werden mögen, ab denen menschliches Leben beginne,
sind diese also willkürlich. So z.B. der Embryologe Erich Blechschmidt: das
einst von Haeckel angenommene "biogenetische Gesetz", wonach
der Embryo tierische Stadien aus der Entwicklungsgeschichte wiederhole, ist
veraltet: jedes Organ entfaltet sich planmäßig auf seine Rolle im Menschen
hin. Die Reaktionen des Embryos können heute mit Ultraschall gefilmt werden.
Ebenso betonte der Humangenetiker Prof. L. Lejeune, daß schon die Gene
in der befruchteten Eizelle den Plan des erwachsenen Organismus des Menschen
enthalten; wir würden sagen, sie sind das physische Gegenstück dieses Planes.
Auch aus der Hirnforschung, der Entwicklungsneurologie, und der Psychologie gibt
es verwandte Erkenntnisse. Auch Bewusstseins- und Erinnerungsvorgänge können
bei ganzheitlichem und unvoreingenommenem Forschen in immer früheren
Entwicklungsstadien ertastet werden.
So hat diese Wertvorstellung auch über die Grenzen religiöser Kreise hinaus
Bedeutung.
Eine andere Frage ist jedoch der praktische Umgang mit
solchen Anschauungen.
Das Gebot "Du sollst nicht töten" - Exodus 20 - wurde in der
Zeit des Alten Testamentes im Sinne von "Du sollst nicht morden"
verstanden ; wobei die Vorstellungen, was Mord ist, und was Tötung, später
wechselten. Im weiteren Sinne wird der Maßstab des Gebotes für alles
menschliche Leben angewandt, und von Vegetariern sogar darüber hinaus auf das
Tierreich. Der moderne Ansatz eines interreligiösen "Weltethos" **
enthält "eine Kultur der Ehrfurcht vor allem Leben" als
Leitbild.
Auf jeden Fall aber ist - wie es in jeder seriösen Schwangerschaftsberatung
geschieht, auch wenn sie gerne zum Austragen des Kindes ermuntern und Hilfen
geben möchte - die individuelle Lebenssituation der Betroffenen mit ihren
Schwierigkeiten, Ängsten, Gewissensnöten usw. ernst zu nehmen, statt daß
pauschal alle verdammt werden, die sich mit dem Gedanken tragen, abzutreiben.
Frauen machen sich die Entscheidung in den meisten Fällen keineswegs leicht.
Auch ist die Mitverantwortung der Männer und des Umfeldes zu bedenken, statt
das Problem einseitig der Frau zuzuschreiben.
Wenn es darum geht, Schwangerschaftsabbrüche so weit wie möglich zu verringern
oder letztendlich zum Verschwinden zu bringen, dann ist es über individuelle
Bemühungen hinaus vor allem nötig, auch gesellschaftlich ein Leben mit Kindern
zu erleichtern; also Probleme anzupacken, die heute Anlässe für einen Teil der
Abtreibungen bieten - statt z.B. sich darin zu überbieten, auch für sozial
Schwache weitere Lasten zu fordern.
Die rechtlichen Fragen *:
Jesus Christus legte den Menschen nahe, sich bewusst zu ethischem,
moralischem Verhalten zu entscheiden, statt vorwiegend auf den Druck einer
äußeren gesetzlichen Norm oder Sitte zu bauen, wie es in alttestamentarischer
Zeit war. Dennoch können rechtliche Normen ethischen Fragen eine Stütze
geben, wie es auf fast allen Gebieten des Lebens versucht wurde.
Strafrechtliche Regelungen (wie der deutsche §218), ob streng oder
liberal, haben im internationalen Vergleich anscheinend nur eine beschränkte
Wirkung auf die Zahl der Abtreibungen. Dementsprechend sind, wie schon erwähnt,
zur Lösung mehr andere Bemühungen notwendig.
Der Zusammenhang mit Gentechnik und Fortpflanzungsmedizin:
Auch bei wissenschaftlichen Forschungen und bei künstlichen Befruchtungen gibt
es international einen "Embryonenverbrauch", der z.B. durch das
deutsche Embryonenschutzgesetz zu beschränken versucht wird. Zur Zeit
bietet die Präimplantationsdiagnostik (PID) eine neue Versuchung, zusätzliche
Abtreibungsursachen zu schaffen.
Konsequenzen auf anderen Gebieten:
Wo es um Lebensschutz geht, müßte es übrigens auch um alle Gefahren gehen,
denen die bereits Geborenen ausgesetzt sind - und insbesondere um diejenigen,
denen geborenes und ungeborenes Leben gemeinsam ausgesetzt sind. Umweltgefahren
treffen Mütter und den Embryo, den empfindlichen Embryo sogar stärker als die
Erwachsenen. Das wurde von Lebensschützern oft übergangen; wie umgekehrt
Viele, die sich für die Umwelt einsetzten, sich nicht um das Problem der
Schwangerschaftsabbrüche kümmerten, was z.B. Franz Alt schon 1985
bekümmerte.
*) "Christuswege" ist keine
politische Website. Es wird hier gegen Niemanden geschrieben, und keine
politische Forderung gestellt, sondern nur über allgemeine Maßstäbe
informiert.
**) Siehe u.a. unser Extrakapitel "Grundlagen ethischer Werte"
Teil 4, Das Alte Testament, und Beiträge zum Dialog mit anderen Religionen.
Diese zusätzliche Seite ist ein Beitrag zum besseren Verstehen des Alten Testamentes und zum interreligiösen Dialog. Damit ist nicht der Anspruch verbunden, die alttestamentarischen Schriften ähnlich ausführlich zu behandeln, wie dieses Webprojekt etwa die Evangelien und die Apostelgeschichte (Pfingstereignis) behandelt. Dennoch können später erweiterte Beiträge zu diesem gemeinsamen Erbe von Juden und Christen erscheinen.
Zum Verhältnis der heiligen Schriften zueinander
Jesus Christus und seine Jünger bezogen sich oft auf die bei ihren Hörern bekannten Heiligen Schriften. Dies ist einmal das Alte Testament. Es enthält eine Schöpfungsgeschichte, Bücher über die Geschichte der Juden, Gesetzesschriften, prophetische Schriften, Psalmen, Apokryphen usw. Jesus und die Jünger stellten dar, daß ihre Arbeit die Inhalte der älteren Offenbarungen zwar nicht aufhebt; daß sie aber nicht in erster Linie als Schriftausleger kommen, sondern daß es jetzt um das Leben aus dem unmittelbaren Kontakt mit Gott und Christus heraus geht. (S.a. "Grundlagen ethischer Werte" und den Haupttext von "Christuswege.net".) Dadurch ergeben sich dann gegenüber dem Alten Testament neue Sichtweisen.
Im Neuen Testament finden sich jedoch auch viele Bezüge zu anderen Glaubensrichtungen der damaligen Zeit. Z.B. das Johannesevangelium spricht offensichtlich vielfach zu Jenen, die gnostische Weisheitslehren kannten, um diesen vor ihrem eigenen Hintergrund gerade auch das abweichende, spezifisch Christliche zu erläutern. Ein einfaches Beispiel ist schon die Bezeichnung "Er war das wahrhaftige Licht..." in Joh.1. Einige Paulusbriefe usw. berücksichtigen ebenfalls den Kenntnisstand von Menschen aus dem Umkreis der alten Mysterienreligionen, eher mehr als die jüdischen Überlieferungen. Jemand, der diese Traditionen nicht kennt, wird das nicht bemerken. An solchen Stellen des Neuen Testamentes sind keine pauschalen Verdammungsurteile gegen alle nichtjüdischen alten Schriften zu finden. Solche Urteile finden sich nur an den Stellen, wo ausgesprochene Mißbräuche konkreter, degenerierter Kulte angesprochen wurden, um die Menschen vor solchen Wegen zu warnen (z.B. die Tempelprostitution). Der alte, gesetzmäßigere Weg der Mission war es, Menschen da abzuholen, wo sie standen; statt zu verlangen, daß sie ihre gesamte Biographie einfach vergessen sollten - was eher zusätzliche Brüche im Bewusstsein erzeugt - statt Erlösung zu bringen, die Brüche heilt. Menschen anderer Herkunft wurde nicht abverlangt, daß sie zuerst die gesamte jüdische Tradition aufnehmen müßten. Sie waren insofern den Juden gleichberechtigt (vgl. z.B. Apostelgeschichte 15,19). Gleichwohl gab es darüber zwischen den Jüngern Auseinandersetzungen, die heute noch vorkommen.
Das Werk Jesu war zwar in dieser Form damals nur denkbar auf dem Hintergrund des Gottesglaubens und der Hoffnungen auf einen grundlegenden, auch die übrige Welt betreffenden Wandel, wie dies in Israel durch die Propheten vorgezeichnet war. Allerdings wäre es seither sehr wohl möglich, das Christliche auch auf der Basis weiterer religiöser Traditionen statt des Alten Testaments herauszuarbeiten. Dies wurde in den ersten Jahrhunderten z.B. auf der Basis der gleichfalls monotheistischen Religion Zarathustras heraus versucht. (...) Diese Versuche sollen an dieser Stelle nicht be- oder verurteilt werden. Jedenfalls war das Werk Jesu zum damaligen Zeitpunkt nur auf dem Hintergrund der
Die jüdische Religion (Judaismus) hat nach der
hebräischen Bibel einige weitere Schriften hervorgebracht, wie die
Rechtsgrundlagen (Mischna) und Kommentare (Gemara) des Talmud
- in den Fassungen von Babylon und Jerusalem -. Wo entsprechende Teile des
Judentums erstreben, die 613 Gesetze (Halacha) formalistisch anzuwenden - statt
eine Situation unter Beachtung der Liebe Gottes vorurteilslos anzuschauen -,
gibt es schwere Probleme. Ähnliche Probleme können z.B. bei einer
schematischen Anwendung des Kirchenrechts (und selbst des weltlichen Rechts)
entstehen.
Weiter sind die Grundlagenwerke der mystisch - esoterischen Richtung, der Kabbalistik
zu nennen: Zohar (Sohar) / Sepher
Jezirah. Diese werden dem 13. Jahrhundert zugerechnet, dürften
aber auf ältere Überlieferungen zurückgehen; Einiges erinnert sogar an das
alte Ägypten. (Auch heute gibt es eine jüdische Mystik
.)
Zu den Gottesbildern
"Der Gott Abrahams" wurde sowohl als persönlicher
Gott der Familie, des Stammes und des Volkes Israel erlebt; andererseits auch
als Gott des Universums. Dieser Glaube hat erst mit der Zeit die strenge
monotheistische Form angenommen, zu dem die Propheten immer wieder aufriefen.*
Anfangs wird Gott im Alten Testament "Elohim" genannt, - d.h.
"göttliche (Schöpfer)geister" und nicht etwa materielle
Außerirdische mit gentechnischen Experimenten usw., wie heute in manchen
Büchern spekuliert wird -; soweit es teils problematische Einflüsse auf die
Entwicklung der Erde gab, sind diese hinzugekommen. Die semitischen Worte „Elohim"
und „Allah" (islamische Gottesbezeichnung) haben sicherlich denselben
Ursprung, desgleichen "El" der Kanaaniter.
Der Name Jahweh/ Jehovah/ JWHW tritt im Alten Testament erst später auf. Beim Näherkommen Gottes im Laufe der Epochen, so mystische und geisteswissenschaftliche Quellen wie Lorber oder Steiner, sei u. a. das Erleben von Gott als Jehovah entstanden. Nur die Übersetzungen verwenden leider immer dieselben Bezeichnungen, wo im Original viele verschiedene Gottesnamen stehen. So wird die jeweils unterschiedliche Erlebensart durch die Menschen der verschiedenen Epochen übergangen. Die echte Gotteserfahrung als Jehovah wurde möglicherweise zeitweise menschlich getrübt; und sogar negative Wesen könnten in diesem Zusammenhang zeitweise Leute irregeführt haben. Viele modernen verwirrenden Theorien würden ihre Lösung finden, wenn dieser Gesichtspunkt bedacht würde. Es ist ein Phänomen in vielen Religionen, daß Menschen, deren Spiritualität verflacht war, und die z.B. voll von Haß waren, nur wenig für die korrigierenden Worte von Propheten offen waren. So müssen sich nicht alle Einzelheiten im Alten Testament auf den wirklichen „Jahwe" beziehen, und auf „JHWH" im Sinne der Erläuterungen von Prof. J. J. Hurtak/ USA. Aber das heißt nicht, daß jedes alttestamentarische Geschehnis aus der menschlichen Logik unserer heutigen Gesellschaft bewertet werden könnte. Gott weiß besser als wir, was er warum tut, und was er warum von Menschen möchte.
Der Messiasglaube und Christus
„Christos" ist schon in der Septuaginta, der von Juden für Juden im 3./2. Jahrhundert vor Chr. angefertigten Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische, das Wort für „Meschiach", den prophezeiten Messias. Dies ist somit keine Erfindung des Paulus, wie einige moderne Schriftsteller glaubten. Die Schriftrollen von den Höhlen im Umkreis des Toten Meeres (Qumran) zeigen, daß tiefgläubige Juden gerade in den Jahrzehnten/ Jahrhunderten vor Chr. ein messianisches Friedensreich erwarteten, wie es in Jesaja 11 beschrieben ist. Aber schon damals gab es unterschiedliche Auslegungen über das Wesen des Messias – wie auch die Jünger Jesu es recht schwer hatten zu verstehen, daß es bei dem angesagten neuen „Königreich" nicht um eine äußerliche nationale Revolte gegen die Römer ging, sondern um eine spirituelle, alles verwandelnde Entwicklung, ein "Reich des Himmels".
Die Gemeinschaft von Qumran wird oft zu den strenggläubigen,
spirituellen Essenern gerechnet, der dritten grundlegenden Schule des damaligen
Judentums neben den Pharisäern und Sadduzäern. Genau genommen handelte es sich
eher um eine den Essenern nahestehende, unabhängige Gemeinschaft, die zu den
anderen Strömungen im damaligen Judentum gute Kontakte hatte, neben den
friedlichen Essenern auch zu den ebenfalls eigenständigen militanten „Zeloten",
und zu den Pharisäern in Jerusalem (letztere vertrauten dieser Gemeinschaft in
der Not selbst die Aufzeichnungen über den Tempelschatz an; offenbar galten sie
trotz unterschiedlicher Ansichten als absolut vertrauenswürdig). Die „Gemeinderegel"
1QS enthielt Angaben über die Messiaserwartung. Es wurden sogar 2 Messiase bzw.
2 Abstammungslinien eines solchen erwarteten Messias erwähnt, die nach
dem damaligen Recht auf Jesus zutreffen könnten: durch Joseph aus dem Hause
David und durch Maria aus dem priesterlichen Linie von Aaron (Dies erwähnt z.B.
auch Carsten Peter Thiede, der im Auftrag der israelischen
Antikenbehörde mit diesen Schriftrollen befaßt ist).
Die Prophezeiung aus Micha 5,1, wonach der Messias aus Bethlehem stamme,
scheint in diesen Kreisen, die die Messiaserwartung pflegten, keine Bedeutung
gehabt zu haben. Dennoch bezieht sich z.B. der Evangelist Matthäus darauf. Von
Manchen wurde dies leichtfertig als seine Erfindung betrachtet, da Jesus aus
Nazareth stamme.**
Die Stelle beim Propheten Daniel 9:25 wird oft auf Jesus bezogen: Von der Anweisung zum Bau des 2. Jerusalem (s. Nehemia 2:18; ca. 445 v.Chr.) bis zum Tod des (2.) Gesalbten würden zusammen 69 "Wochen" vergehen. Sind darunter "Jahrwochen" aus je 7 Jahren zu verstehen (vgl. die Bedeutung der "Sabbatjahre" usw.), dann würde dies in der Tat ungefähr auf die Zeit der Kreuzigung verweisen.
Übereinstimmungen zwischen jüdischen und christlichen Theologen betreffend Jesus.Zwischen Juden und Christen blieb u.a. umstritten,
- ob Jesus der prophetisch vorhergesehene Messias war;
- wie die Kreuzigung und der Auferstehungsglaube zu sehen ist;
- wie die christliche Lehre vom umfassenderen - über das Judentum
hinausgehenden - Volk Gottes zu verstehen ist;
- wie das Verhältnis zwischen Jesus und Gott genau war.
(Allerdings gibt es darüber hinaus auch einige Juden und Christen mit extremer
Kritik gegen die jeweils andere Religion. Im interreligiösen Dialog
spielen diese praktisch keine Rolle.)
Für eine auf das Christentum oder
Judentum als Religionsgemeinschaften festgelegte Theologie schwer verwertbar,
aber für andere Kulturkreise umso interessanter könnte die Anregung R.
Steiners sein, in Christus ein Wesen zu sehen, das sehr wohl in vorchristlichen
Zeiten einigen höheren Weisen bekannt war; das zum Ausdruck kam in Vishwas
Karman der Hindus, Ahura Mazda der Parsen, dem sonnenhaften Wesen Osiris der
Ägypter, und im keltischen Belemis = Baldur, Apollo. Siehe auch das Kapitel
„Im Anfang war das Wort..." in diesem Text.
Siehe auch z.B. zur Christologie Rudolf
Steiners s. u. a. die Vortragssammlungen:"Die Geistigen Wesenheiten in den
Himmelskörpern", 1912;"Vorstufen zum Mysterium von Golgatha",
1913, 1914; "Von Jesus zu Christus"; "Christologie". **)
Vor 2000 Jahren sehen wir dann die Verkörperung des Christus auf der Erde, als Maßstab an einem Umkehrpunkt der Weltentwicklung, diese bzw. die Menschheit gleichsam auf sich nehmend, sie wiederaufnehmend in sein Leben. Einige der erwähnten ehemaligen Kulte sind z.T. degeneriert, wie später das Christentum oberflächlich wurde, aber eine Forschung in solchen Richtungen würde trotzdem Bedeutung haben. Christus würde sich als etwas zeigen, was nicht in die ihm manchmal zugedachte Rolle als Machtgarant einer gesonderten Religionsgemeinschaft paßt. Ein Wesen, das gerade auch das erneuerte allgemein Menschliche verkörpert, den „neuen Adam" von Golgatha.
Wer sich nicht sicher ist über die Identität von Jesus/ dem Messias und Christus, mag Gott im Gebet um mehr Erkenntnisse bitten.
*) Zur Entwicklung des Judentums vom Altertum über die katastrophalen Ereignisse in der deutschen Geschichte bis zur Gegenwart s. a. Prof. Hans Küng, Das Judentum. Wesen und Geschichte, Sonderausgabe 2007. Er strebt eine integrierte Forschung an, die trotz Archäologie und kritischer Forschung die alten Schriften als inhaltliche Quellen ernst nimmt - und die sowohl Christen als auch Juden Einiges zum Nachdenken auf den Weg gibt. (Wir teilen nicht alle dort wiedergegebenen Folgerungen aus historisch-kritischer Forschung. Z.B. erschienen Geschehnisse mit Jesus manchmal zu sehr als rein subjektive Erlebnisse; Küng ist jedoch offen für eine eigenständige noch nicht erforschte Realität solcher Erlebnisse.)
**) Auch für die Zeit des Alten Testamentes gilt, daß die Forschung manche wertvolle Anregung erhalten könnte, wenn sie inspirierte/ visionäre Schriften in ihrem speziellen Charakter verstehen und zur Kenntnis nehmen würde; in diesem Fall neben Rudolf Steiner z.B. Anna Katharina Emmerich, "Das Geheimnis (Die Geheimnisse) des Alten Bundes". Betr. die „vorsintflutliche" Zeit und die neutestamentliche Zeit z.B. die Schriften durch das „Innere Wort" von Jakob Lorber: www.lorber-verlag.de ; sowie Rudolf Steiner. Die Erkenntnisse der Mystik bringen es auch mit sich, daß die These Einiger gar ganz vergessen werden kann, Jesus habe als historische Person nie existiert, oder sei ein einfacher Wanderprediger gewesen.
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Der interreligiöse Dialog
Die zusätzlichen Seiten dieses Internetprojekts zu verschiedenen anderen
Religionen sind ein Beitrag zum besseren Verstehen derselben und zum
interreligiösen Dialog, wie er seit vielen Jahren stattfindet. Diese
Anmerkungen zum Islam erheben nicht den Anspruch, den Islam insgesamt zu
charakterisieren, zumal es auch unterschiedliche Schulen des Islam gibt.
Der Koran und die anderen Schriftreligionen.
Islam bedeutet "Unterwerfung unter den Willen Gottes".
Die Heilige Schrift des Islam, der Koran wird aufgefaßt als Inspiration, dem
Propheten Mohammed vermittelt durch Gott bzw. durch den Engel Gibril - der mit
dem auch im Christentum bekannten Erzengel Gabriel identifiziert werden kann.
Sicher ist, daß dem Koran zentrale Bedeutung zukäme. Darüberhinaus spielen
zur Auslegung weitere Traditionen (Sunna; wörtlich: "Gewohnheit") mit
Überlieferungen aus der Zeit des Propheten (Hadith) eine Rolle. Auch ein
Prophet ist in seinem persönlichen Verhalten ein Mensch, kein Gott. Es ist auch
zu bedenken, daß es wie unter Christen auch Moslems gibt, die ihre Heilige
Schrift nicht genau kennen.
Christen bzw. Juden werden im Koran teils auch direkt als "Ihr Leute der Schrift" (Leute des Buches, z.B. Sure 4,171*) und. als "Ihr Kinder Israels" angesprochen. So können sie sich auch mit dem Koran*) befassen - auch wenn sie es meist nicht tun. Religionswissenschaft befasst sich jedenfalls mit den Heiligen Schriften aller Religionen, und erforscht u.a. die historische Entwicklung ihrer Auslegung**. Die Heiligen Schriften sollten jedoch mit Respekt studiert werden. Der eine Teil der moslemischen Koran- Kommentatoren schrieb, daß vom Koran eine Urform - wohlverwahrt bei Gott - existiert, die nur den reinen Engeln und den reinen menschlichen Gesandten zugänglich ist; ein anderer Teil von ihnen interpretierte, daß der Leser des auf der Erde vorliegenden Koran in einem reinen Zustand sein soll.
Der Prophet gilt als gesandt für eine "Zeit" (oder Zwischenzeit),
in der die Gesandten ausgeblieben sind (Sure 5,19*). Der Koran
unterscheidet Gläubige im Sinne der Lehren des Propheten Mohammed, "Leute
des Buches" (Leute der Schrift), und "Ungläubige". Mit den
"Leuten des Buches" sind insbesondere Juden und Christen gemeint, die
neben den Moslems auf derselben Tradition fußen; manchmal auch die
Zarathustrier (vgl. Sure 22,17*). Denn der Koran anerkennt auch eine
Kette der "Propheten", die alle übereinstimmende Lehren vom Einen
Gott, vom jenseitigen Gericht und dem Gebet für ihre Völker
bzw. für ihre Zeit gaben (z.B. Sure 6, 83-92; Sure 7, Sure 4,136*).
Insoweit Menschen dieser Religionen an diese gemeinsamen Grundlagen glauben,
werden sie im Koran selbst nicht zu den Ungläubigen gerechnet. (Sure 5,48
u.a.*) In den ersten Jahrhunderten des Islam wurde auf Christen und Juden
kein Zwang ausgeübt, zum Islam überzutreten (der Lehre im Koran entsprechend,
"In der Religion gibt es keinen Zwang", s. Sure 2, 256*).
Abraham gilt als einer der "Hanifen", die als Einzelne direkt zum
Glauben an den einen Gott fanden.
Allah - vorislamisch altarabisch al-ilah - hat als
semitisches Wort sicherlich denselben Ursprung wie "Elohim", einem
Gottesnamen der hebräischen Bücher Mose.
Als "Ungläubige" - wörtlich ungefähr: "Verhüller" - im
strengen Sinn galten zur Zeit des Propheten Mohammed die Polytheisten, bzw.
Götzendiener, gegen die er in Arabien kämpfte, und vor denen auch schon die
Bibel der Juden und der Christen gewarnt hat. Im weiteren Sinn gelten im Islam
heute DIejenigen als ungläubig, die nicht an den einen Gott und das Gericht
glauben. Manchmal wird der Begriff heute fälschlich pauschal auf alle
Nichtmoslems angewendet; manchmal sogar auf Moslems einer jeweils anderen
Richtung.
Jesus Christus.
Es sei darauf hingewiesen, daß der Koran Jesus in mehreren Stellen als
Propheten, als Gesandten Gottes, und auch als "Wort" Gottes mit
nicht näher erklärter Bedeutung, und als ein Geist von Gott anerkennt (Sure
4,171*), "erschaffen wie Adam" (Suren 2, 3, 5,...*). Er
gilt also in einem wohlverstandenen Islam auf jeden Fall mehr als bei jenen
modernen christlichen Theologen, die nur den Sozialreformator Jesus
übrigließen! Lediglich die Lehre von der - von den Christen der Zeit Mohammeds
schon sehr irdisch verstandenen - Gottessohnschaft Jesu im Rahmen der späteren
Dreifaltigkeitslehre wurde im Koran nicht akzeptiert; Christen, die das, was
ursprünglich gemeint war, noch so authentisch hätten erklären können, daß
auch Menschen mit anderem Ausgangspunkt das verstünden, gab es kaum noch. (Z.B.
Sure 6,101*). Im Römerbrief 1.4 heißt es, daß Jesus in seine Kraft
des Geistes der Heiligkeit "als Sohn eingesetzt" - also nicht geboren
- wurde. Mit der muslimischen Überzeugung, daß Gott ungeboren ist und Jesus
nicht geboren sondern erschaffen hat, damit könnten insoweit Christen
eigentlich übereinstimmen. Weiter ist der Begriff (griechisch)
"logos" - der in der Bibel gerade für die göttliche Herkunft bzw.
Sendung von Jesus Christus steht - in den Evangelien auch als "Das
Wort" (siehe oben) übersetzt worden, das im Koran für Jesus gebraucht
wird. Sind in den Inspirationen des Koran - wie in der Bibel - Geheimnisse
verborgen, die weder Muslims noch Christen bisher voll ergründet haben, sodaß
sie sich nutzlos um Begriffe streiten? Auch wo Christen diese Lehren so
präsentieren, daß sie als "Vielgötterlehre" verstanden werden
können, entspricht dies nicht der Art, wie Jesus selbst gelehrt hat:
"Betet in meinem Namen (d.h. innerlich verbunden mit Jesus) zum Vater
(Gott)" (Johannesev. 15:16). Alles dreht sich im Leben Jesu um den
einen Gott, mit dem er eng verbunden war, und zu dem gerade er die Menschen
hinführen kann.
Der Begriff "Logos" (im Johannesevangelium 1 das "Wort Gottes", eine Bezeichnung, die dort mit Christus verbunden ist) kommt in Parets Koran-Übertragung unabhängig von Jesus vor, wird aber in anderen Koranausgaben als Gottes "Angelegenheit" bzw. Gottes "Befehl" aufgefaßt (Sure 13,2 und 13,11*).
Der Koran sieht Jesus "wie Adam", den Gott aus Erde erschuf (Sure 3,59*) und spricht von einem "Gottgesandten" aus dem Geist Gottes, der Miriams (Marias) jungfräuliche Geburt Jesu vermittelte. (Sure 19,17-22*). In der christlichen Version kündigt der Engel des Herrn die Geburt Jesu aus dem Heiligen Geist an. Auch heißt es im Koran, Jesus wurde mit dem Heiligen Geist / Geist der Heiligkeit gestärkt (Sure 5,110*).
Lt. Koran kündigte der junge Jesus seine Auferweckung an (Sure 19,33*),
womit allerdings auch seine Wiederkunft am "jüngsten Tag" (dem
Gericht, mit der Auferstehung der Gläubigen, gemeint sein könnte, die im Koran
häufig genannt wird, s.u., Sure 4,159*) Der Koran spricht davon, daß
Jesus lebend in den Himmel erhoben wurde (Sure 4, 157 -159, Sure 3,55*).
Moslems und Christen sind sich nicht einig darüber, ob Jesus vor seiner
Himmelfahrt gekreuzigt wurde, starb und durch Gott den Tod überwand – wie